Maßnahmenblatt: Erhalt, Pflege und Anlage von Streuobstwiesen

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Bereich Grünland

Was beinhaltet die Maßnahme und welche ökologischen Vorteile bietet sie?

Streuobstwiesen sind Grünlandflächen, in denen „verstreut“ hochstämmige Obstbäume wachsen. Sie sind in der Regel sehr artenreich und bieten zahlreichen Tieren, etwa Vögeln - insbesondere baumbrütenden Vogelarten wie Spechten, Baumläufern, Meisen, Steinkäuzen - aber auch Fledermäusen, Schmetterlingen und seltenen Pflanzenarten einen Lebensraum. Häufig bestehen wertvolle ökologische Wechselbeziehungen zwischen Obst- und Grünlandbestand. Streuobstwiesen prägen und bereichern das Landschaftsbild, ganz besonders während der Baumblüte im Frühjahr. Sie dienen darüber hinaus auch dem Wind- und Erosionsschutz. Als belebende und gliedernde Landschaftselemente eignen sich Streuobstwiesen auch zur Vernetzung von Biotopen. Streuobstwiesen sind ein traditionsreiches Kulturgut. Sie liefern oftmals seltene, an regionale Klima- und Standortverhältnisse angepasste Obstsorten und helfen, das Genreservoir dieser wertvollen Sorten zu erhalten. Zur Entwicklung und zum dauerhaften Erhalt der Bestände sind Pflegemaßnahmen unabdingbar.


Hinweise zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten

Die Pflege der Obstbäume sowie Ergänzungspflanzungen können im Rahmen des Vertragsnaturschutzes gefördert werden: Maximal 55 Bäume/ha á 14,54 € nur in vorab festgelegten Förderkulissen; Flächenmindestgröße 0,15 ha mit einem Baumbestand von mindestens 10 Bäumen. Hierbei ist eine Kombination mit der extensiven Grünlandnutzung unter Anrechnung der Prämien möglich. Für einmalige Pflegemaßnahmen in sanierungsbedürftigen Altbaumbeständen (Instandsetzungsschnitte) oder Neuanlagen kann eine investive Förderung gemäß Art. 57 Richtlinie (Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Erbes im Bereich Naturschutz) erfolgen. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) stellt im Rahmen der Pflanzgutförderung für die Neuanlage oder Ergänzung von Obstwiesen auf Antrag kostenloses Pflanzmaterial bereit. Im Einzelfall kann möglicherweise auch über regionale Sonderprogramme von Streuobstinitiativen, Heimatverbänden, Naturschutzverbänden oder Biologischen Stationen finanzielle Unterstützung gewährt werden. Die Anlage von Streuobstwiesen ist darüber hinaus auch als produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahme (PIK) möglich. Vielfach werden Streuobstwiesen auch angelegt und gepflegt, ohne Fördergelder in Anspruch zu nehmen.

Links zu rechtlichen und fördertechnischen Grundlagen:

Ratgeber Förderung
www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/broschueren/ratgeber-foerderung.htm

Förderung des ländlichen Raums
www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/laendlicherraum

Rahmenrichtlinie Vertragsnaturschutz
www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/laendlicherraum/aum/vertragsnaturschutz.htm

Richtlinien über die Gewährung von Zuwendung zur Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung des kulturellen und natürlichen Erbes und zur Erstellung von Schutz- und Bewirtschaftungskonzepten im Bereich Naturschutz
recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=1&gld_nr=7&ugl_nr=791&bes_id=33684

Pflanzgutförderung des LVR
www.lvr.de/de/nav_main/kultur/kulturlandschaft/pflanzgutfrderung/pflanzgutfrderung_1.jsp


Hinweise zur Umsetzung

Bei der Neuanlage sollten geeignete, regionaltypische Hochstamm-Obstsorten verwendet werden. Empfehlenswert ist zertifiziertes Pflanzgut, welches den einschlägigen Qualitätsrichtlinien bzw. Gütebestimmungen entspricht. Bei Neuanlage sind ausreichende Pflanzabstände (ca. 10 bis 12 Meter) zu berücksichtigen, bei Randbepflanzungen müssen die nachbarschaftsrechtlichen Grenzabstände eingehalten werden (Nachbarrechtsgesetz NRW). Die gelegentliche Düngung der Baumscheiben mit Kompost oder gut verrottetem Stallmist fördert die Vitalität des Baumbestandes. Die Baumpflege im Rahmen des Vertragsnaturschutzes beinhaltet in erster Linie die Durchführung von Erziehungs-, Erhaltungs- und Verjüngungsschnitten sowie Ergänzungs- und Nachpflanzungen. Die Baumbehandlung mit chemisch-synthetischen Mitteln ist nicht zulässig. Die Unternutzung sollte aus einer 2- bis 3-mal jährlichen Mahd oder extensiver Beweidung bestehen. Der Verzicht auf Pflanzenschutz- und Düngemittel kann vereinbart werden. Mit öffentlichen Mitteln geförderte Neuanpflanzungen von Obstbäumen stellen gesetzlich geschützte Landschaftsbestandteile im Sinne des § 47 Landschaftsgesetz NRW dar.

Weiterführende Informationen:

Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz in NRW – Streuobstwiesen in NRW
www.landwirtschaftskammer.de/gartenbau/beratung/obstbau/artikel/obstwiesenschutz.htm

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen: Anwenderhandbuch Vertragsnaturschutz, Stand Mai 2015
vns.naturschutzinformationen.nrw.de/vns/de/fachinfo/anwenderhandbuch

Rahmenvereinbarung zwischen den Landwirtschaftsverbänden Nordrhein-Westfalens und den anerkannten Naturschutzverbänden zum Schutz der Streuobstbestände in NRW
www.umwelt.nrw.de/fileadmin/redaktion/PDFs/naturschutz/vereinbarung_streuobstbestaende.pdfPDF-Datei


Ansprechpartner

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Standortentwicklung, Ländlicher Raum
Gartenstraße 11
50765 Köln
Telefon: 0221 5340-333 oder -324
Telefax: 0221 5340-19333
E-Mail: biodiversitaet@lwk.nrw.de

Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz in NRW – Streuobstwiesen in NRW,
Thomas Vogt, Telefon: 0221  5340-173
www.landwirtschaftskammer.de/gartenbau/beratung/obstbau/artikel/obstwiesenschutz.htm

Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
www.rheinische-kulturlandschaft.de

Stiftung Westfälische Kulturlandschaft
www.stiftung-westfaelische-kulturlandschaft.de

Untere Naturschutzbehörden in Nordrhein-Westfalen
www.umwelt.nrw.de/natur-wald/wer-macht-was

Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen
www.biostationen-nrw.com


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