Ferkelfutter optimieren!

Ferkel im Stall

Eine gezielte Nähr-, Mineral- und Wirkstoffversorgung trägt entscheidend zur Absicherung einer erfolgreichen Ferkelaufzucht bei! Dieses verdeutlichen die vielen praktischen Erfahrungen und die unterschiedlichen Versuchsergebnisse zur Ferkelfütterung weltweit. Welche Kriterien sind es aber nun, die bei der Optimierung und Verfütterung von Ferkelaufzuchtmischungen die auf jeden Fall Berücksichtigung finden sollten, um die Leistungsbereitschaft und Vitalität von Ferkeln zu fördern? Eine Erläuterung der wichtigsten Faktoren erfolgt in diesem Bericht.

Ziele in der Ferkelaufzucht und Kenngrößen zur Futteroptimierung

Betriebsindividuelle Fütterungsstrategien haben konkrete Zielsetzungen zur Basis. Dabei ist das grundsätzliche Ziel der Ferkelaufzucht eigentlich auf eine vergleichsweise einfache Formel zu bringen. An erster Stelle steht nämlich die Forderung nach einheitlichen, frohwüchsigen und vitalen Tieren, die eine erfolgreiche und problemarme Aufzucht und Mast ermöglichen. Um dieses konkreter beschreiben bzw. besser in Fakten fassen zu können, wird immer wieder folgende Faustregel genannt:

"Von frohwüchsigen, vitalen Ferkeln ist in der Regel dann auszugehen, wenn die Tiere in weniger als 70 Lebenstagen ein Gewicht von mind. 27 kg Lebendmasse erreicht haben."

Für den Ferkelzüchter sind daneben natürlich gleichbleibend gute Zunahmen in aufeinanderfolgenden Durchgängen genauso bedeutend, um die vorhandenen Stallplatzkapazitäten optimal nutzen zu können. Ein gleichbleibendes, wenig schwankendes Zunahmeniveau von Æ 450 g Tageszunahmen, im Gewichtsbereich von 7 - 27 kg, ist deshalb eine weitere Forderung. Zumal die Erfahrungen zeigen, dass extrem hohe Zunahmen in dem genannten Gewichtsabschnitt von über 550 g je Tag, nicht immer gleichzeitig einen Vorteil für die sich anschließende Mast bedeuten müssen. Die Wachstumsintensitäten verschieben sich nämlich oftmals nur von der einen zur anderen Phase. Nach hohen Zunahmen in der Ferkelaufzucht kann also durchaus eine sehr verhaltene Anfangsmast folgen. Vielfach hängt dieses auch mit zu krassen Futterwechseln zusammen. Futterverschneidungsphasen sollten demzufolge standardmäßig durchgeführt werden (siehe Übersicht 1).

Kenngrößen zur Optimierung der Fütterung

Eine Darstellung wichtiger Kenngrößen kann der Übersicht 2 entnommen werden.

Futteraufnahme optimieren

Für eine leistungsgerechte Futterverteilung in Abhängigkeit vom Lebendgewicht liefert die nachfolgende Futterkurve eine hilfreiche Orientierung (siehe Übersicht 3).

Hohe Futterakzeptanz

Nach dem Absetzen und Aufstallen der Ferkel in den Ferkelaufzuchtstall, muss ein ausreichendes Angebot an hochwertigem Starterfutter und Tränkwasser sicher gestellt sein. Eine Hunger- bzw. Durstphase ist auf jeden Fall vorzubeugen, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Tiere in ein zu großes Energiedefizit reinrutschen und die Weiterentwicklung bzw. -anpassung des Verdauungssystems stark abfällt. Futter und Tränkwasser müssen eine hohe Akzeptanz aufweisen, damit sich die bis dahin entwickelte enzymatische Verdauung und die sich entwickelnde Mikroflora, sowie darmassoziierte Immunsystem harmonisch weiter entwickeln können. Dies wird beim Futter in erster Linie durch einer der Entwicklung der Ferkel angepassten Komponentenauswahl erreicht. Die mit den Komponenten angebotenen Nährstoffe müssen eine hohe Verdaulichkeit bzw. Verwertbarkeit besitzen.

In der Übersicht 4 sind verschiedene hochwertige Eiweiß- und Energieträger für die frühe Phase der Ferkelaufzucht aufgeführt. In der Startphase nach dem Absetzen steht die gezielte Auswahl von Eiweißträgern und Energie ganz vorne an. Ziel sollte es sein, ein Starterfutter mit mind. 7 g Lysin je 100 g Rohprotein anzubieten. Wie der Auflistung der Futtermittel in der Übersicht 4 zu entnehmen ist, wird diese Forderung von den tierischen Eiweißträgern Magermilchpulver, Molkepulver, Heringsmehl und von dem wieder erlaubten Blutplasma erreicht bzw. überschritten. In der Gruppe der pflanzlichen Eiweißlieferanten erreicht bzw. überschreitet nur das Kartoffeleiweiß diesen Wert von 7 g Lysin pro 100 g Rohprotein. Wenn dann noch fest steht, dass die hochwertigen Energieträger kaum Lysin liefern, wird deutlich, dass leistungsorientierte Ferkelaufzuchtmischungen nicht ohne die Ergänzung von freiem Lysin und weiteren essentiellen Aminosäuren sicher zusammengestellt werden können. Zur Erleichterung der Absetzphase sollte ein Starterfutter immer einen angemessenen Anteil an Komponenten enthalten dem Milcheiweiß in die Futtermischung liefern. Einerseits aufgrund der hohen Verdaulichkeit der Eiweiße, andererseits aber auch um eine gewisse Menge hochverdauliche Laktose (Milchzucker) anzubieten. Diesen Nährstoff können die bislang vorwiegend mit Sauenmilch ernährten Ferkel sehr gut zur Energiegewinnung und zur besseren Verdauung anderer Nährstoffe nutzen. Die Einsäuerung des Nahrungsbreies erfolgt bei jungen Ferkeln nämlich zunächst vorwiegend über die Milchsäurebildung aus eben diesem Milchzucker. Diese Funktion wird mit zunehmendem Alter und Umstellung der Verdauung durch die körpereigene Salzsäurebildung und -abgabe in den Magen übernommen.

An handelsübliches Sojaschrot, mit etwa 43 % Rohprotein, sollten junge Ferkel auf jeden Fall mit langsam steigenden Anteilen herangeführt werden. Dies ermöglicht höhere Leistungen und beugt u.a. gleichzeitig fütterungsbedingten Durchfallerkrankungen vor. Im ersten Starterfutter sollte deshalb zusätzlich höherwertiges chemisch aufbereitetes Sojaproteinkonzentrat einen angemessenen Platz eingeräumt werden.

Durch das Angebot hochwertiger Eiweißträger mit höherer Lysinkonzentration im Rohprotein kann gleichzeitig ein möglichst geringer Rohproteingehalt im Futter eingesetzt werden. Dieses trägt dazu bei, dass das Puffervermögen des Futters bzw. der Salzsäureverbrauch zur Einsäuerung der Futter im Magen des Ferkels möglichst gering gehalten werden kann. Der positive Effekt eines abgesenkten Rohproteingehaltes im Ferkelfutter auf die Verdauungsvorgänge konnte bereits mehrfach in verschiedenen Fütterungsversuchen gezeigt werden. So auch in Haus Düsse, wo ein um 1 % geringerer Rohproteingehalt, statt 18,4 % nur 17,4 % Rohprotein, weniger Durchfallbehandlungen erforderte und die Leistungen der Ferkel deutlich verbesserte (siehe Übersicht 6). Inwieweit der Einsatz von hochwertigen Fischmehlen in der Ferkelaufzucht in Form fischmehlhaltiger Ergänzungsfuttermittel wieder erfolgen sollte, hängt sehr stark vom Umfang und der Qualität der bereits eingemischten hochwertigen Eiweißträger ab. Fischmehl liefert natürlich sehr hochwertige Eiweißbausteine, sowie wertvolle Mineral- und Wirkstoffe. Werden diese aber, z. B. das Carnitin, über bestimmte Anteile an Milchprodukten schon in das Starterfutter geliefert, so ist der Einsatz von Fischmehl keinesfalls grundsätzlich zu fordern.

Neben gewissen Anteilen an Haferflocken oder Gerste, bzw. standardisierten Keksmehlen, eignen sich natürlich auch aufgeschlossenes Getreide als hochwertige Energielieferanten im Starterfutter für frisch abgesetzte Ferkel. Der Anteil überwiegend aufgeschlossener Energieträger sollte im Starterfutter mind. 25 % betragen.

Eine mögliche Zusammensetzung von Futtermischungen für die dreiphasige Ferkelaufzucht kann der Übersicht 5 entnommen werden. Hierbei wurde zwischen zwei möglichen Strategien entschieden, nämlich auf Basis von Einzelkomponenten und auf Basis von eiweißreichen Ergänzungsfuttermitteln inklusive Einsatz eines Fertig-Starters. Sehr deutlich wird bei den vorgeschlagenen Strategien, dass mit zunehmendem Lebendgewicht der Ferkel der Anteil an sehr hochwertigen Komponenten abnimmt. So wird das hochwertige Blutplasma nur im Starterfutter mit 4 % eingestellt. In den Versuchen im LZ Haus Düsse konnte gezeigt werden, dass vor allem die Qualität des zuerst aufgenommenen Futters bzw. der im Futter eingemischten Einzelkomponenten einen hochgradigen Einfluss auch den Gesamterfolg der Aufzucht hat (siehe Übersicht 6). Neben hohen Leitungen war die Vitalität der Tiere ebenfalls verbessert. Dies lässt den begründeten Rückschluss zu, dass sich beim ersten Starterfutter die sicherlich höheren Futterkosten vielfach wirtschaftlich gut rechnen.

Hygienestatus bzw. Futterangebotsform optimieren

Neben der Verdaulichkeit und Verwertbarkeit des Futters wird die Futteraufnahme mehr oder weniger stark von der Futterstruktur, der Homogenität, dem Hygienestatus und selbstverständlich auch von der Art und Weise der Futtervorlage beeinflusst.

Das mögliche Ausmaß eines mangelnden Hygienestatus im Ferkelfutter konnte beim Merkmal Futteraufnahme im Erntejahr 1998 in einem Fütterungsversuch mit hoch mit Mykotoxinen belasteten Weizen im LZ Haus Düsse sehr anschaulich verdeutlicht werden. Gegenüber der Kontrollgruppe mit unbelastetem Weizen, fraßen die Ferkel der Versuchsgruppe ca. 39 % weniger Futter, statt 269 g nur 165 g/je Tag. Dementsprechend fielen die Tageszunahmen um 65 % zurück (siehe Übersicht 6).

In der Übersicht 7 wird eine Orientierung zur Einstufung des Hygienestatus im Ferkelfutter gegeben.

Die Frage nach einer ausreichenden Futterhomogenität stellt sich vor allen Dingen beim Einsatz von Fließfutter, da die Gefahr einer Fließ-Futterentmischung hier noch viel eher auftreten kann, als beim Trockenfuttereinsatz. Alle Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung eines homogenen Futterbreies müssen hier genutzt werden. Beim Ausdosieren des Fließfutters muss sich das Futter natürlich schnell genug gleichmäßig im Futtertrog verteilen. Hierzu bedarf es gewisser Wassermengen im Fließfutter. Je nach Fütterungstechnik und eingesetzter Komponenten wird ein Futter-Wasser-Verhältnis von 1:3-2 gefahren. Aufgeschlossene Komponente, wie Molken oder fermentiertes Getreide ermöglichen dabei geringere Wassermengen je kg Trockenfutter, weil das Futter in seiner Viskosität abnimmt und gleichzeitig weniger schnell entmischt. Auf jeden Fall darf sich die Nährstoff-Wasserrelation in allen Teilen des Fließfutters nicht unverhältnismäßig hoch variieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein Teil der Tiere zu wenig Nährstoffe erhalten und unterversorgt sind. Ein starkes auseinander wachsen ist dabei nur eine der möglichen Folgen. Gleichzeitig besteht auch die Gefahr, dass ein Teil Futter sehr viel später bzw. gar nicht gefressen wird. Dies ist einem geforderten, hohen Hygienestatus im Fließfutter keinesfalls zuträglich. Nach den bisherigen Erfahrungen sollte beim Einsatz von Fließfutter in der Ferkelaufzucht deshalb mindestens gebröseltes Futter statt mehlförmiges zum Einsatz gelangen. Des Weiteren kann die Aufrechterhaltung eines möglichst homogenen Fließfutters zusätzlich durch den gezielten Einsatz bestimmter Gesteinsmehle unterstützt werden.

Bei Einsatz von Trockenfuttertechniken hat sich der Einsatz von pelletiertem gegenüber mehlförmigem Futter bewährt. Dies verdeutlichen auch der jüngst abgeschlossene Fütterungsversuch im LZ Haus Düsse (siehe Übersicht 6).

Dass ein hoher Hygienestatus auch im Tränkwasser zu fordern ist, zeigte der Düsser Versuch zum 2%igen kontinuierlichen Chlordioxid-Einsatz bei Ringleitungen. Die Tageszunahmen konnten um 9 % verbessert werden (siehe Übersicht 6). Hierzu liegt auch bereits eine Vielzahl positiver Praxiserfahrungen vor.

Zusammenfassung

Bei der Zusammenstellung von Ferkelfuttermischungen müssen grundsätzliche Forderungen erfüllt werden, bevor zusätzliche, spezielle Zusätze angedacht werden. Der gezielten Auswahl hochwertiger Komponenten fürs Starterfutter kommt zur Erzielung einer hohen Futterakzeptanz mit sehr hoher Bedeutung zu. Durch eine verdauungsfördernde Aufbereitung und Verfütterung dieser und weiterer Komponenten lässt sich die Futterakzeptanz gleichmäßig hohen Futteraufnahmen sehr gut steuern. Dabei kommt der Aufrechterhaltung eines höchstmöglichen Hygienestatus durch Aufbereitung und Verfütterungstechnik natürlich eine ganz herausragende Bedeutung zu.

Neben der Futter- und Fütterungshygiene darf die Einhaltung eines hohen Hygienestatus im Tränkwasser auf keinen Fall vergessen werden, weil besonders unerwünschte Keime - insbesondere Colikeimen im Tränkwasser - zu starken Verdauungsstörungen führen können.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann und Sybille Patzelt