Abrechnungsmodelle für Masteber im Vergleich

Ebermast
Ebermast. Foto: Ludger Bütfering

Bereits im Januar 2012 hat das Unternehmen Tönnies ein Handelswert-Abrechnungsmodell zur Erlösgestaltung bei Mastebern veröffentlicht. Dieses soll zum 01.07.2012 umgesetzt werden (Abbildung 1a und 1 b).

Die bis dahin geltenden Modelle sind Pauschalabrechnungssysteme mit einem Korrektiv für das Schlachtgewicht (SG) und dem Bauchfleischanteil (BFL). Neben einem einheitlichen Grundabzug von 0,03 €/kg SG, der mit zusätzlichem Sortier- und Untersuchungsaufwand in der Behandlung von Eberschlachtkörpern begründet wird, ist es einen Erlös neutralen Schlachtgewichtsbereich von 85,00 bis 103,00 kg. Tönnies zieht dann für untergewichtige Schlachtkörper, d. h. unter 85,00 kg und für übergewichtige, d. h. über 103,00 kg SG einheitlich jeweils 0,02 €/kg SG ab. Westfleisch hat darüber hinaus noch eine weitere Stufe, d. h. ab 80,00 kg SG bzw. ab 108,00 kg SG vorgesehen, ab der einheitlich statt 0,02 jetzt 0,03 €/kg SG abgezogen werden.

Als Qualitätssignal sind die Erlöskomponenten für den BFL zu interpretieren. Schlachtkörper mit weniger als 55,00 % BFL erhalten einen Abzug von 0,01 €/kg SG. Fleischreiche, d. h. Schlachtkörper mit einem Bauchfleischanteil von über 57,00 % BFL und einem Mindestgewicht über 90 kg SG erhalten einen Zuschlag von 0,01 €/kg. Die bisherigen Systeme Westfleisch und Tönnies unterscheiden sich demnach lediglich durch die abgestuften Schlachtgewichtsabzüge bei Westfleisch.

Handelswertmodell nach AutoFOM bei Tönnies ab 01.07.2012

Tönnies wendet ab 01.07.2012 ein Handelswertmodell auf der Grundlage der AutoFOM-Klassifizierung an. Neben der Bewertung mit Indexpunkten für Schinken, Lachs und Bauch (abgestuft nach BFL) sind wie bei den Mastschweinen Abzüge für Über- und Untergewichte sowie eine Systemobergrenze bei max. 1,05 Indexpunkten/kg SG (IXP) sowie eine „Preisabsicherung“ von mindestens 0,70 IXP/kg SG eingerichtet. Die Gewichtungsfaktoren für die Teilstücke bei Mastebern sehen im Detail etwas höhere Werte für den Schinken-schier und den Lachs und deutlich höhere für den Bauch vor, jeweils im Vergleich zu den Werten, die sich mit dem Abrechnungsmodell für Mastschweine ergeben würden. Gewichtskorrekturen und Systemgrenzen sind identisch wie bei den Mastschweinen.

Bewertet man die Klassifizierungsdaten der Masteber aus der vorliegenden Stichprobe alternativ mit dem aktuellen System zur Erlösfindung „normaler“ Mastschweine, so schneiden die Eber bei Bewertung durch das Ebermodell im Mittel um + 0,81 €/Schlachtkörper (Standardabweichung ± 3,15 €) besser ab als bei der Bewertung durch die Schlachtschweinemaske (Abbildung 2). Die Vorteile des Ebermodells liegen insbesondere bei Eberschlachtkörpern unter 98 kg SG. Die Auswertungsstichprobe von ca. 38 000 Tieren liegt bei einem mittleren Schlachtgewicht von 95,0 kg SG (± 7,03 kg), 60,6 % MFA nach AutoFOM (± 2,40 %), 58,6 % BFL (± 3,37 %), 18,23 kg Schinken-schier (± 1,41 kg), 13,58 kg Bauch (± 1,31 kg), 7,14 kg Lachs (± 0,69 kg) und 9,01 kg Schulter-schier (± 0,67 kg).

Ebermaske nach AutoFOM gibt deutliche Qualitätssignale

Die Verlaufskurven der Erlöse (€/kg SG) in Abhängigkeit vom Schlachtgewicht zeigen beim bisherigen Westfleisch- bzw. dem Tönniesmodell einen gestuften Verlauf, der zwischen 80 und 108 kg SG deckungsgleich identisch ist (Abbildung 3). Erst bei Mastebern unter 80 kg (in der Abbildung nicht dargestellt) und über 108 kg zeigt die Westfleischvariante etwas größere Preisabschläge. Die Verlaufskurve im Merkmal €/kg SG in Abhängigkeit vom Schlachtgewicht beim neuen Tönniesmodell ist aus den Auswertungen bei „normalen“ Schlachtschweinen bekannt. Berücksichtigt man den Bonus in Höhe von einem Euro, den Tönnies ab 1. Oktober 2012 für Masteber zusätzlich bezahlt, die nachweislich von einem Vatertier stammen, die einen „positiven Zuchtwert“ für das Merkmal Ebergeruch haben, so verschiebt sich die Verlaufskurve des Merkmals €/kg SG um ca. 0,01 €/kg SG parallel nach oben. Masteber unter ca. 86 kg SG und solche mit über 102 kg SG schneiden bei dem neuen Tönniesmodell schlechter, zwischen 86 und 102 kg SG besser ab als nach dem bisherigen System (Abbildung 4). Auffallend sind die zum Teil großen Streuungen, die im Einzelfall auch bei schweren und auch bei leichteren Schlachtkörpern im Einzelfall Erlösverbesserungen aufzeigen.

Maskenbedingte Abzüge, früher auch „Verlustpunkte“ genannt, kommen im Mittel insbesondere bei schweren Schweinen und auch bei leichten Schweinen zum Tragen (Abbildung 5).

Gewinner und Verlierer

Bei der Einordnung der Schlachtkörper, die im Vergleich zum bisherigen System höhere Erlöse erzielen, werden die Maskensignale in Richtung qualitativ höherwertiger Schlachtkörper deutlich (Abbildung 6). Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass es sich um Masteber handelt, die nach dem bisherigen pauschalen Abrechnungsmodell geliefert wurden. Mit der Umsetzung auf das neue Verfahren werden die Mastebermäster das bisherige Vermarktungsmanagement zu optimieren.

„Gewinnereber“ sind im Mittel ca. 2,5 kg leichter, haben ca. 2 %-Punkte höhere MFA-Werte (AutoFOM), ca. 2,6 %-Punkte mehr BFL, ca. 0,6 kg leichtere Bäuche, ca. 0,5 kg schwerere Schinken und ca. 0,3 kg schwerere Lachse. Die Schlachtgewichtsbedingten Abzüge liegen bei den Gewinnertieren um rund 0,8 IXP/kg günstiger als bei den Verlierertieren. Bei einem Basispreis von 1,60 €/IXP erzielen die Masteber in der Auswertungsstichprobe ca. 0,47 €/Schlachtkörper mehr als nach dem bisherigen pauschalen Abrechnungsmodell. Die Gewinnertiere (ca. 62,3 %) erreichen Mehrerlöse in Höhe von ca. 4,60 €/Tier, Verliererschweine (ca. 37,7 %) müssen dagegen Einbußen in Höhe von im Mittel 6,38 €/SK einkalkulieren. Die dargestellten Unterschiede zwischen bisheriger Erlösfindung und neuem Modell hängen darüber hinaus vom allgemeinen Preisniveau ab. Bei einem Erlösniveau von 1,40 €/IXP führt die neue Methodik zu mittleren Vorteilen in Höhe von 0,80 €/Tier, bei 1,50 €/IXP entsprechend 0,64 €/Tier, bei 1,60 €/IXP entsprechend 0,47 €/Tier und bei 1,70 €/IXP entsprechend nur noch 0,31 €/Tier.

Zusammenfassung

  • Das neue Handelswertmodell bei Tönnies ab 01.07.2012 führt im Mittel im Vergleich zum bisherigen Pauschalbewertungsmodell zu einer Erlösverbesserung, deren Höhe jedoch mit steigendem allgemeinem Preisniveau abnimmt. Bei 1,60 €/IXP schneiden Masteber anhand der Auswertungsstichprobe nach dem Handelswertmodell nach AutoFOM mit 0,47 €/Tier besser ab.
  • Die Anwendung der „normalen“ AutoFOM-Maske für Schlachtschweine auf die Mastberschlachtkörper hätte für die Masteber Erlösnachteile in Höhe von durchschnittlich 0,81 €/Tier zur Folge.
  • Maskenbedingte Abzüge beginnen beim neuen Handelswertmodell ab ca. 102 kg bzw. bei 86 kg, d. h. auch in der Mastebermast gilt es künftig, die optimalen Schlachtgewichte anzustreben.
  • Zum Vergleich zum bisherigen System haben Schlachtkörper zwischen 86 kg und 106 kg Erlösvorteile bis zu 2,35 €/Tier (Basispreis 1,60 €/IXP).
  • Gewinnertiere sind leichter und haben gleichzeitig höhere Handelswertergebnisse.
  • Das MRI (Max-Rubner-Institut) in Kulmbach führt zurzeit eine Studie durch, um zu überprüfen, ob die AutoFOM-Klassifizierungsergebnisse der Masteberschlachtkörper mit den aktuellen Schätzformeln zutreffend ermittelt werden. Aus der letzten Studie dazu, die zur Anpassung der Formeln im Oktober 2011 geführt hat, ist bekannt, dass Fleisch reiche Schlachtkörper mit diesen Formeln deutlich unterschätzt werden.

Autor: Dr. Friedhelm Adam