Benzoesäure in der Schweinemast?

Schweinefutter

Über Erfahrungen mit der Verfütterung von Benzoesäure in einem praktischen Schweinemastbetrieb berichten Dr. Wolfgang Sommer und Klemens Kuhlmann.

Organische Säuren spielen in der Fütterung von Schweinen seit jeher eine wichtige Rolle. Sie eignen sich nicht nur als Konservierungsstoff von Futtermitteln, dort dienen sie als Gegenspieler unerwünschter Keime wie Bakterien, Pilze und Hefen, sondern auch zur Unterstützung von Verdauungsvorgängen bei Nutztieren. Besonders bewährt haben sich in dieser Hinsicht die Propion-, Ameisen-, Fumar- und Zitronensäure und/oder deren Salze.

Die mehr aus dem Humanbereich bekannte Benzoesäure hatte in der Fütterung landwirtschaftlicher Tiere bisher noch keine so große Bedeutung. Diese organische Säure ist seit dem Jahre 2003 als Futterzusatzstoff, und zwar in der Gruppe der Säureregulatoren

für die Verfütterung an Mastschweine zugelassen. Sie darf mit 0,5 bis 1,0 %, entsprechend 5 bis 10 kg je Tonne Alleinfutter eingesetzt werden. Diese Benzoesäure wird unter der Produktbezeichnung VevoVitall ® von der Firma DSM Nutritional Products GmbH weltweit vertrieben. Dieses kristalline Erzeugnis enthält 99,9 % Benzoesäure.

Sondereffekte durch Benzoesäure ?

Die Wirkung dieses Futterzusatzstoffes basiert auf zwei physiologischen Eigenschaften:

Zum einen soll VevoVitall ® eine pH-Wert absenkende Wirkung im Magen-Darmtrakt der Tiere erzielen und damit antimikrobielle Effekte hervorrufen, d.h. im positiven Sinne regulierend auf das Wachstum von Bakterien und Hefen eingreifen. Unter diesem Aspekt kann die Benzoesäure ähnlich günstig wie die anderen organischen Säuren eingestuft werden. Zum anderen wird die Benzoesäure im Gegensatz zu den üblichen organischen Säuren im Stoffwechsel der Tiere umgewandelt. Und zwar entsteht nach Absorption im Dünndarm in der Leber eine chemische Verbindung mit der Aminosäure Glycin, das zur Bildung von Hippursäure führt. Die so gebildete Hippursäure wird über die Nieren ausgeschieden und bewirkt dabei eine Absenkung des Harn-pH-Wertes. Es wird davon ausgegangen, dass ein 1%iger Benzoesäurezusatz im Futter zu einer ph-Wertabsenkung im Urin von 1, 0 Einheiten führt. In Folge dieser Absenkung wird wiederum die Ureaseaktivität in der Schweinegülle reduziert, woraus im Endeffekt eine verminderte Ammoniak-Freisetzung aus der Gülle resultiert. Dieser Vorgang kann zu einer Verbesserung der Stallluft beitragen, was nicht nur im Hinblick auf eine Umweltentlastung, sondern auch im Hinblick auf eine Leistungssteigerung der Tiere von Vorteil sein kann. Aufgrund der besonderen Verstoffwechselung trägt Benzoesäure im Gegensatz zu den anderen organischen Säuren zu keiner zusätzlichen Energieerhöhung im Futter bei.

Praktische Mastversuche

Um die möglichen leistungssteigernden Effekte durch Verbesserung des Stallklimas unter praktischen Bedingungen zu testen, wurden seitens der Landwirtschaftskammer zwei Fütterungsversuche mit VevoVitall® unter Mitwirkung der Firma DSM in einem westfälischen Schweinemastbetrieb durchgeführt. Die beiden Mastdurchgänge folgten unmittelbar hintereinander. Im ersten Mastdurchgang (Sommer 2005) standen in zwei von einander getrennten Stallabteilen 188 Tiere (Kontrollgruppe) und 215 Tiere (Versuchsgruppe mit 0,5 % Benzoesäurezusatz im Futter) jeweils auf Vollspaltenböden zur Verfügung. Die Aufstallung erfolgte in Großraumbuchten mit 22 bzw. 36 Tieren. Im zweiten Mastdurchgang (Winter 2005/2006) wurden die Stallabteile zwischen Kontroll- und Versuchsgruppe gewechselt. Die je zur Hälfte männlichen und weiblichen Schweine der Herkunft PIC (Sau) x PI (Eber) wurden nicht getrennt gemästet. Das Futter war sowohl in der Anfangsmast (ca. 28 bis 60 kg Lebendgewicht) wie in der Endmast (ca. 60 bis 118 kg) ein industriell hergestelltes, granuliertes Mastalleinfutter einer nahegelegenen Genossenschaft. Dort wurde auch die Benzoesäure mit 0,5 % eingemischt. Kontroll- und Versuchsfutter wurden während des Versuches separat gelagert und getrennt über Rohrbreiautomaten verfüttert.

In Tabelle 1 sind die wichtigsten Inhaltsstoffe der in beiden Durchgängen gleich konzipierten Phasenfutter dargestellt. Basis der beiden Futtermischungen waren in erster Linie Sojaschrot und Getreide. Die vom Hersteller angegebenen Inhaltsstoffe konnten jeweils analytisch bestätigt werden. Durch den Betriebsleiter erfolgte eine genaue Erfassung der Tiergewichte und Futterverbrauchsmengen.

Im 1. Mastdurchgang wurden trotz eines in der Versuchsgruppe gegen Ende der Mast zu verzeichnenden Krankheitseinbruches (Circo, PIA) insgesamt überdurchschnittlich gute Mastleistungen erreicht. In der Versuchsgruppe wurden trotz deutlich höherer Verluste von 6% in etwa die gleichen Leistungen wie in der Kontrollgruppe erzielt. Die im Durchschnitt etwas höheren Tageszunahmen der Kontrolltiere stehen sicherlich auch im Zusammenhang mit den etwas höheren Gewichten zu Mastbeginn und zu Mastende. Die geringfügigen Differenzen im Muskelfleischanteil (nach FOM) zwischen der Kontroll- und Versuchsgruppe sind zufallsbedingt.

Auch der 2. Mastdurchgang war durch ein hohes Leistungsniveau gekennzeichnet. Die Versuchsgruppe (0,5 % Benzoesäure) schnitt in den täglichen Zunahmen mit 791 g deutlich besser ab als die Kontrollgruppe (742 g). Auch der Futteraufwand je kg Zuwachs war in der Versuchsgruppe um 0,05 kg/kg besser. Dieser Leistungsvorteil kann auf die Benzoesäureeffekte (bakterizide und fungizide Wirkung, Verbesserung der Stallluft durch verminderte NH 3-Freisetzung) zurückgeführt werden. Im Muskelfleischanteil schneiden die Tiere der Versuchsgruppe geringfügig schlechter ab, was mit dem deutlich höherem Zunahmeniveau dieser Schweine in Zusammenhang stehen könnte.

Im 2. Mastdurchgang mussten in der Kontrollgruppe 4,2 % der Tiere krankheitsbedingt (PIA, Circo) aus dem Versuch herausgenommen werden. Aufgrund der im 1. Mastdurchgang extrem hohen Tierverluste sind die beiden Mastdurchgänge nur bedingt miteinander zu vergleichen. Auf eine ökonomische Bewertung des Benzoesäurezusatzes wurde deshalb verzichtet. Nach Mitteilung der Firma DSM sind bei einem VevoVitall ®-Einsatz mit einer Dosierung von 0,5% Futtermehrkosten von etwa 1,80 €/Mastschwein anzusetzen. Will ein Mäster diese zusätzlichen Kosten ausgleichen, sind bessere Leistungen erforderlich.

Ein eingesparter Masttag kann mit etwa 0,20 € bewertet werden (entspricht ca. 3,5 Cent je Gramm Tageszunahme). Eine um 0,1 kg/kg verbesserte Futterverwertung hat einen Wert von etwa 1,50 €.

Um also die Mehrkosten durch Benzoesäureeinsatz von 1,80 € je Mastschwein wieder einzuspielen, müssen in der Mast entweder rund 50 g höhere Tageszunahmen oder eine um mindestens 0,12 kg bessere Futterverwertung oder entsprechende Kombinationen von beiden erzielt werden. Mögliche positive Effekte hinsichtlich der Güllezusammensetzung bzw. NH 3-Emission bleiben hierbei unberücksichtigt.

Das bleibt festzuhalten

Benzoesäure (VevoVitall, Produktname der Firma DSM) darf nach dem Futtermitteltrecht mit 5 bis 10 kg je Tonne Alleinfutter an Mastschweine verfüttert werden. Sie kann im Magen-Darm-Trakt der Tiere positive Wirkung mit entsprechenden Effekten haben. Daneben kann sie eine ph-Wertabsenkung des Urins und daraus resultierend eine verminderte Ammoniak-Freisetzung aus der Gülle, somit eine Verbesserung der Stallluft bewirken. Aufgrund dieser Eigenschaften sind Leistungssteigerungen in der Mast zu erwarten.

In einem praktischen Schweinemastbetrieb wurde ein Zusatz von 0,5 % Benzoesäure in zwei Mastdurchgängen durch die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen geprüft. Die erzielten Ergebnisse stehen in Tabelle 2 und 3.

Da in beiden Mastdurchgängen krankheitsbedingte Tierausfälle zu verzeichnen waren, kann keine abschließende Bewertung zum Einsatz der Benzoesäure gegeben werden. Die deutlich besseren Mastleistungen der mit Benzoesäure gefütterten Tiere im 2. Mastdurchgang lassen aber vermuten, dass leistungssteigernde Wirkungen durch diese Säure bei Mastschweinen zu erwarten sind.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Klemens Kuhlmann