Erster Vortrag Agrarforum am 03.02.2012: "Zuerst die Arbeit, und dann… - Mögliche Auswege aus dem Hamsterrad"

Die Arbeit steht auf dem landwirtschaftlichen Betrieb im Vordergrund. Kaum eine andere Berufsorganisation wird derart fremdbestimmt wie die Landwirtschaft. Viele Arbeiten sind saisonal stark vom Wetter abhängig. Daher wird geklotzt, bis es nicht mehr geht. Leider treten dann sehr oft andere Interessen in den Bereichen Familie oder auch Hobbys in den Hintergrund. Mögliche Auswege aus diesem Dilemma versucht der Referent Matthias Tann aus Garbsen aufzuzeigen. Zuerst zeigt er klassische Methoden des Zeitmanagement auf. Es reicht aber nicht aus, diese Methoden zu kennen, denn die Umsetzung im Betrieb muss begleitet werden, damit es zu einem Erfolg kommt. Der Referent zeigt vereinfacht auf, wie ein Mensch lernt: Es ist stets die Kombination von Wissen und Gefühlen. Nur wenn die emotionale Komponente im Gehirn angesprochen wird, dann wird auch das Wissen mit der Zeit umgesetzt. Und weil das in der landwirtschaftlichen Praxis oft nicht geschehen kann, helfen dem Landwirt die aufgezeigten Methoden nicht wirklich. Da muss noch etwas anderes hinzu kommen.

Um den notwendigen Abstand zu seiner Arbeit zu bekommen und neue Perspektiven zu gewinnen, kann eine externe Hilfe, z.B. ein Coach, sehr hilfreich sein. Er unterstützt den bzw. die Betriebsleiter/in mehr Zeitgefühl zu bekommen. Es gibt Phasen im Jahr, in denen der Betrieb Vorrang hat, und genauso muss es Phasen geben, wo Familie oder die eigene „Freizeit“ den Vorzug bekommt. Nur durch einen solchen Ausgleich kann der Körper und der Geist wieder Kraft sammeln für die saisonalen Hochzeiten im Jahr. Ansonsten kann es mit der Zeit zu einem Burn Out kommen. Burn Out trifft vor allem die Leistungsträger, diejenigen, die die Arbeit lieben und mehr leisten als andere, die „Nicht-Nein-Sagen-Können“. Es sind bestimmte Haltungen im Menschen, die diese Menschen gefährden: „Streben“ nach Anerkennung und/ oder sich aufopfern. Zuerst die Arbeit, und dann … der Burn Out. Daher ist es wichtig, ganz besonders auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, einen Abstand von seiner Arbeit zu bekommen.

Mögliche Auswege sind das begleitete Herantasten an ein Zeitgefühl, Teilen von Verantwortung, das Schaffen eines familienfreundlichen Betriebsklimas und Zeit für die eigene Person. Es gibt keine allgemein gültigen Lösungen. Jeder ist aufgefordert, seine Lösung für sich, für seine Familie und den Betrieb zu finden. Die genannten Ansätze und die Umsetzung der Veränderungen sollte begleitet werden, um die Macht der Gewohnheit zu brechen. Eine Veränderung wird auf der Gefühlsebene als Gefahr gespürt. Daher existiert eine innerkörperliche Ablehnung zu Veränderungen.

Anhand von Beispielen und Bildern wird der Vortrag lebendig und kurzweilig gestaltet.