Maissilagen im Mittel gut

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Silomaisernte

Maissilagen im Mittel gut

Bisher wurden bei der LUFA NRW rund 500 Maissilageproben analysiert (s. Tabelle 1). Mit 33,5 % Trockenmassegehalt ergibt sich gegenüber den Vorjahren ein leicht geringerer Gehalt. Der Aschegehalt mit 34 g und der Rohproteingehalt mit 74 g/kg TM liegen etwas über dem Vorjahresniveau. Beim Rohfasergehalt werden mit 183 g/kg TM wieder die letztjährigen Gehalte erreicht. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist der Gehalt an Stärke, der in diesem Jahr 332 g/kg TM beträgt und damit die Zielvorgaben für qualitativ hochwertige Silage bestens erfüllt, aber dennoch geringer ausfällt als in den Vorjahren. Aus den Nährstoffgehalten ergibt sich nach Schätzgleichung ein mittlerer Energiegehalt von 6,80 MJ NEL bzw. 11,3 MJ ME/kg TM.

Auch in diesem Jahr auffällig sind die großen Unterschiede in den Analysenbefunden für die verschiedenen Maissilageproben. So variiert der TM-Gehalt von 18,2 bis 43,6 %. Bei der Stärke liegen die Werte zwischen 73 und 421 g/kg TM. Bei der Rohasche sind die höchsten Werte jeweils mehr als doppelt so hoch wie die niedrigsten Gehalte. Daraus ergeben sich stark schwankende Energiegehalte zwischen 5,9 und 7,5 MJ NEL/kg TM. Für die Futteraufnahme ist der Energiegehalt des Grobfutters von zentraler Bedeutung. Eine Veränderung der Energiekonzentration von 1 MJ NEL/kg TM führt gleichzeitig zu einer Änderung der TM-Aufnahme um 1 kg je Tier und Tag. Eine bessere Energieversorgung ergibt sich somit über eine höhere Energiekonzentration und über eine höhere Futteraufnahme.

Botanisch ist Maissilage eine Mischung aus Maiskörnern (Kolben) und Restpflanze (Maisstroh). In der chemischen Analyse spiegelt sich dieses über den Stärkegehalt und den Gehalt an Neutral-Detergenzien-Fasern (aNDFom) wider. Hierbei gibt der aNDFom-Wert eine Information über den Anteil an Zellwandmaterial, was auch für die Strukturwirkung des Futters und damit für die Pansengesundheit von großer Bedeutung ist.

In der Tabelle 2 sind die Analysenbefunde in Abhängigkeit des Stärkegehaltes für das untere und obere Viertel sowie den mittleren Bereich dargestellt. Mit zunehmendem Stärkegehalt steigt der TM-Gehalt. Rohasche, Rohprotein und aNDFom sinken. Die ELOS-Werte steigen um gut 40 g/kg TM, wenn vom unteren zum oberen Viertel gewechselt wird. Die Differenzen im Gehalt an NEL betragen rund 0,4 MJ/kg TM. Mit etwa 70 g Rohprotein pro kg TM gehört Maissilage grundsätzlich zu den rohproteinarmen Grobfuttermitteln. Die ruminale Stickstoffbilanz (RNB) ist mit etwa -10 g/kg TM sehr stark negativ. Für eine optimale Fermentation im Pansen muss deshalb unbedingt für eine Ergänzung mit Rohprotein über andere Futtermittel gesorgt werden. Geeignet sind Grassilagen, die in der Regel eine positive RNB in der Größenordnung von etwa 6 g/kg TM besitzen. Daneben kommen Rapsextraktionsschrot (+21 g RNB/kg TM) und Sojaextraktionsschrot (+32 g RNB/kg TM) zur Proteinergänzung in Frage. Ein Stickstoffmangel in der Ration zeigt sich sehr kurzfristig in niedrigen Milchharnstoffgehalten, die dann meist unter 150 mg/l Milch liegen.

In der Tabelle 3 sind die Untersuchungsbefunde aus verschiedenen Regionen Deutschlands dargestellt. Auffällig sind zum einen die sehr niedrigen Stärkegehalte in Bayern sowie in Schleswig-Holstein. Der Süden Deutschlands litt in 2015 unter großer Sommertrockenheit, so dass viele Maisbestände bereits Ende August notreif bzw. ohne richtige Kolbenausbildung geerntet werden mussten. Im Gegensatz dazu litt der Norden unter nasskalter Witterung, die trotz verspäteter Ernte keine ausreichende Abreife der Bestände zuließ. Im Vergleich dazu wurden in NRW deutlich bessere Qualitäten eingebracht, da Niederschläge und Temperaturen für einen erfolgreichen Maisanbau gerade noch passend waren.

Fazit

Im Durchschnitt der bisherigen Untersuchungsbefunde besitzen Maissilagen der Ernte 2015 Nährstoffgehalte, die innerhalb der Orientierungswerte für hochwertige Silagen liegen, so dass der energetische Wert als gut bis sehr gut zu beurteilen ist. Wie in den Vorjahren auch gibt es aber große Unterschiede zwischen verschiedenen Befunden. Mietenspezifische Analysen sind deshalb zwingend erforderlich, wenn der Futterwert der Maissilage richtig eingeschätzt werden soll.

Autor: Dr. Martin Pries, Annette Menke