Körnerleguminosen gezielt einsetzen!

Erbsenschote (Pisum sativum)

Anziehende Preise für Sojaextraktionsschrot verstärken die Überlegungen, einen Teil der Eiweißergänzung im Schweinefutter durch Alternativen zu ersetzen. Zu diesen Alternativen zählen vor allem die heimischen Körnerleguminosen Ackerbohnen und Erbsen. Bedingt durch das Förderungsprogramm zur vielfältigen Fruchtfolge sind die Anbauflächen und damit das Angebot an Ackerbohnen und Erbsen hierzulande zudem erhöht worden. Aus pflanzenbaulicher sicht kommt die Besonderheit zum Tragen, dass die Körnerleguminosen mit Hilfe der Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden können und somit einen Beitrag zur umweltfreundlichen regenerativen N-Versorgung im Ackerbau beitragen. Fruchtfolgen mit Körnerleguminosen entlasten das Düngerkonto und tragen zur Senkung der Produktionskosten bei.

Die vorliegenden Praxiserfahrungen und Versuchsergebnisse zum Einsatz von Ackerbohnen und Erbsen als Futtermittel verdeutlichen, dass bis zu ca. 50 % des Sojaschrotes ohne Leistungseinbußen ersetzt werden können. Hierfür ist aber ein gezielter Einsatz sowie die genaue Kenntnis des Futterwertes bzw. der Preiswürdigkeit grundlegende Voraussetzung.

Besonderheiten von Ackerbohnen und Erbsen

Die Rohnährstoffgehalte von Ackerbohnen bestehen zu über 60 % aus Stärke und Rohprotein. Die Schwankungen dieser Inhaltsstoffe können aber beträchtlich sein, insbesondere innerhalb der einzelnen Sorten. Im Vergleich zu Sojaschrot und Weizen wird deutlich, dass die Rohprotein- und Stärkegehalte näher am Wert des Weizens liegen. Ackerbohnen sind somit als eiweißreiche Energielieferanten zu betrachten. Angesichts der antinutritiven Begleitsubstanzen in ihren Körnern (z. B. Tannine) sind jedoch bei höheren Rationsanteilen negative Einflüsse auf die Futteraufnahme und – verwertung möglich.

Die Proteinqualität wird durch die vier erstlimitierenden Aminosäuren charakterisiert. Bezogen auf ihre absoluten Gehaltswerte liegen sie weit unter denen des Sojaschrotes. Werden die Aminosäurengehalte jedoch auf die jeweils vorliegende Proteinmenge bezogen, so bestehen zwischen Ackerbohnen und Sojaschrot nur noch geringe Unterschiede. Viel entscheidender ist aber die Verdaulichkeit der jeweiligen Aminosäuren. Diese Angaben sind in der Tabelle 1 in Klammern aufgeführt. Im Vergleich zum Sojaschrot und Weizen schneiden danach die Ackerbohnen bei den Aminosäuren Methionin/Cystin, Threonin und Tryptophan deutlich schlechter ab. Diese Besonderheiten sind bei Mischungszusammenstellungen und Rationsberechnungen unbedingt zu beachten. Gerade bei höheren Ackerbohnenanteilen werden ausreichende Threoninergänzungen in der Mischung erforderlich.

Futtererbsen enthalten noch mehr Stärke und Zucker als Ackerbohnen, was auch am höheren Energiegehalt erkennbar ist. Für die Fütterung rücken die weiß- und bunt blühenden Sorten in den Vordergrund. Auch bei den Erbsen können in Abhängigkeit von Sorte und Standort große Schwankungen bei den Inhaltsstoffen und somit bei ihren Futterwerten vorkommen. Die Aminosäurenkonzentration, bezogen auf die Rohproteingehalte der Erbsen, fällt etwas höher aus als bei den Ackerbohnen. Die vergleichsweise niedrigen Verdaulichkeiten dieser Aminosäuren sind aber mit denen der Ackerbohnen vergleichbar.

Beide Körnerleguminosen sind wie auch der Weizen durch relativ niedrige Calciumgehalte gekennzeichnet. Dagegen fallen die Phosphorgehalte recht hoch aus. Der Phosphor liegt in der Pflanze zu 40 bis über 60 % in phytingebundener Form vor, wobei sich die P-Verdaulichkeit bei den Ackerbohnen auf 35 % und bei den Erbsen auf 45 % einpendelt. Die Gehalte an verdaulichem Phosphor von 1,6 g je kg bei den Ackerbohnen und 1,8 g je kg bei den Erbsen lassen sich durch entsprechende Phytasezugaben auf 3,1 bzw. 2,7 g je kg anheben.

Maximale Einsatzmengen beachten

Hülsenfrüchte, wie im übrigen alle Pflanzen, enthalten neben den Primärinhaltsstoffen Stärke, Rohprotein usw., auch sogenannte sekundäre Inhaltsstoffe, die sich negativ auf den Futterwert auswirken können. Hierzu zählen beispielsweise Tannine (Gerbstoffe) und bestimmte Stoffe, die die Proteinverdauung hemmen ( Proteininhibitoren). Die Gehalte an diesen antinutritiven Substanzen schwanken zudem auch sortenbedingt. Bunt blühende Ackerbohnen weisen in der Regel höhere, weiß blühende Sorten niedrigere Tanningehalte auf. Um unerwünschte Effekte und nachteilige Nebenwirkungen dieser Substanzen in Form von geschmacklichen Veränderungen zu vermeiden, sind die in der Tabelle 2 aufgezeigten maximalen Einsatzempfehlungen zu beachten. Bei der Fütterung von Ferkeln können die Körnerleguminosen nur bedingt empfohlen werden, wobei die Erbsen allein aus geschmacklicher Sicht dann zu bevorzugen sind.

Bei absoluter Betrachtung können bei einem Leguminosenanteil von 10 % in der Mischung, bei den Erbsen 5 % und bei den Ackerbohnen 6 % Sojaschrot eingespart werden. Bei tragenden Sauen sowie in der Anfangsmast sollten die Leguminosen einen Mischungsanteil von 8 bzw. 15 % nicht überschreiten. In der Endmast sind Leguminosenanteile von 20 % durchaus möglich.

Bei der Rationsgestaltung muss allerdings der Bedarf der essentiellen Aminosäuren beachtet werden. Hier fällt insbesondere der niedrige Gehalt der Aminosäuren Methionin/Cystin bei Ackerbohnen und Erbsen gleichermaßen auf (5,3 g/kg). Zu diesem Nachteil ergänzt sich noch die deutlich schlechtere pcv-Verdaulichkeit dieser Aminosäuren mit 65 % bei den Ackerbohnen und 69 % bei den Erbsen im Vergleich zum Sojaschrot mit 84 %. Aus diesem Grunde ist es unbedingt erforderlich, durch entsprechende Ergänzer bzw. Mineralfutter die Futtermischung so einzustellen, dass in der fertigen Mischung eine Relation von Lysin zu Methionin/Cystin von 1 : 0,56 vorliegt. Diese Relation gilt für die Brutto- bzw. pcv-Aminosäurengehalte gleicher-maßen. Der Threoninversorgung kommt bei den neuen Versorgungsempfehlungen fürs Eiweiß auf Basis praecaecaler ( pcv) Verdaulichkeit eine noch höhere Bedeutung zu, wobei eine Lysin-Threonin-Relation von 1 : 0,63 anzustreben ist. In den Tabellen 3 und 4 werden Beispielsmischungen für tragende und säugende Sauen sowie für Mastschweine aufgeführt, bei denen diese Vorgaben berücksichtigt wurden. Als Besonderheit fällt die erforderliche und zugleich recht hohe Threoninzulage im Mineralfutter für Mastschweine auf. Dies hängt ebenfalls mit den vergleichsweise niedrigen pcv-Verdaulichkeiten des Threonins zusammen.

Ferner ist zu berücksichtigen, dass Erbsen in der Flüssigfütterung stark aufquellen können und dabei die Pumpfähigkeit beeinträchtigt werden kann.

Preiswürdigkeit ist entscheidend

Ob ein Schweinehalter Ackerbohnen und/oder Erbsen selbst anbaut, lagert, verfüttert, verkauft oder gar zukauft, hängt von den Erzeugungskosten, dem Marktpreis und letztendlich von der Preiswürdigkeit ab. Beim Anbau von Körnerleguminosen sind die eingangs erwähnten Fördermittel zu berücksichtigen. Bei der Ermittlung der Preiswürdigkeit von Futtermitteln in der Schweinefütterung dienen die Kriterien Lysin und Umsetzbare Energie (ME) als Berechnungsbasis. Als Vergleichsfuttermittel werden dabei Weizen als Energielieferant und Sojaextraktionsschrot als Eiweißträger herangezogen und im Austauschverfahren verglichen. Der für Ackerbohnen und Erbsen artspezifisch niedrige Methionin- bzw. Threoningehalt bleibt zunächst unberücksichtigt. Bei höheren Mischungsanteilen von Körnerleguminosen, wo reines Lysin zu ergänzen ist, muss auch diese zusätzliche Aminosäurenergänzung preislich kalkuliert werden.

In der Tabelle 5 sind die Vergleichspreise für Sojaschrot und Weizen aufgeführt, wobei die noch akzeptablen Preise für Alternativfuttermittel abgelesen werden können. Hierzu ein Beispiel: Falls Weizen 20,00 € und Sojaschrot 38,00 € je dt kosten, dann sind Ackerbohnen bzw. Erbsen maximal 29,60 € bzw. 29,20 € je dt wert. Liegt der Preis der Körnerleguminosen höher, kann mit Sojaschrot und Weizen günstiger gefüttert werden. Diese Vergleichspreise stellen allerdings nur eine grobe Orientierungshilfe dar. Einzelbetriebliche Besonderheiten im Bereich des Anbaues, der Lagerungslogistik und der Futterkosten können zu Verschiebungen der Vergleichspreise führen. Auch mögliche geschmackliche Einflüsse der Leguminosen werden bei diesen Berechnungen nicht berücksichtigt.

Bei der Ernte der Körnerleguminosen fallen die Erntepartien hinsichtlich ihres Feuchtegehaltes in Abhängigkeit vom Standort und Abreife des Bestandes oftmals recht unterschiedlich aus. Der Feuchtegehalt von Hülsenfrüchten sollte deshalb maximal 14 % betragen. In feuchterem Erntegut kann es während der Lagerung zur Schimmelbildung kommen, wobei sich auch Mykotoxine bilden können, die nachfolgend die Gesundheit und Leistung der Schweine beeinträchtigen.

Fazit

Bei den aktuell hohen Preisen für Getreide und Sojaschrot kommen Ackerbohnen und Erbsen als eiweißreiche Energielieferanten wieder verstärkt in die Diskussion. Das staatliche Förderungsprogramm macht den Leguminosenanbau noch interessanter. Beim Anbau sind die acker- und pflanzenbaulichen Eigenschaften der Leguminosen zu berücksichtigen. Ackerbohnen und Erbsen besitzen aufgrund ihres hohen Protein- und Stärkegehaltes einen guten Futterwert für Schweine. Die vergleichsweise niedrigen Gehalte der schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystin sowie des Threonins und deren im Vergleich zum Sojaschrot deutlich geringere Verdaulichkeiten sind bei der Rationsoptimierung zu berücksichtigen. Geschmackliche Beeinträchtigungen durch antinutritive Stoffe können den Futterwert schmälern. Beim Einsatz von Ackerbohnen und Erbsen können die Sojaschrotanteile in der Futtermischung sowohl in der Sauenhaltung als auch in der Schweinemast nennenswert reduziert werden. Die Trocknung und Lagerung der Hülsenfrüchte erfordert viel Umsicht und Sorgfalt, wobei vor allem Schimmelbildungen zu vermeiden sind. Ansonsten können mögliche Mykotoxine Gesundheit und Leistung der Tiere erheblich beeinträchtigen.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann, Josef Möllering