Soja-Schnelltest nicht aussagekräftig

Schweinefutter

Mit der in Bayern entwickelten „Gruber Sojaachse“ soll die Sojaqualität schnell bestimmt werden können. Ob diese Methode aussagekräftige Ergebnisse liefert, erläutern Josef Möllering und Dr. Wolfgang Sommer anhand kammereigener Untersuchungen

Die Fütterung der Tiere auf hohe Leistungen zählt zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schweineproduktion. Schlechte bzw. minderwertige Futterqualitäten wirken sich sofort auf die Leistungen im Sauen- und Maststall aus. Da die Futterkosten außerdem den größten Kostenfaktor innerhalb der Produktionskette darstellen, ist es besonders wichtig, den jeweiligen Futterwert der einzelnen Mischungskomponenten zu kennen, was insbesondere für die Eiweißträger gilt.

Um beim Eiweiß „auf den Punkt“ füttern zu können, nutzen viele Landwirte die kostengünstige NIRS-Analytik der LUFA NRW in Münster zur Ermittlung der futterwertrelevanten Inhaltsstoffe. Nur so lässt sich über eine gezielte Rationsgestaltung das Leistungsvermögen der Tiere voll ausschöpfen, wobei gleichzeitig die Umwelt vor übermäßigen stickstoffhaltigen Ausscheidungen nach Überversorgungen mit Rohprotein weitestgehend verschont wird.  Die NIRS-Technik kann bei  den wichtigsten Getreidearten (Weizen, Triticale, Gerste, Roggen) sowie beim Sojaschrot angewandt werden.

Unter den Eiweißfuttermitteln nimmt das Sojaextraktionsschrot eine dominierende Stellung ein. Im Handel wird es in der Regel als Normalschrot oder HP-Schrot angeboten. Während die Rohproteingehalte der dampferhitzten Normalschrote mindestens 43 % aufweisen sollen, kommen die HP-Schrote auf mindestens 47 %.  HP-Schrote werden insbesondere dann eingesetzt, wenn viel Getreide eingemischt werden soll.

In der Praxis werden beim Sojaschrot jedoch immer wieder große Qualitätsunterschiede sichtbar. Nach den NIRS-Ergebnissen der LUFA NRW in Münster schwanken beispielsweise die Rohproteingehalte von Sojaproben zwischen 35 und 49 %. Hieran werden die überaus großen Eiweiß- und damit Aminosäurendifferenzen der einzelnen Handelschargen mit all ihren Konsequenzen für die Rationsgestaltung deutlich.

„Gruber Sojaachse“ als Schnelltest in Bayern

In Bayern existiert die sogenannte „Gruber Sojaachse“. Dort handelt es sich um ein Schnelltestverfahren zur Erfassung der Sojaqualität unter Praxisbedingungen. Dabei wird das Volumengewicht des Sojaschrotes in g je Liter ermittelt und nachfolgend der Rohproteingehalt mit Hilfe einer Gleichung errechnet bzw. an der „Sojaachse“ abgelesen. Als Hilfsmittel dienen ein Volumengefäß (z.B. ein Literbecher), eine genaue Waage (max. 10 g – Einteilung) und die „Sojaachse“ als Gleichung oder Schaubild. In 1999 und 2005 wurden in Bayern über 400 Sojaproben fachgerecht gezogen, auf ihre Volumengewichte untersucht und mit den analysierten Rohproteingehalten und Futterwerten in Beziehung gesetzt. Es gilt das Prinzip: Je höher der Schalenanteil der Sojaprobe, desto geringer ist das Volumengewicht (g/l), desto höher ist der Rohfaseranteil und desto niedriger ist der Energie- und Rohproteingehalt. Daraus wurde die sogenannte „Gruber Sojaachse“ entwickelt (siehe Abbildung 1). Danach werden Sojaproben bis 600 g/l als Normalschrote und Proben über 700 g/l als HP-Schrote eingestuft. Das Ergebnis der Auswertungen zum Schnelltest wird unter bayerischen Verhältnissen als aussagefähig und für eine grobe Einstufung der Sojaqualität in der Praxis empfohlen.

Gruber Soja-Achse

Vergleichsuntersuchungen in NRW

Insbesondere bei häufigen Sojalieferungen spricht vieles für den Einsatz solcher Schnelltests, die selbst im Betrieb durchgeführt werden können und damit eine halbwegs verlässliche Voreinschätzung der Sojaqualität ermöglichen. Denn in der Praxis nutzt es vielfach wenig, eine Laboranalyse zu veranlassen, wobei das Ergebnis möglicherweise erst eintrifft nachdem die Ware bereits verfüttert ist.

Aus diesem Grunde wurde in NRW eine Sonderaktion zur Überprüfung der „Gruber Sojaachse“ gestartet. Die über das Land verteilten Fütterungsberater der Landwirtschaftskammer NRW haben insgesamt 40 Sojaproben in Praxisbetrieben gezogen und zur NIRS-Untersuchung in die LUFA NRW nach Münster geschickt. Parallel zur NIRS-Analyse erfolgte eine einheitliche Volumenbestimmung der Einzelproben, um somit methodische Fehlerquellen auszuschließen. Laut Deklaration und Händlerangaben handelte es sich um 32 Normalschrote und 8 HP-Schrote.

Bei der Auswertung der Volumengewichte fiel zunächst auf, dass die ermittelten Volumengewichte in ihrer Größenordnung und Schwankungsbreite weit unterhalb der bayerischen Vergleichswerte lagen. Sie pendelten sich im Bechermaß locker geschüttet zwischen 460 und 637 g/l ein. In Bayern reichte die Bandbreite von 590 bis 750 g/l. Zwischen den an der „Gruber Sojaachse“ abgelesenen Gehalten an Rohprotein und den analysierten NIRS-Werten konnten bei einer Gesamtbetrachtung sämtlicher Sojaproben keinerlei gerichtete Beziehungen festgestellt werden. Die einzelnen Ergebnisse können aus der Abbildung 2 entnommen werden. Die Säulen stellen dabei die nach „Gruber Sojaachse“ geschätzten und die rechteckigen Punkte die in der LUFA NRW analytisch ermittelten Rohproteingehalte dar. Neben ganz wenigen Übereinstimmungen der Rohproteingehalte von auf der „Gruber Sojaachse“ geschätzten Rohproteinwerten und entsprechenden Laboranalysenwerten gab es ansonsten überaus viele gravierende Gehaltsdifferenzen zwischen diesen Wertepaaren. So hatte beispielsweise die leichteste Sojaschrotprobe ein Volumengewicht von 460 g/l. Nach der „Achse“ hätte diese Probe rund 41 % Rohprotein enthalten müssen, nach der NIRS-Bestimmung lag der Wert aber nur bei 35,4 %. Von einer halbwegs gesicherten Beziehung zwischen den abgelesenen und den analysierten Werten kann daher keine Rede sein.

Abbildung 2

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die nach der NIRS-Methode ermittelten Rohproteingehalte bei den als Normalschrote gehandelten Chargen zwischen 35,4 und 46,9 % schwankten. Im Mittel lagen die Eiweißwerte der Normalschrote bei 42,1 %. Von den als HP-Schrote verkauften Partien pendelten sich die NIRS-Rohproteinwerte zwischen 46,1 und 49,3 % ein. Sie zeigten somit eine deutlich geringere Streuung und lagen im Mittel bei 47,0 %. Während die Volumengewichte der Normalschrote zwischen 460 und 637 g/l lagen, bewegten sich die HP-Schrote zwischen 564 und ebenfalls 637 g/l. Von einer deutlichen Gewichtsdifferenzierung der HP-Schrote in Richtung „schwerer“ Ware kann demnach bei dieser Untersuchungsserie nicht gesprochen werden.

Fazit für die Praxis

Der Ansatz und Grundgedanke, mit Hilfe eines einfachen Schnelltestes - hier der „Gruber Sojaachse“ – rasche Informationen über die jeweilige Sojaqualität zu erlangen und um diese bei der Rationsgestaltung sofort und aktuell entsprechend berücksichtigen zu können, hat in der Praxis durchaus seine Berechtigung. Die Ergebnisse der nordrhein-westfälischen Sojaproben stellen die Praxistauglichkeit der bayerischen   „Sojaachse“ jedoch in Frage. Da bei mindestens jeder zweiten Sojaprobe gravierende Abweichungen zwischen dem abgelesenen Rohproteingehalt an der „Achse“ und dem analogen Analysenwert zu beobachten waren, können die Schnelltestwerte aus der Sonderuntersuchung der Landwirtschaftskammer die NIRS-Analysenwerte der LUFA keinesfalls ersetzen.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Josef Möllering