Nebenprodukte statt Getreide zukaufen?

Schweinefutter

Diese Frage stellen sich vielen Schweinehaltern ausgangs Sommer, wenn die Getreideernte eingebracht ist und abzusehen ist, wie viel für die anstehende Futtersaison an selbst geerntetem Getreide zur Verfügung steht und wie viel Futter dann noch im Verlauf der neuen Futterperiode zugekauft werden müsste.

Für die Futterplanung sind hinreichende Kenntnisse der in Frage kommenden Komponenten eine wesentliche Voraussetzung, um deren Vorzüglichkeit in Futtermischungen und Preiswürdigkeit genauestens ermitteln zu können.

Zu diesen erforderlichen Kenntnissen zählen natürlich die wertbestimmenden Gehalte an Trockensubstanz, Energie und der zuerst limitierend bei Schweinen wirkenden Aminosäure Lysin. Daneben sind natürlich die bei einigen Komponenten vorliegenden Besonderheiten zu berücksichtigen, weil diese vielfach eine mehr oder weniger starke Begrenzung der Einsatzraten zum Futter mitbestimmen.

Eine Zusammenstellung der o. g. Gehalte nebst Besonderheiten von Nebenprodukten mit höherem Bekanntheitsgrad enthält die Übersicht 1. Daneben sind Empfehlungen zu Nährstoff-Überprüfungen aufgeführt, mit denen die Qualität einzelner Nebenprodukte am besten von Zeit zu Zeit überprüft werden kann. Für diese Art von Überprüfungen haben sich klare Absprachen mit Herstellern bzw. Lieferanten von Nebenprodukten bewährt. Im Vorfeld solcher regelmäßig pro Quartal durchzuführenden Probennahmen und -untersuchungen sollten unter anderem auf jeden Fall Art und Weise der Probennahme, der Untersuchungsparameter und der entstehenden Kosten geklärt werden. Für dieses sog. Futter-Controlling im Sinne einer bedarfs- und umweltgerechten Nebenprodukt-Verfütterung haben sich Controlling-Gemeinschaften zwischen mehreren Landwirten und den Nebenprodukt-Lieferanten bewährt. Neben den wechselweise durchgeführten Nährstoffuntersuchungen auf den landwirtschaftlichen Betrieben und der wiederkehrenden Ergebnisbekanntgabe an alle Controllingmitglieder können bei Info-Terminen Erfahrungen ausgetauscht sowie zu neuen Angeboten am Markt notwendige Einsatzempfehlungen erörtert werden.

Auf Basis der empfohlenen Untersuchungen zu einzelnen Nebenprodukten in der Übersicht 1 gelten die aufgeführten Untersuchungskosten. So sind für die Untersuchung der Trockensubstanz, der Rohfaser und des Rohproteins im Biertreber beispielsweise 90,00 € an Analysenkosten zu erwarten. Wenn zusätzlich noch weitere Gehalte zur Berechnung der Energie untersucht werden sollen, erhöht sich der Untersuchungspreis auf ca. 140,00 € (zzgl. 19 % MWSt.).

Preiswürdigkeit

Neben der Lieferung von hochwertigen Nährstoffen weisen viele Nebenprodukte, insbesondere durch hohe Zuckergehalte und der Tatsache, dass viele feuchte oder flüssige Nebenprodukte auch mehr oder weniger stark angesäuert sind eine hohe Schmackhaftigkeit auf. Dadurch lässt sich die Futteraufnahme im Verlauf der Mast verbessern, oder anders gesagt, auf der eingestellten Futterkurve besser stabilisieren. Bei einer gezielt durchgeführten Milchsäurevergärung von flüssigen Nebenprodukten ist zudem ein höherer Hygienestatus im Nebenprodukt selbst und auch in der mit diesen Nebenprodukten hergestellten Flüssigfuttermischungen zu erwarten. Der ausreichende Hygienestatus ist in vielen Flüssigfutteranlagen die Basis für hohe Leistungen. Vielfach macht dieses bekanntlich mehr als 50 % des Masterfolges im Stall aus.

Bei allen Vorzügen von vielen Nebenprodukten ist die Preiswürdigkeit dieser Produkte eine stets im Auge zu behaltende Größenordnung, um den Einsatz bei in der Regel gegenüber Getreide höheren Aufwendungen (Behälterreinigung, Hygienemanagement usw.) zu rechtfertigen. In der Übersicht 2 werden maximale Zukaufspreise in Abhängigkeit für zwei Preisniveaus für das Zukaufsgetreide (jeweils 50 % Gerste/Weizen) bzw. fürs Sojaextraktionsschrot mit 43 % RP zur Orientierung einer Kaufentscheidung aufgeführt. Die Preise von 12,00 bzw. 14,00 € je dt für das Getreide sowie von 33,00 bzw. 36,00 € je dt für das Sojaextraktionsschrot stellen die Vergleichsbasis für die zu bewertenden Nebenprodukte dar. Es wird sozusagen mit einem Futtermittel, das vornehmlich Energie nämlich Getreide und einem Futtermittel, das vornehmlich Eiweiß liefert, verglichen und auf Basis der angesetzten Preise für das zu bewertende Nebenprodukt umgerechnet. So kann sich der Landwirt entscheiden, ob ein Nebenprodukt mit seinem am Markt angebotenen Preis im Vergleich zu Getreide und Sojaextraktionsschrot preiswürdig ist oder eben nicht.

Bei diesem zuvor beschriebenen und durchgeführten Rechengang werden zunächst sog. theoretische Grenzpreise allein auf Tatsache der Energie- bzw. Lysin-Lieferung der Nebenprodukte ermittelt. Um dann, den für Landwirte wohl interessanteren maximalen Zukaufspreis zu erhalten, werden noch sog. Risikoabschläge vom theoretischen Grenzpreis abgezogen. Mit diesem Risikoabschlag soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass mit dem Einsatz von den meisten Nebenprodukten auch gewisse zusätzliche Aufwendungen für deren Lagerung sowie deren Handhabung auf den Landwirt im Vergleich zum alleinigen Getreide-Sojaextraktionsschrot-Einsatz zu kommen. Wenn dieser Mehraufwand nicht berücksichtigt wird, wird der Nebenprodukt-Einsatz für viele Landwirte eher uninteressant werden. Die angesetzten Risikoabschläge für die hier bewerteten Produkte sind in der Übersicht 3 aufgelistet, was selbstverständlich die Möglichkeit beinhaltet, im eigenen Ermessen Zu- oder Abschläge vorzunehmen. Diese hier aufgeführten Risikoabschläge sind u. a. in Abhängigkeit vom T-Gehalt der Nebenprodukte gewählt worden.

An den kalkulierten maximalen Zukaufspreisen in der Übersicht 2 wird schnell ersichtlich, dass der Preis in erster Linie vom derzeit noch nicht ganz sicher stehendem Getreidepreis abhängt und weniger vom Preis für das Sojaextraktionsschrot. So ändert sich der maximale Preis für das Brot von 6,40 bzw. 7,50 €/dt bei 12,00 bzw. 14,00 € je dt Getreide gar nicht, wenn das Sojaextraktionsschrot von 33,00 € auf 36,00 € ansteigt. Der maximale Zukaufspreis beträgt jeweils 6,40 €/dt Brotreste. Dies kann damit begründet werden, dass Brot selbst nur wenig Lysin liefert und damit auf Sojaextraktionsschrot Preisänderungen gar nicht reagieren müsste.

Beim Lysinlieferant Erbseneiweiß ist die Reaktion auf sich ändernde Sojaextraktionsschrotpreise dagegen deutlicher ausgeprägt. Hier steigt die Preiswürdigkeit von 6,40 bzw. 6,35 € je dt bei 12,00 bzw. 14,00 € je dt Getreide auf 7,00 bzw. 6,95 € je dt Erbseneiweiß, wenn der Preis für Sojaextraktionsschrot von 33,00 € auf 36,00 € je dt ansteigt.

Fazit

Der Einsatz von Nebenprodukten kann bei gezieltem Einsatz die Leistungsbereitschaft von Schweinen fördern. Mit regelmäßigen Kontrollen von Inhaltsstoffen und des Hygienestatus sollten Qualitätskontrollen standardmäßig durchgeführt werden. Hierfür haben sich Controlling-Gemeinschaften bewährt. Bei Einsatz von Nebenprodukten sollte dem Fütterungshygienemanagement noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ein genereller Futtercheck sollte zudem einmal pro Jahr zur Überprüfung von Anmischgenauigkeit und Nährstoffangebot durchgeführt werden. Letztendlich sollte mit regelmäßigen Preiswürdigkeitsberechnungen die Wirtschaftlichkeit des jeweiligen Nebenprodukt-Einsatzes überprüft werden. Hierfür sind Vergleiche mit aktuellen Getreide- und Sojaextraktionsschrotpreisen eine mögliche Vorgehensweise.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohan