Gleiches Futter für Sauen und Eber?

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Ebermast. Foto: Ludger Bütfering

Können weibliche Mastschweine und Jungmasteber mit dem gleichen Futter versorgt werden? Haus Düsse teilt mit

Nachdem die Novelle des Tierschutzgesetzes jetzt beschlossen und damit die betäubungslose Kastration männlicher Ferkel ab dem 01.01.2019 verboten wird, werden praxisorientierte Fragen der Jungebermast zunehmend wichtiger. Auch wenn inzwischen zahlreiche Tests in Versuchseinrichtungen sowie auch Erfahrungen aus der Praxis dazu vorliegen, bleiben immer noch Detailfragen, die vor der Umsetzung dringend geklärt werden müssen.

Für die Jungebermast sind dies insbesondere Fragen zur Fütterung.

Aus diesem Grund hat die Landwirtschaftskammer NRW im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse ihre Versuchsreihe fortgesetzt und einen Fütterungsversuch durchgeführt, bei dem es zunächst um die bedarfsgerechte Versorgung der Eber ging. Daneben sollte geprüft werden, ob weibliche Mastschweine und Jungmasteber an einer gemeinsamen Futterlinie, das heißt mit den gleichen Futtermischungen versorgt werden können. Die bisherige Empfehlung zur getrenntgeschlechtlichen Aufstallung wird damit jedoch nicht hinterfragt. Zur Vermeidung ungewollter Trächtigkeiten sollten Eber und weibliche Tiere auf jeden Fall in getrennten Buchten gehalten werden. Es ging vielmehr um die Frage, ob separate Futtermischungen und damit Futterversorgungseinrichtungen erforderlich sind, was im Einzelfall erhebliche Investitionen im Bereich der Futtertechnik nach sich ziehen würde.

Auch die grundsätzliche Frage zur bedarfsgerechten Nährstoffversorgung von Jungmastebern ist im Detail noch nicht abschließend geklärt. Die bisherigen Erfahrungen auf Haus Düsse und auch in einigen anderen Prüfstationen zeigen, dass die Futterrezepturen für Eber trotz der damit verbundenen höheren Kosten auf einem höheren Aminosäureniveau ausgestattet werden sollten. Dies ist abgeleitet aus dem höheren Fleischbildungspotenzial und der gleichzeitig begrenzten Futteraufnahmekapazität der Eber. Die Eber haben in zahlreichen Untersuchungen die Notwendigkeit dieses höheren Versorgungsniveaus sowohl durch hohe biologische Leistungen als auch in der Wirtschaftlichkeit bestätigt. Es liegen aber auch Ergebnisse vor, bei denen die Eber auf ein höheres als von der DLG empfohlenes Aminosäurenversorgungsniveau nicht mit einer weiter verbesserten Leistung reagierten.

Vier Futtersysteme für Sauen und Eber im Test

Zur gleichzeitigen Bearbeitung der beiden Fragestellungen und zur Erfassung der individuellen Futterdaten wurden insgesamt 192 Tiere, das heißt 96 weibliche und 96 männliche unkastrierte Ferkel der Herkunft Pietrain x Porkuss in Einzelhaltung mit einem Startgewicht von knapp 28 kg Lebendgewicht (LG) aufgestallt. Die Prüfung erfolgte bis zu einem Mastendgewicht von ca. 120 kg LG. Alle Tiere wurden mit der AutoFOM-Technologie klassifiziert

Jede Futtervorlage wurde gewogen. Mit der Einzeltierwägung am Ende des jeweiligen Mastabschnitts erfolgte darüber hinaus eine Rückwaage des Restfutters. Alle Futterrezepturen wurden in Form von Pellets erstellt und den Tieren durchgehend ad libitum angeboten. Sauen und Eber erhielten innerhalb der Futtersysteme A bis C das gleiche Futter über Futterautomaten, wobei die Umstellungstermine im Einzelfall geringfügig abwichen (Gruppe 5 und 6, Übersicht 1, siehe unten). Die Futtergruppen 1 und 2 (Futtersystem A) wurden in Anlehnung an die DLG-Empfehlungen für Schweine mit einem hohem Fleischbildungsvermögen, die ausdrücklich auch für die Vor- und Anfangsmast der Eber herangezogen werden können, erstellt, allerdings ohne die dort vorgeschlagene stufenweise Lysinabsenkung entsprechend des Bedarfs ab 70 bzw. 90 kg LG. Dieses Konzept stellt quasi eine 2-phasige Mast mit einem Futterwechsel bei ca. 40 kg Lebendgewicht (LG) dar. Das Futtersystem der Gruppen 3 und 4 (Futtersystem B) ist eine Wiederholung der Futterstrategie, die sich im letzten Versuch auf Haus Düsse als die wirtschaftlichste herausstellte und hiermit noch einmal überprüft werden sollte. Dieses Konzept ist gekennzeichnet durch ein sehr hohes Proteinversorgungsniveau über die gesamte Mast. Bei den Rezepturen für die Futtergruppen 5 und 6 (Futtersystem C) kam das Ebermastkonzept OlymPig Verro ® I, II und III der AGRAVIS Raiffeisen AG zum Einsatz. Auch diese Mischungen liegen im Merkmal g Brutto-Lysin/MJ ME nach der Vormast geringfügig über den Empfehlungen der DLG. Nach Einsatzempfehlung des Herstellers erfolgte die Futterumstellung vom Typ II auf den Typ III bei den Sauen ca. 10 kg früher als bei den Ebern. Das wird unter anderem damit begründet, dass die zu erwartenden höheren Zunahmen der Eber dazu führen, dass diese das Umstellgewicht früher erreichen und die weiblichen Tiere dann bei der Futterumstellung leichter sind als die Eber. In den Gruppen 7 und 8 (Futtersystem D) wurden die Sauen und Eber nach den vorläufigen Empfehlungen der Landwirtschaftskammer NRW versorgt, das heißt mit einer geschlechtsspezifischen und zum Teil mehrmaligen Anpassung der Futtermischungen im Verlauf der Mast.

Die Futtermischungen der Gruppen 1, 2, 3, 4, 7 und 8 bestanden aus Weizen, Gerste, Soja- und Rapsextraktionsschrot, Weizenkleie, Pflanzenfett sowie Mineralfutter. In sämtlichen Futtermischungen wurden Komponenten eingesetzt, die nicht als GVO kennzeichnungspflichtig sind. Die Rezepturen waren auf 13,4 MJ ME / kg eingestellt. Über den Einsatz freier Aminosäuren im Mineralfutter wurden die Gehalte an Lysin, Methionin und Threonin der jeweiligen Futtermischungen justiert. Bei diesen Futtermischungen konnte die Analyse die geplanten Größenordnungen für Lysin, Methionin, Cystin und Threonin unter Berücksichtigung der Toleranzen weitgehend bestätigen. In den Rezepturen des OlymPIG Verro ®-Konzeptes kamen anhand der Deklaration neben den in den anderen Mischungen eingesetzten Komponenten darüber hinaus Weizenkleberfutter, Mais, Triticale, Roggen sowie das Enzym Xylanase zum Einsatz. Beim Konzept C überstieg der analysierte Lysingehalt den Deklarationswert im Futter 7 ( OlymPig Verro ® III) bei der ersten Lieferung um über 15 % (+ 1,6 g / kg) und um ca. 8 % bei der zweiten Lieferung (+ 0,8 g / kg). Das mit 0,78 g Brutto-Lysin / MJ ME kalkulierte Proteinversorgungsniveau wurde mit einem Wert von 0,88 auf der Basis von Analysen dadurch deutlich übertroffen. Dieser Wert wurde durch eine Nachanalyse bestätigt.

Überragende Leistungen bei Sauen und Ebern

Sämtliche Daten wurden innerhalb der jeweiligen Geschlechter auf ein einheitliches Stallendgewicht standardisiert. Alle aufgestallten Tiere durchliefen die Mast problemlos. Ein weibliches Tier wurde jedoch nicht in der Auswertung berücksichtigt, da seine Leistung im Merkmal „tägliche Zunahmen“ um mehr als 2,5 Standardabweichungen unter dem mittleren Niveau der Gruppe lag.

Unabhängig vom Futterkonzept erreichten die Eber unter diesen Haltungs- und Futterbedingungen im Mittel über alle Futtergruppen (1, 3, 5, 7) mit rund 1 100 g eine sehr hohe tägliche Zunahme. Sie benötigten dafür (nur) rund 2,1 kg Futter / kg Zuwachs. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren statistisch nicht abzusichern (Übersicht 2, siehe unten).

Mit rund 100 g niedrigeren täglichen Zunahmen und mit einem rund 0,2 kg höheren Futterverbrauch je kg Zuwachs zeigten die Sauen eine etwas geringere Leistung, allerdings auf einem insgesamt sehr hohen Niveau.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurden zugunsten der Eber im Verlauf der Mast größer. Während die Differenz bei den täglichen Zunahmen in der Anfangsmast (40 - 70 kg) bei etwa 65 g zugunsten der Eber lag, vergrößerte sich diese Differenz in der Endmast (90 - 120 kg) auf ca. 160 g. Beim Merkmal Futterverbrauch je kg Zuwachs verdreifachte sich der Vorteil der Eber von 0,13 kg auf etwa 0,30 kg (Übersicht 3, siehe unten).

Kaum fütterungsbedingte Effekte im Schlachtkörperwert

Unabhängig vom Futterkonzept wird mit dem vorliegenden Versuch erneut bestätigt, dass die Schlachtkörper der Eber eine eher begrenzte Rückenmuskelfläche aufweisen.

Mit rund 50 cm² Rückenmuskelfläche fallen die Eber um rund 5 cm² hinter den vergleichbaren Sauen ab. Auch die Speckauflage war insgesamt bei den Sauen günstiger als bei den Ebern. Die Unterschiede in den Schlachtkörpermerkmalen waren statistisch nicht abzusichern (Übersicht 4, siehe unten).

Futterkosten und Erlös bestimmen die Rangfolge bei den Ebern

Unter den Ebern schneidet die Futtergruppe 7 (dreiphasige Mast mit einem abgesenkten Proteinniveau ab 90 kg LG) in der wirtschaftlichen Bewertung am besten ab (Übersicht 5, siehe unten). Sowohl nach dem Tönnies- als auch nach dem Westfleischabrechnungsmodell erzielen die Eber mit 1,020/1,014 Indexpunkten je kg Schlachtgewicht (SG) einen um 4,00 bzw. 4,40 € höheren Überschuss über die Futterkosten als die Eber der Gruppe 1, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Eber dieser Gruppe mit 94,6 kg SG 0,8 kg schwerer waren als die Vergleichsgruppe 1 mit 93,8 kg. Bei vergleichbaren Futterkosten punkten die Eber in der Gruppe 7 bei der Klassifizierung. Deutlich wird auch der Unterschied zwischen den Abrechnungsmodellen von Westfleisch und Tönnies, die allein auf die Maskeneffekte zurückzuführen sind. Bonuszahlungen jeglicher Art sind nicht berücksichtigt.

In den Futterkosten besticht die OlymPig Verro ®-Gruppe 5 mit einem Vorteil von ca. 2,00 € / Tier. Dieser Futterkostenvorteil führt die Ebergruppe 5 auf Rang 2 innerhalb der Eber, da die Erlöse der anderen Gruppen 1 und 3 auf vergleichbarem Niveau wie die in Gruppe 5 liegen. Ob und inwieweit die deutlich bessere Lysinausstattung des Futters im Vergleich zur Deklaration dieses Ergebnis positiv beeinflusst, kann anhand der vorliegenden Daten nicht beantwortet werden. Unklar bleibt auch die Auswirkung des um mehr als eine Energiestufe höheren analysierten Energiegehaltes des Futterrezepturen 2, 6 und 9, bei denen 13,8 bzw. 13,9 MJ ME statt der kalkulierten 13,4, MJ ME bestimmt wurden.

Aus den vorliegenden Ergebnissen kann insgesamt unter den vorgegebenen Voraussetzungen die Schlussfolgerung gezogen werden, dass eine Protein- bzw. Aminosäurenversorgung, die weit über die vorläufigen Empfehlung der DLG für Schweine mit einem hohen Fleischbildungsvermögen (Eber) liegt, sowohl im Hinblick auf die biologischen Leistungen als auch im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit nicht zu empfehlen ist.

Die wissenschaftlichen Grundlagen, die in die Empfehlungen der DLG eingeflossen sind, leiten die Versorgung aus dem individuellen Bedarf für Erhaltung und Leistung ab. Sicherheitsreserven sind in nennenswertem Umfang darin nicht enthalten. Eine konkrete Versorgung auf diesem Niveau stellt daher keine Reserven für den Fall bereit, dass der Erhaltungsbedarf zum Beispiel aufgrund eines proteinzehrenden Umwelteffekts (zum Beispiel Immunabwehr) ansteigt. Im vorliegenden Durchgang waren solche Effekte nicht zu beobachten, so dass die Versorgung mit stark abgestuftem Versorgungsniveau offensichtlich ausgereicht hat. Anhand der vorliegenden Daten ist jedoch nicht voraussagbar, welche Effekte auf Leistung und Wirtschaftlichkeit entstanden wären, wenn sich die Tiere zum Beispiel mit der Abwehr einer Infektion hätten auseinandersetzen müssen. Die Beratungsempfehlungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen für die Versorgung der Eber berücksichtigt diese Zusammenhänge und sollten bis auf Weiteres als Leitlinie für die Praxis gelten(Übersicht 6, siehe unten).

Bei den Sauen dominiert die Sauengruppe 4 mit dem höchsten Versorgungsniveau trotz hoher Futterkosten (Übersicht 5). Dies ist das Ergebnis einer sehr guten Schlachtkörperklassifizierung, bei dem die Sauen unabhängig vom Abrechnungsmodell ca. 1,030 Indexpunkte je kg SG erreichten. Dieses Ergebnis bestätigt frühere Untersuchungen auf Haus Düsse.

Sauen und Eber gleich füttern?

Streng genommen kann diese Frage aufgrund der gleichen Umstellungsgewichte zwischen den einzelnen Mastabschnitten nur anhand der Ergebnisse der Futtergruppen 1 bis 4 eindeutig geklärt werden. Mit gewissen Einschränkungen erlaubt auch das Futterkonzept C ( OlymPig Verro ®) mit den Futtergruppen 5 und 6 eine diesbezügliche Aussage. Falls die im Versuch vom Hersteller empfohlene Umstellung bei den Sauen mit etwa 70 kg LG und bei den Ebern mit etwa 80 kg LG in der Praxis aus technischen Gründen nicht möglich ist, wird vom Hersteller eine Futterumstellung bei beiden Geschlechtern bei einem Lebendgewicht von 80 kg empfohlen. In den biologischen Merkmalen Tageszunahmen und Futterverwertung liegen die Sauengruppen nahezu gleichauf. Der bessere Schlachtkörperwert der Gruppe 4 wird im Sauenvergleich durch höhere Futterkosten weitestgehend wieder aufgezehrt. Auf der Grundlage des zusammenfassenden Merkmals „Überschuss über Futterkosten“ sind die Unterschiede dann zwischen den Sauengruppen insgesamt als gering zu bezeichnen, das heißt das „beste Eberkonzept“ ist auch für Sauen zu empfehlen, da die Alternativen keine nennenswerten Effekte erzielen.

Für die häufige Form der Mast von 50 % Ebern und 50 % weiblichen Schweinen wurde die Wirtschaftlichkeit der Futterkonzepte insgesamt, das heißt gemeinsam über beide Geschlechter errechnet (Übersicht 5, rechter Block). Bei dieser Betrachtungsweise dominieren die Futterkonzepte C und D auf gleichem Niveau.

Fazit

  • Unter optimalen Bedingungen erreichen Eber und Sauen mit ca. 1100 g bzw. ca. 1000 g Zunahmen und einem Futterverbrauch von 2,1 bzw. 2,3 kg Futter je kg Zuwachs ein sehr effektives Leistungsniveau.
  • Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Zuwachsverlauf und im Futterverbrauch werden mit zunehmendem Gewicht größer.
  • Die größeren Kotelettflächen bei den Sauen werden mit dem vorliegenden Versuch bestätigt.
  • Bei gleichzeitig günstigeren Rückenspeckauflagen punkten die Sauenschlachtkörper in der AutoFOM-Klassifizierung.
  • Die Abrechnungsmethodik von Tönnies ergibt unter alleiniger Berücksichtigung der Maskengrenzen Erlösvorteile gegenüber Westfleisch, wobei Bonuszahlungen nicht berücksichtigt sind.
  • Die dreiphasige Ebermast mit abgesenktem Proteinniveau in Anlehnung an die Empfehlungen der Landwirtschaftskammer hat den höchsten Überschuss über Futterkosten. Unter den nahezu optimalen Bedingungen wie auf einer Prüfstation Haus Düsse sind offensichtlich keine Sicherheitszuschläge erforderlich.
  • In den Empfehlungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zur Versorgung von Ebern sind noch gewisse Reserven enthalten. Diese sollten zunächst als Leitlinie zur Optimierung der Futtermischungen herangezogen werden.
  • Sauen und Eber können an der gleichen Futterlinie, das heißt mit dem gleichen hochwertigen Futter versorgt werden, wobei die Futtermischungen den Anforderungen der Eber entsprechen sollten. Eine getrennt geschlechtliche Aufstallung ist zur Vermeidung von Trächtigkeiten aber notwendig.

Autoren: Dr. Friedhelm Adam, Christiane Norda, Ludger Bütfering, Dr. Gerhard Stalljohann