Gras und Kleegras als Futter oder für die Biogasanlage

Welsches Weidelgras
Welsches Weidelgras

Hohe Kraftfutterkosten bei der Milchviehfütterung lenken den Blick auf die  Leistungsreserven der Grundfutterproduktion. Der Ackerfutterbau mit Gras und Kleegras kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es gelingt, sein hohes Ertrags- und Qualitätspotenzial auszuschöpfen. Dr. Clara Berendonk, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, beschreibt Versuchsergebnisse, die belegen, dass der Feldgrasanbau auch für die Biogaserzeugung eine echte Alternative zum Silomaisanbau darstellen kann.

Die Formen des Feldfutterbaus sind vielfältig. Theoretisch ist die Aussaat während der gesamten Vegetationsperiode möglich. Die Etablierung kann als Blanksaat oder auch als Untersaat erfolgen. Für die Aussaat stehen eine Vielzahl von Gräser- und Kleearten zur Verfügung, die sich insbesondere durch ihre unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeit, Nutzungsdauer, Ertragsleistung und Futterqualität unterscheiden. Um dem Landwirt eine Hilfestellung bei der Planung des Feldfutterbaus zu geben, wurden für typische Einsatzbereiche   Mischungsstandards entwickelt, die sich in verschiedenen Versuchsanstellungen und in der Praxis in den vergangenen Jahren bewährt haben. Diese Mischungen werden von den Saatgutfirmen im Handel als Qualitätsstandardmischungen oder QS-Mischungen angeboten. Das System der Qualitätsstandardmischungen umfasst sowohl reine Ackergrasmischungen als auch Kleegrasmischungen. Die Zusammensetzung dieser Mischungen und ihr jeweiliger Einsatzbereich sind in Tabelle 1 erläutert.

Mischungen für die Biogaserzeugung

In einer Versuchsanstellung, die die Landwirtschaftskammer gemeinsam mit der Fachhochschule in Soest bearbeitet hat, wurden weitere wichtige potenziell interessante Gräserarten bei unterschiedlicher Nutzungsfrequenz in ihrer Eignung für die Biogaserzeugung verglichen. In der laufenden Auswertung zeichnet sich ab, dass besonders die ertragsstarken Obergräser, wie insbesondere Rohrschwingel, Knaulgras, Weißes Straussgras oder auch Rohrglanzgras, mehrjährig einerseits ein sehr hohes Ertragspotenzial von bis zu 170 bis 190 dt/ha Trockenmasse aufweisen, andererseits aber auch besonders geeignet für eine geringe Schnittfrequenz von nur drei Schnitten sind. Die Gräser liefern nach ersten Ergebnissen bei Dreischnittnutzung eine bessere Gasausbeute als bei Vierschnittnutzung. Ganz offensichtlich sind die Qualitätsanforderungen der Biogasanlage doch unterschiedlich zu denen der Hochleistungskuh. Dieses Ergebnis erscheint besonders interessant für eine kombinierte Nutzung der Feldgrasbestände zur Futtergewinnung und Biogaserzeugung. Es bietet sich an, die ersten beiden Aufwüchse mit dem hohen Energiepotenzial an die Kühe zu verfüttern und anschließend noch einen ertragsstarken Aufwuchs in der zweiten Vegetationshälfte für die Biogasgewinnung heranwachsen zu lassen, der zwar den Leistungsanforderungen des Wiederkäuers nicht gerecht wird, aber gleichwohl eine gute Gasausbeute aufweist. Für eine solche kombinierte Nutzung eignen sich vor allem auch die Standardmischungen A1 und A3.

Ackergras oder Kleegras?

Welche Vorzüge haben Kleegrasmischungen gegenüber reinen Grasmischungen? Kleegrasmischungen zeichnen sich durch günstigere Eigenschaften im Futterwert aus, insbesondere durch höheren Rohproteingehalt sowie durch höheren Energiegehalt. Der Anbau von Klee senkt durch die symbiotische Luftstickstoffbindung den Bedarf an Stickstoffdünger. In gut entwickelten Kleegrasbeständen kann auf jegliche Stickstoffdüngung verzichtet werden. Stickstoff würde lediglich den Kleeanteil zurückdrängen, weil die Graskonkurrenz einseitig gefördert wird. In reinen Grasbeständen ist der Stickstoffbedarf hingegen am zu erwartenden Entzug zu orientieren.

Diesen Vorzügen des Klees steht seine etwas langsamere Anfangsentwicklung  nach der Saat und auch im ersten Aufwuchs im Frühjahr entgegen, weshalb Kleegrasmischungen in den ersten Aufwüchsen nicht die hohen Erträge der kurzlebigen Weidelgräser, des Welschen und Einjährigen Weidelgrases erzielen. Für Betriebe, die Ackerfutter vor allem zum Strukturausgleich in der Futterration einsetzen, ist das Welsche Weidelgras nach wie vor wegen seiner hohen Erträge bevorzugt geeignet. Der Nachteil der Kleegrasmischungen, die langsame Anfangsentwicklung, kann bei vorausschauender Fruchtfolgeplanung durch eine vorzeitige Etablierung des Kleegrasbestandes als Untersaat ein wenig aufgefangen werden. Die in der Praxis bislang relativ geringe Akzeptanz der Untersaaten liegt in der Sorge begründet, dass die Deckfrucht in der Entwicklung und Abreife beeinträchtigt wird. Bei Verwendung standfester Getreidesorten und bei einer an Saatzeit und Deckfrucht angepassten Untersaatenwahl ist diese Gefahr jedoch gering.

Bei Kleegrasmischungen ist zu beachten, dass Klee hohe Ansprüche an die Kalkversorgung des Bodens stellt , der pH-Wert sollte bei mindestens 5,5. Von den Kleearten hat Rotklee im Ackerfutterbau die Hauptbedeutung. Da Rotklee durch Anfälligkeit gegenüber Kleekrebs und anderen Krankheiten und Schädlingen mit sich selbst und mit den meisten anderen Leguminosen unverträglich ist, sollten zur Vermeidung größerer Ertragsausfälle Anbaupausen von vier bis fünf Jahren sowohl im Reinanbau als auch im Gemengeanbau beziehungsweise zu einjährigen Leguminosen eingehalten werden. Je enger die Fruchtfolge, desto wichtiger sind kleekrebsresistente Sorten, wie sie in den Standardmischungen empfohlen werden. Kleegrasgemenge lassen sich durchaus silieren. Ausreichendes Anwelken auf etwa 35 % TS und gute Verdichtung sind jedoch hier ganz besonders wichtig. Während der Anwelkperiode sollte das Kleegras nur so wenig und so schonend wie möglich bewegt werden, da sonst mit erheblichen Bröckelverlusten zu rechnen ist.

Mischungen für energiereiches Futter

Die Suche nach Mischungen mit hoher Energiekonzentration hat zur Empfehlung der Qualitätstandardmischung A5 geführt. Die A5-Mischung ist zwar im ersten Jahr der A3-Mischung im Ertrag unterlegen, wegen ihres höheren Energiepotenzials ist sie aber für Betriebe, die eine hohe Leistung aus dem Ackerfutter erzielen wollen, eine echte Alternative. In der allgemeinen Empfehlung enthält die A5-Mischung Sorten des Deutschen Weidelgrases aus allen drei Reifegruppen. Durch die Beimengung von frühen Sorten ist diese Mischung besonders geeignet für Regionen mit frühem Vegetationsbeginn, weil das Produktionspotenzial der Mischung im Frühjahr besser ausgeschöpft wird. Auch auf Standorten mit früher Sommertrockenheit verdient diese A5-Mischung den Vorzug vor der Mischung A5 spät. Die A5 mit frühen Sorten muss allerdings ungefähr eine Woche eher genutzt werden, um eine vergleichbare Energiekonzentration wie die Mischung A5 spät zu erzielen.

Wenn der frühe Schnitt nicht sicher zu gewährleisten ist, ist die A5 spät zu verwenden. Diese Mischung kann sowohl   mit diploiden als auch tetraploiden Sorten gemischt werden. Die diploiden Sorten haben zwar eine bessere Narbenbildung, tetraploide Sorten erreichen aber in neueren Untersuchungen bis zu 0,2 MJ NEL/kg Trockenmasse höhere Energiegehalte im Aufwuchs als diploide Sorten. Unter der Voraussetzung, dass bei der Ernte darauf geachtet wird, dass die Narbe nicht extrem strapaziert wird, können Mischungen aus überwiegend tetraploiden Sorten auch für die zwei- bis dreijährige Nutzung empfohlen werden, denn im Ackerfutterbau spielt die Narbendichte anders als im Dauergrünland nur eine nachrangige Bedeutung. Auch diese Mischung A5 spät wird in zwei Kleegras-Varianten angeboten, um die hohe Energiekonzentration der Mischung noch weiter zu steigern, und zwar als Qualitätsstandardmischung A5 spät plus S mit Rotklee und als Qualitätsstandardmischung A5 spät plus W mit Rotklee und Weissklee . Die Rotkleegrasmischung A5 spät plus S eignet sich für den zwei- bis dreijährigen Anbau, vornehmlich zur Schnittnutzung mit vier bis fünf Schnitten. Die Rotklee-Weißkleemischung A5 spät plus W ist mit dem Weißkleeanteil im ersten Jahr im Ertrag etwas unterlegen, gewährleistet jedoch eine bessere Ausdauer und empfiehlt sich besonders bei hoher Nutzungsfrequenz oder zeitweiliger Beweidung.

Gras- und Kleegrasmischungen als Untersaat

Voraussetzung für eine gelungene Untersaat ist, dass die Untersaat einerseits eine rasche Anfangsentwicklung unter der Getreidedeckfrucht aufweist, andererseits aber so niedrig in ihrer Wuchshöhe bleibt, dass sie beim Mähdrusch nicht stört. Hinsichtlich des Konkurrenzverhaltens zwischen Deckfrucht und Untersaat sollten daher die in der Jugendentwicklung konkurrenzstarken Arten nur im Frühjahr und unter konkurrenzstarken Deckfrüchten gesät werden, die konkurrenzschwächeren Arten können hingegen bereits im Herbst gesät werden. Tabelle 2 gibt einen Überblick über den optimalen Saattermin der verschiedenen Untersaatarten in Abhängigkeit von der Wüchsigkeit der Untersaat sowie der Frühjahrsentwicklung der Getreidedeckfrucht. Technisch ist es möglich, die Untersaat sowohl in Reihen zu drillen als auch in Breitsaat mit hochgehängten Scharen auszubringen. Pneumatikdüngerstreuer können eingesetzt werden, sofern die Dosiereinrichtung die Ausbringung der relativ niedrigen Saatgutmengen zulässt.

Hinweise zur Sortenempfehlung

Die Artenzusammensetzung der Mischungen ist ein wichtiges Kriterium für die Mischungsbewertung, mindestens ebenso wichtig aber ist die Verwendung von geeigneten Sorten in den Mischungen. Die Sortenunterschiede sind teilweise gravierender als die Artunterschiede. In den Tabellen 3 und 4 sind die für die Mischungen 2007 empfohlenen Sorten beschrieben. Empfohlen werden ausschließlich ertragsstarke Sorten mit hoher Krankheitsresistenz. Weitere ertragsstarke Sorten des Deutschen Weidelgrases, deren Leistung allerdings aktuell noch in Landessortenversuchen überprüft wird,   werden vorab bereits ebenfalls empfohlen. Hierzu gehören folgende Sorten:

Reifegruppe früh: Liconda

Reifegruppe mittel:   Alligator;   Bargala, t; Barata, Barnauta, t, M;   Eurostar, t; Kentaur, t; Limbos, t; Niata, Trend ,t; Trivos, t,M; Trintella, t; Turandot, t,M; Lidelta, t; Montova, t; Cantalou, t

Reifegruppe spät: Acento, t, M; Akurat, t, M; Barélan, t; Forza, t; Herbal, t; Honroso, Licampo, Merkem, t, M; Mezquita, Vesuve, t; Resista; Aberavon; Barmaxima; t Twymax, t ; Fornido, t.

Besonders im Spätsommer und Herbst zeigt sich die große Bedeutung des Merkmals Rostresistenz bei den Futtergräsern. In der Tabelle 3 ist dieses Merkmal daher gesondert ausgewiesen. Es ist besonders wichtig für Betriebe mit geringer Nutzungsintensität in der zweiten Vegetationshälfte. In den Rotkleeprüfungen in Kleve wurde in den vergangenen Jahren eine neue Krankheit beobachtet, die erhebliche Sortenunterschiede in der Resistenz erkennen ließ. Es handelte sich um den Befall mit Colletotrichum. Dieser im Sommer auftretende Pilz verbreitete sich sehr schnell und führte zum Totalausfall einiger Sorten. Die beste Resistenz der geprüften zugelassenen Sorten Elanus, Temara, Milvus, Titus, Kvarta, Amos, Larus, Diplomat und Atlantis zeigte in der Prüfung in Kleve die neue Sorte Elanus, gefolgt von Milvus und Larus.

Ein weiteres, wichtiges Merkmal, das vor allem die Qualität von Mischungen besonders beeinflusst, ist der Beginn des Ährenschiebens bei Gräsern oder der Blühbeginn bei den Kleearten. Der optimale Schnittzeitpunkt der Bestände liegt im Mittel der Jahre etwa eine Woche vor den in der Tabelle angegebenen Daten des Beginns des Ährenschiebens oder des Blühbeginns. In Abhängigkeit von Standort und Jahreswitterung kann dieser Termin leicht um eine Woche differieren, die Reihenfolge im Beginn des Ährenschiebens der verschiedenen Sorten und Arten ist jedoch in jedem Jahr nahezu identisch.

Wegen der großen Bedeutung des richtigen Erntezeitpunktes für die Gewinnung eines Futters mit hoher Nährstoffkonzentration wird die Landwirtschaftskammer auch in diesem Jahr ab Mitte April in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst die Ertrags- und Qualitätsentwicklung verfolgen und die wöchentliche Prognose der Schnittreife in den Faxdiensten veröffentlichen.

Eignung der Qualitätsstandardmischungen

Standardmischung A 2:
Grasmischung für die Frühjahrsaussaat, vornehmlich zur Schnittnutzung mit 3 bis 4 Schnitten (95-120 dt/ha Trockenmasse), nicht winterfest.
Standardmischung A 1:
Grasmischung für die Herbstaussaat mit überjähriger Nutzung, vornehmlich zur Schnittnutzung mit 4 bis 6 Schnitten (140-175 dt/ha Trockenmasse).
Standardmischung A 3:
Grasmischung für den 2 bis 3-jährigen Anbau, vornehmlich zur Schnittnutzung mit 4 bis 5 Schnitten (110-140 dt/ha Trockenmasse).
Standardmischung A 5:
Grasmischung für den 2 bis mehrjährigen Anbau, vornehmlich zur Schnittnutzung empfohlen, auch für Wechselgrünland geeignet (95-120 dt/ha Trockenmasse).
Standardmischung A 5 spät:
Die Standardmischung A5 spät eignet sich für den 2 bis mehrjährigen Anbau zur vornehmlichen Beweidung im Spätsommer und Herbst (95-120 dt/ha Trockenmasse).
Standardmischung A 6:
Kleegrasmischung für die Frühjahrsaussaat, vornehmlich zur Schnittnutzung mit 3 Schnitten (80-100 dt/ha Trockenmasse), nicht winterfest, wegen des hohen Kleeanteils ist N-Düngung nicht erforderlich.
Standardmischung A 3 plus S:
Rotkleegrasmischung für den 2 bis 3-jährigen Anbau, vornehmlich zur Schnittnutzung mit 4 bis 5 Schnitten (90-125 dt/ha Trockenmasse).
Standardmischung A 3 plus W:
Rotklee-Weißkleegrasmischungen für den 2 bis 3-jährigen Anbau auf allen Standorten, für vorwiegende Weidenutzung geeignet (90-120 dt/ha Trockenmasse).
Standardmischung A 5 spät plus S:
Rotkleegrasmischung für den 2 bis 3-jährigen Anbau, vornehmlich zur Schnittnutzung mit 4 bis 5 Schnitten (95-120 dt/ha Trockenmasse).
Standardmischung A 5 spät plus W:
Rotklee-Weißkleegrasmischungen für den 2 bis 3-jährigen Anbau auf allen Standorten, für vorwiegende Weidenutzung geeignet (90-115 dt/ha Trockenmasse).
Standardmischung A 7:
Artenreiche Kleegrasmischung für mehrjährige Schnitt- und Weidenutzung, hohe Nutzungselastizität (90-110 dt/ha Trockenmasse).