Futterkosten in der Schweinemast reduzieren

Futtereinfüllstützen am Stall

Aufgrund niedriger Schlachterlöse einerseits und enorm gestiegener Futterkosten andererseits ist die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast stark in Frage gestellt. Vorteile haben jene Betriebe, die über eigenes Getreide verfügen und jetzt kein teures Futter zukaufen müssen. Die Dezitonne industriell hergestelltes Mastalleinfutter kostet derzeit über 20.- €. Bei einer unterstellten Futterverwertung von 2,90:1 errechnen sich Futterkosten pro Mastschwein (90 kg Zuwachs) in Höhe von rund 52.- €. Nahezu 50 % der gesamten Produktionskosten in der Schweinemast entfallen damit auf das Futter. Infolge der zunehmenden Konkurrenzsituation durch Bioenergieerzeugung sowie der in diesem Jahre eher mäßigen Ernteaussichten werden die Futtermittelpreise wohl kaum zurückgehen. Die Schweinemäster sind deshalb gefordert, mit ihren Beratern Möglichkeiten auszuloten, wie sich Futterkosten reduzieren lassen.

Hierbei geht es in erster Linie um Optimierung der Futterrationen und Fütterungstechnik. Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung sind Verbesserungen in den Tageszunahmen und in der Futterverwertung (Übersicht 1). Gelingt es beispielsweise, den Futteraufwand um 0,1 kg je kg Zuwachs zu verbessern, können bei Zugrundelegung momentaner Futterpreise etwa 1,80 €/Mastschwein eingespart werden. Oder ein anderes Beispiel: Lässt sich die Tageszunahme im Mittel der Mast von 750 auf 800 g steigern und somit die Mastdauer um 7 bis 8 Tage verkürzen, kann man sich ein Plus von 1,30 €/Mastschwein ausrechnen. Führen die Mehrzunahmen allerdings zu verringerten Muskelfleischanteilen, was nicht selten der Fall ist, muss entsprechend reagiert werden. Bei einer Futterpreissenkung um 0,50 €/dt Mastfutter könnten etwa 1,30 €/Mastschwein zusätzlich erwirtschaftet werden. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass mit dem billigeren Futter vergleichbare Leistungen erzielt werden.

Die Reduzierung der Tierverluste ist ein weiteres wirtschaftliches Kriterium. Allerdings spielen Fütterungseinflüsse nur eine untergeordnete Rolle. Es sei denn, Mängel in der Futterqualität sind so gravierend, dass hierdurch Totalverluste entstehen. Beispielsweise bei hohen Hefegehalten im Futter, die vornehmlich in der Flüssigfütterung auftreten. Hier muss permanent auf einwandfreie Futterlagerung und Sauberkeit des Anmischbehälters und der Futterleitungen hingearbeitet werden. Auch Mykotoxinbelastungen des Futters können zu Beeinträchtigungen der tierischen Leistungen, im Extrem sogar zu Ausfällen führen. Das Fusariummykotoxin Deoxynivalenol (DON) spielt hier eine besondere Rolle. Gehalte von mehr als 1 mg DON je kg Gesamtmischung (bezogen auf 88 % Trockenmasse) sollten auf keinen Fall überschritten werden, um Unverträglichkeiten und Leistungsrisiken auszuschließen. Wenn Getreide hoch belastet ist, genaue Analysen führt die LUFA NRW in Münster durch, sind die Mischungsanteile dieser Partien entsprechend zu begrenzen. Die Verwendung von Mykotoxinbindern kann nicht generell empfohlen werden. Effizienz und Wirtschaftlichkeit hängen oft, wie praktische Erfahrungen zeigen, vom Einzelfall ab.

Im Zusammenhang mit der Salmonellenproblematik wird häufig die Frage des optimalen Vermahlungsgrades des Futters diskutiert. In Versuchen der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde festgestellt, dass eine gröbere Vermahlung zu einer höheren Stärkeanflutung im Dickdarm führt, dort eine stärkere Produktion von Propion- und Buttersäure und eine schnellere Futterpassage bewirkt. Hieraus resultiert ein insgesamt höherer Infektionsschutz u. a. gegen Salmonellen. Zu beachten ist jedoch die mit einer gröberen Vermahlung verbundene schlechtere Stärkeverdaulichkeit des Futters und damit in der Tendenz ungünstigere Futterverwertung. In Haus Düsse wurde in Fütterungsversuchen festgestellt, dass gröber vermahltes Futter wegen seines größeren Volumens zu einer geringeren Ausschlachtung führte. Im Extrem betrug der Rückgang zwischen feiner und grober Vermahlung immerhin 1,8 Prozentpunkte! Hier muss man also sorgfältig abwägen. Bei guten Haltungsbedingungen, nicht stressanfälligen und gesunden Tieren sind Vermahlungsgrade von etwa 70% der Partikel unter 1 mm Größe sowie von nicht mehr als 50 % der Teilchen unter 0,5 mm Größe nach wie vor eine sinnvolle Empfehlung.

Da in der Praxis noch häufig mit Nähr- und Wirkstoffen „vorgehalten“ wird, bestehen gute Möglichkeiten der Futterkosteneinsparung. Eingefahrene Futtermischungen sollten gegebenenfalls gecheckt und dem Bedarf der Tiere neu angepasst werden. Eine sichere Orientierung bieten die von der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) erst kürzlich herausgegebenen Empfehlungen für die Versorgung von Schweinen. In Übersicht 2 sind einige wichtige Kenngrößen dieser Empfehlungen aufgeführt. Ergänzt werden sie durch Orientierungswerte der Landwirtschaftskammer, wobei ein Niveau von durchschnittlich 800 g Tageszunahme unterstellt wird. Wie ersichtlich nimmt der Bedarf der Tiere an Protein bzw. Aminosäuren, Calcium und Phosphor bezogen auf ein kg Futter mit steigendem Lebendgewicht ab. Beispielsweise sind für Tiere mit 30 kg Lebendgewicht 0,84 g Lysin je 1 MJ ME und für 80 kg schwere Schweine nur 0,65 g/MJME erforderlich. D. h., in der Anfangsmast sollte ein Mastfutter mit 13 MJME/kg etwa 11 g Lysin, in der Endmast nur noch 8,5 g Lysin je kg enthalten. Ähnliches gilt für die nächst limitierenden Aminosäuren Methionin/Cystin, Threonin und Tryptophan, die im Laufe der Mast ebenfalls relativ abgesenkt werden können. Als Relation zum Lysin sind bis 40 kg Lebendgewicht 1:0,56:0,63:0,18 und ab 40 kg Lebendgewicht 1:0,56:0,65:0,18 einzuhalten. Bei vorhandenen technischen Voraussetzungen sollten die Futtermischungen punktgenau dem Mastverlauf angepasst werden, um Futterkosten einzusparen. In der Übersicht 3 sind entsprechende Mischungsbeispiele für die einzelnen Mastphasen auf der Basis von Sojaextraktionsschrot und Getreide abgebildet. Das kostenintensive Sojaschrot wird im Mastverlauf Mast von 23% auf 17% und das Mineralfutter von anfangs 3,5 % auf 2,5 % in der Endmast abgesenkt. Gleichzeitig wird ab 70 kg LG ein preisgünstigeres Mineralfutter mit einem geringeren Aminosäurengehalt eingesetzt. Die kalkulatorischen Futterkosten betragen bei dieser Drei-Phasenmast 54,10 €/Mastschwein (30 bis 120 kg LG). Im Vergleich dazu errechnet sich für die Universalmast ein Betrag von 55,50 €/Mastschwein, so dass sich eine Differenz von 1,40 €/Mastschwein zugunsten der Drei-Phasenmast ergibt. Grundsätzlich lohnt es sich vor allem im hinteren Mastabschnitt, die Futterkosten zu senken. In dieser Phase werden die größten Futtermengen verbraucht und gleichzeitig die geringsten Ansprüche an die Futterzusammensetzung gestellt.

Auf den Punkt zu füttern bedeutet, möglichst genaue Kenntnisse von den Inhaltsstoffen der vorhandenen Futtermittel zu besitzen. Voraussetzung ist zudem eine einwandfrei funktionierende Fütterungstechnik. Außerdem darf ein preisgünstiges Endmastfutter nicht dazu verleiten, das richtige Augenmaß für die tägliche Futterzuteilung zu verlieren. Hohe tägliche Energiezufuhren bringen zwar höhere Zunahmen, in der Endmast aber meist nur in Verbindung mit unnötiger Verfettung und schlechterer Futterverwertung.

Wegen der hohen Eiweißfutterpreise sind im Protein abgesenkte Futtermischungen vergleichsweise kostengünstiger. Hierbei muss allerdings die notwendige Versorgung mit Aminosäuren gewährleistet bleiben. Das von der GfE entwickelte Proteinbewertungssystem auf Basis der praecaecal verdaulichen Aminosäuren eröffnet gute Möglichkeiten, proteinreduzierte Futtermischungen exakt auf den notwendigen Gehalt an verdaulichen Aminosäuren zu optimieren, um Kosten- und gleichzeitig Umweltvorteile zu nutzen. Über die Fütterungsberater der Landwirtschaftskammer kann dieses Bewertungssystem von jedem Mäster in Anspruch genommen werden.

Futtermittel auf ihre Preiswürdigkeit hin zu überprüfen ist für Schweinehalter sicherlich nichts Neues, aber unter den gegebenen Bedingungen umso wichtiger. Das gilt sowohl für Eiweiß- als auch Energiefuttermittel. Beispielsweise sollte man prüfen, ob der Austausch von Lysin aus Sojaschrot gegen biotechnisch hergestelltes Lysin wirtschaftlich sein kann. Der Einsatz von biotechnisch hergestelltem Lysin erfolgt in der Regel über das Mineralfutter oder über Eiweißergänzungsfuttermittel. Es kann aber auch in reiner Form als HCl-Lysin eingekauft und eingemischt werden. Unter Praxisbedingungen ist das genaue Eindosieren in kleinsten Mengen jedoch schwierig und nicht unbedingt zu empfehlen. Da HCl-Lysin als Futterzusatzstoff eingestuft wird, unterliegt die direkte Verfütterung den besonderen Regelungen der Futtermittelhygieneverordnung in Anlage 2, die der Betrieb dann zu erfüllen hat.

In Übersicht 4 sind entsprechende Preiswürdigkeitsvergleiche für Lysin dargestellt. Bei einem Preis von beispielsweise 22.-€ pro dt Sojaschrot und 18.-€ pro dt Weizen muss ein Kilogramm HCl-Lysin weniger als 2,35 € kosten, um wirtschaftlich interessant zu sein. Da das Produkt HCl-Lysin nur 80 % reines Lysin enthält, kann der Grenzpreis für reines Lysin höher angesetzt werden. Er liegt bei 2,95 €/kg. D. h., enthält ein kg Mineralfutter 1 % Lysin, so darf der Lysin bedingte Preisaufschlag keinesfalls mehr als 2,95 € pro Dezitonne Mineralfutter betragen. Auch beim Einsatz von Eiweißergänzungsfuttermitteln besteht die Möglichkeit, sich Lysin und/oder andere Aminosäuren einmischen zu lassen. Grundsätzlich ist bei einem Zusatz so genannter freier Aminosäuren aber darauf zu achten, dass die Bilanz der erstlimitierenden Aminosäuren in der Mastmischung ausgewogen bleibt.

Mastbetriebe mit Zukaufgetreide sollten jeweils prüfen, mit welchem Getreide am preisgünstigsten gefüttert werden kann. Die Klassiker Weizen und Gerste sind im Verhältnis meist teuerer als Triticale und vor allen Dingen Roggen. Die heutigen Roggensorten lassen sich gut in der Mast einsetzen, bei einwandfreier Qualität in der

Anfangsmast etwa 25 % und in der Endmast um die 35 %. Einzelne Fütterungsversuche zeigen, dass sogar noch höhere Mischungsanteile möglich sind. Nach üblichen Preiswürdigkeitsberechnungen darf Roggen etwa bis 0,50 €/dt mehr kosten als Gerste, um wirtschaftlich zu sein. Die Roggenpreise bewegen sich meist unter Gerstenpreisniveau. Triticale darf bis zu 1.- €/dt mehr kosten als Gerste.

Infolge der expandierenden Bioenergieproduktion fallen immer mehr Nebenprodukte für die Schweine- und Rinderfütterung an. Hier stellt sich die Frage, in welchem Umfang Produkte wie Rapsextraktionsschrot (RES), Rapskuchen (RKU), Trockenschlempe (DDGS = Dried Destillers Grains with Solubles) und Glycerin ernährungsphysiologisch und ökonomisch einbezogen werden können. Über Futterwerte informieren Beratungsunterlagen der Landwirtschaftskammer. Hierauf soll in diesem Beitrag nicht näher eingegangen werden. In Übersicht 5 sind die Grenzpreise für diese Nebenprodukte, die auch in der Positivliste aufgeführt sind, angegeben. Vergleichsfuttermittel sind Sojaschrot und Weizen. Basis der Berechnungen sind pcv Lysin und Umsetzbare Energie. Diese Grenzpreise beinhalten noch keine Risikoabschläge, die aus Sicht des Käufers zu berücksichtigen sind. Risikoabschläge sind vorzunehmen für zusätzlichen Aufwand (Technik, Arbeit), mögliche Inhaltsstoffschwankungen und Verdienstanreiz beim Einsatz der Nebenprodukte. Die Höhe des Risikoabschlages richtet sich nach innerbetrieblichen Gegebenheiten und ist deshalb von jedem Betrieb individuell zu kalkulieren.

Bei der Rationsgestaltung ist darauf zu achten, dass die Aminosäuren von Rapsprodukten und von Trockenschlempen erheblich schlechter vom Schwein verdaut werden als die von Sojaschrot. Glycerin enthält überhaupt kein Eiweiß, muss also ausreichend mit Aminosäuren ergänzt werden. Wenn die beschriebenen Nebenprodukte in verträglichen Mengen eingesetzt werden, sind gute Mastleistungen und Schlachtkörperergebnisse zu erwarten und bei vorliegender Preiswürdigkeit entsprechende Futterkosteneinsparungen zu erzielen.

Aber auch die traditionellen Nebenprodukte aus der Lebensmittelgewinnung wie beispielsweise Altbrot/Backreste, Molkeprodukte, Süßwarengemische, Kartoffelprodukte, Reste aus der Stärkegewinnung usw. sollten nicht vergessen werden. Allerdings ist der Markt für diese Produkte seit dem Verbot der Speiseresteverfütterung und der großen Preissteigerung bei Getreide enger geworden. Aber sicher lässt sich das eine oder andere Futtermittel günstig ergattern, um so die Futterkosten zu senken.

Seit dem Verbot der antibiotischen Leistungsförderer Anfang 2006 drängen die unterschiedlichsten Futterzusatzstoffe auf den Markt, die die alten Leistungsförderer ersetzen sollen. Verwendung finden Organische Säuren, Probiotika, Präbiotika, Enzyme, pflanzliche Zusätze usw. Sieht man vielleicht von den Organischen Säuren einmal ab, die sich meist bewährt haben, ist die Wirkung der immer mit Zusatzkosten verbundenen Stoffe in der Schweinemast oft zu gering, um dem Mäster echte wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Der Einsatz sollte gegebenenfalls überprüft werden, um unnötige Kosten zu sparen.

Das bleibt festzuhalten:

In der Fütterung gibt es verschiedene Möglichkeiten und Wege, Kosten zu senken. Voraussetzung sind ausgefeilte Fütterungstechniken und stets dem Bedarf der Mastschweine angepasste, optimierte Futterrationen. Diese sollten einerseits möglichst kostengünstig sein, aber andererseits hohe tierische Leistungen gewährleisten. Im Einzelnen kann das bedeuten: Kein „Vorhalten“ in der Nähr- und Wirkstoffversorgung, nur hygienisch einwandfreie Futtermittel verwenden, nach Möglichkeit Phasenfütterung praktizieren, bei Soja-/Getreideeinsatz verschiedene Mineralfutter verwenden, die Energieversorgung in der Endmast kontrollieren, die Preiswürdigkeit der angebotenen Eiweiß- und Energieträger prüfen, Roggen und Triticale bevorzugen, auf Basis praecaecaler Aminosäuren optimieren, gegebenenfalls freie Aminosäuren im Austausch ergänzen, Nebenprodukte aus der Bioenergieproduktion (Rapsschrot, Rapskuchen, Trockenschlempe, Glycerin) und traditionelle Nebenprodukte nach Kostenüberprüfung einbeziehen, hierbei Risikoabschläge einkalkulieren und schließlich auf unnötige Futterzusatzstoffe verzichten.