Einphasige oder zweiphasige Trockensteherfütterung?

Rinderfütterung

Dr. Martin Pries, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster

Die Versorgung der Kühe in der Trockenstehzeit hat maßgeblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit in der folgenden Laktation. Für trockenstehende Kühe wird in der Regel eine zweiphasige Fütterung empfohlen. Die Phase 1 umfasst vier bis fünf Wochen mit energiearmen Rationen mit 5,5 MJ NEL/kg TM. Phase 2 dauert zwei bis drei Wochen. Bei Energiegehalten von 6,5 bis 6,7 MJ NEL/kg TM erfolgt eine Vorbereitung auf die Futtersituation nach der Kalbung.

Daneben gibt es Beratungsempfehlungen, insbesondere Kühe mit hoher Milchleistung und normaler Körperkondition für 30 – 40 Tage verkürzt trocken zu stellen. In dieser kurzen Trockensteherphase sollen energiereiche, meistens der Laktationsphase vergleichbare Rationen gefüttert werden. Bei einer solchen Vorgehensweise soll mit der Verlängerung der Laktation der Milchertrag steigen und ein extremer Futterwechsel mit nachteiligen Auswirkungen auf die Pansenfermentation vermieden werden.

In einem Versuch in der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt, Iden wurden die Effekte einer zweiphasigen und einer einphasigen, verkürzten Trockensteherfütterung auf Milchleistung, Futteraufnahme und Stoffwechselgesundheit verglichen (Engelhard u. a., 2007). In jeder Gruppe befanden sich 40 Kühe der Rasse DH, die sich bezüglich ihrer Vorleistungen nicht unterscheiden. In die Auswertungen wurden weitere 23 Kühe aufgenommen, die wegen geringer Leistung, hoher Zwischentragezeiten oder zu üppiger Körperkondition früher trocken gestellt wurden.

Versuchsaufbau

Die Tabelle 1 informiert über die Fütterung der verschiedenen Versuchsgruppen in der Trockenstehzeit.

In der Trockenstehpase 1 bestand die Ration aus Grassilage (67 %), Maissilage (21 %) und Stärke (9 %) sowie Mineralfutter. Die Ration für die Trockenstehphase 2 (Vorbereitung) bestand aus Futtermitteln der Ration für die melkenden Kühe.

Nach der Kalbung erhielten die Tiere aller Versuchsgruppen die gleiche TMR während der ersten 100 Laktationstage. Der Energiegehalt betrug 7,2 bis 7,3 MJ NEL/kg TM. Die nXP-Gehalte variierten zwischen 165 und 173 g/kg TM.

Leistungen im Versuch

Vor dem Trockenstellen lagen die Milchleistungen der einphasigen und zweiphasigen Trockenstehergruppen bei jeweils etwa 20 kg ECM je Tier und Tag. Für die einphasige, verkürzte Trockenstehergruppe bedeutet dies ein Mehrertrag von 420 kg Milch je Kuh gegenüber der zweiphasigen, normalen Trockenstehergruppe. Die Milchleistung der Tiere mit verlängerter Trockenstehzeit war mit 9 kg ECM pro Kuh und Tag wesentlich geringer. Über die Milchleistung und Futteraufnahme nach der Kalbung gibt die Tabelle 2 Auskunft.

Nach der Kalbung gaben die Kühe der einphasig kurzen Trockenstehergruppe gegenüber der zweiphasig normalen Trockenstehzeit weniger Milch bei gleichzeitig höheren Eiweißgehalten. Bei den Tieren mit verlängerter Trockenstehzeit zeigen die Milchfett- und geringeren Milcheiweißgehalte eine schlechtere Versorgungslage der Tiere an, die auch in den reduzierten Futteraufnahmen zum Tragen kommt. Die Energieaufnahmen variieren bei gleichen Gehaltswerten des Futters ausschließlich über die unterschiedlichen Futteraufnahmen. Die beschriebenen Differenzen ergaben sich vor allem in den ersten 50 Laktationstagen. Die Energiebilanzen waren ebenfalls stark von der Behandlung in der Trockenstehzeit beeinflusst (Tabelle 3).

Da die höhere Milchleistung der zweiphasig normal trocken gestellten Tiere nicht mit einer höheren Futteraufnahme einhergeht, kommt es hier zu einer stärkeren negativen Energiebilanz im Vergleich zu den Tieren mit der kurzen Trockenstehzeit. Eine noch stärkere negative Energiebilanz zeigte sich bei den Tieren mit verlängerter Trockenstehphase. Die Entwicklung der Lebendmasse im Zeitraum Kalbung bis 28. Laktationstag spiegelt das unterschiedliche Ausmaß der negativen Energiebilanzen wieder.

Auch in den Stoffwechselparametern wie Ketonkörper und die Freien Fettsäuren im Blut zeigten sich die unterschiedlichen Belastungssituationen. Die Tiere mit kurzer bzw. normaler Trockenstehdauer zeigten Belastungen im Grenzbereich des Physiologischen an. Die Unterschiede waren nicht signifikant, höhere bzw. erhöhte Werte traten wechselnd zwischen den Gruppen auf. Im Gegensatz hierzu hatten die Tiere mit verlängerter Trockenstehzeit zu allen Messzeitpunkten signifikant höhere und zum Teil stark überhöhte Messwerte, die auf eine akute Acetonämie hindeuten.

Eine deutlich ausgeprägte Brunst trat in der Gruppe einphasig kurz nach 47 Tagen, in zweiphasig normal nach 53 Tagen und in zweiphasig verlängert nach 57 Tagen auf. Bis zum 100. Laktationstag ergaben sich Trächtigkeitsraten von 88 %, 74 % und 65 % in Abhängigkeit der Trockensteherfütterung.

Schlussfolgerungen

Die Kühe mit verkürzter Trockenstehzeit und durchgehend intensiverer Fütterung gaben nach der Kalbung weniger Milch. Dieser Milchverlust war unabhängig von der Laktationsnummer und etwas geringer als der Mehrertrag durch die verlängerte Laktation vor dem Trockenstellen. Die normal trocken gestellten Kühe hatten in der Frühlaktation eine deutlich höhere Milchmenge, fraßen aber nur unwesentlich mehr als die Tiere mit kurzer Trockenstehzeit, woraus sich eine etwas stärkere negative Energiebilanz berechnete. Keine Unterschiede bestanden jedoch in den untersuchten Stoffwechselparametern. Ergänzt man diese Ergebnisse um neuere Untersuchungen zum Trockenstehermanagement aus den Vereinigten Staaten, in denen sich die beste Energieversorgung nach der Kalbung in der Gruppe ergab, die in der Trockenstehphase 1 energetisch knapp und in Phase 2 gut versorgt wurden, so wird die Notwendigkeit der Beratungsempfehlung nach einer zweigeteilten Trockensteherfütterung unterstrichen.

Probleme bereiten vor allem solche Tiere, die wegen geringer Milchleistung, schlechter Fruchtbarkeit oder übermäßiger Körperkondition frühzeitig trocken gestellt werden müssen. Über das Herdenmanagement ist der Anteil solcher Tiere zu ermitteln und möglichst gering zu halten.

Welche Rationen an Trockensteher füttern?

Für die trocken stehenden Kühe wird eine zweiphasige Fütterung empfohlen. In der Phase 1 kommt es über einen Zeitraum von 3 bis 5 Wochen darauf an, die Tiere energetisch knapp, aber mit guter Futteraufnahme zu versorgen. Dies macht es erforderlich, den Energiegehalt über den Einsatz von Stroh zu verdünnen.

Folgende Rationen können beispielhaft empfohlen werden:

In beiden Rationen kommen Grobfutter mit mittlerem Energiegehalt zum Einsatz. Ration 1 gilt für Grünlandbetrieb, Ration 2 für den Ackerbaustandort. Es müssen etwa 3 kg Stroh verabreicht werden, um die Energiedichte in der Ration auf den empfohlenen Wert von ungefähr 5,5 MJ NEL/kg TM einzustellen. Die Tiere nehmen 12 kg/TM pro Tag auf, womit eine gute Pansenfüllung gewährleistet wird.

Die Phase 2 der Trockensteherfütterung dient der Anpassung der Pansenmikroben und der Pansenzotten an die nach der Kalbung verabreichten Futter. Gleichzeitig muss die Energieversorgung den zur Kalbung hin ansteigenden Bedürfnissen folgen. Oberstes Ziel muss es sein, eine hohe Futteraufnahme bis zur Kalbung sicher zu stellen. Die Tabelle 5 zeigt Rationsbeispiele für den Grünlandbetrieb (Ration 1) und für den Ackerbaustandort (Ration 2).

Zum Einsatz kommen Grobfutter mit hoher Energiedichte, die auch nach der Kalbung gefüttert werden. Zur Beeinflussung der Kationen-Anionen-Bilanz im Rahmen der Milchfieberprophylaxe sollen möglichst kaliumarme Silagen zum Einsatz kommen. Beim Milchleistungsfutter sollte auf einen höheren Stärkegehalt geachtet werden, da hierüber das Pansenzottenwachstum positiv beeinflusst wird. Insbesondere direkt nach der Kalbung ist unbedingt eine ausreichende Menge an frischem, temperiertem Wasser anzubieten. Betriebsindividuell ist über eine Ketosevorbeuge mit zum Beispiel Propylenglykol zu entscheiden.