Ackerbohnen und Erbsen in der Schweinefütterung

Erbsenschote (Pisum sativum)

Durch das staatliche Programm zur Förderung einer vielfältigen Fruchtfolge wird der Anbau von Leguminosen für viele Betriebe wieder aktuell. Welche Einsatzmöglichkeiten sich in der Fütterung von Schweinen anbieten, erläutern Dr. Wolfgang Sommer und Dr. Otmar Maier-Loeper von der Landwirtschaftskammer NRW.

Der Einsatz von heimischen Eiweißträgern in der Schweinefütterung, wie z. B. Ackerbohnen und Erbsen, hat sich in der Praxis vielfach bewährt. Er ist aus ökonomischen Gründen umso interessanter, je teurer Standardeiweißfuttermittel wie z.B. Sojaschrot sind und wenn der Anbau von Leguminosen gefördert wird. Bedingt durch das staatliche Förderprogramm einer vielfältigen Fruchtfolge, in dem sich der Landwirt u.a. verpflichtet, für die Dauer von mindestens 5 Jahren auf mindestens 7 % der Ackerfläche (ohne Stillegung) Leguminosen oder Leguminosengemenge anzubauen und durch den aktuell hohen Sojapreis spielt mancher Landwirt mit dem Gedanken, bei der anstehenden Frühjahrsbestellung Ackerbohnen und Erbsen anzubauen. Zwar lässt sich Sojaschrot nicht komplett durch heimische Eiweißträger ersetzen. Dies ist sowohl auf Besonderheiten bei den wertbestimmenden Nährstoffen (Rohprotein) als auch auf antinutritive Substanzen (z. B. Tannine) zurückzuführen, die die Futteraufnahme und -verwertung negativ beeinflussen können. Dennoch kann als Faustregel gelten, dass ca. 50 % des Sojaschrotes durch den Einsatz von Ackerbohnen bzw. Erbsen ersetzt werden können.

Hoher Futterwert

Tabelle 1 enthält die wichtigsten Kennzahlen zum Futterwert von Ackerbohnen und Erbsen für die Schweinefütterung. Zum Vergleich sind die Werte von Sojaextraktionsschrot und Weizen mit aufgeführt. Die Rohnährstoffgehalte von Ackerbohnen und Erbsen bestehen zu über 60 % aus Stärke und Rohprotein. Die Schwankungen dieser Inhaltsstoffe können erheblich und innerhalb der Sorten größer als zwischen den Sorten sein.

Tabelle 1: Kennzahlen zum Futterwert von Ackerbohnen und Erbsen für Schweine im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot und Weizen (je kg, 88 % T)

Tabelle 1: Kennzahlen zum Futterwert von Ackerbohnen und Erbsen für Schweine im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot und Weizen (je kg, 88 % T)

Die für Ackerbohnen ausgewiesenen Durchschnittsgehalte zeigen im Vergleich zu Sojaschrot und Weizen, dass der Rohproteingehalt etwa zwischen beiden und der Stärkegehalt deutlich näher am Wert des Weizens liegt. Ackerbohnen sind deshalb als ein eiweißreicher Energielieferant einzustufen.

Weißblühende Ackerbohnensorten enthalten im Mittel höhere Energiegehalte (Umsetzbare Energie, ME) als bunt blühende Sorten, was in erster Linie mit der besseren Proteinverwertung zusammenhängt. Aus ernährungsphysiologischer Sicht wären deshalb weiß blühende Sorten für die Schweinefütterung vorzuziehen. Andererseits sind bunt blühende Sorten im Anbau widerstandfähiger und je ha ertragreicher.

Die Proteinqualität wird durch die vier erstlimitierenden Aminosäuren charakterisiert. Absolut betrachtet liegen diese Gehalte weit unter denen des Sojaschrotes. Bezieht man die Aminosäurengehalte jedoch auf die jeweils vorliegende Proteinmenge, so bestehen zwischen Ackerbohnen und Sojaschrot nur geringe Unterschiede. Entscheidend für die Proteinqualität ist aber die Verdaulichkeit der vorhandenen Aminosäuren. Diese Angaben stehen in Klammern (siehe Tabelle 1). Danach schneiden Ackerbohnen besonders in den Aminosäuren Methionin/Cystin, Threonin und Tryptophan verglichen mit Sojaschrot und Weizen deutlich schlechter ab. Für exakte Rationsberechnungen sind diese Zusammenhänge zu beachten, vor allem ist bei höheren Ackerbohnen- und Erbsenanteilen für ausreichende Methionin- und Threoninergänzungen in der Ration Sorge zu tragen.

Futtererbsen enthalten noch mehr Stärke und Zucker als Ackerbohnen, was sich in einem etwas höheren Energiegehalt ausdrückt. Für die Fütterung sind die weiß- und bunt blühenden Sorten von Bedeutung. Auch Erbsen können je nach Sorte und Standort erhebliche Inhaltsstoffschwankungen aufweisen. Bezogen auf den mittleren Rohproteingehalt (221 g/kg) besitzen Erbsen eine etwas höhere Aminosäurenkonzentration als Ackerbohnen. Die Verdaulichkeiten dieser Aminosäuren sind aber ähnlich niedrig einzustufen wie bei Ackerbohnen.

Beide Hülsenfruchtarten sind ähnlich dem Weizen durch relativ niedrige Calcium-, aber hohe Phosphorgehalte gekennzeichnet. Der Phosphor liegt allerdings zu 40 bis über 60 % in phytingebundener Form vor. Der Gehalt an verdaulichem Phosphor beträgt deshalb für Ackerbohnen nur 1,6 g und für Erbsen nur 1,8 g je kg.

Antinutritive Substanzen

Hülsenfrüchte enthalten im allgemeinen sog. sekundäre Inhaltsstoffe, die den Futterwert schmälern können. Hierunter fallen z. B. Tannine (Gerbstoffe) und Protease-Inhibitoren, also die Eiweißverdauung hemmende Substanzen. Die Gehalte an diesen antinutritiven Substanzen sind teils sortenbedingt. Bunt blühende Ackerbohnen weisen in der Regel höhere, weiß blühende Sorten niedrigere Tanningehalte auf. Zur Vermeidung unerwünschter Effekte durch derartige Substanzen werden für Ackerbohnen und Erbsen bestimmte Obergrenzen in der Schweinefütterung empfohlen.

Einsatzmengen beachten

Die Frage, welche Anteile heimischer Eiweißträger in der Fütterung eingesetzt werden, wird, wie schon erwähnt, durch den Gehalt von Substanzen, die zu geschmacklichen Veränderungen führen können, bestimmt. Eine der wichtigsten dieser sog. antinutritiven Substanzen sind die Tannine, die sowohl bei Ackerbohnen als auch bei Erbsen vorkommen können. Die in Tabelle 2 genannten Einsatzempfehlungen sind als Orientierung für die Schweinefütterung zu verstehen. Bei Ferkeln ist der Einsatz von Leguminosen nur bedingt zu empfehlen, wobei Erbsen den Ackerbohnen aus geschmacklichen Gründen vorzuziehen sind.

Tabelle 2: Einsatzempfehlungen (Anteil in % der Futtermischung) für heimische Eiweißträger

Tabelle 2: Einsatzempfehlungen (Anteil in % der Futtermischung) für heimische Eiweißträger

In Tabelle 3 werden Mischungen für tragende und säugende Sauen dargestellt. Bei den tragenden Sauen sollten die Leguminosen einen Anteil von 10 % nicht überschreiten. Im Vergleich zu herkömmlichen Mischungen können bei einem 10 %igen Anteil der Erbsen 5 % (absolut) Sojaschrot eingespart werden, bei Ackerbohnen reduziert sich der Sojaschrotanteil um 6 %. Bei den säugenden Sauen liegen die Mischungsanteile von Erbsen bzw. Ackerbohnen im Vergleich zu Sojaschrot in gleichen Größenordnungen. Auch hier sind Einspareffekte in der Größenordnung von 8 - 9 % Sojaschrot möglich.

Besonderes Augenmerk bei der Rationsgestaltung ist den essentiellen Aminosäuren zu schenken. Als Besonderheit fällt der niedrige Gehalt der Aminosäuren Methionin/ Cystin von Ackerbohnen bzw. Erbsen (5,3 g/kg) im Vergleich zu Sojaschrot (12,5 g/kg) auf. Dieser Mangel wird durch die deutlich schlechtere Verdaulichkeit dieser Aminosäuren bei Ackerbohnen (62 %) bzw. Erbsen (70 %) im Vergleich zu Sojaschrot (86 %) verstärkt. Es ist daher unbedingt erforderlich, im Ergänzungsfutter bzw. Mineralfutter den standardmäßigen Methioningehalt zu erhöhen, um in der Futtermischung eine Relation von Lysin zu Methionin/Cystin von 1 : 0,6 zu erreichen. In den Mischungsbeispielen wurde ein Mineralfutter mit 3 % Lysin und 2 % Methionin eingesetzt.

Tabelle 3: Mischungsbeispiele für den Einsatz von Ackerbohnen und Erbsen für tragende und säugende Sauen

Tabelle 3: Mischungsbeispiele für den Einsatz von Ackerbohnen und Erbsen für tragende und säugende Sauen

In der Anfangsmast (Tabelle 4) sollte der Leguminosenanteil nicht mehr als etwa 10 % betragen, um das Wachstumspotential der jungen Schweine voll ausschöpfen zu können. Der Ackerbohnen- und Erbsenanteil kann in der Endmast jedoch deutlich gesteigert werden. Ein Erbsenanteil von 20 % (Mischung Nr. 10) ist durchaus möglich. Dabei können 10 % Sojaschrot eingespart werden. Da Erbsen in der Flüssigfütterung stark aufquellen können, sollte man bei hohen Anteilen darauf achten, dass die Pumpfähigkeit noch gegeben ist.

Auch in dieser Mischung muss auf eine ausreichende Aminosäureergänzung geachtet werden. Das in den Mastmischungen eingesetzte Mineralfutter enthält deshalb 6 % Lysin und 2,5 % Methionin.

Tabelle 4: Mischungsbeispiele für den Einsatz von Ackerbohnen und Erbsen in der Schweinemast

Tabelle 4: Mischungsbeispiele für den Einsatz von Ackerbohnen und Erbsen in der Schweinemast

Die Preiswürdigkeit bestimmen

Ob ein Sauenhalter oder Schweinemäster bei verfügbarer Lagerkapazität seine Ackerbohnen und/oder Erbsen selbst verfüttert, verkauft oder gar zukauft, hängt von den Erzeugungskosten, dem Marktpreis sowie der Preiswürdigkeit ab. Aus Sicht des Erzeugers von Leguminosen sind zudem die eingangs erwähnten Fördermittel zu berücksichtigen.

Üblicherweise wird die Preiswürdigkeit von Futtermitteln in der Schweinefütterung auf Basis der Kriterien Lysin und Umsetzbarer Energie (ME) ermittelt. Nach der Futtermittelaustauschmethode werden dabei die Vergleichsfuttermittel Weizen und Sojaextraktionsschrot herangezogen. Der für Ackerbohnen und Erbsen typisch niedrige Methioningehalt bleibt zunächst unberücksichtigt, zumal Methionin in üblichen Soja-Getreidemischungen per se im Überschuss vorhanden ist. Erst bei höheren Ackerbohnen- bzw. Erbsenanteilen und/oder bei stark proteinabgesenkten Futtermischungen, in denen reines Lysin ergänzt werden muss, wird auch eine Methioninergänzung erforderlich, die dann preislich zu kalkulieren ist.

Um sich den Marktgegebenheiten anzupassen, wurden in Tabelle 5 verschiedene Vergleichspreise für Sojaschrot und Weizen eingesetzt. Hierzu ein Beispiel: Kosten 1 dt Weizen 13,00 € und 1 dt Sojaschrot 25,00 €, dann sind Ackerbohnen bzw. Erbsen max. 19,40 € bzw. 19,10 € je dt wert. Sind sie teurer als 19,40 bzw. 19,10 €, ist die Verfütterung von Sojaschrot und Weizen wirtschaftlicher. Diese Preiswürdigkeitsberechnungen sind allerdings nur als grobe Orientierung zu verstehen. Im Einzelfall sind betriebsspezifische Futteroptimierungen und -kostenberechnungen notwendig und immer genauer. Auch können etwaige geschmackliche Einflüsse und/oder antinutritive Wirkungen der Leguminosen bei diesen Berechnungen nicht berücksichtigt werden.

Tabelle 5: Preiswürdigkeit von Ackerbohnen und Erbsen für die Schweinefütterung (Angaben in €/dt)

Tabelle 5: Preiswürdigkeit von Ackerbohnen und Erbsen für die Schweinefütterung (Angaben in €/dt)

Sorgfältig lagern

Bei erhöhtem Wassergehalt frisch geernteter Ackerbohnen und Erbsen kann es bei der Lagerung zu Schimmelbildung kommen. Dabei entstehende Mykotoxine können Gesundheit und Leistung der Schweine beeinträchtigen. Der Wassergehalt von Hülsenfrüchten sollte bei Einlagerung deshalb maximal 12 % betragen. Innerhalb einer Erntepartie fallen die Feuchtegehalte je nach Abreife des Bestandes mitunter sehr unterschiedlich aus, worauf zu achten ist. Neben einer sorgfältigen Trocknung kommt auch eine Feuchtkonservierung der Ackerbohnen und Erbsen mit organischen Säuren in Betracht.

Fazit für die Praxis

Wegen der hohen Preise für Getreide und Sojaschrot kommen Ackerbohnen und Erbsen wieder stärker ins Gespräch. Zudem macht das staatliche Programm zur Förderung einer vielfältigen Fruchtfolge den Leguminosenanbau interessant.

Ackerbohnen und Erbsen besitzen aufgrund ihres hohen Protein- und Stärkegehaltes einen guten Futterwert für Schweine. Zu beachten sind allerdings die vergleichsweise geringen Anteile schwefelhaltiger Aminosäuren (Methionin/Cystin) und die im Verhältnis zu Sojaschrot niedrigeren Aminosäurenverdaulichkeiten. Auch können antinutritive Stoffe den Futterwert etwas schmälern. Aber durch sinnvolle Rationsanteile – wie in den Beispielsmischungen dargestellt – können Ackerbohnen und/oder Erbsen nennenswerte Sojaschrotanteile sowohl in der Sauenhaltung als auch in der Schweinemast ersetzen.

Ackerbohnen und Erbsen sind besonders sorgfältig zu trocknen und zu lagern. Schimmelbildung ist auf jeden Fall zu vermeiden, denn bei der Lagerung entstehende Mykotoxine können Gesundheit und Leistung der Tiere erheblich beeinträchtigen.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Dr. Otmar Maier-Loeper