Füttern nach dem Absetzen

Stute mit Fohlen auf der Koppel

In der Praxis werden die Fohlen aus arbeitstechnischen Gründen überwiegend im Gruppenverband im Herbst abgesetzt. Je nach ihrem Geburtszeitpunkt sind die Fohlen dabei unterschiedlich alt: Spätgeborene sind mitunter erst vier Monate, die Frühgeborenen bereits sieben bis neun Monate alt.

Futterumstellung vorbereiten

Ein betrieblich bedingtes frühes Absetzen ist für Fohlen und Stuten oft mit Problemen verbunden: Für das Fohlen bedeutet feste Nahrung eine krasse Futterumstellung. Auch ist es kaum in der Lage, dem Bedarf entsprechend genügend Futter aufzunehmen. Hinzu kommt, dass die fehlende Muttermilch durch adäquate, hochwertige Futtermittel ersetzt werden muss. Für die Stute besteht ein erhöhtes Risiko der Euterentzündung, da sie sich beim frühen Absetzen noch in der vollen Laktation befindet. Abrupte Futterumstellungen und hoher Milchdruck bedeuten Stress, der wiederum das Immunsystem schwächt und besonders bei Fohlen das Infektionsrisiko erhöht.

Grundsätzlich sollte das Absetzen möglichst schonend erfolgen, wohl wissend, dass die Technik des Absetzens in der Praxis recht unterschiedlich gehandhabt wird. Zweifellos hat das schrittweise Absetzen Vorteile: Zu diesem Zweck wird etwa eine Woche vor dem Absetztermin das Futter der Stute reduziert und das Fohlen stundenweise von der Mutter getrennt. Hierdurch verringert sich die Milchleistung und das Risiko von Euterentzündungen. In dieser Vorbereitungsphase sollte die Wasserversorgung der Stute nicht reduziert werden, um dadurch bedingte Kolikrisiken auszuschließen. Nach dem endgültigen Absetzen bleiben die Fohlen in ihrer gewohnten Umgebung, nach Möglichkeit außer Sicht- und Hörweite ihrer Mütter. Die Stuten erhalten „Magerkost“, entweder einige Tage nur Heu und Stroh oder eine magere Weide.

Jetzt ist in der Ernährung der Absatzfohlen mehreren Umständen Rechnung zu tragen: Zum einen fehlt dem Fohlen durch den Milchentzug das hochwertige Nährstoffangebot, vor allem hinsichtlich Aminosäuren (Lysin, Methionin), zum anderen nehmen im Herbst Quantität und Qualität des Grasaufwuchses ab. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass Fohlen gerade im ersten Lebensjahr ein enormes Wachstum haben und somit hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung stellen. Hierzu folgende Zahlen: Das Geburtsgewicht von Warmblutfohlen beträgt im Mittel etwa 10 % der Lebendmasse des ausgewachsenen Pferdes. Nach Ablauf von zwei Monaten sind bereits 25 % des späteren Endgewichtes erreicht. Halbjährige Fohlen – also in der Regel Absatzfohlen – wiegen um die 45 % des Endgewichtes und mit Ablauf des ersten Lebensjahres beträgt das Fohlengewicht mehr als 60 % des Endgewichtes. Zu diesem Zeitpunkt sind etwa 90 % der Widerristhöhe des ausgewachsenen Pferdes erreicht.

Dieser enormen Entwicklungsphase ist durch ausgewogene Nähr- und Wirkstoffzufuhren Rechnung zu tragen. Entsprechende Empfehlungen zur Versorgung der Fohlen sind der Übersicht 1 zu entnehmen. Aus der Übersicht geht hervor, dass der Energiebedarf mit steigendem Alter zunimmt und der Eiweißbedarf leicht sinkt. Dieser Zusammenhang setzt sich in den folgenden Aufzuchtjahren weiter fort. Das heißt, je jünger das Fohlen ist, desto höher sind die Ansprüche an die Eiweiß- und desto geringer an die Energieversorgung. Während Stutenmilch beispielsweise einen PEQ (Protein-Energie-Quotient) von 10:1 aufweist und ungefähr 0,7 g Lysin je MJ DE enthält, verringern sich die Anforderungen an den PEQ beim Absatzfohlen auf etwa 8:1, bei Jährlingen auf 7:1 und später auf 6:1 und darunter. Der Lysinbedarf beträgt für Absatzfohlen etwa 0,6 g und für Jährlinge etwa 0,45 g je MJ DE.

Übersicht 1: Empfehlungen für die tägliche Versorgung mit Eiweiß, Energie und Mineralstoffen im ersten Lebensjahr der Fohlen (GfE, 1994)

Lebensmonat
des Fohlens
Lebendgewicht des
ausgewachsenen
Pferdes, kg
verdauliches
Eiweiß
g
verdauliche
Energie
MJ DE
Calcium
 
g
Phosphor
 
g
Natrium
 
g
Chlor
 
g
3.-6. 300
400
500
600
700
375
475
580
680
765
44
54
63
73
80
21
27
34
40
46
15
19
24
28
33
3
4
5
6
7
9
12
15
18
20
7.-12. 300
400
500
600
700
380
475
540
610
670
46
57
66
74
(82)
19
24
28
32
35
12
16
19
21
23
4
5
6
7
8
14
18
22
26
30

Um die Nähr- und Wirkstoffversorgung des jungen Fohlens zu verbessern und gleichzeitig den Übergang nach dem Absetzen zu erleichtern, sollten Fohlen möglichst früh an Beifutter gewöhnt werden. Je nach Futterzustand des Fohlens können Hafer und/oder Fohlenaufzuchtfutter in Mengen von 1 bis 1,5 kg/Tag zugefüttert werden. Übersicht 2 zeigt Beispiele für die Beifütterung der Saugfohlen bei halb- und ganztägigem Weidegang.

Bei gutem Futterzustand des Fohlens und ausreichender Grasmenge und –qualität kann auch auf eine Beifütterung verzichtet werden. Viele Pferdehalter tun dies zudem aus arbeitswirtschaftlichen und technischen Gründen. In diesen Fällen muss stets genügend Mineralfutter (weites Ca-P-Verhältnis) angeboten werden, zumal Weidegras in der Regel arm an Calcium, Phosphor, Magnesium, Kupfer, Zink und Selen ist. Ferner weist Gras häufig ein sehr enges Ca-P-Verhältnis auf, was über das Mineralfutter auszugleichen ist.

Übersicht 2: Rationsbeispiele für Saugfohlen bis zum 6. Lebensmonat (bis ca. 270 kg KG) (nach DLG, 2003)

Ration I II III IV
Futtermittel kg Futtermittel/Tag
Weidegang 24 Stunden 24 Stunden 24 Stunden 12 Stunden (u. weniger)
Wiesenheu - - - freies Angebot
Hafer, gequetscht 0,1 bis 1 - 0,5  
Ergänzungsfuttermittel für Fohlen - 0,1 bis 1 0,5 Ergänzung wie bei 1-3
Mineralfutter 0,05 - 0,03  
MJ DE/Tag 68 68 68 67
g vRP/Tag 740 780 760 675

Um den durch Milchentzug entstandenen Engpass zu überbrücken, reicht die nachlassende Weidequalität im Sommer/Herbst jedoch meist nicht aus. Die notwendige Eiweißversorgung muss über hochwertige Ergänzungsfutter für Aufzuchtfohlen sichergestellt werden, zumal die bakterielle Proteinsynthese im Dickdarm des Fohlens in den ersten Lebensmonaten nur unzureichend entwickelt ist. Diese Futter enthalten meist zwischen 15 und 17 % Rohprotein, hochwertige Eiweißkomponenten (Sojaschrot, Molken und/oder Magermilchpulver) und sind in der Regel ausreichend mineralisiert und vitaminisiert. 1 bis 3 kg Ergänzungsfutter/Tag sind vorzusehen.

Andererseits muss die Beifuttermenge für Weidefohlen im Zusammenhang mit der vorhandenen Weidequalität gesehen werden. Denn auch im Spätsommer/Herbst kann die Weide je nach Witterung, Lage, Düngung und Vornutzung durchaus noch wertvolles und reichlich Protein liefern. Hierauf ist die tägliche Kraftfuttermenge abzustellen. Besonders bei mangelnder Energiekonzentration des Weidegrases oder bei einer zu geringen Weidefläche ist auch die Kombination eines Fohlenaufzuchtfutters mit einem preisgünstigen Mischfutter oder mit Hafer und bestem Heu ratsam. Beispiele zur Fütterung der Absatzfohlen auf Basis von gutem Heu stehen in Übersicht 3.

Übersicht 3: Rationsbeispiele für Absetzer/Jährlinge 7. – 12. LM, Winterfütterung (bis ca. 370 kg KG) (nach DLG, 2003)

Ration I II III IV
Futtermittel kg Futtermittel/Tag
Wiesenheu 3-4 3-4 3-4,5 3-4,5
Hafer, gequetscht 2,5 bis 1   bis 1
Ergänzungsfuttermittel für Fohlen   bis 2 bis 3  
Ergänzungsfutter zu Heu/Stroh       bis 1,5
Sojaschrot bis 0,5 -   bis 0,5
Mineralfutter 0,08     0,05
Futterstroh        
MJ DE/Tag * 63-74 63-73 60-72 60-71
g vRP/Tag * 610-680 546-618 546-623 597-674

* Die angegebenen Spannen für Energie und verdauliches Rohprotein begründen sich mit der Futteraufnahme, die sich in Abhängigkeit vom Körpergewicht der wachsenden Tiere steigert. Die Strohaufnahme ist in der Berechnung berücksichtigt.

Während Energiemangelzustände unter unseren Fütterungsverhältnissen bei Fohlen eher selten sind, treten Energieüberschüsse häufiger auf. Zu hohe Energiezufuhren intensivieren zwar das Wachstum, verzögern aber die Knochenreifung. Anscheinend sind hier Hengstfohlen mehr betroffen als Stutfohlen, aber auch blutgeprägte Fohlen mit feinem Fundament. Die Folgen der Überversorgung sind hormonelle Störungen, die zu orthopädischen Entwicklungsschäden führen können. Durch viel Bewegung und Auslauf in der Gruppe lassen sich derartige Frühschäden möglicherweise verhindern oder zumindest abmildern. Inwieweit eine Proteinüberversorgung zu Entwicklungsstörungen der Fohlen führt, ist nicht eindeutig geklärt. Nach Literaturangaben sind hohe Proteinüberschüsse ebenfalls als Auslöser für Störungen im Knochenstoffwechsel anzusehen.

Übersicht 4 enthält Hinweise zum Spurenelement- und Vitaminbedarf der Fohlen, wobei diese Empfehlungen auch für ältere Aufzuchtpferde gelten. Zu beachten ist, dass sich die Angaben bei den Spurenelementen und B-Vitaminen auf 1 kg Futter-Trockensubstanz und bei den A-D-E-Vitaminen jeweils auf 1 kg Lebendgewicht des Aufzuchtpferdes beziehen. Während die Vitaminversorgung der Fohlen in aller Regel – zumal bei Weidegang und entsprechendem Ergänzungsfutterangebot – ausreichend ist, muss auf die Ergänzung wichtiger Spurenelemente wie Kupfer, Selen und Zink besonders geachtet werden. So gibt es Weidestandorte, die kupfer-, selen- und zinkarm sind und zu Versorgungsmängeln führen. Kupfer dient unter anderem der Bildung und Verfestigung von Knochen- und Knorpelsubstanz. Längerfristige Unterversorgungen verursachen Schädigungen im Knorpelgewebe und im Gelenkknorpel und können steile Gliedmaßenstellungen wie Stelzfüße hervorrufen.

Auf der anderen Seite stellen aber auch übermäßig hohe Zufuhren an Mineralien und Vitaminen, vor allem im Bereich der Calcium-, Phosphor- und Vitamin-D-Versorgung, ein Risiko dar. Auch ein falsch eingestelltes Ca:P-Verhältnis (optimal ist das Verhältnis 1,5:1) führt zu Gelenkschäden. Auf eine bedarfsorientierte Mineralstoffversorgung, gegebenenfalls anhand gezielter Mineralstoffuntersuchungen des Rau- und Kraftfutters, ist daher stets zu achten.

Übersicht 4: Empfehlungen für die Versorgung von Fohlen mit Spurenelementen und Vitaminen

Spurenelemente
  je kg Futter-Trockensubstanz
Eisen Mg 100
Kupfer Mg 10-12
Zink Mg 50
Mangan Mg 40
Kobalt Mg 0,05-0,10
Selen Mg 0,15-0,20
Jod Mg 0,10-0,20
Vitamine
  je kg Lebendgewicht
Vitamin A I. E. 150-200
Vitamin D I. E. 15-20
Vitamin E Mg 1
  je kg Futter-Trockensubstanz
Vitamin B 1 Mg 3
Vitamin B 2 Mg 2,5
Biotin Mg 0,1

Autor: Dr. Wolfgang Sommer