Alternativen für antibiotische Leistungsförderer in der Ferkelfütterung

Ferkel im Stall

Nach Erhebungen des Vereins Futtermitteltest (VFT Bonn) ist der Anteil der Schweinefutter mit Zusätzen an antibiotischen Leistungsförderern in den letzten Jahren bundesweit stark zurückgegangen, was sich mit unseren Beobachtungen in westfälischen Betrieben voll deckt. Bei den Ferkelaufzuchtfuttern sank dieser Anteil beispielsweise von ca. 80 % im Jahre 2000 auf rund 6 % in 2003. Dies hatte mehrere Gründe: Das Verbot der Mehrzahl der antibiotischen Leistungsförderer, die fehlende Akzeptanz dieser Zusatzstoffe beim Verbraucher und das Verbot jeglicher antibiotischer Leistungsförderer in QS-Betrieben.

Nach einer EU-Richtlinie dürfen nun ab dem 1. Januar 2006 überhaupt keine antibiotisch wirkenden Leistungsförderer mehr verfüttert werden. Vor diesem Hintergrund ist man seit längerem in der Schweine- und speziell der Ferkelfütterung bemüht, entsprechende Ersatzprodukte oder Alternativen zu entwickeln und anzubieten, die das Leistungs- und Gesundheitsgeschehen der Schweine ähnlich den Leistungsförderern verbessern sollen.

Aber vorweg: Die durch den Einsatz der zur Zeit noch zugelassenen Leistungsförderer Flavomycin, Salocin und Avilamycin erzielten Wirkungen (darmstabilisierend, leistungsfördernd, gesundheitssteigernd) lassen sich durch andere Futterzusatzstoffe nicht in gleichem Maße ersetzen.

Andererseits stellt der Verzicht auf diese Fütterungsantibiotika nicht unbedingt einen Nachteil dar, denn Vitalität, Gesundheit und Aufzuchtleistung der Ferkel hängt von zahlreichen Faktoren ab. Insgesamt bestimmen Tiermaterial, Haltung, Management und natürlich die Fütterung den Erfolg.

Der Handel bietet inzwischen eine fast unüberschaubare Vielzahl verschiedenster Futterzusatzstoffe an. Alle sollen das Leistungsvermögen der jungen wie älteren Schweine stabilisieren und verbessern. Derzeit kann man die futtermittelrechtlich zugelassen Substanzen grob in vier Gruppen einteilen: In organische Säuren, Probiotika, Enzyme und in pflanzliche Futterzusätze.

Fütterungssäuren

Die klassischen Fütterungssäuren zur Futterstabilisierung wie Propion-, Ameisen-, Fumar-, Milch- und Citronensäure sowie deren Salze werden schon seit langem erfolgreich in den Ferkelaufzuchtfuttern eingesetzt. Dafür gibt es aus der Literatur und vor allem aus der Praxis zahlreiche positive Hinweise und Ergebnisse. In letzter Zeit werden auch die aus dem Lebensmittelbereich bekannten Konservierungsstoffe Sorbin- und Benzoesäure mit vielversprechendem Erfolg als Futterzusatzstoffe verwendet. Ganz allgemein haben Säuren eine bakterizide und/oder fungizide Wirkung, was sich auf den Magen-Darm-Trakt und damit die Nährstoffverdauung des Ferkels günstig auswirken kann. Beispielsweise lassen sich die Colikeim bedingten Durchfallerkrankungen durch Säurezusätze   reduzieren. Diese magen- und darmstabilisierenden Effekte führen teils zu erheblichen Steigerungen der täglichen Zunahmen und zu signifikanten Verbesserungen in der Futterverwertung. Durch organische Säuren kann nicht nur eine Keimbelastung des Futters vermindert, sondern auch die Keimentwicklung im Verdauungstrakt gehemmt werden. Die optimalen Aufwandmengen und damit letztlich auch Kosten sind von Säure zu Säure verschieden. Die Dosierungen liegen im Bereich von etwa 1 bis 4 %. Durch Säurezusätze wird auch der Energiegehalt des Futters angehoben, was sich positiv auf die Leistungen auswirken kann. Nach den bereits erwähnten Erhebungen des VFT sind organische Säuren und deren Produkte bereits in über 90 % der industriell hergestellten Ferkelaufzuchtfutter eingesetzt, womit ihr Stellenwert klar umschrieben ist. Säurewirkungen sind speziell beim jungen Ferkel mit noch mangelhafter Magensäureproduktion erwünscht. So wird u. a. die im Magen einsetzende Eiweißverdauung gefördert. Wegen der einfachen Handhabung werden besonders von den Eigenmischern Säureprodukte auf Granulatbasis eingesetzt.

Ein Sonderprodukt ist „ Formi“. Es enthält keine freie Ameisensäure, der Wirkstoff ist Kaliumdiformiat, d. h. die Ameisensäure ist mit Kalium verbunden und liegt als Salz vor.

Die pH-senkende Wirkung im Magen ist sehr beschränkt, weil die Ameisensäure erst im Dünndarm aus der Kaliumverbindung freigesetzt werden und dort gegen E.Coli und Salmonellen wirken soll. Diese Zusammenhänge gelten prinzipiell auch für andere Säureprodukte, bei denen die Säure chemisch als Salzverbindung vorliegt. Das Produkt „ Formi“ ist in der EU als bisher einziger nicht antibiotischer Wachstumsförderer zugelassen.

Probiotika

Weiterer in der Ferkelfütterung relevanter Zusatzstoff sind die Probiotika. Unter Probiotika werden Mikroorganismen wie Bacillus-Arten, Milchsäurebakterien und Hefen verstanden. Diese Zusätze dienen der Unterstützung der Darmflora des Ferkels und haben so günstige Effekte auf das Tier. Probiotische Keime fördern nämlich im Gegensatz zu den antibiotischen Zusätzen die Entwicklung der gewünschten Darmmikroben, was Verdauung und Nährstoffverwertung günstig beeinflusst. Indirekt werden dadurch die unerwünschten pathogenen Darmbewohner unterdrückt, woraus z. B. Verbesserungen in der Futterverwertung resultieren können. In der Praxis können diese Wirkungen nur auftreten, wenn probiotische Bakterien im Futtermittel ausreichend stabil sind und nach einer Futteraufnahme durch das Tier in ausreichender Zahl bestimmte Regionen des Verdauungstraktes erreichen.

Bei einigen Produkten wie z. B. „Bioplus 2 B“ oder „ Toyocerin“ liegen die Mikroorganismen daher als natürlich geschützte Sporen vor, die nach der Magenpassage erst im Darm auskeimen und dadurch ihre Wirkung entfalten können.

Bei anderen Produkten wie „ Microbisan“ sind Milchsäurebakterien durch Trocknung in einer Art Schlafzustand versetzt, und in einem hoch komplizierten Verfahren mit einer Schutzschicht versehen. Sobald sie mit Flüssigkeit in Kontakt kommen, (z. B. im Darm), erwachen sie zu neuem Leben und sind sofort hoch aktiv.

Bei den Produkten „ Levucell SB“ und „ Bactocell PA“ verwendet der Hersteller speziell ausgewählte Mikroorganismen, die die Magenpassage unbeschadet überstehen können. Allerdings müssen auch diese Mikroorganismen für den Prozess der Futterpelletierung z.B durch eine Verkapselung zusätzlich geschützt werden.

Grundsätzlich muss beim Einsatz von Probiotika immer auf einwandfreies Tränkwasser geachtet werden. Wenn die Qualität des Tränkwassers nicht in Ordnung ist, haben Probiotika keine optimalen Lebensbedingungen, um ihre Wirksamkeit im Darm zu entfalten.

Futterenzyme

Auch Futterenzymehaben in den letzten Jahren eine größere Bedeutung erlangt. Das bekannteste Enzym ist die mikrobiell hergestellte Phytase, die speziell in Westfalen-Lippe fast in keinem Schweinefutter mehr fehlt. Mit dieser Phytase soll zwar in erster Linie die Phosphorverdaulichkeit des Futters verbessert werden. Sie kann aber auch dazu dienen, die Kupferverdaulichkeit im Futter anzuheben. Speziell für das Ferkel kann sich das günstig auswirken, zumal Kupfer kotstabilisierende Eigenschaften hat.

Andere Enzyme wie „ZY 68“ und „ Grindazym“ sollen die zu den Nicht-Stärke-Polysacchariden (NSP) gehörenden Substanzen Pentosane und Beta-Glucane aufspalten und für das Ferkel besser verdaulich machen. Pentosane kommen vor allem in Weizen, Triticale, Roggen und Gerste vor. Gerste enthält zusätzlich noch die Beta-Glucane   Schweine bilden für diese Nährstoffträger keine eigenen Enzyme. Sobald sich eine intakte Darmflora ausgebildet hat, können Schweine mit Hilfe ihrer Darmflora diese Substanzen teilweise aufschließen.

Pflanzliche Futterzusatzstoffe

Schließlich ist die breite Palette der pflanzlichen Futterzusatzstoffe anzusprechen. Hierunter versteht man die unterschiedlichsten Substanzen von Kräutern, Wurzeln, Gewürzen usw. Futtermittelrechtlich werden diese Zusätze den aroma- und appetitanregenden Stoffen zugeordnet. Die Hersteller verbinden mit ihren Produkten jedoch häufig leistungssteigernde, gesundheitsfördernde Wirkungen. Vielfach handelt es sich bei diesen Substanzen um Extrakte, die ätherischen Öle, die bekanntermaßen auch im Humanbereich aus verschiedenen Gründen Verwendung finden. In der Tierernährung gebräuchliche Substanzen sind z. B. Kräuter und Pflanzen wie Oregano, Thymian, Nelken, Knoblauch, Koriander, Salbei, Anis, Zimt, Fenchel und Schöllkraut sowie Extrakte aus Blutwurz. Häufig werden auch Mixturen aus diesen Stoffen angeboten. Diese Futterzusätze sind jedoch keine echte Alternative zu den klassischen Leistungsförderern. Sie sollen aber appetitanregende und verdauungsfördernde Effekte haben, die auch im Ferkelbereich genutzt werden können. Dadurch lassen sich unter Umständen die Futteraufnahme und Futterverwertung - vor allem unter kritischen hygienischen Haltungs- und Fütterungsbedingungen - verbessern. Bei manchen Substanzen sind zudem antimikrobielle Aktivitäten nachgewiesen worden, die sich auf Hefen, Pilze, Bakterien und sogar Viren erstrecken.

Pflanzliche Zusatzstoffe benötigen ähnlich wie Probiotika einen längeren Anwendungszeitraum, um im tierischen Organismus ihre Wirkung zu entfalten. Hier gibt es einen generellen Unterschied zu den Enzymen und den Fütterungssäuren, deren Wirkung im Tier direkt nach dem Einsatz erfolgt.

Es gibt inzwischen viele Versuche mit pflanzlichen Substanzen auch in der Ferkelfütterung. Aufgrund der Ergebnisse kann festgehalten werden, dass ein alleiniger Einsatz von Kräutern, Gewürzen und ätherischen Ölen selten zu den gewünschten Verbesserungen in den Leistungen geführt hat.

Insgesamt spielen pflanzliche Zusatzstoffe deshalb in der Schweinefütterung, speziell der Ferkelfütterung, eher noch eine untergeordnete Rolle, zumal die Erfahrungen mit diesen Substanzen in der Praxis sehr unterschiedlich sind.

Welche Produkte sind in der Praxis verbreitet, wie lauten die Einsatzempfehlungen in der Ferkelaufzucht und wie hoch sind die Kosten?

Der Handel bietet eine Vielzahl an Produkten aus den jeweiligen Stoffgruppen an. In der nachfolgenden Übersicht sind zu den jeweiligen Stoffgruppen einige Produktbeispiele aufgeführt, die im Ferkelaufzuchtfutter westfälischer Arbeitskreisbetriebe häufiger vorkommen. Die Übersicht ist nicht vollständig. Die ausgewählten Produktbeispiele sind mit Bezeichnung, Beschreibung und den Kosten der Produkte sowie den Einsatzmengen aufgeführt. Die Einsatzmengen und Kosten sind sehr unterschiedlich. Einige Produkte werden auch an Eigenmischer abgegeben. Insbesondere hier ist der Spielraum bezüglich der Produktkosten groß in Abhängigkeit der Gebindegrößen und Abnahmemengen. Manche dieser Produkte wie z. B. EV-Biogrün und WG-ROPA-Pulver sind hochkonzentriert und haben in der Regel geringe Einmischraten zur Folge. Vor einem eventuellen Kauf sollte der Eigenmischer klären, ob die eigene Mischanlage für solche geringen Einmischmengen überhaupt geeignet ist.

Fazit

Futtermittel bzw. Wirkstoffhersteller sind seit längerem bemüht eine Vielzahl an potenziellen Ersatzprodukten zu antibiotischen Leistungsförderern zu entwickeln und im Markt zu platzieren. Für den Landwirt wird es schwer, hierbei den Überblick zu behalten. Eine pauschale Empfehlung für eine bestimmte Produktgruppe oder für Kombinationen von Produktgruppen ist kaum möglich. Auf der anderen Seite ist die Verwendung von Fütterungssäuren speziell im Ferkelfutter gängige Praxis. Ob eine zusätzliche Absicherung oder Steigerung der Leistung durch Einsatz weiterer Produktgruppen oder deren Kombination anzuraten ist, hängt besonders in der Ferkelfütterung von vielen Faktoren wie z. B. Management, Rationsgestaltung, Fütterungstechnik und Gesundheitsstatus ab. Diese Dinge sollte der Ferkelerzeuger auch unter dem Aspekt der Kosten-Nutzen-Relation mit seinem Fütterungsberater diskutieren. Dabei ist sicherlich sehr viel Spezialwissen gefragt.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Josef Bunge