Kräuterzusätze in der Schweinemast

Schweine in der Großgruppe

Ob sich der Einsatz von Kräutern in der Schweinemast lohnt, haben Dr. Wolfgang Sommer und Josef Bunge von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster und Warendorf in einem Praxisversuch ermittelt.

Vor dem Hintergrund der ständig steigenden Futterpreise stellt sich die Frage, ob nicht generell auf Futterzusätze verzichtet werden sollte, um so die Futterkosten zu senken. Grundsätzlich hierzu: Lassen sich mit einem speziellen Futterzusatz tierische Leistungen und die Wirtschaftlichkeit gesichert verbessern, ist der Einsatz auch bei höchsten Futterpreisen sinnvoll. Bringt er hingegen keinen wirtschaftlichen Vorteil, lohnt er sich auch nicht bei niedrigen Futterpreisen.

Zu den Futterzusätzen zählen auch Ergänzungsfuttermittel mit Kräutern der verschiedensten Art. Umgangssprachlich werden diese natürlichen Substanzen auch als phytogene (pflanzliche) Zusatzstoffe bezeichnet. In der Schweinefütterung gebräuchliche Substanzen sind Oregano, Thymian, Nelken, Knoblauch, Koriander, Mariendistel, um nur einige zu nennen. Spätestens seit dem Verbot der antibiotischen Leistungsförderer Anfang 2006 spielen diese neben anderen Zusätzen eine  besondere Rolle in der Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere.

In der Schweinefütterung erwartet man von der Zufütterung von Kräutern die Gesundheit stabilisierende und die Leistung verbessernde Effekte. Man schreibt Ihnen z.B. die Verdauung fördernde Wirkungen zu, indem sie die Speichel-, Magen- und Darmsekretion anregen sollen. Von einigen Substanzen sind sogar antimikrobielle Aktivitäten nachgewiesen worden. Weiterhin sieht man beim Einsatz dieser Substanzen Vorteile in der Proteinverwertung, die sich positiv auf den Fleischansatz auswirken können. Aus zahlreichen Fütterungsversuchen mit diesen Produkten gehen sowohl positive als auch negative Leistungsergebnisse hervor. Die Reproduzierbarkeit positiver Ergebnisse in der Praxis ist allerdings schwierig, zumal meist Gemische verschiedener Substanzen zum Einsatz kommen.

Die Firma Dr. Schaette AG in Bad Waldsee bietet ein spezielles Ergänzungsfuttermittel mit Kräuterzusätzen unter der Bezeichnung URKRAFT Schweinemast an, das die oben beschriebenen Eigenschaften teilweise besitzen soll. Dieses auf Basis von Algenkalk, Malzkeimen, Hefe und Seealgenmehl konzipierte Ergänzungsfutter enthält Kräuter wie Brennesselkraut, Bockshornkleesamen, Spitzwegerichkraut, Knoblauchknolle und Mariendistelsamen. Für die Schweinemast werden 2 kg URKRAFT pro Tonne Fertigfutter (entsprechend 0,2 %) empfohlen. Trotz der niedrigen Dosierung handelt es sich futtermittelrechtlich bei diesem Produkt nicht um eine Vormischung oder einen Futterzusatzstoff, sondern um ein Ergänzungsfuttermittel. Landwirte, die dieses Produkt einsetzen, müssen demnach keine HACCP-Anforderungen nach Futtermittelhygieneverordnung erfüllen.

Die Firma bewirbt dieses Appetit anregende, Verdauung fördernde Produkt mit optimierter Futterverwertung, ausgeglicheneren Tieren, besserer Gesundheit und schnellerer Erholung der Tiere nach Erkrankungen oder Stresssituationen. Um die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit dieses Ergänzers zu prüfen, wurden von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen entsprechende Praxisversuche mit Mastschweinen durchgeführt.     

Der Praxisversuch erfolgte von Januar bis September 2007 in einem Mastbetrieb im Landkreis Warendorf. Dieser Betrieb hatte insgesamt 2100 Mastplätze. Im Versuch wurden zwei aufeinander folgende Mastdurchgänge erfasst.

Ein separater Stall mit 200 Plätzen auf Vollspaltenboden wurde mit JSR – Ferkeln aus dem Direktbezug mit einem Ferkelerzeuger belegt. Die Tiere der Kontroll- und Versuchsgruppen wurden in je 12 Buchten in 8 – 9 er Gruppen aufgestallt. Die Kontroll- und Versuchsbuchten waren entlang des Mittelganges wechselseitig angeordnet. Die Stall- und Fütterungstechnik war jeweils in beiden Gruppen identisch. Alle Tiere erhielten am Quertrog über eine Multiphasenfütterung 3-mal täglich eine Eigenmischung als Flüssigfutter verabreicht. Dem Flüssigfutter der Versuchstiere wurde jeweils morgens Urkraft Schweinemast in einer Dosierung von 0,2 % (bei 88 % TS) zugemischt. Im 1. Mastdurchgang bestand das Futter aus CCM, Weizen, Gerste, Sojaschrot, Mineralfutter und dem Nebenprodukt Futtermilch. Im 2. Mastdurchgang wurde zusätzlich das Nebenprodukt Schokomix eingesetzt. CCM stand nicht mehr zur Verfügung.

Die Ferkel waren bei der Anlieferung mit einem Mykoplasmenimpfstoff geimpft. Nach der Einstallung erhielten alle Tiere eine siebentägige orale Metaphylaxe mit Amoxicillin und Colistin.

Wie sich die Verfütterung von Urkraft Schweinemast auf die Leistungen der Mastschweine auswirkte, zeigen die Ergebnisse in Tabelle 1. Von allen Tieren der Kontroll- und Versuchsgruppen wurden zu Mastbeginn die Einstallgewichte und im Verlauf der Mast zu Beginn der Mittel- und Endmast die Zwischengewichte festgestellt. Die Stallendgewichte und Zuwächse wurden aus den Schlachtgewichten berechnet. Dabei wurde eine durchschnittliche Ausschlachtung von 79 % angenommen.

Die Vermarktung der Tiere aus den Kontroll- und Versuchsgruppen erfolgte jeweils gleichzeitig an vier Terminen, aber wegen der unterschiedlichen Gewichtsentwicklung nicht in gleichen Anteilen. Die Anzahl der Masttage wurde daher entsprechend gewichtet.

Aufgrund eines sehr guten Betriebsmanagements befanden sich die Leistungen auf einem hohen Niveau. Dennoch betrugen die   Niveauunterschiede in den täglichen Zunahmen zwischen den beiden Mastdurchgängen durchschnittlich etwa 60 g. Die Tiere im zweiten Mastdurchgang hatten mit durchschnittlichen Zunahmen von mehr als 800 g und einem Futterverbrauch von weniger als 2,8 kg je kg Zuwachs hervorragende Mastleistungen. Die geringeren Zunahmen des ersten Mastdurchganges sind nach Beobachtungen des Betriebsleiters wahrscheinlich dadurch zu erklären, dass sich die Tiere mit einer Circovirus- und PRRS-Infektion auseinandergesetzt hatten.

Die Tiere der Versuchsgruppe lagen in beiden Mastdurchgängen im Zuwachs vorne. Im ersten Mastdurchgang konnten sie ihre Tageszunahmen gegenüber den Kontrolltieren um 13 g verbessern, und zwar auf 751 g im Bereich von 30 bis 120 kg Lebendgewicht. Im zweiten Durchgang hatten sie einen Vorsprung von 11 g. Sie erreichten  insgesamt 813 g im gesamten Mastabschnitt (29 bis 119 kg Lebendgewicht). In diesem Durchgang hatten die Zwischenwiegungen ergeben, dass die täglichen Zunahmen der Versuchsgruppe bis zum Gewichtsbereich von ca. 60 kg   LG mit 840 g um 19 g hinter der Kontrollgruppe lagen. Aber im weiteren Verlauf der Mast und bis zum Ende der Mast konnten die Versuchstiere in den Tageszunahmen erheblich zulegen, so dass bei gleicher Mastdauer am Ende ein um 2,2 kg   höherer Zuwachs erzielt wurde (90,3 kg gegenüber 88,1 kg).

Dadurch errechnete sich für die Versuchsgruppe im Schlachterlös ein Vorteil von 2,05 € je Tier. Dieses Ergebnis ließ sich nicht einwandfrei erklären. Interessanter Weise lag die Zunahmekurve   erst ab etwa Beginn der Geschlechtsreife über der der Kontrollgruppe. Der Eintritt der Geschlechtsreife bedeutet eine weitgehende Umstellung des Hormonsystems mit veränderter Stoffwechsellage. Hier könnten sich die Inhaltsstoffe der Kräutermischung sowohl anregend auf den Stoffwechsel als auch auf die Geschmacks- und Geruchswahrnehmung ausgewirkt haben.

Die Verlustquoten waren in beiden Mastdurchgängen gering. Der Unterschied bei den Totalverlusten zwischen Kontroll- und Versuchsgruppen betrug jeweils nur ein Tier und war nach Einschätzung des Betriebsleiters zufallsbedingt.

Die Auswertung der Schlachtprotokolle hatte allerdings ergeben, dass die Versuchstiere insgesamt gesünder waren. In den Kontrollgruppen wurden 15 Tiere mit Leberschäden und sieben Tiere mit Pneumonien ausgewiesen, in den Versuchsgruppen dagegen nur sieben bzw. drei Tiere. Das Produkt Urkraft Schweinemast soll in erster Linie die Verdauung unterstützen.   Dadurch könnten weniger Stoffwechselprodukte angeflutet und somit Darm, Niere und Leber entlastet werden. Diese Unterstützung der Leber könnte wiederum zu einer Verbesserung des Immunstatus und zu einer Kräftigung der Lunge bei den Tieren geführt haben.

Was festzuhalten bleibt

Wie die Ergebnisse dieser beiden Mastversuche zeigen, konnten durch das auf Kräutern basierende Ergänzungsfuttermittel Urkraft Schweinemast auch in einem klinisch unauffälligen Bestand noch positive Effekte hinsichtlich der täglichen Zunahmen in der Schweinemast erzielt werden. Allerdings war die Futterverwertung der Versuchstiere etwas schlechter als die der Kontrolltiere. Die in Urkraft Schweinemast verwendete Kräutermischung scheint Mastschweine auch nach Eintritt der Geschlechtsreife (ab etwa 60 – 70 kg LG) noch positiv zu beeinflussen, wie sich in den besseren Leistungen zeigte.

Bleibt am Ende die Frage der Wirtschaftlichkeit dieses Produktes: Bei einer durchgängigen Dosierung von 0,2 % werden etwa 0,5 kg Urkraft Schweinemast je Tier verbraucht. Bei Produktkosten von 4,50 € je kg (plus 7% Mehrwertsteuer) erhöhen sich die Futterkosten hierdurch rechnerisch um 2,25 € je Mastschwein.

Ob bei einem zusätzlichen Futterkostenaufwand dieser Größenordnung die Leistungssteigerungen durch abgestimmte Kräutergaben so deutlich ausfallen können, dass sie unter dem Strich immer zu einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Schweinemast führen, ist eher fraglich und kaum zu erwarten.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Josef Bunge