Hohe Tränkwasserqualitäten anstreben!

Mastschweine

Auf einwandfreies Tränkwasser in der Schweinemast ist größter Wert zu legen. Welche Qualitätskriterien eine besondere Rolle spielen, um gute Mastergebnisse zu erzielen, erläutern Dr. Wolfgang Sommer und Josef Bunge von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster und Warendorf anhand praktischer Untersuchungen in westfälischen Betrieben.

Die erfolgreiche Schweinemast hängt im wesentlichen von Tiermaterial, Haltung, Technik und der Fütterung ab. Beim Futter spielen Qualität und Zusammensetzung eine wichtige Rolle. Mit ausschlaggebend ist aber auch die Qualität des Tränkwassers und die Wasserversorgung. Mitunter hapert es hier in der Praxis, häufig wird dem Tränkwasser zu wenig Beachtung geschenkt. Mangelhaftes Wasser geht zu Lasten der Gesundheit und Leistung der Schweine. Manchmal sind Durchfälle nur auf mangelnde Wasserhygiene zurückzuführen. Besonders bei höheren Temperaturen im Sommer ist hierauf zu achten.

Untersuchungen in der Praxis

Um sich einen Überblick über Tränkwasserqualitäten unter praktischen Bedingungen der Schweinemast zu verschaffen, führte die Landwirtschaftskammer NRW Wasseruntersuchungen in 23 Arbeitskreisbetrieben des Kreises Steinfurt durch. Diese Betriebe hatten alle eine Flüssigfütterung. Die Beprobung erfolgte in den Monaten Juni/Juli 2004.

Das Tränkwasser in diesen Betrieben stammte aus eigenen Brunnenanlagen und wurde in besonderen Behältern jeweils vor dem Anmischen des Fließfutters gesammelt und vorgelagert. Die Wasserproben wurden aus diesen Vorratsbehältern gezogen und zur Untersuchung an die LUFA in Münster verbracht.

Das Wasser wurde auf seine mikrobiologische und physikalisch-chemische Beschaffenheit untersucht. Die zusammengefassten Ergebnisse sind in den Tabellen 1 bis 3 dargestellt.

Mikrobiologische Beschaffenheit

Hierunter versteht man die Keimbelastung des Wassers. Zunächst wird die Koloniezahl (Koloniebildende Einheiten = KBE/ml) bei 20 und 36° C Wassertemperatur bestimmt. So erhält man Hinweise auf unterschiedliche Bakterienarten. Befunde bei 36 ° C deuten auf fäulnis- und fäkalbedingte Keime hin, bei 20° C werden übliche Bodenkeime erfasst. Die Ergebnisse dieser Untersuchung stehen in Tab. 1. 14 bzw. 10 Betriebe hatten nur ganz geringe, völlig unbedenkliche Keimbelastungen. In sechs bzw. sieben Betrieben lagen allerdings schon höhere, bedenkliche Verunreinigungen vor. Ein Betrieb hatte extrem hohe Belastungen, was zur Qualitätseinstufung ungeeignet führte.

Die weitergehenden Untersuchungen auf Colikeime und coliforme Bakterien zeigten ein etwas zufriedenstellenderes Bild. Nur drei Betrieben mussten bedenkliche Werte attestiert werden. Allerdings lagen in einem Fall so starke Verunreinigungen vor, dass gesundheitliche Risiken nicht auszuschließen waren.

Insgesamt gibt dieses Ergebnis Veranlassung, auf notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserhygiene hinzuweisen. Beispielsweise bestanden die Vorratsbehälter meist aus Kunststoff (ausrangierte Öltanks, alte Säurebehälter usw.), die für eine Wasserlagerung nicht besonders geeignet sind. Stahl- oder verzinkte Eisentanks sind zwar teurer, aber materialmäßig für diese Zwecke viel besser zu handhaben. Auch die erforderliche Reinigung der Vorratstanks ließ in einigen Betrieben zu wünschen übrig. Häufig war dies darauf zurückzuführen, dass die Kunststofftanks für Säuberungsmaßnahmen einfach nicht richtig zugänglich waren. Das regelmäßige Reinigen (auch Desinfizieren) der Wasservorratsbehälter ist aber ebenso wichtig wie die stete Reinigung der Anmischbehälter und Futterleitungen! Mindestens alle drei Monate sollte der Vorratsbehälter gründlich innen mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden. Das setzt aber voraus, dass der Tank gut zugänglich ist und über einen Ablass für das Reinigungswasser verfügt. Der Tank sollte auch nicht zu groß dimensioniert sein. Ein vollständiges Leerlaufen nach jedem Anmischvorgang begünstigt die Hygiene im Behälter. Ständige Restwassermengen hingegen verschlechtern auf Dauer die mikrobiologische Beschaffenheit des Wassers.

Physikalisch-chemische Merkmale meist naturgegeben

Die Calcium- und Magnesiumgehalte dienen zur Bestimmung der Wasserhärte (s. Tab.2). Hohe Gehalte bedingen hartes (9 Betriebe) bzw. sehr hartes Wasser (4 Betriebe). Bei Härtegraden von mehr als 21 muss vermehrt mit Kesselsteinbildung gerechnet werden. Diese unerwünschten Ablagerungen können aber durch entsprechende Entkalkungsanlagen verhindert werden. Überhöhte Mg-Gehalte haben in Verbindung mit Sulfaten unter Umständen laxierende Wirkungen bei Schweinen. In den Betrieben bewegten sich die Mg-Gehalte jedoch auf einem niedrigen Niveau. Überaus geringe und damit allerdings nachteilige Ca-Gehalte verzeichneten vier Betriebe. Niedrige Ca-Gehalte können nämlich in Verbindung mit tiefen ph-Werten (2 Betriebe) Lochfraß verursachen.

Die Messwerte für Mangan lagen alle im unteren Bereich. Allerdings wiesen sieben Wasserproben mehr als 0,5 mg/l auf, was als Grenzwert für geschmackliche Nachteile angegeben wird.

Die Ermittlung der Eisengehalte bildete einen Schwerpunkt dieser Untersuchung. In acht   Betrieben wurden bedenklich hohe bis für Tränkwasser ungeeignete Gehalte gefunden (s. Tab. 2). Hohe Eisengehalte stellen für Tiere zwar keine Gesundheitsgefährdung dar, Überangebote werden in der Regel problemlos ausgeschieden. Gehen die Fe-Gehalte jedoch über 0,3 mg/l hinaus, ist bereits mit Geschmacksbeeinträchtigungen des Wassers (metallisch, tintigen) zu rechnen. Darunter kann der Appetit der Tiere leiden und sich die Futteraufnahme verringern. Überhöhte Eisengehalte können andererseits zu massiven technischen Problemen führen, und zwar Trübungen, Ausfällungen, Ablagerungen, Rohrverengungen und Brunnenverockerungen hervorrufen und so Verstopfungen von Rohrleitungen und Tränken verursachen. Eisen kann auch Verbindungen mit verschiedenen Medikamenten eingehen, die dadurch ihre Wirksamkeit verlieren können.

Aus diesen Gründen wird empfohlen, bei Werten von mehr als 0.5 mg Fe/l Wasser Enteisenungsanlagen in Betracht zu ziehen. Immerhin neun Wasserproben hatten diesen Wert überschritten.

Normalerweise hat Tränkwasser einen ph-Wert zwischen 6,5 und 8,0. Fast alle Proben lagen auch in diesem Bereich (s. Tab. 3). Über 8,0 hinausgehende ph-Werte bedingen einen faden oder seifigen Geschmack des Wassers, was hinsichtlich der Futteraufnahme von Nachteil sein kann. Zwei Wasserproben enthielten ph-Werte unterhalb von 6,0. In diesen Fällen besitzt das Wasser korrosive Eigenschaften, die bei Vorhandensein entsprechender Sauerstoffmengen zu unerwünschten Reaktionen bei verzinkten Rohren oder Kupferleitungen führen können. Dies kann gesundheitliche Gefahren verursachen.

Schließlich geben die Untersuchungsmerkmale Ammonium (NH4) und Permanganat-Index Hinweise auf mögliche Wasserverunreinigungen. NH4 kann sich beispielsweise bilden, wenn sich im Wasser organische Bestandteile des Wassers mikrobiell zersetzen. Alle Messwerte lagen im Normalbereich. Drei Betriebe hatten zwar hohe NH4-Gehalte. In diesen Fällen lagen aber geogen bedingte Konzentrationen vor, die wasserchemischer Natur und deshalb nicht verschmutzungsbedingt waren.

Mit der Leitfähigkeit  werden Aussagen zur Gesamtmineralisation (Gehalt an gelösten Kationen und Anionen) des Tränkwassers gemacht, sie ist praktisch bei allen Wasseranalysen eine wichtige Kenngröße. Fast alle Proben zeigten im Normalbereich liegende Werte, lediglich in einem Fall war eine stark erhöhte Leitfähigkeit zu verzeichnen.

Schließlich wurde der Nitrat-Gehalt der Wasserproben ermittelt. Diese Kenngröße ist besonders für die Humanernährung von Bedeutung. Dort darf Trinkwasser max. 50 mg Nitrat/l Wasser enthalten. In der Nutztierhaltung werden bis zu 100 mg/l als unbedenklich eingestuft. Fast alle Werte lagen im Bereich von 0 bis 100 mg/l. In zwei   Fällen wurden allerdings Konzentrationen von knapp über 100 mg/l festgestellt.

Bei viel Eisen hilft eine Enteisenungsanlage

Im Trinkwasser dürfen nach Trinkwasserverordnung nicht mehr als 0,2 mg/l Eisen bzw. 0,05 mg/l Mangan vorhanden sein. Für Trankwasser sind keine Grenzwerte festgelegt. Übersteigt aber im Tränkwasser der Eisenwert 0,5 ml/l und der Manganwert 0,2 m/l, ist bereits mit Beeinträchtigungen bei der Wasserqualität und eventuell bei den biologischen Leistungen der Tiere zu rechnen.

Im Wasser enthaltenes Eisten ist zwar nicht direkt gesundheitsschädlich, aber schon kleine Mengen an Eisen und auch Mangan verursachen einen schlechten Geschmack und einen unerwünschten Niederschlag. Besonders Mangan führt zu sehr harten Ablagerungen. Weiterhin siedeln sich sogenannte Eisen- und Manganbakterien sehr gerne in eisenhaltigem wässrigen Milieu an, die meterlange gallertartige Kolonien bilden können. Helfen kann die Enteisenungsanlage.

Aufgrund des hohen Wasserbedarfes bei Tränkewasser ist zur Enteisenung hier das biologische drucklose Filtersystem das Standardverfahren. Dieses Verfahren verfügt über eine offene Verdüsung zur intensiven Sauerstoffanreicherung und arbeitet ohne Zusatz von Chemikalien. Neben Eisen und Mangan wird bei diesem Verfahren zusätzlich noch Schwefelwasserstoff und Ammonium reduziert.

Durch die Sauerstoffanreicherung wird das in Wasser gelöste Eisen und Mangan zum Oxidieren gebracht. Dabei wird Eisen als Eisenhydroxid, bekannt als Eisenocker, und Mangan als Mangandioxid   ausgefällt. Die Ausfällungen bleiben danach im Filterbett des Enteiseners zurück. Das Filterbett besteht aus Quarz- und Dolomitmineralen.   1-2 mal im Monat muss es durch eine Rückspülung von dem Ausfällungsschlamm gesäubert werden. Zusätzlich erfolgt in dem Filterbett eine pH-Wert Korrektur des Rohwassers, da der Ausfällungsprozess pH-Wert abhängig funktioniert. Der pH-Wert wird dabei für eine Eisenausfällung auf 7,2 – 7,4 und für eine Manganausfällung auf 7,6 – 7,8 eingestellt. Die Anlage wird zwischen Brunnenpumpe und Druckkessel montiert und sollte unbedingt immer auf den Wasserbedarf abgestimmt sein.

Nach Erfahrungen   des öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Wasseraufbereitung in Münster, Alfred Tormöllen, sind unbefriedigende Ergebnisse fast immer auf zu klein dimensionierte Anlagen zurück zu führen..

In einem Mastbetrieb mit z. B. 1.000 Mastplätzen und Flüssigfütterung sollte die Filteranlage einen Wasserdurchsatz von min. 5 m 3/h haben. Eine Enteisungsanlage mit dieser Kapazität kostet etwa 3.400 €. Enthalten ist die pH-Wert   Korrektur im Filterbett sowie eine VA-Druck-erhöhungspumpe, die für den Druckkessel erforderlich wird.

Bei hartem Wasser mit Härtegraden über 14 °dH kann auch bei Tränkewasser eine Enthärtung erforderlich werden. Die Enthärtung geschieht am Druckkesselausgang. Dabei werden Calcium- und Magnesiumionen entfernt und durch Natriumionen ersetzt. Entsprechende Anlagen kosten je nach Ausführungsart ca. 1.300 – 1.800 €.

Nach einer Enteisenung und Enthärtung besteht auch die Möglichkeit, das Wasser physikalisch zu desinfizieren. Das Wasser wird hierfür durch ein Rohrstück mit innenliegender UV-Röhre geführt und mit UV-Licht bestrahlt. Die Leistung der UV-Röhre muß auf den Wasserdurchsatz abgestimmt sein. Die Keimbelastung im Wasser lässt sich auf diese Weise nachweislich senken. Die Kosten für eine solche Desinfektion betragen je nach Leistung der Röhre etwa 1.800 – 2.800 €.

Doch diese Lösung macht nur Sinn, wenn das Wasser im weiteren Verlauf nicht wieder mit Keimen belastet wird. Grundsätzlich sollte man daher zunächst die Hygiene in den Wasserleitungen und Vorratstanks optimieren. Die Tanks müssen staubdicht, leicht zu reinigen und dürfen nicht zu groß sein.

Tränkewasser einmal im Jahr untersuchen

Die Ursache für eine mangelnde Wasserqualität lässt sich selten direkt erkennen. Am besten lassen Sie daher das Tränkewasser 1 mal im Jahr untersuchen. Das Untersuchungszentrum NRW Münster (LUFA) bietet dafür das sogenannte Tränkwasser-Aktionspaket für 49,80 € (inkl. MwSt) an. Das Paket beinhaltet die Untersuchung auf Koloniezahlen bei 20°C und 36 °C, auf E.coli und coliforme Keime. Zusätzlich werden der pH-Wert, die Leitfähigkeit und die Nitrat- und Eisengehalte überprüft. Bei den Wasseruntersuchungen in den Arbeitskreisbetrieben des Kreises Steinfurt wurde das Aktionspaket um die Parameter Mangan, Zink und Ammonium, Permangantindex, Calcium und Magnesium mit Angabe des Härtegrades ergänzt. Die Kosten für dieses sogenannte große Aktionspaket betragen 87,85 € (inkl. MWSt).

Bei eigener Probennahme vor Ort ist darauf zu achten, dass das Probengefäß   (min 1 l) hygienisch einwandfrei ist. Hier empfiehlt sich das Auskochen des Probengefäßes. Für eine umfangreiche Untersuchung reicht allerdings ein Probengefäß nicht aus. Beim Untersuchungszentrum   NRW sind auf dem jeweiligen Untersuchungsumfang vorbereitete Probengefäße erhältlich. Im gekühlten Zustand sollte die Probe möglichst schnell im Labor abgegeben werden. Nach der Untersuchung erhalten Landwirte eine detaillierte Auflistung der Probenergebnisse mit den Beurteilungswerten für Tränkwasser. Die Auswertung der Ergebnisse   erfolgt am besten mit einem erfahrenen Berater.

Fazit

In vielen Betrieben steht den Tieren teils minderwertiges Tränkwasser zur Verfügung. Probleme bereiten vorrangig Keimbelastungen und erhöhte Eisengehalte. Ursache für eine starke Verkeimung ist in den untersuchten Mastbeteben meist die mangelnde Hygiene im Vorratstank der Flüssigfütterung. Die Eisenbelastungen im Wasser lassen sich durch eine Enteisenungsanlage mit dem biologischen drucklosen Filtersystem sicher und zu vertretbaren Kosten entfernen.

Autor: Dr. Wolfgang Sommer, Josef Bunge