Unkrautbekämpfung in Körnerleguminosen ist Pflicht

Während sich mechanische Verfahren besonders auf leichteren, gut bearbeitbaren Böden mit geringem Unkrautdruck eignen, so ist eine chemische Vorgehensweise auf mittelschweren bis schweren Böden mit höherer Unkrautbelastung von Vorteil. Eine Altverunkrautung sollte schon im Vorfeld der Saat beseitigt werden. Hier bietet sich zum Beispiel eine flache Bodenbearbeitung vor der Einsaat an. Zu tiefe Arbeitsgänge zerstören die Kapillarität des Bodens, was sich wegen des hohen Keimwasserbedarf der Leguminosen nachteilig auf das Keimverhalten auswirken kann. Durch die Bearbeitung werden Unkrautpflanzen herausgerissen oder zugeschüttet, welche dann bei günstiger Witterung vertrocknen. Zusätzlich erwärmt sich der Oberboden schneller und vorhandenes Unkraut wird zur Keimung angeregt, das dann bei der späteren Saatbettbereitung wiederum reduziert wird.

Blind striegeln, gezielt hacken

Bei der Einsaat ist auf eine ausreichende Saattiefe von mindestens 5 bis 6 cm zu achten. Erst dann wird sichergestellt, dass sich die Pflanzen gut und fest verwurzelt können, was beim Striegeln unbedingt erforderlich ist. Ferner dient diese Saatgutüberdeckung auch als Schutz vor Vogelfraß.

Die Wahl des richtigen Striegelzeitpunktes ist entscheidend für den Erfolg. Je früher die Maßnahme erfolgt, umso besser ist die Wirkung. So besteht die Wirkung zu 70% im Verschütten mit Erdreich und zu 30 % im Ausreißen der Unkräuter. Der Wirkung förderlich ist, wenn die Bodenoberfläche möglichst krümelig ist und trockenes Wetter vorherrscht. Besonders effektiv ist das sogenannte Blindstriegeln. Hiermit werden die Unkräuter im frühsten Stadium noch vor dem Auflaufen der Kultur dezimiert. Hier wird der Wachstumsvorsprung der flachkeimenden Unkräuter zu deren Beseitigung im Keimfadenstadium genutzt. Je nach Witterung und Feuchtigkeit, kann diese Maßnahme ab etwa drei bis acht Tage, bei Ackerbohnen auch bis 14 Tage nach der Saat durchgeführt werden und muss abgeschlossen sein, bevor die Kultur das sehr empfindliche Stadium des Durchstoßens erreicht hat. Im Auflauf selbst darf keine Maßnahme durchgeführt werden, da die Keimlinge sehr schnell abbrechen. Bei verkrusteten Böden kann bei der Bearbeitung auch die Verschiebung von Bodenteilchen bereits zu Schäden führen. Deswegen ist es unerlässlich, die Arbeit des Striegels ständig zu kontrollieren und gegebenenfalls Einstellungen des Gerätes zu ändern oder die Maßnahme zu beenden. Es können je nach Verunkrautungsdruck zwei bis drei weitere Striegelmaßnahmen ab dem 3- bis 4-Blattstadium, also ab etwa 5 cm Wuchshöhe, erfolgen. Häufigere Arbeitsgänge sind meist unproduktiv. Was beim ersten und zweiten Striegeln nicht erfasst wurde, wird auch bei späteren Einsätzen nicht erfasst. Zur Kulturschonung ist die Maßnahme auf den Nachmittag zu verschieben, da die Pflanzen dann elastischer sind. Der späteste Striegeltermin in den Erbsen ist erreicht, wenn sie anfangen, sich zu verranken.

Sind größere Reihenabstände in Ackerbohnen, Lupinen und Sojabohnen bei der Aussaat gewählt worden, so bietet sich als letzte Möglichkeit der Unkrautbekämpfung die Anwendung der Hackmaschine an. So kann zum späteren Zeitpunkt zumindest in den Reihen die Verunkrautung reguliert werden. Diese Maßnahme ist zurzeit aber eher untypisch, da die Sähbreite meist 3 m beträgt und Hackmaschinen mit der gleichen Arbeitsbreite nicht oder nur in geringer Anzahl zur Verfügung stehen.

Mechanische Verfahren führen zu Pflanzenverlusten, die durch etwas erhöhte Aussaatmenge ausgeglichen werden können. Das Ergebnis mechanischer Unkrautbekämpfungsmaßnahmen ist in den meisten Fällen kein gewohnt unkrautfreier Bestand. Es muss mit Restverunkrautung gerechnet werden. Sind mechanische Regulierungsmaßnahmen nicht effektiv oder spielt die Witterung nicht mit, kann das nicht selten zu beträchtlichen Ernteproblemen führen, bis hin zur Unbeerntbarkeit. Bei diesem Verfahren muss man daher immer Gewehr bei Fuß stehen und günstige Wuchs- und Witterungsphasen nutzen. Wesentlich sicherer und berechenbarer ist hier der Einsatz von Herbiziden. Sie werden in der Regel einmal unter günstigen Witterungs- und Wuchsbedingungen eingesetzt und bringen bei guter Dauerwirkung sehr gute Wirkungsgrade.

Chemie bei viel Unkraut

Eine chemische Regulierung der Unkräuter ist dort angeraten, wo mit einem hohen Unkrautdruck, insbesondere mit spät oder in Wellen auflaufenden Unkräutern, zu rechnen ist. Mit den wenigen zur Verfügung stehenden Herbiziden ist es bei der Verwendung robuster Aufwandmengen möglich, viele Unkräuter zu reduzieren. Im Wesentlichen bilden Vorauflaufmittel die Grundlage. Eine breite und nachhaltige Wirkung gegen Unkräuter und Ungräser wird erreicht, wenn die Anwendung auf ein abgesetztes, feinkrümeliges und feuchtes Saatbett erfolgt. Ein Walzen nach der Saat kann hilfreich sein. Hiermit wird zum einen eine zusätzliche Rückfestigung erreicht und zum anderen die Restfeuchte des Bodens genutzt. Bei Trockenheit tritt die Wirkung der Vorauflaufherbizide erst nach Niederschlägen ein. Bereits durchgewachsene Unkräuter werden durch diese reversible Wirkung allerdings nicht mehr erfasst. Leitunkräuter sind in erster Linie typische Sommerunkräuter, wie der Weiße Gänsefuß, der Winden-Knöterich, der Nachtschatten und die Kamillearten.

Im Folgenden werden einige zugelassene oder in der Kultur genehmigte Vorauflaufherbizide vorgestellt:

  • Artist (Sojabohnen): Dieses Herbizid hat eine sehr breite Ungras- und Unkrautwirkung. Bei Notwendigkeit kann eine Wirkungsverstärkung gegen Knöterich, Klettenlabkraut und Weißen Gänsefuß durch die Zugabe von 0,2 l/ha Centium 36 CS erreicht werden. Metribuzin empfindliche Sorten dürfen nicht mit Artist behandelt werden.
  • Bandur (Ackerbohnen, Futtererbsen): Es wird als Bodenherbizid direkt nach der Saat bis fünf Tage vor dem Auflaufen eingesetzt. Aus Gründen der Verträglichkeit muss das Präparat unbedingt vor dem Durchstoßen der Kultur ausgebracht werden. Stärken sind Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Rispengräser, Kamille, Klette, Vogelmiere, Ausfallraps und Melde.
  • Boxer (Ackerbohnen, Futtererbsen, Lupinen): Mit diesem Bodenherbizid werden Windhalm, Klettenlabkraut, Vogelmiere und Taubnessel sicher erfasst. Bei stärkerem Klettenlabkrautbesatz sollten mindestens 4,0 bis 5,0 l/ha Boxer bis spätestens sieben Tage nach der Saat zur Anwendung kommen. Gegen Ackerstiefmütterchen in Ackerbohnen, Futtererbsen oder Lupine ist die Tankmischung 3,0 l/ha Boxer plus 0,9 bis 1,8 l/ha Stomp Aqua bis etwa fünf Tage nach der Saat geeignet. Auch Ausfallraps und Melde werden damit erfasst. Gegen Kamille ist die Wirkung nicht immer ausreichend.
  • Centium 36 CS (Ackerbohnen, Futtererbsen, Sojabohnen): Die Stärken sind die Regulierung von Klettenlabkraut, Vogelmiere und kreuzblütigen Unkräutern. Dieses Herbizid wird bis fünf Tage nach der Saat ausgebracht. Die maximale Aufwandmenge beträgt 0,25 l/ha. Da Centium 36 CS nur ein schmales Wirkungsspektrum hat, sollte es mit anderen Herbiziden gemischt werden. In Ackerbohnen und Futtererbsen hat sich eine Kombination aus 0,25 l/ha Centium 36 CS und 1,8 bis 2,3 l/ha Stomp Aqua bewährt. In Sojabohnen sind Kombinationen aus 0,2 l/ha Centium 36 CS und 2 kg/ha Artist oder 0,2 l/ha Centium 36 CS plus 0,3 bis 0,4 l/ha Sencor liquid plus 1 l/ha Spectrum eine Möglichkeit. Bei der Verwendung von Centium 36 CS sind die zusätzlichen NT-Auflagen zu beachten.
  • Gardo Gold (Lupine) ist ein Bodenherbizid mit Hirsewirkung und ist im Vorauflauf mit maximal 4,0 l/ha in Lupinen einsetzbar. Dieses Herbizid hat ein sehr breites Wirkungsspektrum. Es deckt alle relevanten Unkräuter ab. Lediglich gegen Klettenlabkraut, Nachtschatten und Ausfallraps ist nur eine Teilwirkung zu erwarten.
  • Sencor Liquid (Sojabohnen) ist mit 0,4 l/ha in genehmigt. Mit 0,4 l/ha Aufwandmenge im Vorauflauf können Ackerfuchsschwanz, Hirse, Kamille, Ehrenpreis, Stiefmütterchen, Taubnessel und Vogelmiere gut reguliert werden. Lücken sind Klettenlabkraut, Knöteriche und Nachtschatten. Sie können durch die Zumischung von 0,2 l/ha Centium 36 CS und 1 l/ha Spectrum weitestgehend geschlossen werden. Da Sencor liquid den Wirkstoff Metribuzin enthält, dürfen empfindliche Sorten, wie zum Beispiel ES Mentor, Daccor und Quito, nicht mit diesem Produkt behandelt werden.
  • Spectrum (Sojabohnen) wird mit 0,8 l/ha auf leichten und mit 1,0 l/ha auf schweren Böden in Sojabohnen eingesetzt. Dieses Vorauflaufherbizid wirkt sehr gut auf Hirsen, Taubnessel, Ehrenpreis und Nachtschatten. Wesentliche Lücken sind Klette, Stiefmütterchen und Gänsefuß. Deswegen wird dieses Herbizid nur als Zumischpartner zur Wirkungsabsicherung anderer Herbizide, wie Sencor liquid, empfohlen.
  • Spectrum Plus (Ackerbohnen, Futtererbsen, Lupinen-Arten, Sojabohnen) enthält 250 g/l Pendimethalin und 212,5 g/l Dimethenamid-P. Mit der maximalen Aufwandmenge von 4,0 l/ha entspricht das 2,2 l Stomp Aqua und 1,2 l Spectrum. Dieses Herbizid ist sehr stark bei der Bekämpfung von Hirsen, Amarant, Hundspetersilie, Ampferblättrigen Knöterich, Vogelknöterich und Gänsefuß. Die Schwächen sind Bingelkraut, Kamille und Windenknöterich.
  • Stomp Aqua hat eine Zulassung in allen oben aufgeführten Leguminosen. Die maximale Aufwandmenge im Vorauflauf reicht von 2,6 l/ha in Lupinen und Sojabohnen bis zu 4,4 l/ha in Ackerbohnen und Futtererbsen. Beim Einsatz des Herbizides sind die Mindestsaattiefen unbedingt einzuhalten. Die Stärken des Produkts sind Windhalm, Stiefmütterchen, Vogelmiere, Taubnessel, Ehrenpreis, Franzosenkraut, Gänsefuß und Nachtschatten. Lücken liegen in der Bekämpfung von Klettenlabkraut und Kamille. In Sojabohnen sollte Stomp Aqua mit maximal 2,6 l/ha eingesetzt werden. Auf leichten Böden und nach Starkregen und bei Staunässe ist eine Schädigung der Kulturpflanzen nicht ausgeschlossen. Um dieses Risiko zu minimieren, werden in der Praxis nur 1,5 bis 2,0 l/ha Stomp Aqua in Kombination mit 0,75 bis 1,0 l/ha Spectrum eingesetzt. Dieses entspricht ungefähr der Aufwandmenge von 3,0 bis 3,5 l Spectrum Plus. In dieser Kombination werden befriedigende Ergebnisse gegen Gänsefuß, Nachtschatten und Hirsen erreicht. Diese Mischung ist auch in den herbizidempfindlicheren Sojabohnensorten ES Mentor, Daccor und Quito einzusetzen.
  • Novitron DamTec ist in Ackerbohnen und Futtererbsen zugelassen. Es enthält 30 g/kg Clomazone und 500 g/kg Aclonifen. Mit der maximalen Aufwandmenge von 2,4 kg/ha ist dieses Kombiprodukt wirkstoffäquivalent mit 0,2 l Centium plus 2,0 l Bandur und damit nicht sehr hoch mit Wirkstoff aufgeladen. Es wird im Vorauflauf bis fünf Tage nach der Saat eingesetzt. Das Präparat weist eine gute Wirkung gegen Klette, Taubnessel, Ehrenpreis und Vogelmiere auf. Eine Wirkungsverstärkung insbesondere gegen Amarant und Stiefmütterchen sowie Windhalm und jährige Rispe kann über die Zugabe von 0,5 l/ha Bandur erreicht werden.

Zugelassene oder in der Kultur genehmigte blattaktive Herbizide:

  • Clentiga (Sojabohne): Mit diesem überwiegend blattaktiven Nachauflaufprodukt können Unkräuter wie Knöterich, Klette, Ehrenpreis, Gänsefuß und Franzosenkraut gut reguliert werden. Eine bekannte Lücke ist das Stiefmütterchen. Da es keine Dauerwirkung hat, sollte bei entsprechender Verunkrautung eine Vorlage mit einem Bodenherbizid vorgenommen werden.
  • Harmony SX (Sojabohne) kann als einziges blattaktives Herbizid im Nachauflauf nur in Sojabohnen eingesetzt werden. Es wird im Abstand von zehn Tagen zweimal mit 7,5 g/ha plus 0,3 l/ha Trend eingesetzt. Bei fehlender Wachsschicht sind Wuchshemmungen möglich. Bei extremen Tag-/Nachttemperaturschwankungen, in regen- oder staunassen Beständen und bei Temperaturen von über 25 °C sollte dieses Mittel nicht eingesetzt werden. Unkräuter wie Vogelmiere, Kamille, Ampfer und Amarant werden gut erfasst. Die Wirkung gegen Knöterich ist nicht immer ausreichend. Eine Nachbehandlung sollte bereits im 2- bis 4-Blattstadium der Unkräuter erfolgen, da größere Unkrautpflanzen widerstandsfähiger gegenüber Herbizide sind. Harmony SX darf nur in Sojabohnen eingesetzt werden, da es zum einen nur dort eine Zulassung hat und darüber hinaus in den anderen Leguminosen zum Totalausfall führen würde.
  • Lentagran WP (Gelber Lupine) ist ein blattaktives Nachauflaufherbizid mit der Zulassung ausschließlich in Gelber Lupine. Es wird mit 2 kg/ha ab BBCH 13 der Kultur eingesetzt. Strahlungsreiche Witterung ist sehr wichtig für eine ausreichende Wirksamkeit. Dann können mit diesem Herbizid Unkräuter wie Amarant, Gänsefuß, Klettenlabkraut, Taubnessel, Nachtschatten und Vogelmiere ausreichend bekämpft werden.
  • Stomp Aqua (Futtererbsen) kann auch im Nachauflauf bis etwa 10 cm Wuchshöhe (8- Blattstadium) mit 3,0 l/ha Aufwandmenge eingesetzt werden.

Wenn die Ungraswirkung der oben aufgeführten Herbizide nicht ausreicht, so kann mit den in den Tabellen aufgeführten Graminiziden entsprechend der Zulassung nachgearbeitet werden. Auf Standorten mit schwerer bekämpfbaren Ackerfuchsschwanz sollte bevorzugt Focus Ultra (Wirkstoff Cycloxydim) eingesetzt werden. Die Aufwandmenge beträgt 2,5 l/ha Focus Ultra in Kombination mit 2,5 l/ha Dash.

Sikkation in Körnerleguminosen

Die Sikkation stellt eine absolute Ausnahme dar. Nur bei ungleichmäßig abreifenden oder stark verunkrauteten Beständen darf sie durchgeführt werden. Eine Anwendung zur Steuerung des Erntetermins ist nicht erlaubt. In Sojabohnen gibt es keine Möglichkeit der Spätbehandlung/Sikkation. Es können zurzeit noch zwei unterschiedliche Wirkstoffe, nämlich Deiquat und Glyphosat, eingesetzt werden. Neu ist, dass für den Wirkstoff Deiquat die Zulassung zum 4. Mai 2019 widerrufen wurde. Es darf im Jahr 2019 aber noch angewendet werden. Die Aufbrauchfrist endet am 4.Februar 2020. Glyphosat-haltige Herbizide haben keine Zulassung in Beständen zur Erzeugung von Saatgut.

Im Tabellenanhang finden Sie alle zurzeit zugelassenen Herbizide in Leguminosen, Stand Januar 2019.