Fischmehle mit guter Qualität

Schweinefutter

Über die Ergebnisse einer Sonderuntersuchung von Fischmehlen berichten Dr. Wolfgang Sommer und Eckart Meinert von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen aus Münster und Straelen

Nicht wenige Betriebe in Nordrhein-Westfalen verwenden Fischmehl als Eiweißträger in der Sauen- und Ferkelfütterung. Die Landwirte schwören dabei auf die hohe Wertigkeit des Fischmehls. Sie erhoffen sich Leistungssteigerungen und Sonderwirkungen hinsichtlich der tierischen Gesundheit. Gerade vor dem Hintergrund hoher Krankheitsbelastungen berichten manche Betriebe über diesbezüglich günstige Einflüsse. Hochwertiges Fischmehl verbessere auch die Immunabwehr der Tiere, so die Aussagen der Praktiker. Außerdem wird von besserem Rauscheverhalten der Sauen und intensiveren Brunstsymptomen berichtet.

Auf der anderen Seite ist seit langem bekannt, dass es in der Sauenfütterung auch ohne tierisches Eiweiß geht und mit guten Sojaschrotqualitäten entsprechend hohe Leistungen erzielt werden. Möglicherweise gilt dies aber nur für optimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen bzw. bei einem hohen Gesundheitsstatus der Tiere. Man wird diese Frage nicht abschließend beantworten können.

Was zeichnet den Proteinträger Fischmehl nun im besonderen in der Schweinefütterung aus? Zum einen besteht das Rohprotein zu sehr hohen Anteilen aus essentiellen Aminosäuren wie Lysin, Methionin/Cystin, Threonin und anderen wertvollen Aminosäuren, die vom Schwein nicht selbst gebildet und deshalb zugefüttert werden müssen. Geraten diese essentiellen Eiweißbausteine in den Mangel, können sich das Muskelwachstum der Ferkel und die Milchleistung der Sauen verringern. Außerdem sind die Aminosäuren für den Aufbau und die Stärkung des Immunsystems der Tiere notwendig und verantwortlicher Schutzfaktor gegenüber Krankheitserregern. Gutes Fischmehl verfügt aber nicht nur über hohe Aminosäuregehalte und ein für das Schwein sehr günstiges Aminosäurenmuster. Die in Fischmehl enthaltenen Aminosäuren sind zudem hoch verfügbar. Man spricht in diesem Zusammenhang von der standardisierten Dünndarmverdaulichkeit, die bei den erstlimitierenden, essentiellen Aminosäuren fast 90 % beträgt und in dieser Höhe typisch für alle tierischen Eiweißträger ist. Eine hohe Proteinverdaulichkeit kommt speziell den Ferkeln nach dem Absetzen zu gute, zumal deren auf Muttermilch abgestelltes Enzym- und Verdauungssystem häufig noch unterentwickelt ist. Durchfallrisiken sind dann häufig die Folge.

In der Übersicht 1 wird übliches Fischmehl mit anderen Eiweißfuttermitteln verglichen, um die Unterschiede in den Proteinkennziffern noch einmal zu verdeutlichen. Es zeigt sich, dass Fischmehl die mit Abstand höchsten Aminosäurengehalte und aufgrund der hohen Verdaulichkeiten auch die höchsten Gehalte an verdaulichen Aminosäuren aufweist.

Ein weiteres Merkmal für die hohe Proteinwertigkeit des Fischmehls ist die Menge an Aminosäuren bezogen auf 100 g Protein. Fischmehl von mittlerer Qualität enthält beispielsweise 7,6 g Lysin je 100 g Rohprotein (Rechengang: 48,0 g Lysin dividiert durch 632 g Rohprotein mal 100), Sojaschrot dagegen nur 6,2 g Lysin je 100 g Rohprotein. Ähnlich unterschiedlich verhält es sich bei den anderen Aminosäuren, mit Ausnahme von Tryptophan. Hier ist Sojaschrot mit 1,3 g je 100 g Rohprotein dem Fischmehl (nur 0,9 g/100 g Rohprotein) etwas überlegen.

Fischmehl enthält bekanntermaßen relativ wenig Tryptophan. Hierauf ist besonders in der Ferkelaufzucht zu achten, zumal die jungen Tiere sehr hohe Ansprüche an ein ausgeglichenes Aminosäuremuster im Futter stellen. Aus älteren Versuchen mit Mastschweinen weiß man beispielsweise, dass eine Unterversorgung an Tryptophan zu einer nachlassenden Futteraufnahme der Tiere führen kann.

Hohe Aminosäurengehalte im Rohprotein eines Futters bzw. einer Futtermischung haben in der Schweinefütterung zweierlei Vorteil: Bei einer hohen Konzentration an Aminosäuren kann der Proteingehalt der Futtermischung vergleichsweise niedrig gehalten werden. Dadurch wird zum einen die Säurebindungskapazität des Futters reduziert, was das Risiko von Ferkeldurchfällen verringert, und zum anderen ein Beitrag zur umweltgerechten Fütterung geleistet, da weniger Stickstoff ausgeschieden wird und so in die Gülle gelangt.

Für die Herstellung, den Vertrieb und die Verfütterung von Fischmehlen und fischmehlhaltigen Produkten werden strenge gesetzliche Auflagen gemacht (s. Kästchenbeitrag). Aus diesem Grunde gibt es in Deutschland nur wenige Firmen, die sich mit diesen Produkten befassen. Hauptlieferant ist die Handelsgesellschaft AG Köster in Hamburg. Dieses Unternehmen bietet eine ganze Palette verschiedener Fischmehle und Ergänzungsfutter an.

Die deklarierten Rohproteingehalte reichen bei den reinen Fischmehlen laut Herstellerangaben von 60 % (Typ „Wiking“) bis 72 % (Typ „Nordriff“). Fischvollmehle sind Erzeugnisse, die durch das Trocknen und Vermahlen von Fischen oder Teilen von Fischen gewonnen werden und denen der eingedickte Presssaft zugesetzt wird. Die Rohstoffe für diese Fischmehle kommen teils aus Skandinavien, aber überwiegend aus Südamerika (Peru). Die Trocknung geschieht durch Dampftrocknung (steam dried) oder Feuertrocknung (flame dried). Die sehr schonend dampfgetrockneten Fischmehle werden in der Aquakultur eingesetzt. Die Fettgehalte können je nach Produkt zwischen 6 und 13 % schwanken.

Für die Preis- und Qualitätsbestimmung sind in erster Linie Herkunft und Zusammensetzung der Rohstoffe sowie die Höhe des Rohproteingehaltes ausschlaggebend.

Um sich einen Überblick über die auf dem Schweinesektor vorhandenen Fischmehlqualitäten in Nordrhein-Westfalen zu verschaffen, hat die Landwirtschaftskammer eine stichprobenartige Sonderuntersuchung in landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt. Die insgesamt 24 Proben wurden durch die Schweinespezialberater der Kammer gezogen, und zwar schwerpunktmäßig im Rheinland. Die Untersuchung erfolgte im Untersuchungszentrum der Landwirtschaftskammer (LUFA Münster). Welche Ergebnisse dabei herauskamen, zeigen die Darstellungen in den Übersichten 2 und 3.

In Übersicht 2 sind zunächst die analysierten Rohnährstoff- und Mineralstoffgehalte der untersuchten Proben aufgeführt. Es handelt sich dabei um Fischvollmehle, sortiert nach Typ Protex 100 und Typ Elbkrone. Drei weitere Vollmehle trugen die Bezeichnung Nordkap, pan oceana und Columbus. Der durchschnittliche Trockenmassegehalt der insgesamt 19 Fischmehle betrug 90,0 %, was einen guten Wert darstellt. Allerdings reichte die Spanne von 87,5 bis 91,9 %. 5 Proben hatten gegenüber der Deklaration einen etwas überhöhten Wassergehalt, was für eine lange Haltbarkeit von Nachteil sein kann.

Im wichtigen Merkmal Rohprotein betrugen die Durchschnittswerte 65,0% (Typ Protex 100) bzw. 63,4 % (Typ Elbkrone). Im Mittel aller Proben wurden 64,5 % erreicht, allerdings bei einer großen Spanne von 61,9 % (Typ Elbkrone) bis 68,0 % (Typ Nordkap). Bei einem Typ Elbkrone wurde der deklarierte Proteinwert von 64 % im Sinne des Futtermittelrechtes deutlich unterschritten. Denn die Proteingehaltsunterschreitung darf höchstens 2 % absolut betragen. Erfreulicherweise konnten die Deklarationswerte bei allen anderen Fischvollmehlen voll bestätigt werden, was für die hohe Qualität der Fischmehlprodukte sprach. Bei den fünf untersuchten fischmehlhaltigen Ergänzungsfuttern fiel ebenfalls ein Rohproteinwert aus der Reihe. Und zwar wurde hier der Deklarationswert von 68 % Rohprotein mit analysierten 62,3 % sehr deutlich unterschritten.

Die gemittelten Rohaschegehalte erreichten 16,7 %, die Spanne war auch in diesem Merkmal relativ gering (15,7 bis 17,4 %). Die gemessenen Gehalte an Calcium und Phosphor lagen bei durchschnittlich 3,73 % bzw. 2,47 %. Die Analysenwerte variierten zwischen 3,28 und 4,0 % bei Calcium und zwischen 2,28 und 2,65 % bei Phosphor. In den gebräuchlichen Futterwerttabellen wird im Gegensatz zu den hier gefundenen Analysendaten von   viel höheren Mineralstoffgehalten ausgegangen. Möglicherweise müssen diese teils älteren Tabellenwerte korrigiert werden. Für Rationsberechnungen sollte mit den oben erwähnten Ca- und P-Gehalten gerechnet werden.

Im Rohfettgehalt ergaben sich zwischen den verschiedenen Fischmehltypen ebenfalls nur geringe Unterschiede. Im Mittel aller 19 Proben wurden 8,2 % (6,6 bis 9,1%) festgestellt. Die bei allen Typen mit 8 % deklarierten Fettgehalte wurden eingehalten. Lediglich einmal wurde der Wert um die gesetzlich festgelegte Toleranz (max. 12 % relativ) unterschritten. Das Rohfett bzw. Fischöl zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren aus. Diese auch in der Humanernährung wertvollen Fettsäuren sollen infektions- und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen.

Die Aminosäurengehalte der Fischmehle wurden auf Basis der gemessenen Rohproteingehalte mittels der üblichen Degussa-Schätzformel berechnet. In Abhängigkeit von der Höhe des Proteingehaltes veränderten sich damit auch die Aminosäurengehalte. Hierzu finden sich Angaben in Übersicht 3. Im Durchschnitt aller 19 Fischmehlproben wurden 4,73 % Lysin, 2,34 % Methionin/Cystin, 2,62 % Threonin und 0,68 % Tryptophan ermittelt. Diese Konzentrationen liegen ganz knapp unter den früheren Tabellenwerten. Die jeweiligen Spannen sind den Klammerwerten zu entnehmen. Wie zu ersehen ist, schwanken die Aminosäurengehalte am stärksten bei dem Protex 100.

Fischmehle enthalten zudem reichlich Mengen an Spurenelementen und Vitaminen. Diese Wirkstoffe wurden aber nicht untersucht. Auch das L-Carnitin, eine den Aminosäuren in der chemischen Zusammensetzung ähnliche Substanz, kommt vermehrt in Fischmehlen vor. L-Carnitin erfüllt besondere Funktionen im Energiestoffwechsel der Tiere. In speziellen Fütterungsversuchen mit Carnitinzulagen konnte man beispielsweise die Reproduktionsleistungen von Sauen stark verbessern, indem mehr Ferkel pro Wurf, höhere Wurfgewichte und höhere Zunahmen erzielt wurden. Möglicherweise erklärt dies eine der Sonderwirkungen, die dem Fischmehl in der Sauenfütterung nachgesagt werden. .

Beispiele für Sauen- und Ferkelfuttermischungen

Bei den Erhebungen in den Praxisbetrieben wurde ersichtlich, dass der Einsatz des Fischmehls von den Landwirten sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Einige setzen es nur im Ferkelfutter ein, andere nur bei den Sauen und manche auch in allen Bereichen.

Eine Orientierung für den Einsatz von Fischmehl in Ferkel- und Sauenmischungen geben die Beispiele in der Übersicht 4. Diese Anteile können im Einzelfall auch überschritten werden, wie Praxiserfahrungen zeigen. Die Einsatzempfehlungen von Fischmehl in Ferkelmischungen liegen bei 3 – 7 %, in Sauenmischungen zwischen 2 und 3 %. Die verschiedenen Futtermischungen wurden so gewählt, dass die Gehaltsempfehlungen der DLG bzw. des Rechenmeisters der LWK-NRW erfüllt werden. Um den Rohproteingehalt nach oben zu begrenzen, müssen die Mineralfutter für Ferkelmischungen mit Lysin, Methionin/Cystin sowie Threonin angereichert sein, trotz des Fischmehleinsatzes. Das Mineralfutter enthält daher neben 6,5 % Lysin noch zusätzlich 1,8 % Methionin sowie 1 % Threonin. Das Sauenmineralfutter enthält 3 % Lysin. Um eine ausreichend hohe Energiedichte zu erreichen wurde ein HP-Sojaschrot (ca. 48 % RP) ausgewählt. Der Ferkelergänzer in Verbindung mit dem einheitlichen Mineralfutter garantiert eine ausreichend hohe Versorgung der Ferkel mit den essentiellen Aminosäuren.

In Schweinemastrationen wird in der Regel kein Fischmehl eingesetzt. Vereinzelt hört man aber aus der Praxis, dass Probleme im Mittelmastbereich (60 - 80 kg) durch den Einsatz von Fischmehl behoben werden konnten.

Sorgfältig lagern

Das Fischmehl ist eine hervorragende Quelle für hochwertiges Eiweiß. Um diese Qualitäten auch zu nutzen, bedarf es einiger Punkte, die es zu beachten gilt. Als erstes ist die Lagerung des Fischmehls zu beachten. Das Fischmehl wird in der Regel sackweise auf Paletten geliefert, sehr häufig in größeren Gebinden von 1000 bis 2000 kg je Lieferung, um Frachtkosten zu sparen. Auf den Säcken wird ein Mindesthaltbarkeitsdatum von einem halben Jahr angegeben. Fischmehl ist aber ein sehr empfindliches Produkt, welches auf Grund des sehr hohen Rohproteingehaltes auch schnell verderben kann. Die Empfehlung lautet daher, die Lagerdauer im Betrieb im Sommer auf einen Monat und im Winter auf maximal zwei Monate zu begrenzen. In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass Fischmehl auch ein Salmonellenproblem beinhalten kann. Aber die Hersteller führen ständige Kontrollen durch.

Weiterhin ist zu beachten, dass Fischmehl sehr viel Fett enthält. Hier sind vor allem die mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu erwähnen, welche schnell zum Verderb des Fettes (Ranzigwerden) führen können. Dies ist evtl. schon am Geruch des Fischmehls zu erkennen. Bei der Probenahmeaktion fielen einige Proben auf, die sehr unterschiedlich und teils sehr streng im Geruch waren. Wichtig ist daher eine trockene und saubere Lagerung der Säcke, um die Qualität des Fischmehls zu bewahren.

Fischmehl zieht Fliegen an. Daher ist es notwendig, die Lagerstätte und deren Umgebung sauber zu halten, um einer Fliegenplage Einhalt zu bieten.

Die Farbe des Fischmehls kann auch sehr unterschiedlich sein. Sie ist abhängig von der Herkunft, ob skandinavisch oder südamerikanisch. Die etwas dunklere Farbe deutet auf einen höheren Fettgehalt hin und die Rohproteinqualität dieser Ware ist höherwertiger als die der helleren Ware.

Preiswürdigkeit und Kosten

Im Rahmen der Untersuchungsaktion sind auch die Nettopreise für die einzelnen Produkte beim Landwirt anhand der Lieferscheine bzw. Rechnungen ermittelt worden. Das Produkt Elbkrone (6 Proben) kostete im Durchschnitt 62,04 €/dt, mit einer Preisspanne von 58,50 € bis 67,00 €. Für das Produkt Protex 100 (8 Proben) wurden im Durchschnitt 60,04 €/dt bezahlt, mit einer Spanne von 55,00 € bis 72,00 €/dt. Die Höhe des Preises war aber unabhängig von der Bestellmenge oder vom Lieferdatum.

Soll nun die Preiswürdigkeit des Fischmehls mit dem üblichen Standardeiweißträger Sojaextraktionsschrot verglichen werden, so kann das Fischmehl nicht annähernd dem preiswerten Sojaschrot Paroli bieten. Bei einem Gerstenpreis von 11,00 €/dt und einem Sojapreis von 21,00 €/dt dürfte Fischmehl nach der Austauschmethode, auf Lysinbasis berechnet, maximal 32,02 €/dt, auf Basis von Rohprotein sogar nur 28,67 €/dt kosten.

Auf die Frage, warum man sich trotz des hohen Preises für den Einsatz von Fischmehl entschieden habe, kam fast immer die Antwort, dass man sich eine Leistungssteigerung vom Einsatz des Fischmehls erhofft habe und dass dies in der Regel auch eingetreten sei. Die höheren Kosten für die Fischmehlmischungen würden durch Leistungssteigerungen (ausgeglichenere Entwicklung der Ferkel in der Aufzucht, weniger Kümmerer, bessere Brunst, höhere Fruchtbarkeit, bessere Gesundheit der Tiere) mehr als ausgeglichen, vor allem in Zeiten von Circovirusproblemen, so die Aussagen der Landwirte.

Fazit

Trotz strenger rechtlicher Auflagen werden Fischmehle oder fischmehlhaltige Mischfuttermittel in der Sauen- und Ferkelfütterung eingesetzt. Die Mischungsanteile liegen in der Regel bei 2 bis 5 %. Die Betriebe erhoffen sich durch diese hochwertigen Protein- und Energieträger mehr Sicherheit in den Leistungen und Verbesserungen der tierischen Gesundheit, insbesondere vor dem Hintergrund ständigen Infektionsdruckes in den Beständen.

Um sich einen Überblick über die im Handel befindlichen Fischmehlqualitäten zu verschaffen, wurde von der Landwirtschaftskammer eine Sonderuntersuchung in landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt.

Ergebnis

Von einer Ausnahme abgesehen konnten die bei den reinen Fischmehlen im Bereich von 64 bis 70 % deklarierten Rohproteingehalte analytisch bestätigt werden. Bei einem von fünf untersuchten fischmehlhaltigen Ergänzungsfuttern wurde ebenfalls eine Proteinunterschreitung der gesetzlichen Toleranz (max. 2 %-Punkte) festgestellt. Alle untersuchten Fischmehle hatten einen deklarierten Fettgehalt von 8 %. Lediglich in einem Fall kam es zu einer Unterschreitung des gesetzlich festgelegten Fettgehaltes (max. 12 % relativ). Die analysierten Calcium- und Phosphorgehalte zeigten eine unter den üblichen Tabellenwerten liegende Konzentration.

Erstaunlich hoch waren die Preisunterschiede bei den Fischmehlen. Bei gleichen Fischmehltypen variierten die Preise/dt zwischen 58,50 € und 67,00 € (Elbkrone) bzw. zwischen 55,00 € und 72,00 € (Protex 100). Diese Preisdifferenzen waren aber nicht abhängig von Liefermenge und Lieferdatum.

Rechtliche Auflagen beim Fischmehleinsatz

In der EU-Verordnung Nr. 1234/2003 wird die Verwendung und Lagerung von Fischmehl und Futtermitteln, die Fischmehl enthalten (Alleinfutter, Ergänzungsfutter) genau geregelt. An diese Vorschriften haben sich Hersteller, Händler und Landwirte unbedingt zu halten.

Für landwirtschaftliche Betriebe, die keine Wiederkäuer halten, gelten andere, geringere Auflagen als für Betriebe, die Schweine und Wiederkäuer halten. Verdeutlicht werden diese Zusammenhänge in der Übersicht. Es sind folgende Bestimmungen zu beachten:

Übersicht: Rechtliche Anforderungen beim Fischmehleinsatz nach EU-VO Nr. 1234/2003

Verfütterung von ... Fischmehl Alleinfutter mit Fischmehl Ergänzungsfutter
mit Fischmehl
(> 50 % Rohprotein)
Ergänzungsfutter
mit Fischmehl
(< 50 % Rohprotein)
Schweinebetriebe
ohne
Wiederkäuerhaltung

Zulassung

-

Zulassung

Registrierung
Schweinebetriebe
mit
Wiederkäuerhaltung

Verbot

Verbot *)
(Gestattung)

Verbot *)
(Gestattung)

Verbot *)
(Gestattung)

*)   Unter besonderen Voraussetzungen Gestattung möglich.

  1. In schweinehaltenden Betrieben ohne Wiederkäuerhaltung
    • Das Lagern und Verfüttern von fischmehlhaltigen Alleinfuttermittelnvon zugelassenenHerstellerbetriebenist ohne Einschränkung möglich undbedarf keinerlei Genehmigung durch die zuständige Behörde.
    • Beim Einsatz von Fischmehl ist eine Zulassung der Behörde erforderlich
    • Beim Einsatz von fischmehlhaltigen Ergänzungsfuttern, die mehr als 50 % Rohprotein enthalten, muss der selbstmischende Landwirt ebenfalls eine Zulassung haben.
    • Beim Einsatz von fischmehlhaltigen Ergänzungsfuttern, die weniger als 50 % Rohprotein enthalten, benötigt der Landwirt nur eine Registrierung durch die zuständige Behörde.
        
  2. In schweinehaltenden Betrieben mit Wiederkäuerhaltung
    • Der Bezug, die Lagerung und die Verwendung von Fischmehl und fischmehlhaltigen Mischfuttermitteln ist grundsätzlich verboten.
    • Die zuständige Behörde kann aber die Lagerung und Verwendung fischmehlhaltiger Mischfuttermittel unter der Voraussetzung gestatten, wenn nach Einschätzung dieser Behörde in dem Betrieb Maßnahmen angewandt werden, die zuverlässig ausschließen, dass Futtermittel, die Fischmehl enthalten, an Wiederkäuer verfüttert werden.

Die Zuständigkeit der Behörden ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Nordrhein-Westfalen sind für die nichtgewerblichen Futtermittelhersteller, also die selbstmischenden Landwirte, die Veterinärämter der Kreise und kreisfreien Städte zuständig.

Für eine Zulassung, Registrierung und Gestattung des Betriebes müssen Gebühren entrichtet werden. Einzelheiten zum Antragsverfahren und zur Gebührenhöhe sind bei den zuständigen Veterinärbehörden zu erfragen. Auskünfte erteilt auch die Landwirtschaftskammer NRW. Landwirte, die den Einsatz von Fischmehl oder fischmehlhaltigen Mischfuttermitteln (Alleinfutter, Ergänzungsfutter) planen, sollten sich auf jeden Fall vorab mit dem zuständigen Veterinär in Verbindung setzen.

Beim Fischmehleinsatz sind auch die Cross-Compliance-Vorschriften (CC-Vorschriften) zu beachten, da hiervon die EU-Direktzahlungen abhängig sind. Verstöße gegen CC-Vorschriften können zu Kürzungen der Direktzahlungen führen. Ab 01.01.2006 sind die Schweinehalter betroffen, die Fischmehl oder Fischmehl-haltige Futtermittel verfüttern. Im Klartext: Betriebe, die diese Produkte einsetzen und dafür eine Registrierung, Zulassung und/oder Gestattung benötigen, diese aber nicht vorweisen können, verstoßen gegen die oben erwähnte EU-Verordnung und werden dadurch im Rahmen von CC sanktioniert.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer und Eckart Meinert