Hohe Futteraufnahmen erreichen!

Schweinefutter

So lautet derzeit ein vorrangiges Ziel in Betrieben mit leistungsorientierter Sauenhaltung und hohen Ferkelzahlen. Die Auswertungen der Leistungsdaten aus den 5 zurückliegenden Wirtschaftsjahren zeigen, dass die Leistungsentwicklung deutlich über derjenigen liegt, die vor 10 Jahren prognostiziert wurde. Ein Großteil der Sauen haltenden Betriebe setzt im Mittel 25 Ferkel ab und Spitzenleistungen von 28, teils über 30 Ferkel werden in einigen Betrieben auch erreicht.

Ausschlaggebend für diesen enormen Fortschritt waren vor allem die Zucht und der Einsatz von Sauenherkünften mit verbesserter Fruchtbarkeitsleistung. Dabei sind besonders zum einen, die höhere Anzahl lebend geborener Ferkel und andererseits die gute Vitalität dieser Ferkel direkt nach der Geburt zu nennen. Eine weitere Maßnahme, die dieser Entwicklung zuträglich war, ist sicherlich auch im deutlich besseren Management bei der Jungsaueneingliederung zu sehen. Eine harmonische Eingliederung mit viel Kontakt zur späteren Betreuungsperson vermeidet Stress und hält Energien für höhere Leistungen bereit.

Die Sauenfütterung hat dieser Entwicklung des Leistungsvermögens natürlich auch Rechnung zu tragen, damit Vitalität und Nutzungsdauer dieser Hochleistungssauen erhalten bleibt. Dabei zeigt sich bei allen Fütterungsmaßnahmen zur Optimierung der Nähr-, Mineral- und Wirkstoffversorgung in den unterschiedlichen Leistungsstadien der Sauen, in der Praxis und in durchgeführten Exaktversuchen unter Stationsbedingungen, dass in erster Linie eine hinreichend hohe Futteraufnahme der Sauen in der Säugezeit den wohl wichtigsten „Schlüssel“ für hohe biologische Leistungen und damit für eine hohe Wirtschaftlichkeit darstellt.

Inwieweit eine ausreichende Futteraufnahme bei den Sauen während der Trage- und Säugezeit erreicht werden konnte, lässt sich am Konditionszstand – nach Auge, besser mittels Fettauflagenmessung zur Geburt und nach dem Absetzen – und oder mittels Feststellung der Sauengewichte vor und nach bestimmten Leistungsstadien ermitteln, z. B. zur Errechnung der Substanzverluste während der Säugezeit. So gilt beispielsweise als grobe Richtschnur, dass während einer 21- bis 28-tägigen Säugezeit ein maximaler Substanzverlust von bis zu 10 % (= 18 – 22 kg Lebendmasse) zu tolerieren ist, um negative Auswirkungen auf Fruchtbarkeitsmerkmale wie Umrauschquote und Anzahl lebend geborener Ferkel zu vermeiden. Substanzverluste von über 15 % sind auf jeden Fall als hoch bedenklich einzustufen. Als Ziel sollten Körpermassen-Einschmelzungen zur Abdeckung des hohen Nährstoffbedarfs in der Säugezeit von 5 – 8 % im Mittel der Sauenherde erreicht werden bzw. toleriert werden.

Zur Erreichung dieser Zielsetzung kann eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen einen Beitrag leisten (siehe Abbildung 1). An dieser Stelle sollen wohl wissend, dass Maßnahmen zur Optimierung des Managements, der Haltung und der Tiergesundheit des Bestandes einen entscheidenden Einfluss auf die Futteraufnahme haben, diejenigen Maßnahmen, die die Fütterung in der Säugezeit unmittelbar betreffen, checklistenmäßig abgearbeitet und erörtert werden.

Diese Checkliste ist in der Übersicht 1 aufgeführt.

Für die Zusammenstellung und Optimierung von Trage- und Säugefuttermischungen sollten auf jeden Fall die neuen Versorgungsempfehlungen der DLG aus 2008 berücksichtigt werden. Diese Empfehlungen tragen dem gestiegenen Leistungsvermögen heutiger Sauenherkünfte und neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung. Aufgrund gestiegener Lebendgewichte der Sauen sind die Richtwerte zur täglichen Energieversorgung angehoben worden. Für eine normal konditionierte Jungsau bzw. Sau werden für die niedertragende Phase bis zum 85. Trächtigkeitstag 31 bzw. 35 MJ ME je Tag empfohlen und in der hochtragenden Phase ab dem 85. Trächtigkeitstag 39 bzw. 43 MJ ME je Tag. Für laktierende Jungsauen bzw. Sauen sind die Energie-Versorgungsempfehlungen in Abhängigkeit von abgesetzten Ferkeln je Wurf oder vom Wurfzuwachs auf 66 bis 95 MJ ME je Tag angehoben worden (siehe Übersicht 2). Bei einem angenommenen Energiegehalt von 13,2 MJ ME im Säugefutter sollte eine Hochleistungssau im Mittel also 7,2 kg Futter (95 : 13,2) pro Tag aufnehmen. Aufgrund der langsamen Anfütterung in der ersten Säugewoche mit einer täglichen Steigerung von 0,5 kg Futter je Tag sind in der dritten Woche Spitzenfutteraufnahmen von über 8,5 kg je Tag notwendig, um den Bedarf zu decken.

Zur Erreichung einer genaueren Eiweißversorgung basieren die Empfehlungen zum täglichen Aminosäurenangebot nunmehr auf Basis der praecaecal verdaulichen Aminosäuren. Die Relationen der zuerst limitierenden Aminosäuren Lysin, Methionin/Cystin, Threonin und Tryptophan sollte in Säuge- und Tragefutter auf pcv- bzw. Brutto-Basis 1 : 0,6 : 0,65 : 0,19 betragen.

In der Übersicht 3 sind einige Richtwerte je kg Sauenfutter für durchzuführende Futteroptimierungen bei tragenden und säugenden Sauen aufgeführt. Bei fortwährenden, überhöhten Abweichungen von diesen Vorgaben sind Leistungs- und Vitalitätsveränderungen zu befürchten, die sich bei unvorhersehbaren Futterverzehrseinbrüchen sicherlich verstärken werden.

Durch den Einsatz von schmackhaften Einzelkomponenten wie Gerste, Weizen, eventuell milchsäurehaltiges CCM, hochwertige Sojaextraktionsschrote und faser- bzw. bakteriell fermentierbare Substanzen liefernde Rohfaserträger kann sowohl der Appetit, die Verdauungsvorgänge und auch das Abkoten der Sauen positiv beeinflusst werden. Wichtig ist, dass in Trage- und Säugefuttermischungen stets die gleichen Komponenten vertreten sind, damit bei einem Futterwechsel eine Woche vor bzw. nach dem Abferkeltermin keine gravierende Umstellung der Darmflora und damit der Verdauungsvorgänge auftritt. „Verwandte“ Futter anbieten!! Die Umstellung auf ein höher mit Nährstoffen ausgestattetes Säugefutter sollte sozusagen kaum bemerkt werden und fließend erfolgen. Der Fluss des Futterbreies und der Nährstoffe im Darm und in den Stoffwechsel soll keinesfalls zum Erliegen kommen, eher erhöht werden. Dabei zeigen Exaktversuche und auch praktische Erfahrungen keinesfalls den Optimal-Zeitraum für den Trage- zum Säugefutterwechsel an. Sicher scheint aber, dass eine Umstellung zur Geburt selbst eher problematisch ist. Diese zweifache Herausforderung für die Sauen sollte entweder durch einen Futterwechsel eine Woche vor oder knapp 1 Woche nach der Geburt abgemildert werden. Hierbei kommt dem ausreichenden Angebot von Komponenten mit mehr oder weniger leicht über Mikroben aufschließbaren Faserstoffen eine besondere Bedeutung zu. Über diese bakteriell fermentierbaren Substanzen (BFS) wird nicht nur ein kleiner Energiebeitrag erwartet, als vielmehr die Aufrechterhaltung des Futterbreiflusses durch Magen und Darm mit anschließendem weichem Kotabsetzen erwartet. Eine deutliche Erhöhung der Futterverweilzeit im Darm und hierbei insbesondere im Mastdarm fördert das Wachstum unerwünschter, das Wohlbefinden beeinträchtigende Keime. Dieses Unwohlsein führt dann zu geringerer Fresslust und der ohnehin verringerte Darmbreitransport verringert sich nochmals. Die Aufrechterhaltung eines gleichbleibenden Futterbreiflusses durch den Darm durch die Darmperistaltik sollte wie eben bereits beschrieben durch den Einsatz von gleichen Mischfutterkomponenten mit ausreichender Lieferung von bakteriell fermentierbaren Substanzen (BFS) stets unterstützt werden. Analytisch lässt sich diese Forderung nach einem harmonischen Angebot an leichter und schwerer löslichen Faserstoffen bzw. Kohlenhydraten weniger gut mit den bekannten Rohfaser-Eckwerten von mindestens 4,5 bzw. 7 % im Säuge- und Tragefutter erreichen. Hier wäre eine Forderung zu Gehalten an analytisch zu bestimmende Neutrale Detergenzienfasern (NDF) und Saure Detergenzienfasern (ADF) sicherlich Ziel führender. Und zwar mind. 150 g NDF sowie max. 75 g ADF im Säugefutter und mind. 200 g NDF sowie max. 75 g ADF im Tragefutter. Bei der Zusammenstellung von Fasermixen aus verschiedenen Faserträgern, wie z. B. Weizenkleien, melassierten Trockenschnitzeln, Sojabohnenschalen und Grünmehlen sollten diese Zielwerte zur optimalen Ausstattung bzw. Ergänzung von betriebsindividuellen Trage- und Säugefuttern auf Basis unterschiedlicher Energie- und Eiweißträger stets mitberücksichtigt werden.

Zur Stabilisierung bzw. Verbesserung der Futteraufnahme in der Säugezeit darf die Fütterung auf die richtige Kondition in der Tragezeit und die gezielte Geburtsfütterung keinesfalls vergessen werden. Sauen mit einer guten Futterkondition zur Säugezeit (Konditionsnote 3,5 – 4) sind eher in der Lage, die großen Futtermengen aufzunehmen und auch zu verwerten und behalten dann auch eher ihren Appetit, weil sie in der stark auf Stoffumsatz ausgerichteten Laktationsphase besser zusetzen können, als es bei von vornherein mageren Sauen der Fall wäre. Eine gezielte Konditionsfütterung sollte deshalb von 10 Tagen nach der Belegung bis zum 85. Trächtigkeitstag angewandt werden. Eine Orientierung für Futterzuschläge je nach Einordnung in eine Konditionsklasse enthält die Übersicht 4.

Um kurz vor und nach der Geburt auf die stärker durch Körpersubstanzen einschmelzende Laktationsphase vorzubereiten, sollten die Maßnahmen der Übersicht 5 systematisch angewandt werden. An dieser Stelle sollte auch an die nunmehr vermehrt positiven Erfahrungen mit einem Einsatz von 250 – 350 g extrudierten Leinsamen/Mais oder Getreidegemisch rund um die Geburt verwiesen werden. Insgesamt konnte auch in einer Erprobungsphase in der Düsse ein deutlich besseres Abkotverhalten festgestellt werden. Diese Maßnahme sollte in Betrieben mit MMA-Fällen auf jeden Fall ausprobiert werden.

Die Kationen-Anionen-Bilanz (KAB) sollte bei allen Futteroptimierungen stets mitberechnet werden, um stärkere Abweichungen vom anzustrebenden Zielbereich zwischen +50 bis +250 mmol/kg TM von vornherein zu vermeiden. Extrem hohen pH-Werten im Harn von > pH 8,5 speziell zur Geburt kann damit vorgebeugt werden. Erfahrungsgemäß treten bei angestrebten pH-Werten von unter 6,5 im Harn weniger MMA-Erscheinungen auf.

Nach wie vor helfen erfahrungsgemäß auch reichliche Tränkwasseraufnahmen rund um die Geburt vielfach als bestes Mittel MMA-Fällen vorzubeugen.

Aus dieser Feststellung heraus und der Überlegung wurde in Haus Düsse auch der einsatz der flüssigen Futtervorlage erprobt. Der vor einem Jahr abgeschlossene Versuch über 2 Jahre zeigte einen deutlichen tendenziellen Vorteil für den Einsatz von flüssigem Futter bei säugenden Sauen. Der Substanzverlust der Sauen konnte durch höhere Futteraufnahmen um 2 %-Punkte tendenziell gesenkt werden. Dabei wurde allerdings mit der Spotmixanlage von Schauer geprüft. Diese Technik ermöglicht keine echte Futterquellung wie bei einer echten Flüssigfütterungsanlage.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann