Futterzusätze zur Salmonellenbekämpfung

Schweinefutter

Ob sich mit bestimmten Futterzusätzen Salmonellenprobleme in der Schweinemast reduzieren lassen, untersuchten in einem Praxisversuch Dr. Wolfgang Sommer und Josef Bunge.

Belastungen mit Salmonellen stellen in der Schweinehaltung ein permanentes Problem dar. Aktuell etwa 4 bis 5 % der im Rahmen von QS beprobten Betriebe werden in Kategorie III eingestuft, tragen also ein erhöhtes Salmonellenrisiko mit all den negativen Folgen. Die Infektionsursachen und –wege sind vielfältig. Störungen der Darmflora von Schweinen, Veränderungen der Darmschleimhaut und herabgesetzte Immunabwehr können einer Infektion Vorschub leisten.

Auch extreme Temperaturen und Stresssituationen wie Stallwechsel und lange Transportwege, mangelhafte Haltungsbedingungen usw. und dadurch bedingte Immundepression können das Infektionsrisiko erhöhen. Zur Abwehr von Infektionen sind deshalb eine Reihe verschiedener Maßnahmen notwendig, die im Grunde lückenlos durchgeführt werden müssen.

Einen Teilaspekt bilden auch Futter und Fütterung der Schweine. Salmonelleneinträge direkt übers Futter stellen dabei jedoch die Ausnahme dar, Übertragungen durch z.B. Nager und Vogelkot kommen selten vor. Dagegen steht die Aufrechterhaltung einer gesunden Magen-Darm-Flora im Vordergrund. Spezielle Strategien hinsichtlich einer positiven Beeinflussung des Verdauungssystems verringern Infektionen mit pathogenen Erregern. Ziel einer gesunden, leistungsgerechten Fütterung muss deshalb eine ausgewogene Darmflora (Eubiose) sein, Störungen (Dysbiose) führen leicht zu Erkrankungen.

Notwendig sind immer ausreichende Rohfaserzufuhren. Auch der Vermahlungsgrad des Futters kann von Einfluss sein. Nach neueren Untersuchungen führt ein eher grob gemahlenes Futter zu einer Reduzierung der Salmonellenbelastung. Erklären lässt sich dieser Zusammenhang damit, dass bei grober Vermahlung mehr unverdaute (Getreide-) Stärke in den Dickdarm gelangt, die dort von den Mikroben unter vermehrter Bildung von Propion- und Buttersäure abgebaut wird. Durch dieses Milieu in Verbindung mit einem schnelleren Futtertransport durch den Dickdarm wird die Salmonellenausbreitung gehemmt.

Grob gemahlenes kann auf der anderen Seite in der Mast zu Leistungsnachteilen führen (schlechtere Futterverwertung, geringere Tageszunahmen), was zu bedenken ist. In älteren Mastversuchen (Haus Düsse, 1996) wurde beispielsweise festgestellt, dass eine sehr grobe Vermahlung infolge des größeren Futtervolumens zu einem deutlichen Rückgang in der Ausschlachtung führt (teils über 2 kg verringertes Schlachtgewicht/Tier!), was mit erheblichen finanziellen Verlusten verbunden war.

Ein Beitrag zur Verbesserung der Futtermittelhygiene und Futterverdauung ist auch der Einsatz organischer Säuren. Eine Senkung des pH-Wertes im Futter verringert die Pufferkapazität und fördert damit Magen-Darm-Funktionen. Futtersäuren sind mittlerweile in der Praxis stark verbreitet. Auch der Einsatz von pflanzlichen Futterzusatzstoffen wird im Zusammenhang mit Verdauungsfördernden Effekten diskutiert. Selbst antimikrobielle Wirkungen werden manchen Kräutern (Extrakte, ätherische Öle) nachgesagt.

Inwieweit möglicherweise eine Kombination dieser Zusatzstoffe zur Salmonellenbekämpfung beitragen kann, wurde von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der HGS Hamburg in einem praktischen Schweinemastversuch geprüft. Zum Einsatz kamen zwei verschiedene Produkte, futtermittelrechtlich zugelassene Zusatzstoffe, die übers fertige Mischfutter eingesetzt werden. Produkt A bestand aus einer gekapselten Kombination von Ameisensäure, Zitronensäure, Calcium, natürlichen und naturidentischen Aromastoffen (pflanzlichen Stoffen). Produkt B bestand ebenfalls aus einer gekapselten Kombination von Zitronensäure, Fumarsäure, Orthophosphorsäure, Apfelsäure, natürlichen und naturidentischen Aromastoffen. Beide Produkte werden von der Firma HGS (Handelsgesellschaft für Spezialfuttermittel mbH, Hamburg) vertrieben.

Der Versuch erfolgte in einem Mastbetrieb in der Nähe von Münster, der über 1.500 Plätze verfügt, die sich insgesamt auf drei Mastställe verteilen. In diesen Mastställen werden von 260 Sauen der Rasse Hermitage die eigenen Ferkel gemästet

Der Versuch wurde in einem separaten Kammstall mit vier Abteilen und insgesamt 480 Plätzen von Juni bis Dezember 2007 durchgeführt. Zweimal sechs Buchten wurden mit je 10 Ferkeln pro Abteil belegt. Kontroll- und Versuchsabteile wurden dabei abwechselnd angeordnet. Dreimal täglich erhielten die Tiere am Quertrog zunächst in der Vormast ein Alleinfutter und in der Mittel- und Endmast eine Eigenmischung. Die Eigenmischung bestand aus Ergänzungsfutter, Weizen und Gerste. Stall- und Fütterungstechnik waren in allen Gruppen identisch. Die Versuchstiere erhielten über das Vormastalleinfutter in den ersten sechs Wochen vier kg Produkt A/t Mischfutter, anschließend mit den Eigenmischungen bis zum Ende der Mast 0,5 kg Produkt B/t Mischfutter. Die erforderliche Menge war dem eingesetzten Ergänzungsfutter entsprechend zudosiert.

Da die Ferkel im Wochenrhythmus erzeugt werden, konnten pro Woche ca. 120 Ferkel zur Mast aufgestallt werden. Die Belegung der vier Abteile des Kammstalles konnte deshalb nicht gleichzeitig erfolgen, sondern musste im Abstand von zwei Wochen je zur Hälfte durchgeführt werden. Nachdem alle Abteile belegt waren, wurde der Versuch gestartet.

Aus o. g. Gründen erhielt die zuerst eingestallte Versuchsgruppe erst zwei Wochen nach Aufstallung den Futterzusatz, während die zweite Versuchsgruppe gleich zu Beginn damit gefüttert wurde.

Alle Tiere der Kontroll- und Versuchsgruppen wurden zu Mastbeginn gewogen. Stallendgewicht und Zuwachs wurden aus den Schlachtgewichten berechnet. Dabei wurde eine durchschnittliche Ausschlachtung von 79,3 % angenommen. Die Tiere wurden an acht Terminen vermarktet, wegen der unterschiedlichen Gewichtsentwicklung aber in verschiedenen Anteilen. Entsprechend wurde die Zahl der Masttage gewichtet.

Wie sich die Verfütterung der Säurespezialprodukte auf die Leistungen der Mastschweine auswirkte, zeigen die Ergebnisse in der Tabelle 1. Bei den Tageszunahmen lagen die Versuchstiere deutlich vorn. So konnten sie ihre Zunahmen mit 807 g gegenüber den Kontrolltieren um 80 g verbessern. Durch diesen Leistungsvorsprung verkürzte sich die Mastdauer der Versuchstiere um 13 Tage auf 112 Tage. Der Futterverbrauch je kg Zuwachs war bei den Mastschweinen mit Säureeinsatz um 0,16 kg geringer.

Die Verlustquote war in beiden Mastdurchgängen durchschnittlich. Der Unterschied zwischen Kontroll- und Versuchsgruppe war nach Einschätzung des Betriebsleiters zufallsbedingt.

Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsberechnung sind in Tabelle 2 dargestellt. Das um 1,64 kg höhere Schlachtgewicht der Versuchsgruppe führte trotz der etwas schlechteren Klassifizierung zu einem Mehrerlös von 1,68 € je Tier. Die in der Tendenz schlechtere Klassifizierung in der Versuchsgruppe steht im Zusammenhang mit den deutlich höheren Zunahmen dieser Tiere. Insgesamt führte der Leistungsvorsprung der Versuchstiere zu einem finanziellen Vorteil von 3,20 € je Mastschwein. Dieser leitete sich aus dem höheren Schlachterlös je Tier ab sowie aus den um 1,52 € geringeren Futterkosten aufgrund der erzielten deutlich besseren Futterverwertung. Die durch den Säureeinsatz verursachten höheren Futterpreise je dt Futter sind dabei bereits berücksichtigt. Zu kalkulieren sind außerdem die wirtschaftlichen Vorteile in der Versuchsgruppe aufgrund der festgestellten geringeren Mastdauer.

Die erheblichen Leistungsverbesserungen der Versuchstiere bezüglich Tageszunahmen und Futterverwertung waren so nicht erwartet worden. Der Fütterungsversuch wurde in erster Linie mit der Zielsetzung durchgeführt, eine erhöhte Salmonellenbelastung durch eine Verfütterung von Spezialsäureprodukten zu reduzieren.

Seit einiger Zeit hat der Mastbetrieb zwischen 20 und 40% positive Salmonellenproben und gilt demnach als Kategorie II-Betrieb.

Ob die neu eingestallten eigenen Ferkel die Ursache für das Salmonellenproblem sein könnten, wurde durch Sammelkotproben abgeklärt. Normalerweise sind Sammelkotproben in den ersten Stunden nach Anlieferung am besten geeignet, um Salmonelleninfektionen zu entdecken. Daher wurden am Tag der Einstallung drei Sammelkotproben jeweils pro Kontroll- und Versuchsgruppe durch den Hoftierarzt genommen. Allerdings war bei der Probenziehung die zuerst eingestallte Kontroll- und Versuchsgruppe aus oben genannten betrieblichen Gründen bereits zwei Wochen im Maststall.

Gleichzeitig wurden 12 Blutproben von Einzeltieren jeweils pro Kontroll- und Versuchsgruppe gezogen. Zu Beginn der Endmast wurde die Beprobung der markierten Buchten bzw. Einzeltiere gleichermaßen wiederholt. Innerhalb 14 Tage vor der Schlachtung erfolgte eine dritte Blutbeprobung der betroffenen Einzeltiere.

Alle Proben wurden in der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht. Die Blutproben wurden mittels ELISA auf Antikörper gegen Salmonellen im Blutserum untersucht, die Untersuchung der Kotproben auf Salmonellen erfolgte kulturell.

Die Untersuchungen ergaben folgende Ergebnisse:

In jeder 3. Sammelkotprobe zu Versuchsbeginn konnten in den Kontroll- wie in den Versuchsgruppen Salmonellen kulturell nachgewiesen werden. Dies lässt den Schluss zu, dass bereits einzelne Ferkel zu Beginn der Aufstallung Salmonellenträger und auch – ausscheider waren, ohne selbst Krankheitssymptome zu zeigen. Die Kotproben zu Beginn der Endmast zeigten ein ähnliches Bild, allerdings waren in der 2. Versuchsgruppe die Salmonellenkotproben negativ. Diese Versuchsgruppe hatte direkt ab Aufstallung den Säurezusatz erhalten.

Interessanterweise ergab die Auswertung der Blutproben ein ähnliches Bild. Der Anteil positiver Proben in der 2. Versuchsgruppe betrug durchschnittlich 25 %, während in den Kontrollgruppen und in der 1. Versuchsgruppe doppelt so viele positive Salmonellenproben festgestellt wurden.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich folgendes ableiten:

Wie schon in anderen Betrieben mit Salmonellenproblemen immer wieder festgestellt, scheinen auch hier die Ferkel eine erhebliche Ursache zu sein. Die Fütterung kann, wie in diesem Praxisversuch ermittelt, dazu beitragen, z. B. durch Zusatz von Kombinationsprodukten aus organischen Säuren und pflanzlichen Stoffen das Problem zu entschärfen, wenn solche Zusätze sofort ab Einstallung durchgängig gefüttert werden. Ob sich allein dadurch Salmonellen  gar verhindern lassen, ist nicht zu erwarten.

Die eingesetzten Säureprodukte haben das Vormastfutter um 2,20 € / dt verteuert und das Mittel- bzw. Endmastfutter um 0,30 € / dt. Dadurch entstehen zunächst höhere Futterkosten, die aber in diesem Versuch durch einen auffällig hohen Leistungsvorsprung der Versuchstiere mehr als ausgeglichen wurden. Inwieweit sich diese Versuchsergebnisse auf andere Betriebe übertragen lassen, bleibt weiteren Fütterungsversuchen vorbehalten.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Josef Bunge