Rapsschrot hat sich bewährt

Raps als Futter für Schweine

Über weitere Versuchsergebnisse mit dem Eiweißträger Rapsextraktionsschrot in der praktischen Schweinemast berichten Dr. Wolfgang Sommer und Dr. Otmar Maier-Loeper von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster und Soest.

Bei der Ölgewinnung von Raps fällt als Nebenprodukt Rapsextraktionsschrot (RES) an. Von jeder Tonne Raps verbleiben etwa 0,6 t RES, das besonders in der Fütterung von Rindern aber auch Schweinen Verwendung findet. Um auch die Akzeptanz und gute Eignung von RES in der Schweinefütterung zu dokumentieren, wurden im vergangenen Jahr auf Initiative und mit Unterstützung der Union zur Förderung der Oel- und Proteinpflanzen (UfOP) bundesweit mehrere Schweinemastversuche durchgeführt. Über die positiven Ergebnisse dieser Fütterungsversuche wurde im Westfälischen Wochenblatt Nr. 36 von 2006 ausführlich berichtet. Es stellte sich heraus, dass RES durchaus eine alternative Ergänzung zu Sojaschrot darstellen kann. Im Kammergebiet Nordrhein-Westfalen waren drei Mastbetriebe an diesem Projekt beteiligt. In zwei Betrieben wurde RES als Einzelkomponente zu Soja-Getreide, in einem Betrieb über ein Ergänzungsfutter eingesetzt. In der Anfangsmast bis etwa 70 kg Lebendgewicht erhielten die Mastschweine 5 %, anschließend 10 % RES. In allen drei Betrieben hatten die mit RES gefütterten Tiere gleich gute Tageszunahmen wie die Kontrolltiere. In der Futterverwertung waren die RES-Gruppen sogar teilweise etwas besser. Die Schlachtkörper wiesen ebenfalls den Kontrolltieren vergleichbare Speck- und Fleischmaße auf, so dass der RES-Einsatz in diesen Betrieben zu keinerlei Leistungsnachteilen führte. Diese Ergebnisse deckten sich mit verschiedenen Praxisversuchen in anderen Bundesländern. Bestehende Vorbehalte von Schweinemästern gegenüber der RES-Verfütterung konnten somit entkräftet werden. Voraussetzung einer erfolgreichen RES-Verfütterung sind allerdings Futtermischungen, die in den Wert bestimmenden Inhaltsstoffen exakt auf den Bedarf der Mastschweine abgestellt werden.

Vergleicht man die Futterwerte von RES und Sojaextraktionsschrot (SES), so fallen einige Unterschiede auf (s. Tabelle 1), die in der Fütterung zu beachten sind. RES enthält beispielsweise ein Viertel weniger Rohprotein als SES, deutlich niedriger fallen auch die Aminosäurengehalte aus. Hinzukommt die im Vergleich geringere praecaecale (pc) Verdaulichkeit der Aminosäuren von RES. Diese beträgt zum Beispiel für Lysin 73 %, beim SES aber 87 %. Hierauf muss bei der Rationsgestaltung geachtet und entsprechend gegengesteuert werden, insbesondere bei proteinabgesenkten Futtermischungen, um Mängel in der Aminosäurenversorgung der Schweine auszuschließen.

RES enthält auch deutlich weniger Energie als SES, im Mittel nur 10,4 MJ ME/kg gegenüber 12,9 MJ ME/kg. Ein Grund für die geringere Energiedichte ist der hohe Rohfasergehalt (122 g/kg gegenüber 83 g/kg). Der niedrigere Energiegehalt kann in der Endmast allerdings auch von Vorteil sein, weil ein im hinteren Mastabschnitt energieärmeres Füttern bekanntlich infolge verminderter Körperfettbildung zu höheren Muskelfleischanteilen führen kann. Ein Ausgleich über z.B. Pflanzenöl wäre deshalb beim RES-Einsatz nicht notwendig, außerdem auch viel zu teuer.

Die Gehalte an Calcium und Phosphor sind fast doppelt so hoch wie beim SES. Außerdem ist dieser Phosphor fürs Schwein schlecht verwertbar, zumal das im Raps natürlich vorhandene, für die P-Verdauung verantwortliche Enzym Phytase beim Ölgewinnungsprozess teils inaktiviert wird. Um die P-Ausscheidung der Tiere in Grenzen zu halten, können flächenknappe Betriebe als Gegenmaßnahme spezielle Mineralfutter bzw. Eiweißergänzer einsetzen, die phosphorarm sind und mikrobielle Phytase zur Verbesserung der P-Verdaulichkeit enthalten.

Die in der Rapssaat vorhandenen, allerdings durch Züchtungsmaßnahmen in den letzten Jahren stark abgesenkten Glucosinolatgehalte, das sind Senfölverbindungen, die die Futteraufnahme und den Stoffwechsel der Tiere negativ beeinflussen können, werden beim Prozess der Ölgewinnung infolge Wasserdampfbehandlung und anschließenden Heißlufttrocknung (Toastung) ebenfalls größtenteils zerstört. So ist bei RES im Mittel von lediglich 8 mmol Glucosinolate je kg auszugehen. Rapskuchen enthält beispielsweise die doppelte Menge. Diese Konzentration von RES ist so niedrig, dass unter praktischen Fütterungsbedingungen in der Regel keine Leistungsminderungen durch geringere Futteraufnahme entstehen können.

Aufgrund der eingangs beschriebenen positiven Fütterungserfahrungen mit RES im Jahre 2006 sah sich die UfOP veranlasst, weitere Praxisversuche mit diesem aus heimischer Produktion stammenden Eiweißträger durchzuführen. Unter Leitung der Landwirtschaftskammer wurden für Nordrhein-Westfalen diesmal zwei Praxisbetriebe ausgewählt und während der Versuche fachlich begleitet. Beide Betriebe hatten bereits bei der ersten Versuchsreihe teilgenommen. Damit lag schon eine gewisse Erfahrung im Umgang mit RES vor. Betriebe aus anderen Bundesländern wurden auch wieder beteiligt. Im Gegensatz zu den ersten Versuchen wurden diesmal 10 % RES in der Anfangsmast (bis etwa 70 kg Lebendgewicht) und 15 % RES in der Endmast ab 70 kg LG eingesetzt, was einer deutlichen Steigerung der RES-Menge entsprach.

Welche Leistungen und ökonomischen Ergebnisse hiermit erzielt wurden, wird nachfolgend dargestellt:

In Betrieb A standen 216 Tiere der Herkunft Westhybrid im Versuch (13 Tiere/Bucht), die Fütterung erfolgte über eine Flüssigfütterung am Quertrog. In Betrieb B wurden 324 Westhybrid-Tiere (27 Tiere/Bucht) über Sensor gefüttert und zwar in drei Blöcken um 8.00, 12.00 bzw. 17.00 Uhr. In beiden Betrieben wurde ab Einstallung bis zu einem Gewicht von 40 kg an alle Tiere nur eine Mischung ohne RES verfüttert, ab 40 kg erfolgte die Futterumstellung in Kontrollgruppe und Versuchsgruppe.

Die Zusammensetzung der verschiedenen Versuchsmischungen sind in Übersicht 2 dargestellt. Für die Rationsberechnung und -zusammenstellung lagen von allen Einzelfuttermitteln LUFA-Analyseergebnisse vor. Die Nährstoffausstattung der Mastmischungen erfolgte vornehmlich nach Vorgaben der Landwirte. Basis waren jeweils hohe Getreideanteile. Der RES-Anteil betrug in der Vormast jeweils 10 % und in der Endmast jeweils 15 %. Um den Energiegehalt von Kontrollgruppe und Versuchsgruppe auf ein gleiches Niveau einzustellen, wurde der Weizenanteil in der Versuchsgruppe erhöht, um damit den geringeren Energiegehalt von RES auszugleichen.

Aus dem Vergleich der berechneten Inhaltsstoffe der Mastmischungen (Übersicht 2) lässt sich eine gute Übereinstimmung zwischen den Kontrollgruppen und Versuchsgruppen ableiten, was analytisch bestätigt worden ist. Das Verhältnis g Lysin : MJ ME lag in beiden Betreiben sowohl in der Anfangs- als auch in der Endmast auf gleichem Niveau. Die Untersuchen des Ergänzers ER 10 von Betrieb A auf Glucosinolate ergaben 2,7 μmol/g TS, die des Ergänzers ER 15 ergaben 9,4 μmol/g TS. Bei dem RES von Betrieb B wurde ein Glucosinolatgehalt von 3,3 μmol/g TS analysiert. Bei den Futterkosten sind keine Mahl- und Mischkosten einbezogen worden. Die Mastmischungen in den Versuchsgruppen (mit RES) haben Vorteile bei den Futterkosten. Die Kostenberechnung erfolgte nach aktuellen Angaben der Betriebsleiter. Die Kostenvorteile der RES-Mischungen schwanken zwischen 0,52 und 1,15 €/dt. Zu beachten ist, dass die Preise für die Futtermittel in letzter Zeit starken Schwankungen unterliegen und die Ermittlung der Futterkosten nur eine Momentaufnahme sein kann. Dennoch bleibt festzustellen, dass Futtermischungen mit RES tendenziell kostengünstiger sind.

Die Mast verlief in beiden Betrieben ohne Probleme. Betrachtet man die Mastleistungsergebnisse (Übersicht 3), so wird deutlich, dass der Einsatz von 10 % RES in der Vormast bzw. von 15 % RES in der Endmast zu keinen Nachteilen führt. In Betrieb A führt die Rapsschrotmischung im gesamten Mastabschnitt zu einer höheren täglichen Zunahme von 8 g, in Betrieb B schneidet die Rapsschrotmischung um 1 g schlechter ab. In der Futterverwertung schneidet die Rapsgruppe in Betrieb A mit einem Unterschied von 0,06 kg etwas besser ab, in Betrieb B dagegen liegt die Kontrollgruppe um 0,04 kg vorne.

Die Bewertung der Schlachtkörper (siehe Übersicht 4) erfolgte in beiden Betrieben nach AutoFom. In den Indexpunkten je kg Schlachtgewicht ergaben sich in Betrieb A zwischen Kontroll- und Versuchsgruppe keine Unterschiede, in Betrieb B hat die Versuchsgruppe mit einem Unterschied von 0,11 Indexpunkten je kg SG sogar leichte Vorteile.

Fazit für die Praxis

Aus den Versuchergebnissen und Erfahrungen von zwei westfälischen Schweinemastbetrieben lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  • Auch im Vergleich zu einem vorherigen Versuch deutlich höhere Anteile von Rapsschrot (RES) mit 10 % in der Vormast und 15 % in der Endmast zeigen gegenüber den Mastmischungen ohne RES keine Nachteile in der Mastleistung und Schlachtkörperbewertung.
  • Die dramatisch gestiegenen Futterkosten können auf den Mastbetrieben durch den Einsatz von Rapsextraktionsschrot um 0,52 - 1,15 €/dt gesenkt werden, wobei zu beachten ist, dass die Futterkostenvorteile erheblichen Schwankungen unterliegen können.
  • Trotz der Vorteile bei den Futterkosten hat der Einsatz von Rapsextraktionsschrot als Einzelfuttermittel nach wie vor eine relativ geringe Bedeutung.
  • Ein verstärkter Einsatz von RES in der Fütterung hängt in erster Linie vom Verhalten der Mischfutterindustrie ab, d.h. dem Einsatz in Alleinfuttermitteln bzw. in Ergänzern.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer