Die Wettbewerbsstellung der Zuckerrübe …

Zuckerrübenfabrik

... wurde jahrzehntelang nicht in Frage gestellt und die Zuckerrübe wurde oftmals als „Königin der Feldfrüchte“ bezeichnet. Die aktuelle Knappheit fast aller Agrar-Rohstoffe führte bei der Ernte 2010 zu einer ähnlichen Preishausse wie im Erntejahr 2007. Auch die Getreide- und Rapspreise für die Ernte 2011 befinden sich auf einem guten Niveau und lassen bei Weizen und Raps ähnliche Deckungsbeiträge (dunkle Balken in der Grafik; angenommene Netto-Preise: Weizen 200 Euro/to, Raps 435 Euro/to, Zuckerrübe 31 Euro/to) wie bei den Zuckerrüben erwarten. Weiter steigende Preise für Weizen und Raps würden sogar eine bessere Rentabilität (helle gerahmte Balken) bedeuten, während bei fallenden Kursen (mittlerer Balken) wieder die Zuckerrübe die „Nase oben“ hat. Unter Festkostengesichtspunkten - das heißt bei einer längerfristigen Rentabilitätsbetrachtung - müsste man der Zuckerrübe für zusätzliche Mechanisierungskosten ( Roder und Drille) noch 100 bis 200 Euro/ha im Wettbewerbsvergleich abziehen. Andererseits erleben wir immer wieder eindrucksvoll wie die freien Marktpreise für Getreide und Raps sich innerhalb kürzester Zeit halbieren oder verdoppeln. Die Zuckerrübe kennt bisher diese Preisschwankungen nicht. Durch den in der Zuckermarktordnung verankerten Mindestpreis sind Jahr für Jahr hohe und vor allem sichere Erlöse garantiert. Lediglich der Zuckerertrag beeinflusst die Erlössituation wesentlich. Wie aus der Darstellung ersichtlich sind die bei den Landwirten angekommenen Zuckerrübenpreise insbesondere seit 2005 deutlich gesunken und liegen auf einem Niveau zwischen 30 und 35 Euro/to (brutto). Glücklicherweise sind gleichzeitig die Erträge (durch die vielfältigsten Ursachen wie z. B. Sorten und Fruchtfolgeerweiterung) deutlich angestiegen, 70 bis 80 to/ha bei 17 % Zuckergehalt sind keine „Eintagsfliegen“ mehr. Die Zuckerrübe ist konkurrenzfähig, wenn

  • eine ausgefeilte Produktionstechnik - Saatgut, Bodenvorbereitung, Anbausystem, Saattermin und Pflanzenschutz sind Eckpfeiler für hohe, stabile Erträge und Zuckergehalte - und damit ein standort-typisch hoher Ertrag und eine hohe Ertragssicherheit gegeben sind
  • eine weitere Stückkostensenkung realisiert wird (durch Kostensenkung und Ertragssteigerung)
  • sie in die Fruchtfolge passt, sie eine positive Vorfruchtwirkung hat und die Anbauplanung und Vertragserfüllung optimiert wird
  • die Zuckermarktordnung und der Markt den Absatz und auskömmliche Preise regelt und vor allem, wenn ein „attraktiver“ Verarbeiter vor Ort vorhanden ist.

„Das Bessere ist jedoch des Guten Feind“ und in nicht wenigen Betrieben war 2007 und 2010 die Rentabilität des Weizens und des Rapses der Zuckerrübe ebenbürtig.

Letztlich ist was die Erzeugerpreisbildung betrifft die Zuckerrübe noch nicht am Markt angekommen, da sich die Weltzuckerpreise im Gegensatz zu den hiesigen Erzeugerpreisen auf höchstem Preisniveau befinden. Dieses mag der Landwirt im Moment beklagen, ein Blick zurück zeigt jedoch, dass es so besser war. Der Blick muss jedoch nach vorne gerichtet werden und es setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Zuckerrübe im Wettbewerb auf dem Acker angekommen ist. Aufgrund der hohen und stabilen Umsätze ist sie als erfolgreiches Fruchtfolgeglied etabliert, sie muss sich in Zukunft jedes Jahr aufs Neue im zunehmenden Wettbewerb behaupten. Auch wenn die Zuckerrübe in einem Jahr einmal nicht die Nr. 1 auf dem Feld ist, ist sie als sichere und verlässliche Anbaualternative in den nächsten Jahren in vielen Betrieben auf dem Feld fest gesetzt. Man sollte sich nicht durch die zurzeit hohen Weizen- und Rapspreise blenden lassen, denn der meiste Weizen ist in den letzten Jahren nicht über 200 Euro/to, sondern im Durchschnitt zu einem viel geringeren Preis verkauft worden.

Autor: Hans-Jürgen Hölzmann