Neue Energie-Schätzformel für Schweinefutter erlaubt genauere Futterbewertung

Futtereinfüllstützen am Stall

Ab dem 01.09.2010 gilt eine neue Formel zur Schätzung des Energiegehaltes in Mischfuttermitteln (MFF) für Schweine:

MJ ME/kg (MFF):   0,021503 x Rohprotein (g/kg)
  + 0,032497 x Rohfett (g/kg)
  - 0,021071 x Rohfaser (g/kg)
  + 0,016309 x Stärke (g/kg)
  + 0,014701 x Organischer Rest (g/kg)

Der Organische Rest ergibt sich aus der Differenz des Gehaltes an Organischer Substanz abzüglich der Summe aus Rohprotein-, Rohfett-, Rohfaser- und Stärkegehalt. Der Schätzfehler der Gleichung beträgt 0,25 MJ ME/kg TM.

Der Anwendungsbereich der Gleichung erstreckt sich auf Mischfutter für Schweine innerhalb folgender Nährstoffgrenzen:

Rohprotein 150 und ≤ 250 g/kg TM
Rohfett   60 g/kg TM
Rohfaser   80 g/kg TM

Diese Formel ist von der GfE (2008) empfohlen worden und löst die bisherigen Formeln zur Berechnung der Energiegehalte für Mischfutter bis 25 % Rohprotein ab.
Für die Berechnung der Energiegehalte in (Misch-)Futtermitteln mit über 25 % Rohprotein, z. B. für eiweißreiche Ergänzungsfutter mit vielfach üblichen 36 % Rohprotein zur Eiweiß- und Mineralstoffergänzung zu hofeigenen Getreide- bzw. CCM-Mischungen, wird es zukünftig keine spezielle Schätzgleichung mehr geben. Es wird aber die Empfehlung gegeben, dass zur Energieberechnung solcher Eiweißergänzungsfutter auch die neue Mischfutterformel angewendet werden soll, um einen Energiewert (Anhaltepunkt) für Mischfutteroptimierungen zu haben. Der mögliche Fehler eines derartigen Vorgehens wird als geringfügig herausgestellt. Bei solchen Futtern steht ohnehin die Eiweißlieferung im Vordergrund.

Zur Berechnung des Energiegehaltes in Futtermischungen wird es also zukünftig nur noch eine universelle Formel geben!

Für die Berechnung des Energiegehaltes in Einzelfuttermitteln (EFF) empfiehlt die GfE (2006) die nachfolgende Formel:

MJ ME/kg (EFF):   0,0205 x verdauliches Rohprotein (g/kg)
  + 0,0398 x verdauliches Rohfett (g/kg)
  + 0,0173 x Stärke (g/kg)
  + 0,0160 x Zucker (g/kg)
  + 0,0147 x (verd. organische Substanz – verd. Rohprotein – verd. Rohfett – Stärke – Zucker) (g/kg)

Konsequenzen

Ein Vergleich der alten sowie neuen Energiegehalte von Futtermischungen, mit den Gehalten nach der Gleichung für die Einzelfuttermittel („Referenzformel“), zeigt eine bessere Übereinstimmung der neuen Energiewerte als mit den Werten nach bisheriger Formel (siehe Beispiele in der Übersicht 1: Futtermischungen für tragende bzw. säugende Sauen sowie eine Mastmischung ab 40 kg LM). So errechnet sich für die Beispielmischung für die tragenden Sauen nach der neuen Mischfutterformel 13,95 MJ ME je kg Trockenmasse. Dieser Wert stimmt besser mit dem Wert von 13,90 MJ ME nach der Einzelfuttergleichung auf Basis der verdaulichen Nährstoffe überein als der Wert von 13,76 MJ ME je kg Trockenmasse nach alter Schätzgleichung für Mischfutter. Die gleiche Feststellung kann für die Beispielmischungen für laktierende Sauen und für die Mastmischung ab 40 kg Lebendmasse (LM) gezogen werden. Auch hier liegen die neuen Energiewerte dichter an den Werten, die sich mit Einzelfutterformel-Gleichung errechnen.

Dieses lässt den Schluss zu, dass mit der nun geltenden Mischfutterformel eine genauere Energieschätzung und demzufolge sicherlich auch genauere Futterzuteilung bzw. Leistungsvorhersage möglich wird. Bei extrem über den Geltungsbereich der Formel hinausgehenden Nährstoffgehalten sind sicherlich Fehleinschätzungen nicht vollends auszuschließen. In der Regel können diese vernachlässigt werden.

Es gilt grundsätzlich, dass für eine möglichst genaue Energieeinschätzung auf eine Berechnung mit der Einzelfutter-Formel zurückgegriffen werden könnte, weil sie die Verdaulichkeiten der Rohnährstoffgehalte mit berücksichtigt. Für eine vergleichende Bewertung von Einzelkomponenten sicherlich der richtige Weg.

Andererseits wird in vielen Fällen aus pragmatischen Gründen die Energieberechnung von Einzelfuttermitteln auch mit der Mischfutterformel vorgenommen – insbesondere für solche Einzelkomponenten für die keine Verdaulichkeitswerte der Rohnährstoffgehalte vorliegen. Wenn eine derartige Vorgehensweise aus pragmatischen Gründen gewählt wird, interessiert (für die Übergangszeit der Einführung der neuen Mischfutterformel) natürlich mit welchen Veränderungen bei den Energiegehalten der gängigen Einzelkomponenten von alter zu neuer Formel gerechnet werden kann und dieses bei wechselnden Rohnährstoffgehalten der Einzelkomponenten.

Um dieses zu verdeutlichen erfolgt in der Übersicht 2 eine Gegenüberstellung der Energiegehalte ausgewählter Einzelkomponenten nach bislang und zukünftig geltender Formel mit normalen, hohen bzw. geringen Anteilen wertbestimmender Stärke- bzw. Rohfasergehalte.

Dabei ist festzustellen, dass Getreide mit hohen Stärkegehalten niedriger als bisher bewertet (-0,02 bis -0,22 MJ ME/kg TM bei Gerste mit geringem Stärke- sowie erhöhtem Rohfasergehalt bis hin zu Weizen mit hohem Stärke- sowie geringem Rohfasergehalt, siehe Übersicht 2) werden, Corn-Cob-Mix wird ebenfalls niedriger bewertet mit -0,09 bzw. -0,13 MJ ME/kg TM, Sojaextraktionsschrot mit 43 % Rohprotein liefert -0,39 MJ ME/kg TM weniger, dafür hält Sojaextraktionsschrot mit 48 % Rohprotein etwa die gleiche Energiekonzentration wie früher, rohfasereiches Rapsextraktionsschrot sowie faserreiche Weizenkleie liefern mehr Energie als früher (+ 0,23 bzw.

+ 1,02 MJ ME/kg TM) aufgrund ihrer hohen Lieferung an Nicht-Stärke- bzw. Zucker-Kohlenhydraten, die zu den bakteriell fermentierbaren Substanzen zählen. Diese werden mit dem organischen Rest in der Formel zukünftig höher als früher bewertet.

Die vorteilhafte Wirkung der bakteriell fermentierbaren Substanzen wird also zukünftig besser bewertet.

Diese Tatsache hat natürlich auch zur Folge, dass Mischungen mit höheren Anteilen an Futtermitteln mit höheren Gehalten an Nicht-Stärke- bzw. Zucker-Kohlenhydraten zukünftig höher bewertet werden als es früher der Fall war. Bei der aufgeführten Beispielmischung für die tragenden Sauen in der Übersicht 1 wurde dieses verdeutlicht. Wenn der Energiewert der Mischung für die tragenden Sauen mit höheren Anteilen an Weizenkleie und Trockenschnitzeln höher als bislang errechnet wird, wird in stärkereicheren Mischungen für die säugenden Sauen eher ein geringer Wert errechnet.

Eiweißausstattung der Futter anpassen?

Bei den sich mehr oder weniger stark geänderten Energiegehalten zukünftiger Mischungen bei gleicher Komponentenzusammensetzung stellt sich jetzt natürlich die Frage, ob bei der Eiweiß- bzw. Aminosäurenausstattung der Futter reagiert werden sollte. Diese Frage stellt sich natürlich vor dem Hintergrund, dass sich für die Optimierung von Futtermischungen die Einstellung einer beabsichtigten, von der wissenschaftlichen Forschung abgeleiteten Eiweiß( Lysin) -Energierelation, bewährt hat. In Futtern mit unterschiedlichen Energiegehalten wird nämlich die Eiweißausstattung im Verhältnis zur   Energieanhebung oder – absenkung erhöht oder reduziert. Diese Vorgehensweise soll natürlich beibehalten werden! Um zukünftig gezielt optimieren zu können, sollten die neuen Versorgungsempfehlungen der GfE 2006 herangezogen werden. Diese sind mit sehr geringem zeitlichem Versatz mit der Einzelfuttermittelformel EFF 2006 aktualisiert worden und können demzufolge als aufeinander abgestimmt betrachtet werden.

Um die richtige Eiweißausstattung eines Futters zu erreichen, erlaubt die Verwendung der neuen Schätzgleichung für Energie in Kombination mit den neuen Versorgungsempfehlungen also ebenfalls eine genauere Vorgehensweise bei der Eiweißversorgung.

Bei Mischungen, die jetzt einen geringeren Energiegehalt als früher aufweisen, kann die Eiweißausstattung - besser Aminosäurenausstattung - in Relation zur abgesenkten Energiedichte reduziert werden.

Bei einer beabsichtigten Lysin : Energierelation von z. B. 0,76 g Lysin pro 1 MJ ME für ein Mastfutter ab 40 kg Lebendmasse kann beim Übergang von zum Beispiel 13,4 MJ ME auf 13,2 MJ ME nach alter bzw. neuer Schätzgleichung für Mischfutter das Lysin also um 0,15 g je kg Futter (10,20 g – 10,05 g = 0,15 g) gesenkt werden ohne Leistungseinbußen zu befürchten.

Zusammenfassung

  • Die neue Schätzgleichung für Energie in Mischfuttermitteln erlaubt eine genauere Energieberechnung – die neuen Energiewerte stimmen besser mit denen nach der Einzelfutterformel (EFF 2006), der „Referenzformel“ überein.
  • Zur Energieberechnung eiweißreicher Futtermischungen wird es keine „2.“ eigene Mischfutterformel mehr geben – für die Energieberechnung solcher Mischungen kann ebenfalls die neue Formel genutzt werden.
  • Energiegehalte von Einzelkomponenten können bei vorliegenden Verdaulichkeiten für die enthaltenen Einzelnährstoffe mit der Einzelfutterformel berechnet werden und können für einen Einzelkomponentenvergleich hilfreich sein – aus pragmatischen Gründen sollten Einzelkomponenten aber mit der neuen Mischfutterformel gerechnet werden, weil sie letztendlich in Mischungen eingesetzt werden.
  • Stärke- sowie zuckerreiche Futtermischungen bzw. Futter werden zukünftig geringere Energiegehalte, Futtermischungen bzw. Futter mit höheren Anteilen an Nicht-Stärke- bzw. Zucker-Kohlenhydraten werden dagegen höhere Energiegehalte aufweisen.
  • Für die Optimierung der Eiweißausstattung in Futtermischungen kann weiterhin auf die bewährte Relation der Aminosäure Lysin : Energie zurückgegriffen werden.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann und Heinrich Bußmann