Kosten sparen mit Kooperationen

Nachbarn am Schlepper

Die Senkung der Arbeitserledigungskosten wird immer wieder als probates Mittel zur Stückkostensenkung genannt. Dennoch fällt es den westdeutschen Betrieben schwer, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, da strukturbedingt nur wenige Betriebe die Flächenausstattung besitzen, um allein für die notwenige Auslastung der schlagkräftigen Maschinen sorgen zu können. Das Einsehen bzw. „die Reue“ kommt meistens in Jahren schwächerer Preise, im Moment schweben wieder viele auf „Wolke 7“, und man will das Thema nicht so recht „anpacken“. Schließlich kann ein Betriebsleiter schlecht „herumlaufen“ und einen Partner suchen, es könnte ja so interpretiert werden, dass er nicht mehr genug Geld zum eigenen wirtschaften hat. Dann doch lieber einige tausend Euro mehr ausgeben, nun ja, die Landmaschinenindustrie hat sicherlich nichts dagegen. Dabei sollte man eine Zusammenarbeit aus der Stärke heraus planen, so dass man in schwierigeren Zeiten besser aufgestellt ist.

Grundlegende Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Zu Beginn einer intensiveren Kooperation sollten die Ziele und Strategien der Kooperationspartner definiert und am besten schriftlich fixiert werden. Das Finden der richtigen Organisationsform und des rechtlichen Rahmens ist eine Frage, die erst danach geklärt werden kann. Neben den betrieblichen Zielen können auch die privaten Ziele der Kooperationspartner festgelegt werden. Während die betrieblichen Ziele übereinstimmen sollten, dürfen andere Ziele durchaus unterschiedlich sein. Im Betrieb kann sich z. B. ein Kooperationspartner intensiv um die Außenwirtschaft kümmern, der Andere um die Innenwirtschaft und der Dritte scheidet gar aus der Zusammenarbeit aus und bringt nur seine Flächen ein. Bei der Zusammenarbeit ist es wichtig, die persönlichen Fähigkeiten zu erkennen und zu fördern und optimal im Sinne des gemeinsamen Zieles einzubringen. Eine Zusammenarbeit erleichtert neben der Tätigkeit im Stammbetrieb oftmals den Aufbau und Ausbau neuer Betriebszweige bei einem gleichzeitig höheren Spezialisierungsgrad. Entscheidend ist auch der persönliche Freiraum des Einzelnen, um neue Ideen zum Wohle der Gesellschaft mit einzubringen. Partner mit unterschiedlichen Unternehmenszielen in der Kooperation sollte man nicht zusammenbringen, da diese Kooperation von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Bei der Aufgabenverteilung sollen sich die persönlichen Kompetenzen aus der persönlichen Eignung ergeben. Die Wahl der richtigen Form der Zusammenarbeit richtet sich neben den wirtschaftlichen Zielen auch nach den haftungsrechtlichen Gegebenheiten. Hier ist aufgrund des neuen Produkthaftungsgesetzes in den letzten Jahren häufig eine GmbH zur Haftungsbeschränkung und zum Erhalt des landwirtschaftlichen Betriebes in Form einer GmbH & CoKG sinnvoll. Grundsätzlich sind Kooperationen mit vielen Personen immer schwieriger als Kooperationen mit wenigen Kooperationspartnern. Daher ist eine sorgfältige Vorbereitung mit klaren Regelungen bezüglich des Eintritts, der Erweiterung und vor allem auch bezüglich des Ausstiegs aus der Kooperation notwendig. Ein hohes Maß an Transparenz die Pläne, Entscheidungen und vor allem die wirtschaftliche Entwicklung betreffend fördert das Vertrauen und die notwendige offene Diskussion untereinander. Letztlich ist trotz aller wirtschaftlichen Vorteile eine sensible Geschäftsführung notwendig. Alle Partner einer Kooperation müssen ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft, Fairness und Rücksicht mitbringen. Jede Kooperation braucht einen „Leitwolf“. Der größte Unbekannte bei einer Kooperation ist der Mensch und es ist wichtig, Konflikte im Voraus zu erkennen und, wenn sie nicht vermieden werden können, zu lösen. Das Hinzuziehen einer neutralen Person als Konfliktmanager beziehungsweise schon zur Unterstützung bei der Kooperationsgründung ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer erfolgreichen Kooperation.

Grundlegende Formen einer Zusammenarbeit

Die persönliche Eignung der möglichen Kooperationspartner stellt die wesentlichste Komponente dar. Bei der Suche nach einem geeigneten Partner sollte man n icht unbedingt nach Gleichartigen, sondern nach Gleichgesinnten Ausschau halten. Eine ganze Menge Toleranz und das Offenlegen der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind je nach Intensität der Zusammenarbeit Grundvoraussetzungen für einen dauerhaften Erfolg. Grundsätzlich kann man in den verschiedensten Formen kooperieren.

Vollfusion

Die intensivste Form einer Kooperation ist eine Vollfusion, in der die Betriebe komplett miteinander verschmelzen.

Teilfusionen

Vielfach werden aber zunächst Teilfusionen gegründet. Diese Teilfusionen können mittels einer Bruchteilsgemeinschaft, einer Maschinengesellschaft, einer Betriebszweiggemeinschaft oder in Form eines Bewirtschaftungsvertrages entstehen bzw. zusammenarbeiten. Zum intensiveren Kennenlernen der Kooperationspartner empfiehlt es sich, zunächst einmal in loserer Form mit einigen Maschinen oder einzelnen Arbeitsgängen zusammen zu arbeiten.

Zum Einstieg

Die bekannteste und einfachste Form der Zusammenarbeit ist eine Bruchteilsgemeinschaft an einer oder verschiedenen Maschinen. Leider werden aber auch dabei so viele Fehler gemacht, dass sich die einzelnen Bruchteilseigner oftmals übervorteilt fühlen und so eine Zusammenarbeit nach kurzer Zeit zu Bruch geht. Dabei sollte Bruchteil eigentlich Teileigentum und damit Teilinvestition verschiedener Landwirte an einer Maschine bedeuten. Bruchteilsgemeinschaften benötigen keinen schriftlichen Vertrag, wenn man sich auf die gesetzlichen Regelungen verlässt.

Dennoch sollte man sich überlegen, ob man zumindest die Form der Auflösung und die Wertfeststellung, sowie die erforderlichen Versicherungen und die Verrechnung laufender Kosten (Ersatzteile, Reparaturen) schriftlich festhält. Insbesondere die Schlepper und die teuren Spezialmaschinen verursachen hohe Kosten, weil die Auslastung häufig nicht gegeben ist. In vielen Betrieben sind zwei von drei Schleppern zuviel auf dem Hof. Diese Schlepper bewegen sich im Durchschnitt vielleicht 400 Stunden pro Jahr, obwohl sie das Dreifache leisten könnten. Das Jahr hat rund 8.800 Std., klar, es kann nicht immer mit dem Schlepper gearbeitet werden, aber 1.200 Std. sind kein „Hexenwerk“ und so manch ein Lohnunternehmer oder Landwirt zeigt, dass auch die doppelte Stundenzahl möglich ist. Entscheidend ist, dass man Gleichgesinnte findet, mit diesen klare Regeln aufstellt und für Transparenz mittels eines Abrechnungssystems sorgt. Die Verrechnung muss einfach und übersichtlich und trotzdem gerecht und richtig sein.

Schon bei der Anschaffung einer Bruchteilsmaschine stellt sich die Frage, wer bezahlt wie viel? Oft ist der Einsatzumfang im vor hinein nicht zu ermitteln bzw. er ändert sich in jedem Jahr aufgrund verschiedenster Ursachen. Einigt man sich trotzdem auf bestimmte Bruchteile, so kommt es im Laufe der Jahre wegen abweichender Einsätze bei den Betroffenen zu einem „unguten Gefühl“ und der Eine oder Andere fühlt sich übervorteilt. Dieses „ungute Gefühl“ ist Sprengstoff für eine Zusammenarbeit und bewirkt die Ursache vieler Kooperations KO’s. Die Zusammenarbeit wird beendet, mit der Wirkung, dass das Ziel der Kostenersparnisse damit teilweise umgekehrt wird.

Dabei könnte die gemeinsame Anschaffung so einfach sein, jeder Bruchteilseigener zahlt einen x-beliebigen Anteil, der ihm zu einem festgelegten Zinssatz - der jedes Jahr an die Marktverhältnisse angepasst wird - wie zum Beispiel der Jahres Euribor + X oder der mehrjährige Festgeldsatz der Bank XY - verzinst wird. Denn, was ist der Kauf einer Maschine anderes als die Anlage von Kapital. Man erwartet vom Kapital, das es arbeitet bzw. einen Nutzen bringt. Es ist also überhaupt nicht wichtig, wer wie viel bei der Anschaffung gezahlt hat und wer die Maschine wie viel nutzt, im Gegenteil, der Anschaffungsanteil kann aufgrund des gerade von den Einzelnen vorhandenen oder nicht vorhandenen „Flüssigen“ gewählt werden.

Zur Verrechnung der laufenden Kosten muss man ein Schlepperbuch führen, dem die Einsatzstunden für die einzelnen Betriebe und/oder mit der einzelnen Maschine zu entnehmen sind. Dieses „lose Blatt“ gehört fest auf den Schlepper und die diesbezüglichen Eintragungen sollten mit den Aufzeichnungen zum Tanken kombiniert werden. Jede Maschine sollte auch einen „Paten“ haben, der die Maschine - gegen Entgelt - pflegt und für die Überprüfung der notwendigen Aufzeichnungen verantwortlich zeichnet. Am einfachsten ist es, wenn der Schlepper nach getaner Arbeit auf dem betreffenden Betrieb wieder vollgetankt wird, dann entfällt die Verrechnung der Dieselkosten. Die steuerliche Handhabung der Anschaffung und der späteren externen Rechnungen sollte in jedem Fall mit den zuständigen Steuerberatern abgesprochen werden. Die Diesel-, Unterhalts- und Wartungskosten sind aber letztlich im Verhältnis der Nutzungskosten von den Einzelnen zu tragen. Für die laufenden Maschinenkosten macht es in jedem Fall Sinn, ein separates Konto zu führen, damit zur Begleichung der Unterhaltskosten auch Vorabzahlungen geleistet werden können und letztlich auch die Endabrechnung erfolgen kann.

Das Sparpotential bei dem Schlepper im abgebildeten Beispiel liegt je nach Betrieb zwischen 2.500 und 3.500 Euro pro Jahr. Die Wirkung einer höheren Auslastung zeigt sich insbesondere bei den festen Kosten für die Abschreibung und die Verzinsung. Bei der abgebildeten Planungsrechnung sind 30 Euro/Stunde oder 15 Euro/Stunde schon Quantensprünge, aber in der Praxis auch realistisch. Bei einem angenommenen Zinssatz von 6%, der ja durchaus in der Vergangenheit gegeben war aber auch in der Zukunft realistisch scheint, wird eine alleinige einzelbetriebliche Nutzung noch viel teurer. Die Zinskosten bzw. der entgangene Nutzen des eingesetzten Kapitals wird vielfach nicht erkannt und nicht gerechnet. Mühsam erspartes Geld wird in einen Schlepper investiert und fehlt dann oft für Zukunftsinvestitionen. Transparenter werden die Kapitalkosten dann schon bei der Fremdfinanzierung. Diese werden aber oft gedanklich nicht konsequent dem „überflüssigen“ Schlepper zugeordnet, sondern als unabänderliche Betriebsbelastung angesehen.

Wenn die Zusammenarbeit erst einmal mit den Schleppern funktioniert, stellt sie sich bei den anderen Maschinen noch viel einfacher dar. So sind zum Beispiel auch bei der abgebildeten Sämaschine einzelbetriebliche Einsparungen von 1.500 Euro/Jahr möglich, die sich bei einem Zinssatz von 6% noch über 2.000 Euro erhöhen. So kommt es bei den Schleppern und den anderen Maschinen zu einem nicht unerheblichen Sparpotential und damit zu wirksamen Kostensenkungen bei den Anschaffungskosten und deren Kapitalkosten. Oftmals können allein diese Kosten bei einem 100 bis 150 ha großen Ackerbaubetrieb 10.000 bis 20.000 Euro im Jahr an Ersparnis bringen. Die Ersparnis der Maschinenkosten beträgt umgerechnet 100 bis 200 Euro/ha oder auch 10,-- bis 20 Euro/to Weizen und sollte als Anreiz dienen, um die notwendige Stückkostensenkung zu bewirken. Dieses Einsparungspotential wird direkt gewinnwirksam und sollte in Zeiten knapper Kassen nicht verschenkt werden.

Hat man schon einige Zeit in Bruchteilen erfolgreich zusammen gearbeitet, so sollte man über eine weitere Optimierung der Zusammenarbeit nachdenken, da dadurch neben einzelnen Maschinen auch noch weitere Maschinen und vor allem Arbeitskosten gespart werden können. Neben den Einsparungen bei den Arbeitserledigungskosten können durch eine Bündelung der Ein- und Verkaufsaktivitäten und durch Know-How Transfer Erlössteigerungen und weitere Kostensenkungen realisiert werden.

Die überbetriebliche Zusammenarbeit

Grundsätzlich ähnlich in der Wirkung wie eine Bruchteilsgemeinschaft ist die Zusammenarbeit bei verschiedenen Arbeitsgängen, beispielsweise, dass der eine Betrieb mit seinen Maschinen pflügt und der andere Betrieb das Säen übernimmt. Die einzelnen Arbeitsgänge werden auf den Flächen eines jeden Betriebes ergänzend durchgeführt. In der Konsequenz kann diese überbetriebliche Zusammenarbeit so straff organisiert werden, dass jeder Einzelbetrieb im Prinzip nur den halben Maschinenpark benötigt und so deutliche Kosteneinsparungen vorgenommen werden können. Damit zwischen den Betrieben eine gerechte Bewertung der eingebrachten Tätigkeiten erfolgen kann, wird jeder durchgeführte Arbeitsgang mit den entsprechenden Verrechnungssätzen für überbetriebliche Maschinenarbeiten bewertet und mit dem Einsatzumfang multipliziert. Sollten die Summen der einzelnen Betriebe erheblich voneinander abweichen, so muss ein finanzieller Ausgleich erfolgen. Da die Verrechnungssätze nur die Kosten und keine Gewinnansprüche enthalten, liegt es im Interesse der Zusammenarbeitenden, dass die gegenseitig durchgeführten Arbeiten monetär in etwa den gleichen Umfang haben. Die überbetriebliche Zusammenarbeit hat ein ähnliches Einsparpotential an Maschinenkosten wie dies bei einer Bruchteilsgemeinschaft der Fall ist, bedarf aber vielfach einer noch intensiveren Abstimmung unter den Kooperationspartnern, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Der Bewirtschaftungsvertrag

Bewirtschaftungsverträge sind eine sehr effiziente Form der Zusammenarbeit, mit der eine hohe ökonomische Wirkung erzielt wird. Bei einer in allen Konsequenzen durchgeführten Bewirtschaftung zieht sich derjenige, der seinen Betrieb bewirtschaften lässt, komplett aus dem aktiven Geschäft auf dem Feld zurück. Er benötigt weder Maschinen noch Arbeitskräfte, so dass die Arbeitserledigungskosten ähnlich wie bei einer Vollfusion in voller Höhe optimiert werden können. Derjenige, der aktiv wirtschaftet, passt seinen Maschinen- und Arbeitskräftebesatz auf seine eigene Fläche und die Fläche des Bewirtschaftungspartners an, so dass eine gute Auslastung und damit eine hohe Kosteneffizienz erreicht werden kann.

Bei einem Bewirtschaftungsvertrag handelt es sich um einen Werkvertrag, bei dem gewisse Regelungen aus steuerlicher und rechtlicher Sicht getroffen werden müssen, damit beide Betriebe rechtlich selbstständig bleiben. Die Vertragsdauer liegt meistens zwischen fünf bis zehn Jahren, um eine Mechanisierung entsprechend abzusichern. Erforderlich ist, dass derjenige, der sich bewirtschaften lässt, die Durchführung des Einkaufs der Betriebsmittel und den Verkauf der Produkte selbst vornimmt. Dabei empfiehlt es sich jedoch, die Wahl der Betriebsmittel mit dem Bewirtschaftenden im Vorfeld abzusprechen.

Als weiterer wichtiger Punkt muss noch die Vergütung der Dienstleistung vereinbart werden. Hierbei werden oft die schon genannten Verrechnungssätze pro Hektar, aber bei einem höheren Bewirtschaftungsumfang auch individuelle Sätze, die die Abhängigkeit von den betriebsindividuellen Verhältnissen widerspiegeln, herangezogen. Diese Verrechnungssätze können sich auf den einzelnen Arbeitsgang, eine Kultur mit einem definierten Standardanbauverfahren oder gar auf die gesamte Ackerfläche bei einer definierten Fruchtfolge beziehen. Wichtig ist, dass der Bewirtschaftende neben den Kosten für die durchgeführte Arbeit noch ein Entgelt für sein eingebrachtes Know-How und einen Gewinnspruch realisiert. Entscheidend für eine gute Zusammenarbeit ist, dass der Bewirtschaftende auf den Flächen des Partners ebenso erfolgreich wie auf seinen eigenen Flächen wirtschaftet. Schließlich trägt derjenige, der sich bewirtschaften lässt, weiterhin das wirtschaftliche Risiko in seinem Betrieb.

Zur Motivation für beide Seiten muss der wirtschaftliche Erfolg ihrer Zusammenarbeit vorhanden und transparent sein, so dass man von einer zusätzlichen erfolgsbezogenen Vergütung oder auch Tantieme absehen kann und stattdessen eine für beide Seiten akzeptable Vergütung vereinbart. Eine Zusammenarbeit in Form eines Bewirtschaftungsvertrages ist ökonomisch als sehr günstig anzusehen, da neben den Maschinenkosten auch die Arbeitskosten optimiert werden können. Eine derartige Zusammenarbeit bietet sich vor allem bei einer Konstellation an, in der der eine Partner einen anderen Schwerpunkt (zum Beispiel Viehhaltung oder eine anderweitige Hauptbeschäftigung) hat, während sich der Bewirtschaftende auf den Ackerbau spezialisiert hat.

Die Vollfusion

Eine ökonomische Steigerung gegenüber einem Bewirtschaftungsvertrag kann noch durch eine sogenannte Vollfusion erfolgen, in der neben den Arbeitserledigungskosten auch noch die Erlöse und die weiteren Kosten durch eine Optimierung der Fruchtfolge und Feldblöcke und durch größere Ein- und Verkaufseinheiten optimiert werden können. In einer Vollfusion werden gewöhnlich die Flächen und Gebäude zur Nutzung eingebracht, während zum Beispiel Maschinen und Arbeitskräfte gemeinsam finanziert beziehungsweise als sogenanntes Vorab entgolten werden. Das bei den einzelnen beteiligten Personen vorhandene Know-How und Spezialwissen wird zum Wohle aller Beteiligten genutzt und ein eventuell vorhandenes Konfliktpotential wird durch das nicht mehr vorhandene „Dein und Mein“ minimiert. Die Gewinne werden nach einem vorher festgelegten Schlüssel aufgeteilt. Eine derart intensive Zusammenarbeit muss auf Dauer angelegt sein, so dass die Ziele der Gesellschafter intensiv geprüft und als dauerhaft sinnvoll angesehen werden müssen.

Eine Vollfusion, vielfach in Form einer GbR, GmbH oder GmbH & CoKG, ist auf lange Zeit ausgerichtet und bringt allen Beteiligten deutliche Vorteile, kann aber bei einer kurzen „Lebensdauer“ allen Seiten auch Nachteile bringen.

Die Teilfusion bei Maschinen oder in Betriebszweigen

Da der große Schritt in eine Vollfusion vielen Landwirten als erster Schritt zu gewagt erscheint, bilden sich zur Erreichung eines Teilziels zunächst verstärkt komplette Maschinen- oder Betriebszweiggemeinschaften. Maschinengemeinschaften werden vielfach als Dienstleistungsgesellschaften gegründet. Sie können relativ einfach neben den Flächen der Gesellschafter auch Flächen Dritter zur Kostenoptimierung bearbeiten. Bei diesen Gesellschaften steht vielfach eine hohe Auslastung der Maschinen und der vorhandenen Arbeit im Mittelpunkt, so dass die Kosteneffekte hoch sind und sie damit die Rentabilität des eigenen Betriebes fördern und zusätzlich noch Einnahmen aus überbetrieblichen Arbeiten erbringen. Relativ „jung“ oder im Ackerbau weniger vorhanden sind die sogenannten Betriebszweiggemeinschaften. Diese Gemeinschaften, oftmals in Form einer Gesellschaft, bauen gemeinsam spezielle Produkte an, verarbeiten, lagern und vermarkten die Produkte dann in viel größeren Einheiten als jeder einzelne Betrieb es könnte. Spezialisierungs-, Risiko- und Größeneffekte tragen dabei zu einer besseren Rentabilität und Flexibilität bei.

Fazit

Eine Maschinengemeinschaft nach Bruchteilen bezieht sich in der Vergangenheit zumeist nur auf das „billige“ Anbaugerät, während die Schlepper - welche oft die Hälfte der Maschinenabschreibung und der Reparaturkosten verschlingen - sich im Alleinbesitz befinden. Entsprechend gering ist dann der Effekt dieser Bruchteilsgemeinschaften bezüglich der betrieblichen Maschinenkosten. Daher macht es großen Sinn, auch die wesentlich kostenwirksameren Schlepper und Spezialmaschinen in Bruchteilen anzuschaffen und auszulasten. Die transparente und sachgerechte Verrechnung ist das geringste Problem bei einer Bruchteilsgemeinschaft und die Kostenvorteile sind wie anhand des Beispiels ersichtlich groß. Es bleibt die menschliche Komponente und die Kraft zur notwendigen Abstimmung der Einsatzplanung der Maschinen. Von daher sollte man die Maschinenkapazitäten auch nicht zu knapp planen, um das mögliche Konfliktpotential zu verringern. Zusätzlich entstehende Kosten oder Schäden aufgrund von trotzdem entstehenden Kapazitätsengpässen, die der Einzelne nicht zu vertreten hat, sind von der Gemeinschaft zu tragen.

Bruchteilsgemeinschaften müssen eine flexible Nutzung der gemeinsamen Maschinen zulassen. Folglich bietet die Verzinsung des eingesetzten Kapitals eine flexible Lösung bei sich ändernden Nutzungsanteilen und unterschiedlichsten Betriebsentwicklungen. Jede Maschine braucht ihren „Paten“, der sie pflegt und die Daten zur Abrechnung koordiniert. Wenn die Bruchteilsgemeinschaft funktioniert, ist dieses ein erster Schritt zu einer weiteren noch intensiveren Zusammenarbeit, die neben der Kosteneinsparung auch eine Weiterentwicklung der beteiligten Betriebe bewirken kann.

Insbesondere die Kosten der Arbeitserledigung sind im zunehmend globalen Wettbewerb im Ackerbau entscheidend. Aus diesem Grund ist ein effektiver Einsatz (d. h. eine hohe Auslastung) von schlagkräftigen Maschinen und qualifizierter Arbeit unentbehrlich. Eine entsprechende Bewirtschaftungseinheit muss durch eigenes Wachstum oder, wenn eigenes Wachstum zu teuer ist, durch eine Zusammenarbeit geschaffen werden. Es ist wichtig, nicht unbedingt nach Gleichartigen sondern nach Gleichgesinnten zu suchen und die richtige Organisationsform zu wählen. In der fortschreitenden Globalisierung wird es für das traditionelle landwirtschaftliche Einzelunternehmen immer schwieriger, sich wirtschaftlich zu behaupten. Unter dem Gesichtspunkt der Kosten müssen Management, Arbeits- und Maschinenbesatz optimal aufeinander abgestimmt werden. Ein gemeinsamer Ein- und Verkauf, eine optimierte Fruchtfolgegestaltung, größere Schläge und vor allem eine höhere Spezialisierung bewirken Vorteile, die helfen, im globalen Wettbewerb zu bestehen. Um diese Vorteile zu realisieren, muss Arbeit freigesetzt werden, d. h. es gibt zwangsläufig immer weniger Arbeitskräfte und selbstständige Betriebe in der Landwirtschaft. Der Strukturwandel wird insbesondere in Westeuropa weiter fortschreiten, damit die Landwirtschaft weltweit mithalten kann. Dazu muss man auch in der Landwirtschaft neue Wege beschreiten, um die alten Pfade verlassen zu können.

Autor: Hans Jürgen Hölzmann