Schaffutter im Test

Schafe auf der WeideBild vergrößern

Im Rahmen der energetischen Futterwertprüfung wurden auftragsgemäß im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, vier Ergänzungsfutter für Schafe getestet. Geprüft werden in Nordrhein-Westfalen angebotene Futter, die Probenahmen dieser Prüffutter erfolgte im Handel.

Ziel dieser Prüfung ist die Bestimmung des Energiegehaltes für das jeweilige Futter auf der Grundlage von Verdauungsversuchen an Hammeln, um anschließend einen Vergleich mit dem vom Hersteller deklarierten Energiewert vorzunehmen. Der detaillierte Prüfungsablauf befindet sich in der Tabelle 1.

In der vorliegenden Prüfung wurden vier Ergänzungsfutter für Schafe von vier verschiedenen Herstellern geprüft. Das Futter Raiffeisen LammGold von der RWZ Rhein-Main, Köln soll nach Herstellerangabe 18 % Rohprotein besitzen und der Energiestufe 2 angehören. Die Agravis, Münster deklariert ihr Agravis Schaffutter mit 17,0 % Rohprotein und 10,6 MJ ME/kg. Im Futter Lämmerkorn, hergestellt vom den Muskator-Werken in Düsseldorf, sollen 18 % Rohprotein sein. Für dieses Futter wird bezüglich des Energiewertes die Energiestufe 3 angegeben. Ebenfalls zur Energiestufe 3 soll das Futter KOFU Lämmerkraft der KOFU Tiernahrung, Neuss gehören. Der Rohproteingehalt beträgt nach Herstellerangabe 18 %.

Größere Unterschiede bestehen zwischen den Futtern im Rohfasergehalt. Die Werte reichen von 7,1 bis 16,0 %. Für die beiden Futter der Energiestufe 3 werden jeweils sehr niedrige Rohfaserwerte angegeben. Die Calciumgehalte schwanken zwischen 0,95 und 1,60 %. Der Phosphorgehalt soll 0,50 bzw. 0,55 % betragen.

Bezüglich der Zusammensetzung geben alle Hersteller die eingesetzten Komponenten mit den prozentualen Anteilen auf dem Sackanhänger bekannt.

Das Futter Lämmerkorn ist als Alleinfutter für Mastschaflämmer gekennzeichnet. Angaben zu den zu verfütternden Mengen werden nicht mitgeteilt. Bei den drei übrigen Futtern handelt es sich laut Deklaration um Ergänzungsfutter für Schafe, Ziegen sowie Mastlämmer. In der Laktation sollen 0,5 bis 1,0 kg je Tier und Tag gefüttert werden. Je nach Trächtigkeitsstadium werden Einsatzmengen von 0,25 bis 0,75 kg/Tier/Tag empfohlen. Lämmer sollen Tagesgaben von 200 bis 800 g je nach Alter erhalten.

Ergebnisse

In der Tabelle 2 sind die Nährstoffgehalte nach Angaben der Hersteller und nach Analyse bei der LUFA NRW, die in der Prüfung am Hammel ermittelten Verdaulichkeiten sowie die daraus bestimmte Energiestufe dargestellt. Es zeigt sich, dass die von den Herstellern angegebenen Nährstoffgehalte gut mit den analysierten Werten übereinstimmen. Die gefundenen Abweichungen liegen alle innerhalb der futtermittelrechtlich vorgegebenen Toleranzen.

Der Gehalt an organischer Masse liegt zwischen 80,8 % im Agravis Schaffutter und 82,9 % beim Futter KOFU Lämmerkraft. Ähnlich geringe Differenzen ergeben sich bei der Verdaulichkeit der organischen Masse, die zwischen 83,3 und 85,8 % variiert. Die aus den Verdaulichkeiten berechneten Energiewerte führen bei allen Futtern zu einer Eingruppierung in die Energiestufe 3. Auch die Energieschätzung mit Hilfe des Hohenheimer Futterwerttests führt zu einer gleichen Eingruppierung in die Energiestufen. In allen Fällen werden die Energieangaben der Hersteller bestätigt.

Kommentar

Für die Qualitätsbeurteilung von Mischfutter ist der Energiegehalt die wichtigste Größe. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass alle Hersteller im Gegensatz zu vorangegangenen Prüfungen ihr Futter mit einer Energieangabe an Schafbetriebe abgeben.

In der vorliegenden Prüfung wurde bei allen Futtern der angegebene Energiewert bestätigt, wodurch eine gute Qualität der in NRW angebotenen Schaffutter zum Ausdruck kommt. Auch bei den Ergänzungsfuttern für Schafe hat sich die Energieangabe mit Hilfe von Energiestufen bewährt. Beim Futter Agravis Schaffutter sollte deshalb zukünftig die Energieangabe über das Energiestufensystem erfolgen. Unter praktischen Gesichtspunkten ist eine zehntelgenaue Energieangabe zwischen den Stufen nicht Ziel führend. Beim Raiffeisen LammGold überschreitet der gemessene Energiegehalt den deklarierten um mehr als die gesetzlich vorgegebene Toleranz. Auch Überschreitungen sollten unbedingt vermieden werden, da ansonsten eine energetische Überversorgung erfolgt und darüber wirtschaftliche Nachteile zu besorgen sind.

Aus fachlicher Sicht macht es Sinn, sowohl bei Lämmern als auch bei den Zuchtschafen Futter der Energiestufe 3 bevorzugt einzusetzen, da die energetische Aufwertung der Grobfutterration im Vordergrund steht. Vor diesem Hintergrund ist die Eingruppierung aller geprüften Futter in die Stufe 3 positiv zu bewerten.

In den Fütterungshinweisen sind klare Empfehlungen zu den zu verabreichenden Mengen bei Lämmern in Abhängigkeit des Lebensalters und bei den Zuchtschafen in Abhängigkeit des Produktions- bzw. Trächtigkeitsstandes wünschenswert. Bei drei Herstellern finden sich diesbezüglich detaillierte Angaben auf dem Sackanhänger, so dass eine gezielte Versorgung sichergestellt werden kann. Kritisch zu beurteilen sind die gänzlich fehlenden Angaben zu den Einsatzmengen beim Futter KOFU Lämmerkraft.

Fazit

Sowohl bei Lämmern als auch bei Mutterschafen steht beim Kraftfuttereinsatz die Energieergänzung der Grobfutterration im Vordergrund. Deshalb sollen vornehmlich Futter der Energiestufe 3 und >3 zum Einsatz kommen. Die gute Qualität der in NRW angebotenen Futter kommt in der Eingruppierung aller geprüften Futter in die Energiestufe 3 zum Ausdruck. Verbesserungsbedürftig sind im Einzelfall die Empfehlungen zu den Einsatzmengen.

Autor: Dr. Martin Pries, Annette Menke