Sojaschrot ist nicht gleich Sojaschrot

Schweinefutter

Sojaextraktionsschrot ist ein wichtiges Produktionsmittel in der Schweinefütterung. Unter den Eiweißträgern hat es mit Abstand die größte Bedeutung. Eigenmischer bevorzugen Sojaschrot, weil damit unter Zusatz von Mineralfutter höchstmögliche Getreidemengen eingesetzt werden können. In der Praxis stehen jederzeit definierte Sojaschrotqualitäten zur Verfügung, unter denen man wählen kann. Hauptanteil haben dabei die sogenannten Normal-Schrote, häufig als 44er Ware bezeichnet. Nicht unerheblich ist auch die Verbreitung von HP–(high protein)Schrot, das etwa 10 % mehr Rohprotein als normale Ware enthalten soll. Im Proteingehalt dazwischen einzuordnen sind die landläufig als „Brasil-Schrote“ bezeichneten Qualitäten mit etwa 46 % Protein.

Zumindest ergab sich diese grobe Unterteilung als Resultat einer umfangreichen Sojaschrotuntersuchung in praktischen Betrieben mit Schweinehaltung in Nordrhein-Westfalen. Um sich einen Überblick über die auf dem Markt befindlichen Sojaschrotqualitäten zu verschaffen, wurden in dieser Untersuchung insgesamt 57 Proben von Beratern der Landwirtschaftskammer NRW in Praxisbetrieben in der Zeit von Ende September bis Mitte Dezember 2004 gezogen. Hauptziel dieser Untersuchung war es, die wertbestimmenden Inhaltsstoffe der Schrote zu ermitteln und sie mit üblichen Tabellenwerten zu vergleichen. Fehlende Kenntnis über die wahre Qualität kann nämlich sowohl in der Mast als auch in der Ferkel- und Sauenfütterung ganz erhebliche Leistungsunterschiede der Tiere zur Folge haben und zu wirtschaftlichen Nachteilen führen. Auch beim Sojaschrot ist deshalb stets größter Wert auf Produktsicherheit zu legen.

Inhaltsstoffe schwanken teils erheblich

Alle 55 Proben wurden in der LUFA Münster mittels NIRS-Technik untersucht. Die Aminosäurengehalte wurden auf Basis des jeweiligen Rohproteingehaltes über Degussa-Schätzformel ermittelt. Dieses seit langem bewährte Verfahren liefert verlässliche Ergebnisse und hält die Untersuchungskosten für den Landwirt in engen Grenzen. Übersicht 1 enthält zunächst die zusammengefassten Ergebnisse der 29 untersuchten „Normal-Schrote“. Im Durchschnitt dieser Proben wurden übliche ca. 43 % Rohprotein ermittelt, allerdings bei einer weiten Spanne von niedrigen 37,8 bis hohen 47,2 %. Worauf diese enormen Differenzen im einzelnen zurückzuführen sind, ist schwer zu sagen. Von Einfluss ist jedoch immer der Schalenanteil, der die Qualität des Sojaschrotes beeinflusst. Die im Durchschnitt gemessenen 7 % Rohfaser (5,0 bis 10,4 %) deuteten insgesamt auf einen recht hohen Schalenanteil hin. Entsprechend niedrig fielen die Energiegehalte dieser Schrote aus, im Mittel wurden nur 12,9 MJME/kg (11,9 bis 13,8 MJME) festgestellt. Die Aminosäurengehalte entsprachen mit 2,65 % Lysin, 1,26 % Methionin/Cystin, 1,7 % Threonin und 0,56 % Tryptophan üblichen Mittelwerten. Allerdings ergaben sich in Abhängigkeit von der Höhe des Proteingehaltes ebenfalls erhebliche Unterschiede in den Gehalten.

In Übersicht 2 sind die Untersuchungsergebnisse der 21 HP-Schrote dargestellt.

Bei diesen Qualitäten handelt es sich in der Regel um hochverdauliche Sojaschrote ohne Schalenanteil. Da reine Sojaschalen etwa 35 % Rohfaser und 12 % Rohprotein aufweisen, erhält man durch Weglassen der Schalen Schrote mit ca. 48 % Rohprotein und 3,5 % Rohfaser. Die hier untersuchten Proben erreichten im Mittel jedoch nur 46,6 % Eiweiß, aber 4,3 % Rohfaser, was den eigentlichen Zielvorgaben für Hoch-Protein-Ware wenig entsprach. Auch schwankten beide von Probe zu Probe erheblich, so der Proteingehalt zwischen 42,8 und 49,5 % - analog dazu natürlich die Aminosäurenwerte. Die Rohfasergehalte bewegten sich zwischen 2,9 und 6,8 %. Entsprechend verhielten sich die Energiewerte, sie lagen zwischen geringen 12,4 und hohen 14,6 MJME/kg, was immerhin einer Differenz von über fünf Energiestufen gleich kam.

Übersicht 3 enthält die Ergebnisse der beprobten „Brasil-Schrote“. Hinsichtlich ihrer Qualität ließen sich diese Schrote zwischen den Normal- und HP-Schroten einordnen, wie an den Durchschnittsgehalten von 45,4 % Rohprotein, 2,84 % Lysin, 5,6 % Rohfaser und 13,5 MJME je kg abzulesen ist. Auffallend hoch waren auch hier die großen Unterschiede der Inhaltsstoffe zwischen einzelnen Proben, was die Notwendigkeit eigener Analysen in praktischer Hinsicht einmal mehr verdeutlicht.

Deklarationen sind häufig ungenau oder fehlen

Nach futtermittelrechtlichen Bestimmungen müssen die Hersteller bzw. Lieferanten beim Verkauf von Sojaschrot grundsätzlich den Rohproteingehalt und wenn mehr als 8 % Rohfaser enthalten sind auch den Rohfasergehalt deklarieren. Eine Deklarationspflicht entfällt lediglich, wenn vom Käufer beim Abschluss eines Kaufvertrages hierauf schriftlich verzichtet wird. Diese Vorschriften werden aber öfters vernachlässigt. Mitunter fehlen die Angaben zum Proteingehalt ganz oder sie werden falsch gemacht. Beispielsweise enthält das mit „44 er Ware“ bezeichnete Sojaschrot häufig nur 42 % Protein, wobei einfach 2 % Fett hinzugerechnet werden. Diese Bezeichnung ist futtermittelrechtlich deshalb nicht korrekt, angegeben werden muss auf jeden Fall der tatsächliche Rohproteingehalt. Dieser darf dann, ohne futtermittelrechtlich beanstandungsfähig zu sein, laut Analyse maximal 2 Prozentpunkte unter dem deklarierten Wert liegen. In dieser Untersuchung wurden aber bei 20 % der Proben mehr oder weniger große Unterschreitungen des deklarierten Rohproteingehaltes festgestellt. Im Extrem betrugen diese Unterschreitungen 4 bis 6 %-Punkte. Entsprechend niedriger fielen bei diesen Unterschreitungen die Aminosäurengehalte aus, was im Hinblick auf die Rationsgestaltung natürlich von Nachteil ist. Die vorliegenden Protein-Unterschreitungen verteilten sich in dieser Untersuchung übrigens gleichmäßig auf alle drei Sojaschrottypen. Bei den „Normal-Schroten“ wurde der angegebene Rohproteingehalt allerdings in drei Fällen auch deutlich überschritten. Von der Deklaration nach oben hin abweichende Werte sind futtermittelrechtlich ohne Belang, können aber bezüglich der Stickstoffbilanz eines flächenknappen Betriebes eine Rolle spielen. Diese Untersuchungsergebnisse dokumentieren, wie wichtig Sojaschrotuntersuchungen für den Landwirt sein können. Sicherlich sollte man nicht jede Sojalieferung untersuchen lassen, dafür würden zu hohe Kosten anfallen. Aber stichprobenartige Kontrollen sind anzuraten und meist viel Geld wert.

Qualitäten bestimmen den Masterfolg

Noch deutlicher werden diese Zusammenhänge, wenn praktische Futtermischungen erstellt werden sollen. In Übersicht 4 werden zu diesem Zweck einfache Beispiele für die Schweinemast gegeben. Dargestellt sind jeweils Anfangs- und Endmastmischungen auf Getreidebasis. Dabei wurden zur Verdeutlichung der Qualitätsunterschiede zwei verschiedene HP-Schrote eingesetzt, die sich mit 48 % Protein und 14,2 MJME/kg zu nur 43 % Protein und 12,9 MJME/kg erheblich unterscheiden. Gemäß dieser Qualitäten wurde mit verschieden hohen Aminosäurengehalten gerechnet. Wie ersichtlich, reichen bei guter HP-Sojaqualität 18,5 % für die Anfangsmast und 13 % für die Endmast zur Bedarfsdeckung der Schweine aus. Wichtig ist allerdings die Ergänzung eines hochwertigen Mineralfutters, das einen Zusatz von 5 % reinen Lysins enthalten sollte. Bei Mischungsanteilen von 3 bzw. in der Endmast 2,5 % werden die erforderlichen Lysin:Energie-Relationen von anfangs 0,74 g Lysin je 1 MJME und ab 70 kg Lebendgewicht von 0,63:1 dann gut erfüllt. Die Proteingehalte dieser beiden Beispielsmischungen liegen bei 18,0 bzw. 15,8 %, die Energiegehalte bei üblichen 13,2 bzw. 13,1 MJME/kg. Wird nun in Unkenntnis einer HP-Sojaschrotqualität eine schlechte Ware mit deutlich weniger Protein und Energie zu den gleichen Mischungsanteilen wie ein hochwertiges HP-Schrot eingemischt, ergeben sich in dieser Mischung zunächst etwas niedrigere Protein- und Energiegehalte, was sich über eine höhere Futterzuteilung ausgleichen ließe. Aber entscheidend für den Masterfolg sind nicht die absoluten Protein- und Energiegehalte eines Futters, sondern in besonderem Maße die Einhaltung der richtigen Aminosäuren-Energie-Relation. Diese betragen in der Anfangsmast nur 0,71:1 und in der Mast ab 70 kg LG nur 0,60 : 1. Die geforderten min. 0,74:1 bzw. min. 0,63:1 werden also in keiner Weise erreicht. Das bedeutet, würde man nicht reagieren und die Mischungen leistungsgerecht anpassen, dass mit verringerten Tageszunahmen, höherem Futterverbrauch/kg Zuwachs, höheren Futterkosten, stärkerer Verfettung der Tiere und damit geringeren Schlachterlösen zu rechnen wäre.

Was ist aber nun zu tun, wenn beispielsweise eine größere Lieferung einer schlechten Sojaqualität vorhanden ist und verfüttert werden muss? Zunächst sollte man versuchen, beim Lieferanten einen Preisnachlass auszuhandeln, um den Minderwert auszugleichen. Basis könnte hier der gemessene Proteingehalt sein, der mit dem deklarierten verglichen und entsprechend verrechnet wird. Vorrangiger ist aber die notwendige Umstellung der Futtermischungen. Um das schlechte HP-Schrot auszugleichen, müssten in der Anfangs- und auch Endmast jeweils 2 % mehr von diesem Schrot eingesetzt werden. Eine andere Möglichkeit bestünde im Einsatz eines höherwertigeren Mineralfutters, das dann nicht wie im Beispiel dargestellt 5 % Lysin, sondern min. 6,5 % Lysin enthalten müsste. Beide Maßnahmen führen natürlich zu einer Verteuerung des Mastfutters.

Was am Beispiel einfacher Mastmischungen verdeutlicht wurde, kann auch auf die Ferkel- und Sauenfütterung übertragen werden. In der Ferkelfütterung können sich Schwankungen im Proteingehalt besonders stark auswirken. Überhöhte Proteingehalte in einem Aufzuchtfutter beeinflussen das Säurebindungsvermögen des Futters, was die Verdauung im Magen und Darm beeinträchtigen und zu Durchfallproblemen führen kann. Zu niedrige Proteinzufuhren schmälern das Wachstum der Ferkel, verbunden mit überhöhtem Futterverbrauch und Verfettungsrisiken. In der Sauenfütterung kann ein Aminosäurenmangel die Milchleistung herabsetzen und die Aufzuchtleistungen verringern.

Was darf HP-Schrot kosten?

Praktiker stellen häufig Fragen zur Preiswürdigkeit der Sojaschrote.

Beispielsweise interessiert dabei, welcher Preisabstand zwischen einem Normal-Schrot und einem HP-Schrot bestehen kann oder darf. Hierzu finden sich Hinweise in Übersicht 5.

Übersicht 5: Preiswürdigkeit von HP-Schrot bei angenommenen Preisen für Normal-Schrot

Preis für Normal-Schrot in Euro/dt Preisgrenze für HP-Schrot in Euro/dt
20,00 21,90
22,00 24,10
24,00 26,30
26,00 28,50

Unterstellt sind bei diesen Kalkulationen die in dieser Untersuchung ermittelten Durchschnittsgehalte für Lysin und Energie bei den Normal-Schroten und HP-Schroten (s. Übersichten 1 und 2). Werden die in der linken Spalte der Übersicht 5 dargestellten Preise von 20.- bis 26.- Euro/dt   für das   Normal-Schrot als Preisvorgabe gesetzt, darf das HP-Schrot aufgrund seines höheren Lysin- und Energiegehaltes analog maximal zwischen 21,90 bis 28,50 Euro/dt kosten. Beispiel: Ein Mäster hat ein Angebot von 22.- Euro für eine Dezitonne Normal-Schrot vorliegen und könnte ein HP-Schrot für 23,50 Euro/dt bekommen. In diesem Falle wäre es für ihn günstiger, das HP-Schrot zu kaufen, da der Preis von 23,50 Euro unter dem Grenzpreis von 24,10 liegt. Diese Kalkulationen gelten aber immer nur für die hier unterstellten Durchschnittsqualitäten. Weichen der Lysin- und/oder Energiegehalt eines Sojaschrotes vom Mittel ab, fällt jede Preiswürdigkeitsberechnung natürlich anders aus bzw. bleibt Theorie.

Fazit für die Praxis

Die Ergebnisse dieser Sojaschrot-Sonderuntersuchung aus praktischen Betrieben zeigen, dass in der Schweinefütterung sehr unterschiedliche Qualitäten eingesetzt werden. Weit verbreitet sind die sog. Normal-Schrote mit durchschnittlich ca. 43 % Protein, gefolgt von den HP-Schroten mit gemessenen durchschnittlich ca. 47 % Protein und den Brasil-Schroten mit knapp über 45 % Rohprotein. Bei allen drei Typ wurden zwischen einzelnen Proben jedoch teils erhebliche Qualitätsabweichungen festgestellt, was einmal mehr signalisiert, wie wichtig eine Sojaschrotanalyse für den Schweinehalter sein kann. Nur wer die tatsächliche Qualität seines Sojaschrotes genau kennt, ist in der Lage, seine Schweine leistungsgerecht und damit wirtschaftlich zu füttern. Stichprobenartige Qualitätskontrollen der Sojalieferungen sind deshalb unbedingt anzuraten. Die Untersuchungskosten stehen dabei in keinem Verhältnis zum möglichen Nutzen.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer