CCM 2008: Hohe Erträge bei guter Qualität

Erntereifes Maisfeld

Der Mais hat in diesem Jahr sein hohes Leistungspotential und vor allem sein Kompensationsvermögen unter Beweis gestellt. Der sehr unterschiedliche Start der Maispflanzen machte sich allerdings bis zur Abreife immer wieder bemerkbar. Während die Aussaat auf den leichteren Standorten bereits früh im April erfolgte, konnte auf den kalten und schweren Böden aus witterungsbedingten Gründen erst bis weit in den Mai hinein gelegt werden. Der Wonnemonat Mai war insgesamt zu trocken und deutlich zu warm, endete jedoch mit Wetterkapriolen. Regionaler Starkregen und kräftiger Hagel hinterließen auch auf vielen Maisschlägen starke Schäden. Die für eine gute Befruchtung, Kolbenfüllung und Kornausbildung erforderlichen Niederschläge fielen jedoch gerade noch rechtzeitig, so dass sich die nachfolgend wechselhafte Witterung günstig auf die Ertragsbildung beim Mais auswirken konnte. Die gute Wasserversorgung zur Blüte hin war für die Excellent-Erträge dann vorrangig verantwortlich.

Die ersten CCM-Flächen wurden um Mitte September geerntet. Aus der Praxis kamen Meldungen von weit überdurchschnittlichen CCM-Erträgen, die sich sogar oberhalb von 150 dt/ha bewegten. Außerdem wurden hervorragende Futterqualitäten erzielt. Nennenswerte Blatterkrankungen oder stärkerer Fusariumbefall waren in diesem Jahr nicht zu beobachten. Allerdings wurden im Kreis Warendorf erstmals einige Exemplare des Maiszünslers an vereinzelten Randpflanzen gefunden. Die Bohrgänge der Larven beschränkten sich jedoch auf den oberen Stängelbereich. Der Kolben (Fusariumgefahr) und die unteren Stängelteile (Lagergefahr) blieben offensichtlich verschont.

Obwohl sich die Maisernte in diesem Herbst in Abhängigkeit vom Saattermin über einen längeren Zeitraum erstreckte, lagen bei der LUFA NRW in Münster gegen Ende Oktober 2008 bereits über 600 CCM-Probenergebnisse vor. Hinsichtlich des optimalen Beprobungstermins besteht beim CCM bekanntlich die Möglichkeit, bereits das frische und unsilierte Mahlgut zur Untersuchung einzusenden. Vergleichsuntersuchungen haben klar ergeben, dass sich die Nährstoffgehalte zwischen frischem und siliertem CCM nicht nennenswert unterscheiden. Vor diesem Hintergrund stehen die Analysenergebnisse mit den futterwertrelevanten Daten und Informationen dem Landwirt frühzeitig zur Kalkulation der Futtermischungen zur Verfügung.

Die diesjährigen Untersuchungsergebnisse sind in den Übersichten aufgeführt. Für die Schaffung optimaler Konservierungs- bzw. Silierbedingungen kommt dem jeweiligen Trockenmassegehalt (TM-Gehalt) eine besondere Bedeutung zu. Bei einem TM-Gehalt von 60 % (± 2 %) lässt sich das CCM-Mahlgut noch ausreichend verdichten, so dass eine gute Lagerstabilität ohne Nachgärungen und -erwärmungen erreicht wird. Der diesjährige mittlere TM-Gehalt übertrifft mit 62,0 % den Vorjahreswert um 0,6 Prozentpunkte und liegt somit gerade noch im Optimalbereich. Wird die Schwankungsbreite der TM-Gehalte von 55,1 bis 69,9 % mit einbezogen, so wird offenkundig, dass ein Großteil der Proben als zu trocken bzw. zu feucht einzustufen ist. Zu trockenes CCM mit TM-Gehalten oberhalb von 65 % lässt sich nur noch unzureichend verdichten. Die im CCM-Stapel verbleibende Restluft führt insbesondere bei Wiederöffnung zur Verfütterung des CCM rasch zur Erwärmung und Instabilität des Futters, wobei gleichzeitig große Nährstoffverluste auftreten. Diese schmerzlichen Beobachtungen konnten beispielsweise beim CCM aus dem Erntejahr 2006 häufig gemacht werden. Seinerzeit wurde das optimale Abreifestadium während des ausgesprochen sonnigen Herbstes und der vielfach bereits trockenheitsgeschädigten Maispflanzen überschritten und mit durchschnittlich 63,5 % TM zu spät geerntet. Während sich in diesem Jahr der Anteil zu trockener Proben zwischen 6 und 7 % einpendelt, wird der Vorjahreswert von 2 % zwar deutlich überschritten, liegt aber weit unterhalb des Wertes aus dem Trockenjahr 2006. Seinerzeit waren über ein Viertel aller Proben (27,5 %) als zu trocken einzustufen. Umgekehrt besteht bei sehr feuchtem CCM (unterhalb von 55 % TM) die Gefahr von Rissbildungen, so dass der Lufteintrag nach der Öffnung des Futterstockes mit einer rasanten Hefenvermehrung einhergehen kann. Angesichts der günstigen Wetterlage wurden in diesem Herbst bislang keine zu feuchten CCM-Proben eingesandt. In den Übersichten 1 und 2 werden die jahrestypischen TM-Schwankungen veranschaulicht.

In vielen Betrieben werden zur Verbesserung der Lagerstabilität routinemäßig Siliermittel eingesetzt. Bei der Auswahl dieser Hilfsmittel ist auch der jeweilige TM-Gehalt des CCM-Erntegutes von entscheidender Bedeutung. Vielfach werden bei Flachsiloanlagen allein aus Kostengründen immer öfter Impfkulturen mit heterofermentativen Milchsäurebakterien eingesetzt. Jüngst durchgeführte Versuchsanstellungen unter Praxisbedingungen haben zudem die Wirkungssicherheit dieser Produkte bestätigt. Dabei findet nach Abschluss des Siliervorganges noch eine gewisse Essigsäureproduktion statt, die eine spätere stärkere Vermehrung der anhaftenden Hefen nach Luftzutritt hemmen soll. Bei TM-Gehalten von über 65 % scheiden diese Impfkulturen jedoch aus, da das erforderliche Feuchtumfeld für die Milchsäureproduktion im Stapel fehlt. Hier sind Siliersäuren zu bevorzugen, die ein breites Wirkungsspektrum und Dampfdruck aufweisen und damit nach einer möglichst flüssigen Applikation besser zur Wirkung kommen. Beim Einsatz von Siliersäuren sollten die korrosiven Eigenschaften der häufig hochkonzentrierten organischen Säuren auf den Materialverschleiß von Fütterungseinrichtungen beachtet werden. Hier ist insbesondere die Propionsäure zu nennen, die auch in Mischungen mit anderen Säuren (Ameisen- oder Sorbinsäure) angeboten wird. Die weniger aggressiven NC-Produkte genießen diesbezügliche Vorzüge, bedürfen aber aufgrund ihrer temperaturabhängigen Viskosität einer besonderen Beachtung bei der Dosierung.

Mit durchschnittlich 34 g Rohfaser/kg TM liegt der diesjährige Wert leicht oberhalb des Mehrjahresmittels. Bei diesem Fasergehalt sind relativ wenig Spindeln im CCM-Erntegut enthalten. Die Rohfasergehalte streuen allerdings von 21 bis 61 g je kg TM. Hieraus resultieren auch sehr unterschiedliche Futterqualitäten. Für die Schweinemast sollte der Rohfasergehalt 40 g bzw. 4,0 % in der Trockenmasse im Sinne einer energiebetonten Ausstattung des CCM-Mahlgutes nicht überschreiten. Letztlich entscheidend ist jedoch die Zusammensetzung der fertigen Gesamtmischung. Da die Rohfaser des CCM fast ausschließlich über den Anteil mitgeernteter Spindeln zu steuern ist und sie nur eine geringe Strukturwirkung besitzt, sollten in fertigen Mischungen zusätzlich auf andere Faserträger mit höherer ernährungsphysiologischer Wirkung zurückgegriffen werden (z. B. Gerste). In speziellen Fällen kommt auch der Einsatz von Rohfaserträgern wie Weizenkleie, Biertreber oder Sojaschalen im Austausch gegen Schwergetreide in Betracht. Außerdem sind sortenspezifische Unterschiede bei den Spindelanteilen innerhalb des Kolbens zu berücksichtigen. Innerhalb des Probenspektrums weisen rund 13 % der Proben Rohfasergehalte oberhalb von 4 % auf. Der Übersicht 3 kann ebenfalls der deutliche Rückgang der Energiedichte bei steigenden Rohfasergehalten entnommen werden. Parallel dazu sinken auch die Stärkegehalte.

Die Bestimmung des Energiegehaltes kann im CCM grundsätzlich sowohl mit der Einzel- als auch mit der Mischfutterformel erfolgen. Da das CCM – wie auch das Getreide – niemals allein kalkuliert und verfüttert wird, sondern stets in Mischung mit anderen Komponenten in den Trog gelangt, wird der Energiegehalt in der LUFA NRW in Münster mittels der Schätzgleichung für Mischfutter (1. Mischfutterformel) bestimmt. Angesichts der großen Streuung der Inhaltsstoffe innerhalb der Einzelproben reicht die Schwankungsbreite der Energiegehalte von 14,8 bis 16,9 MJ ME/kg TM. Bei einem Mittelwert von 16,1 MJ ME/kg TM liegt im Jahresvergleich ein leicht überdurchschnittlicher Energiegehalt vor (siehe Übersicht 4). Dabei liefert die Stärke des Maiskornes einen wesentlichen Teil der CCM-Energie. Im Mittel aller Proben wird ein Stärkegehalt von 700 g/kg TM erzielt. Ein derart hoher Jahresdurchschnittsgehalt wird selten erreicht. Dies steht im Zusammenhang mit den günstigen Entwicklungsbedingungen während der Kolbenbildung und Kornfüllung. Im Einzelfall streuen die Stärkewerte zwischen 627 und 763 g/kg TM, wobei eine direkte Beziehung zur Höhe des Energiegehaltes besteht.

Die Rohproteingehalte spielen im Vergleich zum Umfang der Energielieferung der Maispflanze eine eher untergeordnete Rolle. Sie liegen in diesem Jahr mit durchschnittlich 90 g/kg TM ebenfalls auf einem langjährig normalen Niveau. Gleiches gilt für die Aminosäurengehalte. Diese werden in der LUFA vom jeweiligen Rohproteingehalt auf der Basis einer speziellen Schätzformel ermittelt. Das bedeutet: je höher der Rohfasergehalt, desto höher fällt auch der Lysingehalt aus. In den zurückliegenden Jahren wurde häufig ein Zusammenhang zwischen dem Flächenertrag und dem Proteingehalt im CCM festgestellt, wobei hohe CCM-Erträge häufig einen „Verdünnungseffekt“ beim Protein zur Folge hatte oder umgekehrt. Diese Beobachtung kann in diesem Jahr mit landesweit überdurchschnittlichen Kolbenerträgen nicht bestätigt werden. Bemerkenswert sind allerdings die Gehaltsunterschiede zwischen den einzelnen CCM-Proben. Die Spanne reicht von 70 bis 107 g Rohprotein/kg TM. Parallel dazu streuen demnach auch die Lysingehalte (2,1 bis 2,8 g/kg TM). Im Probenmittel pendelt sich der Lysingehalt auf 2,5 g/kg TM ein. Die Gehaltswerte der übrigen Aminosäuren belaufen sich im Mittel beim Methionin/Cystin auf 3,9 g und beim Threonin auf 3,3 g/kg TM. Die praecaecalen Verdaulichkeiten (pcv) der Aminosäuren im CCM können weitestgehend mit denen im Körnermais gleichgesetzt werden. Die pcv-Werte können mit 79 % beim Lysin, 85 % beim Methionin/Cystin und mit 83 % beim Threonin veranschlagt werden.

Ohne Untersuchung geht’s nicht!

Sowohl die enorme Streuung einzelner CCM-Proben um den mittleren Energie- als auch um den mittleren Proteingehalt machen deutlich, wie notwendig die Ergebnisse einer CCM-Laboranalyse sind. Je höher der CCM-Anteil in der Futtermischung ist, umso bedeutsamer werden die Informationen zu den futterwertrelevanten Inhaltsstoffen und Energiewerten des eigenen CCM-Stapels. Eine Futteroptimierung mit Durchschnittswerten ist mit einem „Stochern im Dunkeln“ zu vergleichen, wobei durch Fehleinschätzungen des Futters große Leistungseinbußen der Tiere auftreten können.

Mit durchschnittlich 49 g Rohfett/kg TM wird ein vergleichsweise erhöhter Jahreswert erreicht, der zwischen 36 und 59 g/kg TM schwankt. Da das Fett im Maiskorn und nicht in der Spindel enthalten ist, verändert sich der Rohfettgehalt in Abhängigkeit vom Spindelanteil im CCM. Das Maisfett besteht zu etwa 60 % aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Linol- und Linolensäure (= Polyensäuren). Falls diese Fettsäuren im Übermaß verfüttert werden, sind Beeinträchtigungen der Schlachtkörperqualität beim Schwein möglich. Das Schlachtkörperfett (Speck) ist dann weicher und weniger haltbar. Aus diesem Grunde soll ein Mastfutter nicht mehr als 18 bis 20 g dieser Polyensäuren je kg (bezogen auf 88 % TM) enthalten. Im Vergleich zum Getreide liegt der Rohfettgehalt im CCM fast doppelt so hoch. Außerdem liegen die Polyensäurengehalte im Futtergetreide deutlich unterhalb der Gehaltswerte im CCM. Somit sollten Futtermischungen mit CCM-Anteilen von über 65 % auf die Einhaltung der zuvor genannten Polyensäurenobergrenze überprüft werden, ansonsten sind Reklamationen zu erwarten, insbesondere bei der Erzeugung von Dauerwurstwaren oder Speck.

Ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium ist der Vermahlungsgrad des CCM-Erntegutes. Die allgemeingültige Forderung lautet: Mindestens 80 % der CCM-Teilchen sollten kleiner als 2 mm vermahlen sein. Gleichzeitig darf das CCM auch nicht zu fein aus der Mühle kommen, so dass höchstens 50 % der Teilchen kleiner als 1 mm vorliegen sollen. Eine hiernach ausgerichtete Vermahlung fördert die Verdichtung des Mahlgutes und zugleich die spätere Verwertung im Verdauungstrakt der Tiere. Bei einer zu groben Vermahlung sinkt die Verdaulichkeit, die zugleich mit geringeren Tageszunahmen und schlechteren Futterverwertungen gekoppelt ist. Zu fein vermahlenes CCM kann rasch zu Reizungen und Veränderungen der Magenschleimhäute bis hin zu Magengeschwüren führen. Die bei der LUFA durchgeführten Siebanalysen zeigen, dass im Mittel aller Proben 85 % der Teilchen kleiner als 2 mm sind. Bei einer Spanne von 76 bis 94 % hält sich der Anteil zu grob vermahlener CCM-Chargen in Grenzen. Umgekehrt sind mehr Proben zu fein vermahlen. Nach dem Ergebnis der Siebanalysen werden durchschnittlich rund 54 % der Teilchen mit einer Siebgröße von kleiner als 1 mm ermittelt, im Extrem werden in Proben sogar 66 % aller Teilchen mit einer Teilchengröße von unter 1 mm festgestellt. Hierbei handelt es sich eindeutig um zu fein vermahlenes CCM.

Fazit für die Praxis

  • Die durchweg günstigen Witterungs- und Vegetationsbedingungen führten landesweit zu überdurchschnittlichen CCM-Erträgen bei gleichzeitig guten Futterqualitäten. Der in ertragreichen Jahren häufig beobachtete „Verdünnungseffekt“ bei den Inhaltsstoffen konnte in 2008 nicht festgestellt werden, so dass das diesjährige CCM ein wertvolles Schweinefutter darstellt. Die Maispflanzen waren insgesamt sehr blattgesund, vereinzelt traten jedoch regionale Hagelschäden auf. Lagerschäden durch Stängelfäule oder Herbststürme blieben aus. Toxinbelastungen in Form von Kolbenfusariosen traten ebenfalls nicht oder nur vereinzelt auf. Im Raum Warendorf konnten erstmals Maiszünsler an einzelnen Maispflanzen beobachtet werden.
  • Bei einem durchschnittlichen Trockenmassegehalt von 62,0 % liegt das Gros der Proben noch im optimalen Abreifestadium von 58,0 bis 62,0 %. Nur wenige Proben überschreiten den kritischen TM-Wert von 65,0 %. Dort sind allerdings Konservierungsprobleme durch unzureichende Verdichtung des Mahlgutes zu erwarten, insbesondere wenn keine Konservierungsmittel (Säuren) eingesetzt wurden.
  • Die analysierten Inhaltsstoffe zeigen im Mittel aller Proben keine nennenswerten Abweichungen vom mehrjährigen Durchschnitt. Bei mittleren Gehalten von 34 g Rohfaser, 700 g Stärke, 49 g Rohfett und 90 g Rohprotein wird eine beachtliche Energiedichte von 16,1 MJ ME je kg TM erreicht. Bei Einzelproben liegen jedoch gravierende Abweichungen vom Mittel vor, so dass dann entsprechende Futterergänzungen zur bedarfsgerechten Versorgung der Tiere erforderlich werden. Nur so lassen sich mehr oder weniger große Leistungseinbußen vermeiden.
  • Angesichts dieser möglichen Qualitätsunterschiede kann nur eine CCM-Analyse die für eine Futteroptimierung erforderlichen Daten und Fakten liefern. Die Standarduntersuchung bei der LUFA kostet rund 35,00 €, für eine zusätzliche Siebanalyse werden 10,47 € je Probe berechnet. Für den Probenversand stehen verschiedene Kurierdienste zur Verfügung. Nähere Informationen hierzu können unter der Telefonnummer: 02 51 / 23 76 – 7 84 für den Großraum Westfalen-Lippe bzw. 02 28 / 7 03 – 22 90 im Rheinland erfragt werden. Die Ergebnisse der Siebanalysen zeigen einen Trend zur zu feinen Vermahlung. Bei rund 54 % aller Teilchen mit einer Siebgröße kleiner 1 mm sind Verdauungs- und damit Verwertungsstörungen nicht auszuschließen. Nur wenige Proben sind zu grob vermahlen.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann und Josef Möllering