Die Tränkwasserqualität verbessern

Mastschweine

Einwandfreies Tränkwasser ist Vorraussetzung für gute tierische Leistungen. Wie sich die Tränkwasserqualität verbessern lässt und welche Erfolge damit in der Praxis erreicht werden können, schildern Dr. Wolfgang Sommer und Josef Bunge von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster und Warendorf.

Das Wasser ist in der Positivliste für Einzelfuttermittel an erster Stelle gelistet, was seine Bedeutung in der Fütterung hervorheben soll. Mangelhaftes Tränkwasser geht zu Lasten von Gesundheit und Leistung der Tiere. Manchmal sind Verdauungsstörungen und Durchfallerkrankungen allein auf keimbelastetes Wasser zurückzuführen. Betroffen ist insbesondere die Ferkelaufzucht. Hohe Aufzuchtergebnisse sind aber nur möglich, wenn das Tränkwasser von einwandfreier Beschaffenheit ist.

Über die hygienischen Anforderungen an Futtermittel wird häufig berichtet, die erforderliche Wasserqualität wird dabei meist vernachlässigt. Fachleute sind sich allerdings noch immer nicht ganz einig, was unter einer einwandfreien Tränkwasserqualität zu verstehen ist. Bisher liegen auch keine gesicherten Faustzahlen vor. Hilfsweise werden deshalb häufiger Maßstäbe aus dem Humanbereich verwendet, was fachlich nicht gerechtfertigt ist. Tränkwasser muss keine Trinkwasserqualität besitzen. Es sollte aber dennoch auch für Tiere von hygienisch einwandfreier Beschaffenheit sein.

Anforderungen an Tränkwasser

Hinsichtlich der Wasserqualität muss man zunächst unterscheiden zwischen mikrobiologischen und physikalisch-chemischen Merkmalen. Letztere sind in der Regel naturgegeben. Hierunter fallen die Gehalte an Mineralstoffen wie Eisen, Mangan, Magnesium, Calcium usw. und Kriterien wie z.B. der ph-Wert und die Gesamthärte. Die mikrobiologische Beschaffenheit hingegen ist meist hausgemacht. Verunreinigtes Brunnenwasser, unsaubere Vorratsbehälter, Wasserleitungen oder sonstige Einrichtungen führen nicht selten zu unerwünschten Keimbelastungen, die das Leistungsgeschehen der Tiere stark beeinträchtigen können. Welche Anforderungen seitens der Landwirtschaftskammer NRW an die hygienische Beschaffenheit des Tränkwassers gestellt werden, verdeutlichen die Orientierungswerte in Tabelle 1. Zunächst wird die Keimbelastung bei 20 und bei 36 Grad Celsius gemessen und bewertet. Damit werden Hinweise auf unterschiedliche Bakterienarten gegeben. Befunde bei 36 Grad Celsius zeigen fäulnis- und fäkalbedingte Keime an, bei 20 Grad werden produkttypische Bodenkeime erfasst. In der Praxis werden diese mikrobiologischen Grenz- bzw. Orientierungswerte leider oft nicht eingehalten, sei es wegen fehlender Hygienemaßnahmen oder aus sonstigen Gründen.

Zusatz von Chlordioxid

Neben der stets notwendigen Säuberung von Fütterungsanlagen und   -behältern gibt es durchaus zusätzliche Möglichkeiten, die Wasserbeschaffenheit zu verbessern. Einige Betriebe arbeiten mit organischen Säuren, die eine gewisse reinigende Wirkung haben, aber nicht ganz billig und nicht immer effizient sind. Im Industriebereich  wird dem Trinkwasser seit langem Chlordioxid (ClO2) in niedrigster Konzentration zugesetzt, weshalb unser Leitungswasser beste Qualität besitzt. ClO2 ist eine Chlorsauerstoffverbindung, die oxidierende Wirkung besitzt und zuverlässig gegen Bakterien, Hefen, Pilze, Algen und Viren wirken kann. ClO2 ist deshalb als Aufbereitungsstoff nach Trinkwasserverordnung und nicht als Futterzusatzstoff einzustufen. Es unterliegt damit nicht den futtermittelrechtlichen Bestimmungen.

Der Umgang mit ClO2 ist bekanntlich nicht ungefährlich. Aber durch eine besondere Technik   wird dem Landwirt die problemlose Handhabung dieses Zusatzes ermöglicht. Und zwar bietet eine in Südniedersachsen ansässige Firma ( HDD-Technik) eine Technik an, mit der vor Ort   zwei Flüssigkeiten zusammengeschüttet werden und zu ClO2 reagieren. Dieses Gemisch wird dann über eine Mikrodosierpumpe nach Vorschrift des Herstellers in kleinsten Mengen dem Tränkwasser zudosiert. Die Anlage kostet rund 650.-€ (plus Mehrwertsteuer) und ist eine einmalige Investition. Hinzu kommen laufende, aber nur geringe Kosten für die notwendigen Mischkomponenten.

Ältere Wasser- und Rohrleitungen enthalten häufig einen Biofilm, der nicht nur Grundlage für weitere Keimansiedlungen ist, sondern auch die Schmackhaftigkeit des Wassers herabsetzt. Es scheint erwiesen, dass ClO2 den Biofilm entfernt und ihn an der Entstehung hindert, wenn es kontinuierlich zudosiert wird. Durch dieses ständige Reinhalten und der geschmacklichen Veränderung des Tränkwassers können Leistungssteigerungen der Tiere resultieren.

Versuche in zwei Praxisbetrieben  

Um die beschriebene Technik und Effizienz dieses speziellen ClO2-Zusatzes unter praktischen Bedingungen zu testen, hat die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

in zwei westfälischen Betrieben mit Sauenhaltung in der Zeit von Januar bis September 2006 entsprechende Versuche durchgeführt. Die Untersuchungen erstreckten sich jeweils auf den Ferkelaufzuchtbereich und wurden dreifach wiederholt.

Die Ferkel erhielten in beiden Betrieben jeweils in parallelen Gruppen Tränkwasser mit und ohne ClO2-Zusatz. Die Ergebnisse der Wasseruntersuchungen sind in Tabelle 2 dargestellt.

Aufgeführt sind die mikrobiologischen Kennwerte aus beiden Betrieben. Vergleicht man zunächst die Wasserproben ohne ClO2-Zusatz, so fällt auf, dass in Betrieb A von vornherein eine deutlich geringere Keimbelastung des Tränkwassers als in Betrieb B vorlag. Die Koloniezahl bei 36 Grad Celsius und die E. coli Keime waren hier allerdings schon bedenklich hoch. Betrieb B hatte noch höhere Keimgehalte im Wasser ohne Zusatz, und zwar bedenklich hohe Werte in der Koloniezahl bei 20, bei 36 Grad Celcius und bei E. coli. Durch die Zugabe von ClO2 wurde in beiden Betrieben die Keimbelastung stark reduziert, und zwar in Betrieb A mit der geringeren Ausgangsbelastung auf eine insgesamt unbedenkliche Keimbelastung und in Betrieb B nahezu auf das Niveau einer unbedenklichen Keimbelastung. Die Wirksamkeit von ClO2 konnte also in beiden Fällen in beeindruckender Weise nachgewiesen werden. In den einzelnen Aufzuchtdurchgängen fiel des Weiteren auf, dass das Tränkwasser mit ClO2-Zusatz von Durchgang zu Durchgang immer besser wurde, obwohl jeweils der letzte Durchgang gerade in die heiße Sommerzeit fiel.

Leistungssteigerungen eindeutig möglich  

Wie sich die verbesserten Tränkwasserqualitäten nun auf das Leistungsgeschehen der Aufzuchtferkel auswirkten, zeigen die Ergebnisse in Tabelle 3. Die abgesetzten Ferkel wurden in beiden Betrieben nach dem Zufallsprinzip auf die Versuchs- und Kontrollgruppen verteilt. Die Fütterungs- und Stalltechnik war jeweils in beiden Gruppen identisch. In den Versuchsgruppen wurde dem Tränkwasser 0,2 mg ClO2 zudosiert. Mit Hilfe eingebauter Wasseruhren ermittelten die Landwirte die verbrauchten Wassermengen jeweils in den Versuchs- und Kontrollgruppen. Im Betrieb B konnten wegen unvollständiger Datenerhebung nur 2 Durchgänge ausgewertet werden.

Ergebnisse im Einzelnen

Im Betrieb A werden rund 500 BHZP-Sauen gehalten. Die Ferkel werden am 27. Lebenstag mit ca. 9,5 kg LG von den Sauen abgesetzt und in einem Flatdeckstal aufgezogen. In der dreiphasigen Fütterung werden 3 Fertigfutter eingesetzt. Jeder Breitautomat kann von einem TEWE-Chargenmischer einzeln angesteuert werden. Daher besteht die Möglichkeit, das Verschneiden beim Futterwechsel für jede Gruppe individuell je nach Fressverhalten und Gesundheitszustand anzupassen. Aufgrund eines sehr guten Gesundheitsmanagements liegt die Verlustquote deutlich unter 2 % und die Leistungen bewegen sich auf hohem Niveau. Dennoch konnten die Versuchsferkel ihre Leistungen noch etwas steigern. Die Tageszunahmen verbesserten sich um durchschnittlich 24 g. In der gleichen Zeit erzielten sie 0,9 kg mehr an Zuwachs.

Durch die Chlordioxidbehandlung konnte ein deutlicher Reinigungseffekt in den Leitungen erzielt werden. Vorhandene Eisenablagerungen wurden angegriffen und abgebaut. Der Abbau zog sich allerdings über mehrere Wochen hin.

Betrieb B hat 240 PIC-Sauen. Nach 26 Tagen Säugezeit werden die Ferkel etwa mit 7,5 kg LG zu 45er Gruppen in die Flatdeckabteile umgestallt. Die Fütterung an Breiautomaten erfolgt zweiphasig. Zunächst erhalten die Ferkel eine Eigenmischung aus Ergänzungsfutter und eigenem Getreide, ab ca. 13 kg LG wird eine Eigenmischung aus Sojaschrot, Mineralfutter, CCM und Getreide gefüttert.

In der Ferkelaufzucht gibt es seit längerer Zeit massive Probleme durch Colienterotoxämie. Die Verluste liegen deutlich über 4 %. Im Betrieb wird versucht, durch wenig Futtereinsatz in den ersten 10 Tagen nach dem Absetzen das Bestandsproblem etwas zu entschärfen. Allerdings hat dies ungünstige Wirkungen auf Entwicklung und Wachstum. Die Zunahmen sind verringert und die Futterverwertung verschlechtert sich.

Die deutliche Verbesserung der Trinkwasserqualität durch ClO2 in der Versuchsgruppe (siehe Tabelle 2) brachte nur tendenziell positive Effekte bei den biologischen Leistungen. Offensichtlich spielt als Ursache für die Colienterotoxämie nicht nur keimbehaftetes Tränkwasser allein eine Rolle.

Wichtige Einflussfaktoren sind hier Fütterung und Gesundheitsmanagement. Die im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöhte Verlustquote mit 6,8 % in der Versuchsgruppe ist nach Einschätzung des Betriebes B zufallsbedingt, da die Totalverluste in den einzelnen Abteilen nicht gleichmäßig verteilt sind, sondern häufig wechselnd auftreten.

Auffallend war in beiden Betrieben, dass die Versuchsferkel nicht mehr Wasser gesoffen haben. Berichte anderer Landwirte von spürbar höherem Wasserverzehr der Ferkel bei ClO2- Einsatz konnte in beiden Betrieben nicht festgestellt werden.

In der Kontrollgruppe des Betriebes B haben die Ferkel durchschnittlich 0,3 l Wasser pro Tier und Tag mehr als in der Versuchsgruppe verbraucht. Allerdings war es keine tatsächliche Mehraufnahme, sondern die Differenz wurde durch tropfende Nippeltränken verursacht.

In Betrieb B wurde zeitgleich das Tränkwasser für Sauen mit ClO2 versetzt. Nach Beobachtungen des Landwirtes haben sich seitdem die Absetzgewichte leicht erhöht und die Umrauschquote hat sich um 8 % verbessert.

Beide Landwirte wollen auch weiterhin die Tränkwasserqualität mit ClO2 absichern oder verbessern, zumal die laufenden Kosten sehr gering sind. Bei einer Dosierung von 0,2 mg ClO2 je Liter kostet die Desinfektion von 1 m³ Wasser etwa 14 Cent. Umgerechnet auf den Wasserverbrauch ergeben sich dadurch Mehraufwendungen von rund 1,5 Cent je Ferkel – das ist überschaubar.

Fazit

Besonders Ferkel sollten mit qualitativ hochwertigem und keimfreiem Wasser versorgt werden. Mit der Chlordioxidbehandlung konnte eine deutliche Verbesserung der Tränkwasserqualität erzielt werden. Eisenablagerungen in den Leitungen können über mehrere Wochen langsam abgebaut werden.

Eine Verbesserung der biologischen Leistungen, insbesondere der Zuwachsleistung, ist bei verbesserter Tränkwasserqualität durch ClO2- Zusatz möglich. Da hier neben Tränkwasser auch noch andere Einflussfaktoren eine große Rolle spielen, kann die Höhe der Verbesserung im Einzelfall allerdings sehr unterschiedlich ausfallen.

Die Beseitigung von E. Coli bedingten Bestandsproblemen allein durch ClO2-Zusätze zum Tränkwasser ist nicht zu erwarten. In solchen Fällen muss auch an anderen „Schrauben“ gedreht werden.

Die erforderliche Technik zum Dosieren von ClO2   ist überschaubar und wartungsarm. Die laufenden Kosten sind sehr gering. Um die Wirksamkeit von über das Wasser gelösten Wirkstoffen wie Medikamente nicht zu beeinträchten, empfiehlt die Firma HDD-Technik für die Dauer der Anwendung die ClO2   Eindosierung abzuschalten.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Josef Bunge