Getreidequalitäten 2009

Getreidequalität

Bis Ende August hatte die LUFA NRW in Münster bereits über 600 Getreideproben aus der Ernte 2009 untersucht. Die vorliegenden Ergebnisse aus der durchgeführten NIRS-Analytik erlauben bei dieser Anzahl an Untersuchungsergebnissen bereits eine gute Einschätzung der diesjährigen Getreidequalitäten. Wie in jedem Jahr sind naturbedingt wieder große Streuungen bei den wertbestimmenden Inhaltsstoffen zu verzeichnen. Neben der in einigen Regionen oftmals viel zu trockenen Witterung spiegelt diese Tatsache auch die unterschiedlichen Standortbedingungen (Bodenart, Wassernachlieferungsvermögen), die Saatzeit, die Sorte, die Düngung sowie die unterschiedlichen Pflanzenbehandlungen wieder.

Für einen gezielten Einsatz selbst geernteter und zugekaufter Getreidepartien ist deshalb eine Getreideuntersuchung zur Erlangung genauer Kenntnisse der wertbestimmenden Gehalte die wichtigste Voraussetzung. Die Optimierung von Ferkel-, Sauen- oder Mastschweinemischungen kann viel genauer erfolgen und Über- und Unterversorgungen mit teuren Nährstoffen lassen sich auf ein Minimum begrenzen. Gerade bei den gestiegenen Preisen für Sojaextraktionsschrot als wichtigste Komponenten für die Eiweißergänzungen sollte die Nährstofflieferung der betriebseigenen Komponenten so genau wie möglich bekannt sein, um gezielter und kostensparend füttern zu können.

Ein weiterer Grund, der die genaue Optimierung von Futtermischungen und deren Verfütterung mit Trocken- oder Flüssigfütterungsanlagen fordert, ist zudem das deutlich gestiegene Leistungsvermögen heutiger Schweineherkünfte. Dieser Zuchtfortschritt wird sich nämlich nur dann positiv auswirken können, wenn die Tiere auch dauerhaft bedarfsgerecht ernährt werden und nicht etwa in Phasen zeitweiser Unterversorgungen Vitalitäts- bzw. Leistungseinbrüche erfahren.

Der Aufwand einer Probennahme und – versendung zur LUFA sowie die entstehenden Kosten von 30 € zzgl. MWSt. für die Untersuchung mittels NIRS-Analytik dürften sich also stets positiv bemerkbar machen und wirtschaftlich rechnen.

Untersuchungsergebnisse mit großen Schwankungen

In der Übersicht 1 sind die Ergebnisse der diesjährigen Getreideuntersuchungen zusammengefasst. Aus Gründen der Vergleichbarkeit beziehen sich die Werte auf einheitliche Trockenmassegehalte (T-Gehalte) von 88 %.

Der mittlere T-Gehalt aller untersuchten Proben liegt bei 86,6 %, wobei sich die Schwankungsbreite von 79,7 bis 90,0 % erstreckt. Die größte Schwankungsbreite ist, wie im Vorjahr, bei der Gerste zu verzeichnen. Die Spanne reicht von unter 80 % nämlich von 79,7 bis 89,1 %. Bei der Rationsoptimierung ist die genaue Kenntnis des Trockensubstanzgehaltes von entscheidender Bedeutung, denn je nach Feuchtegehalt verändert sich die Konzentration der futterwertbestimmenden Inhaltsstoffe und damit das Angebot an Energie und Eiweiß mit dem Futter. Daneben haben Schwankungen von bis zu 10 % natürlich Einfluss auf die erforderlichen Wassermengen für die Einstellung einer gewünschten Trockensubstanz bei Einsatz von Flüssigfuttermischungen. Zu geringe Wassermengen haben einerseits Einfluss auf die Fließfähigkeit des Flüssigfutters, andererseits führen zu große Wassergaben beim Fließfutter zu einer deutlichen Abnahme der Nährstoffkonzentration und zudem besteht die Gefahr einer starken Entmischung des Fließfutters. Das Fließfutter weist dann sehr hohe Konzentrationsschwankungen auf, und die Tiere werden sehr unterschiedlich in Abhängigkeit vom Fressplatz bzw. der Entfernung vom Ventilausfluss in den Trog mit Nährstoffen versorgt.

Rohproteingehalte auf Vorjahresniveau

Die mittleren Rohproteingehalte der Getreide erreichen fast exakt das Niveau des Vorjahres und entsprechen damit weitestgehend den Tabellenwerten des Rechenmeisters für Schweine der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Es wird also sozusagen Normalniveau erreicht. Dies darf aber keinesfalls darüber hinweg täuschen, dass im Einzelfall große Abweichungen bestehen. Dies verdeutlichen die großen Rohproteinschwankungsbreiten von bis zu 7 %-Punkten. So schwanken die Rohproteingehalte bei der Gerste von 8,0 bis 14,1 % um das Mittel von 10,3 % Rohprotein, beim Weizen von 8,6 bis 15,1 % um das Mittel von 10,7 % Rohprotein, bei der Triticale von 8,3 bis 14,2 % um das Mittel von 9,9 % Rohprotein und beim Roggen von 7,4 bis 11,5 % um das Mittel von 9,0 % Rohprotein.

Quasi automatisch mit den Rohproteingehaltsschwankungen streuen auch die im Rohprotein enthaltenen Aminosäuren, die letztendlich für die Milch- und Fleischbildung entscheidend sind. Der Grund hierfür ist in der Berechnung der Aminosäuren Lysin, Methionin/Cystin, Threonin und Tryptophan aus dem analysierten Rohproteingehalt mittels bewährter Degussa-Schätzformeln zu sehen. Dieser Service zur Berechnung und Angabe der vier zuerst in der Schweinefütterung limitierend wirkenden Aminosäuren bietet die LUFA nunmehr seit einigen Jahren an, um auf Basis dieser Aminosäurenangaben Futteroptimierungen genauer durchführen zu können. Die Mittelwerte und Schwankungen der Aminosäuren Lysin, Methionin/Cystin, Threonin und Tryptophan sind in der Übersicht 2 aufgeführt. So reicht die Lysin-Schwankungsbreite bei den Gersten von 0,3 bis 0,46 %. Je nach Anteil an Gerste in einer Futtermischung haben höhere bzw. niedrigere Lysingehalte natürlich unmittelbaren Einfluss auf die erforderliche Eiweißfutterergänzung. Bei einem Mischungsanteil von 35 % Gerste mit einem Lysingehalt von lediglich 3,1 % gegenüber einem über Mittel liegenden Gehalt von 3,7 % Lysin sind 0,8 %-Punkte an Sojaextraktionsschrot (43iger) mehr zu ergänzen, um die gleiche Lysinkonzentration im Futter zu erreichen. Eine Berechnung mit dem Mittel hätte eine Unterversorgung der Tiere mit Lysin zur Folge, die letztendlich zu geringeren Leistungen führen wird.

Andererseits würde ein höheres ungewolltes Angebot an Eiweiß zu einem höheren nicht genutzter Eiweißbausteine führen, die vom Körper ausgeschieden werden müssen. Dies wiederum verursacht unnötige Kosten und schadet über höhere N-Ausscheidungsraten mit Harn und Kot auch der Umwelt. Um diesen Anteil möglichst gering zu halten, werden für eine bedarfsgerechte Versorgung der Tiere mit Aminosäuren Mischfutteroptimierungen mittlerweile zusätzlich auf Basis der praececalen Verdaulichkeiten ( pcv) - pcv = Anteil der Aminosäuren, die bis zum Ende des Dünndarms aufgenommen werden - der Aminosäuren durchgeführt. Um dieses durchführen zu können, werden die pcv-Gehalte der einzelnen Aminosäuren neben den Bruttogehalten mit auf den Untersuchungsattesten der LUFA ausgewiesen. Sie basieren auf Vorgaben zur pcv-Verdaulichkeit einzelner Aminosäuren verschiedener Komponenten. So beträgt die pcv-Verdaulichkeit der Aminosäure Lysin aus Gerste 73 %, beim Lysin aus Weizen sogar 88 % und bei Triticale 84 % pcv-Verdaulichkeit.

Energiegehalte streuen

Eine weitere entscheidende Kenngröße zur Optimierung von Futtermischungen ist der Energiegehalt der eingesetzten Komponenten, weil sich je nach Anteil und Gehalt von Einzelkomponenten auch der Energiegehalt der Mischung ergibt. Aus Exakt-Fütterungsversuchen ist der maßgebliche Einfluss von Energiegehalten in Futtermischungen auf das Fress- und Leistungsergebnis bekannt. Dieser Leistungseinfluss verstärkt sich, wenn zudem keine ausgewogene Relation von Energie- und Eiweißangebot besteht. So führt eine hohe Energiekonzentration im Futter bei gleichzeitigem Eiweiß- besser Aminosäurenmangel eher zu einer übermäßigen Fettauflage in der Mast, als wenn Energie und viel Eiweiß in der Mischung vorherrscht. Bei einer angestrebten Futteraufnahme über Vorgabe einer Futterkurve sollte also stets versucht werden, sowohl Energie als auch Eiweiß ausgewogen dem Bedarf entsprechend mit dem Futter anzubieten. Hierfür müssen die Energiekonzentrationen von Einzelkomponenten natürlich bekannt sein. Diese werden aus den analysierten Nährstoffen mittels Schätzformel errechnet. Die LUFA verwendet hierfür die Mischfutterschätzformel und weist die errechneten Gehalte neben den analysierten Rohnährstoffgehalten aus. Die Mittelwerte und Schwankungsbreite der diesjährigen Getreide sind in der Übersicht 1 aufgeführt.

Im Mittel erreichen die bislang untersuchten Getreiden die gleiche Energiekonzentration wie im Vorjahr. Für Gerste errechnet sich wieder 12,9, für Weizen 14,2 für Triticale 14,1 und für Roggen 13,7 MJ ME je kg. In Abhängigkeit von analysierten Stärke-, Rohfaser- und Rohproteingehalten der Einzelproben sind jedoch große Schwankungsbreiten ersichtlich. So schwankt der Energiegehalt der Gersten von 12,0 – 14,2, der Weizen von 13,9 – 14,7, der Triticale von 13,7 – 14,4 und der Roggen-Proben von 13,5 – 14,0 MJ ME je kg.

Die vergleichsweise große Streubreite bei den Gersten kann in erster Linie auf die stark schwankenden Rohfasergehalte (2,5 – 7,1 %) zurückgeführt werden. Hierfür sind wiederum unterschiedlich hohe Spelzenanteile verantwortlich.

Angesichts der großen Schwankungen in den Energiegehalten wird die Notwendigkeit von Untersuchungen für einzelne Getreidepartien ersichtlich. Dabei reicht es aus, von einzelnen Getreideschlägen mit weitestgehend gleichen Bodenverhältnissen, Sorteneigenschaften und Behandlungen eine Mischprobe zur Untersuchung einzusenden. Bei auffallenden Eigenschaften und größeren Differenzen hinsichtlich Bodengüte, Witterung usw. lohnt sich sicherlich eine Zusatzprobenziehung und – untersuchung von diesen Schlägen, um auch mit diesen Getreidepartien sicher optimieren zu können.

In diesem Jahr bestehen wenig Verdachtsmomente bzw. – symptome, die auf Partien mit erhöhtem Mykotoxin-Vorkommen hinweisen könnten. Im Einzelfall ist natürlich zu prüfen, inwieweit ein starker Fusarienbefall oder Kümmerkörner den Verdacht auf eine Mykotoxinbelastung zu lassen. Mittels eines ELISA-Schnelltests sollte bei Verdacht Klarheit geschaffen werden, ob ein Befall mit DON oder ZEA besteht. Die Kosten von ca. 33 € je Toxin lohnen sich besonders bei Einsatz des bedenklichen Getreides in der Ferkelerzeugung, weil Sauen und Ferkel auf überhöhte Mykotoxinbelastungen am stärksten reagieren werden.

Fazit

Die Ergebnisse der bislang eingesendeten Getreideuntersuchungen (630 Proben) geben einen guten Überblick über die diesjährig geernteten Getreidequalitäten. Insgesamt lassen die vorliegenden Inhaltsstoffe und Kennwerte erkennen, dass eine im Durchschnitt befindliche Qualität bei allen Getreidearten geerntet wurde. Die Schwankungsbreiten beim Rohprotein sowie den daraus geschätzten essentiellen Aminosäuren und bei der Energie zeigen aber wieder einmal auf, dass für eine exakte auf den Bedarf ausgerichtete Futteroptimierung nur mit den Gehalten der jeweiligen Getreidepartien möglich ist.

Eine Getreideuntersuchung mittels der kostengünstigen NIRS-Analytik macht sich sehr schnell bezahlt, wenn dadurch Unter- oder Überversorgungen von vornherein vermieden werden können. Bei den relativ hohen Preisen fürs Sojaextraktionsschrot trifft diese Feststellung umso mehr zu.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann