Hochwertiges CCM füttern!

Erntereifes Maisfeld

Corn-Cob-Mix (CCM) bildet in vielen Schweinemastbetrieben das Fundament der eingesetzten Futterstrategie. Dabei wird das CCM in erster Linie über den Einsatz moderner Flüssigfütterungstechniken verfüttert. Diese Vorgehensweise ermöglicht einerseits die Möglichkeit, weitere Feucht- bzw. Nasskomponenten - soweit preiswürdig - zuzukaufen bzw. einzusetzen und andererseits über den Einsatz von Fließfutter eine mehr oder weniger stark rationierte Futter- bzw. Nährstoffversorgung durchzuführen. Vor dem Hintergrund tendenziell steigender Energiekosten und der Pflicht zur weiteren Steigerung der Futtereffizienz beim Schwein gewinnen diese beiden Möglichkeiten natürlich noch mehr an Bedeutung.

Zur Erreichung einer möglichst hohen Effizienz mit Fütterungsstrategien auf Basis von CCM bildet die CCM-Qualität die alles entscheidende Grundlage. Durch züchterische und pflanzenbauliche Maßnahmen konnten die Nährstofferträge weiter gesteigert werden. CCM ist aufgrund seines vorwiegend Stärke liefernden Charakters bei vergleichsweise geringem Rohproteingehalt als eindeutiger Energielieferant einzustufen. Mit fast 16,0 MJ ME in der Trockenmasse wird eine Energiekonzentration erreicht, die mit der von Weizen vergleichbar ist. Zur Erreichung und Stabilisierung dieses hohen Futterwertes müssen allerdings grundlegende Maßnahmen vom Feld bis zum Trog systematisch ergriffen werden. Im Vordergrund steht die Verbesserung bzw. Stabilisierung des Hygienestatus, denn CCM verdirbt sehr schnell. Eine Auflistung wichtiger vorbeugender Maßnahmen gibt die Zusammenstellung in der Übersicht 1 vor. Diese können quasi zur Steigerung der Sensibilität checklistenmäßig hinterfragt und umgesetzt werden.

So sollten alle CCM-Lagerstätten vor einer Neubefüllung eine gründliche Reinigung erfahren. Bei Einlagerung von CCM in Hochsilos können und sollten gegebenenfalls die Dienste von professionellen Reinigungsfirmen in Anspruch genommen werden. Zur Erreichung einer guten Lagerstabilität sind Trockenmassegehalte von 60 % ( ± 2 %) anzustreben. Bei diesen T-Gehalten lässt sich das CCM-Mahlgut gut verdichten, so dass Nachgärungen weniger oft auftreten. Bei sehr feuchtem CCM besteht eher die Gefahr von Rissbildungen und tiefem Lufteintrag mit Hefenvermehrung nach der Öffnung des Futterstockes. Ein hoher Ausnutzungsgrad des CCM’s ist zu erwarten, wenn ein Vermahlungsgrad mit 80 % der Teilchen < 2 mm erreicht wird. Eine Kontrolle und Überprüfung der Mühlen bzw. des erreichten Vermahlungsgrades durch eine Siebanalyse ist auf jeden Fall ratsam. Bei der CCM-Konservierung werden für den Einsatz in der Sauen- und Ferkelhaltung sowie dem Sommereinsatz ab März auch in der Mastschweinehaltung mittlerweile standardmäßig Konservierungshilfsmittel eingesetzt. Dadurch lässt sich vor allem die Lagerstabilität nach dem Öffnen des Silostockes verbessern. Ziel sollte es sein, möglichst schnell ein übermäßiges Wachstum von mehr oder weniger schädlichen Mikroben einzudämmen. Zur Beurteilung der mikrobiologisch-hygienischen Beschaffenheit von CCM werden die Gehalte an Schimmelpilzen, Hefen und schädlichen Bakterien herangezogen. Dabei sollten die nach dem Besatz an produkttypischen und Verderb anzeigenden Mikroben ausgerichteten Orientierungswerte (Zielwerte siehe Abbildung 1) für CCM nicht überschritten werden. Die für CCM noch vertretbaren Keimgehalte liegen bei den Schimmelpilzen bei 500 Koloniebildenden Einheiten (KBE) je Gramm (g) und bei den Hefen bzw. Bakterien (ohne Milchsäurebakterien) bei jeweils 100.000 KBE je g.

Die Einhaltung dieser Ziel-Orientierungswerte für einen guten Hygienestatus im CCM trägt dazu bei, dass im späteren Fließfutter mit Trockenmassegehalten von 22 – 27 % nicht mehr als 5.000 KBE an Schimmelpilzen und weniger als 1 Mio. KBE an Hefen erreicht werden. Eine Gegenüberstellung der Orientierungswerte für CCM und Fließfutter enthält die Übersicht 2.

Höhere Keimgehalte müssen zwar nicht sofort und zwangsläufig zur Fütterungsuntauglichkeit führen. Sie müssen aber als ernstzunehmende Anhaltspunkte betrachtet werden, die auf eine Schieflage im Fütterungsregime hindeuten und die einer Ursachenforschung bedürfen. Hier gilt es, nach einer Prüfung der einzelnen Schritte zur Qualitätsverbesserung sämtliche Maßnahmen zur Steigerung des Hygienestatus beim Fließfuttereinsatz anzuwenden, die sich auch im vorgelagerten Umfeld ergeben können. Eine diesbezügliche Auflistung der verschiedenen Verfahrensansätze zum Hygienestatus beim Fließfuttereinsatz kann einer Checkliste (siehe unten) der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen entnommen werden. In dieser Checkliste werden neben der Handhabung für weitere im Betrieb selbst erzeugter Futtermittel vielfältige Vorschläge zur Überprüfung von Konservierungs- und Hygienemaßnahmen aufgeführt.

Besondere Aufmerksamkeit sollte demnach der optimalen Gestaltung und Reinigung von Futterküchen mit modernen Fütterungs- bzw. Futteraufbereitungstechniken geschenkt werden. Zur Erreichung und Stabilisierung eines hohen Hygienestatus hat sich z. B. der Einsatz von Stichleitungen im Stall bewährt, um Reinfektionen aus dem Stall in die Futterküche vorzubeugen. Ganz nach dem Prinzip: One way a way (Ein Weg ohne Rückfluss). Die Einführung und Einhaltung eines derartigen Fütterungsprinzips rechtfertigt dann auch eher die Forderung nach einer separaten Futterküche mit entsprechendem Abstand zum Stall. Sicherlich sollte heute schon bedacht werden, dass ein Betreten der Futterküche mit verschmutzten Stallstiefeln keinesfalls zur Stabilisierung eines hohen Futterhygienestatus beitragen kann.

Eine Auswahl spezieller Siliermittel zur Unterstützung des Konservierungserfolges enthält die Übersicht 3. Dabei fällt auf, dass Mittel auf der Basis von Milchsäurebakterien (sog. Impfkulturen) weniger Mittelkosten verursachen. Jüngst angestellte Versuchsanstellungen unter Praxisbedingungen haben zudem die Wirkungssicherheit dieser Produkte herausgestellt. Vor einer Entscheidung für eines dieser Produkte sollte auf jeden Fall geklärt werden, ob eine Konservierung im Flach- oder Hochsilo beabsichtigt ist. Für Konservierungen in Flachsilos sollte die Aufmerksamkeit den heterofermentativen Milchsäurebakterien gelten. Bei diesen Produkten wird nach der Öffnung des Futterstockes auch eine gewisse Essigsäureproduktion neben der vorherrschenden Milchsäurebildung festgestellt. Diese Essigsäure hemmt die Vermehrung der anhaftenden Hefen und schützt somit vor einer ungewollten Gasbildung. Bei absolut luftfreier Hochsiloeinlagerung kann zur Unterstützung der gewünschten Milchsäurefermentation auf homofermentative Milchsäurebakterien als Silierzusatz zurückgegriffen werden. Ein Verzicht auf die heterofermentativen Milchsäurebakterien als potentielle Essigsäurebildner bringt den Vorteil eines besseren Geschmacks. Essigsäuregehalte von mehr als 20 – 50 mmol im Erntegut schmälern nämlich nachweislich den Geschmack und damit die Futteraufnahme.

Die Auswahl des „passenden“ Siliermittels sollte also unter Berücksichtigung der betriebsspezifischen Besonderheiten erfolgen. Bei T-Gehalten von über 65 % sind beispielsweise Säuren (möglichst flüssig appliziert) zu bevorzugen, da den Milchsäurebakterien dann das erforderliche Feuchteumfeld für eine starke Entwicklung und Fermentation fehlt. Die jeweiligen Einsatzempfehlungen der Siliermittelhersteller sind unbedingt zu beachten.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann und Josef Möllering