Fundament- und Klauenprobleme: Was kann die Fütterung leisten?

Ferkel im Stall

In der Aufzucht werden wichtige Grundlagen für eine gesunde Fundamententwicklung gelegt. Aus Sicht der Fütterung spielen zwei Aspekte eine wesentliche Rolle: Die Energieversorgung der Zuchtläufer und Jungsauen muss speziell im Gewichtsbereich von ca. 30 bis 90 kg so gedrosselt werden, dass das Knochenwachstum mit der übrigen Körperentwicklung Schritt halten kann. Eilt das Gewebewachstum der Skelettentwicklung voraus, sind Fundamentprobleme vorprogrammiert. Als Ziel der Aufzucht sollten Jungsauen bei einem Erstbelegungsalter von 220 bis 240 Tagen etwa 120 bis 130 kg wiegen. Dies entspricht einer durchschnittlichen Lebendtagszunahme von 550 bis 600 g. Diese Empfehlung gilt im Grunde für alle Hybridherkünfte.

Ein zweiter Aspekt - neben verhaltener Energie- und Eiweißversorgung - ist die optimale Mineralstoff- und Vitaminversorgung. Hier spielen die Elemente Calcium, Phosphor, Zink und Vit. D eine besondere Rolle. Für die Klauenfestigkeit ist Biotin hervorzuheben.

In der SUS-Ausgabe Nr. 4/2003 wurde auf die Jungsauenfütterung bereits ausführlich eingegangen. Dort werden auch praktische Futtermischungen für die Aufzuchtfütterung gegeben. Ergänzend zu diesem Beitrag soll nachfolgend speziell auf die Mineralstoff- und Vitaminversorgung eingegangen werden.

Etwa 99 % des Calciums, 80 % des Phosphors und 66 % des im Körper der Tiere vorhandenen Magnesiums befinden sich im Skelett. Auf ausreichende Zufuhren dieser Elemente mit dem Futter ist stets zu achten, um die gewünschte Knochenmineralisierung zu gewährleisten. Während die Magnesiumversorgung kein Streitpunkt ist und bei üblicher Rationsgestaltung auch keine Probleme bereitet, bestehen hinsichtlich der Calcium- und Phosphorversorgung oft unterschiedliche Ansichten. Einige Zuchtunternehmen weichen hierbei teils erheblich von üblichen Fütterungsempfehlungen ab. Leider liegen bis heute keine gesicherten Empfehlungen seitens der GfE oder DLG zur Versorgung der Jungsauen mit verdaulichem Phosphor vor, die für Beratung und Praxis richtungsweisend sein könnten. Hinzu kommen aus ökologischen Gründen Bestrebungen nach Reduzierung der P-Gehalte im Futter, was die Fundamentproblematik nicht gerade verringert.

Neben den Mengenelementen Ca und P muss den Tieren immer genügend Vitamin D bereitgestellt werden, da auch das Vitamin D wichtige Funktionen im Ca-P-Stoffwechsel erfüllt. Ein Mangel kann zu Rachitis (mangelhafte Ca-P-Einlagerung ins Skelett), Knochendeformationen, vergrößerten Gelenken, steifem Gang und zu Lahmheit führen. Vit. D-mangelbedingte Fundamentschäden sind allerdings selten, da die Vit. D-Versorgung der Jungsauen beispielsweise über entsprechend ausgestattete Mineralfutter eigentlich kein Problem darstellt.

Mangelhafte Zufuhren an Calcium und Phosphor lassen sich bei den Tieren nicht von heute auf morgen feststellen. Beide Elemente werden nämlich im Knochengewebe gespeichert und in Phasen ungenügender Zufuhr oder erhöhten Bedarfes in gewissen Mengen freigesetzt. Mineralstoffbedingte Fundamentprobleme treten also meist mit zeitlicher Verzögerung auf. Das gleiche gilt für Gegenmaßnahmen: Durch Ca-P-Zulagen, beispielsweise in Form von hochwertigem Monocalciumphosphat, sind erst nach einer bestimmten Zeit, wenn die Knochendepots der Tiere wieder aufgefüllt sind, sichtbare Fundamentverbesserungen zu beobachten.

Die Versorgungsempfehlungen der Hybridzuchtunternehmen reichen beim Calcium und Phosphor für 40 kg schwere Zuchtläufer von 7,6 bis 9,3 g bzw. von 5,1 bis 7,2 g je kg Futter (bezogen auf 13 MJ ME). Für 70 kg schwere Jungsauen schwanken die Empfehlungen zwischen 6,5 und 8,8 g (Ca) bzw. zwischen 5,1 und 6,7 g (P). Diese Angaben unterscheiden sich erheblich. Einige Hybridzuchtunternehmen empfehlen den Zusatz mikrobieller Phytase und gehen dann von leicht abgesenkten Brutto-P- und Ca-Gehalten aus. Wichtig für die Versorgung der Tiere sind aber nicht nur die Ca-P-Gehalte je kg Futter, sondern auch die täglichen Futtermengen, die zugeteilt werden.

In der Übersicht sind deshalb alle Kriterien wie Ca-P-Gehalte je kg Futter, Energiebedarf und tägliche Futtermenge für verschiedene Zuchtphasen zur besseren Orientierung dargestellt. Dabei wird nicht zwischen einzelnen Hybridherkünften unterschieden, was letztlich auch nicht maßgebend ist.

Empfehlungen zur Energie- und Calcium-/Phosphorversorgung von Zuchtläufern und Jungsauen

Empfehlungen zur Energie- und Calcium-/Phosphorversorgung von Zuchtläufern und Jungsauen

Die P-Versorgung der Jungsauen ist so zu kalkulieren, dass sie einen Zuschlag gegenüber Mastschweinen von ca. 10 % erhalten. Wird mit Phytasezusätzen gearbeitet, können die Brutto-P-Gehalte - wie in der rechten Spalte der Übersicht dargestellt - entsprechend reduziert werden, da die mikrobielle Phytase die P-Verdaulichkeit verbessert. Entsprechend lässt sich die P-Ausscheidung der Tiere verringern.

Längerfristig zu enge (1 : 1) wie zu weite (> 3 : 1) Ca-P-Relationen im Futter können zu Skelettschäden führen. Bei bedarfsüberschreitender P-Versorgung wird der zusätzliche Phosphor in die Knochen eingelagert. Bei extremer Unterversorgung reduziert sich die Stabilität bzw. Bruchfestigkeit der Knochen. Optimal sind Ca : P-Relationen von 1,3 bis 1,5 : 1 bzw. Ca : verdauliche P-Relationen von 2,5 bis 3,0 : 1. Damit die Ca-P-Einlagerung im Skelett stets gesichert ist, sollten Jungsauenfutter 1.500 bis 2.000 I.E. Vit D je kg enthalten.

Das Spurenelement Zink ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Knochen. Zinkmangel (weniger als 30 - 50 mg/kg Futter) kann sich vor allem auf das Längenwachstum der Knochen negativ auswirken, dürfte aber unter praktischen Bedingungen kaum vorkommen. Zu empfehlen sind 100 - 150 mg Zink/kg Sauenfutter.

Schließlich ist das wasserlösliche B-Vitamin Biotin von besonderer Bedeutung. Diesem Vitamin werden günstige Eigenschaften im Hinblick auf die Härte der Klauen, also die Klauenfestigkeit nachgesagt. Biotin wird zwar im Dickdarm des Schweines gebildet, um spürbare Effekte auf die Klauenbeschaffenheit zu erzielen, müssen aber über mehrere Monate hohe Biotinmengen zugefüttert werden. Während für Jungsauen üblicherweise 200 - 300 mcg Biotin/kg Futter völlig ausreichen, sollten bei Klauenproblemen mind. 500 - 800 mcg/kg verabreicht werden. Am besten erreicht man als Eigenmischer diese Dosierung mit entsprechend hoch ausgestatteten Mineralfuttermitteln (bei 4 %igem Mineralfutteranteil sind mind. 12.500 mcg/kg Mineralfutter erforderlich), die als Sondermischung zu erhalten sind. Durch Biotin-Zusätze verteuert sich das Futter. Je 500 mcg Biotin/kg sind etwa 0,30 € je Dezitonne Futter an Mehrkosten zu veranschlagen. Gute Biotin-Träger sind auch Bierhefe, Raps- und Sonnenblumenschrot. Massive Klauenschäden, die durch schlechte Stallböden entstehen, lassen sich allerdings mit Biotin nicht beheben.

Für die übrige Spurenelement- und Vitaminversorgung der Jungsauen gelten die gleichen Grundsätze wie bei der Versorgung von Zuchtsauen.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer