Wie eine Hygieneschleuse aussehen sollte

Hygieneraum ist vorgeschrieben

Ein wichtiger Punkt im Hygienekonzept eines Betriebes ist der Personenverkehr. In der Schweinehaltungshygieneverordnung sind daher in Abhängigkeit von der Bestandsgröße unterschiedliche Anforderungen an einen Hygieneraum bzw. –schleuse gestellt. Die baulichen Anforderungen sind in den Anlagen zur Verordnung beschrieben. Danach werden fünf Kategorien unterschieden:

Betriebe mit nicht mehr als 3 Sauen- bzw. 20 Mastplätzen sind in Anlage 1 beschrieben. Hier gilt, dass die Ställe nur in Abstimmung mit dem Tierbesitzer betreten werden können. Die Ställe müssen also verschließbar sein. Es muss eine Möglichkeit zum Reinigen und zur Desinfektion von Schuhwerk mit einem Wasserabfluss im Stall selbst oder aber auch in den Nebenräumen vorhanden sein. Dass die Gebäude in einem guten baulichen Zustand sein sollen damit Schweine nicht entweichen und das Stallgebäude leicht zu reinigen und zu desinfizieren ist, sollte selbstverständlich sein. Wie bei allen anderen Schweine haltenden Betrieben sind auch hier Hinweisschilder mit der Aufschrift: "Schweinebestand – für Unbefugte Betreten verboten" vor allen Eingängen am Stall notwendig. Auslaufhaltungen müssen zusätzlich mit einem Schild: "Schweinebestand – Betreten und Füttern für Unbefugte verboten" gesichert sein.

Bei allen anderen Schweinehaltenden Betrieben dürfen die Stallungen nur mit betriebseigener Kleidung betreten werden. Betriebsfremde Personen haben vor Betreten der Stallungen diese Schutzkleidung anzulegen. Als Schutzkleidung ist Einwegschutzkleidung oder der berühmte Overall und betriebseigene Stiefel zulässig. Mehrwegkleidung sollte jedoch aus hygienischen Gründen nach dem Tragen gewaschen werden, und staubfrei verpackt im Umkleideraum oder Hygieneraum des Betriebes vorrätig gehalten werden.

Wo sich der Hygieneraum zu befinden hat, ist für Betriebe der Anlage II (Stall- und Auslaufhaltung) und IV (Freilandhaltung) nicht näher beschrieben. Dennoch sollten Landwirte mit mehr als 20 und bis zu 700 Mastplätzen, mehr als 3 und bis zu 150 Sauenplätzen oder mehr als 3 und bis zu 100 Sauenplätzen in Gemischtbetrieben den Hygieneraum dort einrichten, wo er aus Sicht der Tiergesundheit und Seuchenvorbeuge am meisten Sinn macht, beispielsweise also im Eingangsbereich des Stallkomplexes. Wie ein Hygieneraum für diese Betriebe aussehen könnte, ist in Übersicht 1 dargestellt. Das Handwaschbecken ist zwar für Anlage II Betriebe nicht zwingend vorgeschrieben, sollte aber nichtsdestotrotz in keinem Umkleideraum fehlen.

Hygieneraum

Betriebe mit Bestandgrößen, die über die vorgenannten Grenzen hinausgehen, gehören zur Anlage III (Stallhaltung) oder V (Freilandhaltung). Alle Betriebe mit Schweinehaltungen über 700 Mastplätzen, über 150 Sauenplätzen bzw. 100 Sauenplätzen im Gemischtbetrieb müssen bis spätestens Juni 2002 einen Hygieneraum mit eindeutiger Schwarz-Weiß-Trennung eingerichtet haben, der sich nass reinigen und bei Bedarf desinfizieren lässt. Kennzeichen einer solchen Hygieneschleuse ist die getrennte Aufbewahrung von Stall- und Straßenkleidung, ein Handwaschbecken sowie eine Möglichkeit zur Reinigung und Desinfektion der Schuhe. Der Hygieneraum sollte so angeordnet sein, dass die Tierbereich nur über den Hygieneraum zu betreten ist.

Hygieneschleuse

Eine Dusche ist nicht fest vorgeschrieben, kann aber trotzdem sinnvoll sein für Betriebe, die einen höheren Hygienestandard einhalten wollen (Übersicht 2). Sehr sinnvoll ist eine Durchreiche zwischen Schwarz- und Weißbereich zum Ein- und Ausschleusen von Gegenständen wie z.B. Medikamenten, Untersuchungsmaterial (Futter-, Kot- oder Nasentupferproben usw.), Eberspermalieferungen oder ähnlichem.

Der Hygieneraum sollte immer so betrieben werden, dass er seinem Namen auch gerecht wird. Verschmutzte Overalls für Besucher, in denen der Schweiß vom letzten Verladen der Schweine noch deutlich zu riechen und zu sehen ist, kann und darf man niemanden anbieten. Es sollten also immer ausreichend Overalls unterschiedlicher Größen vorrätig gehalten werden. In der Regel reichen zwei Größen aus. Eine mittlere Größe, mit der auch zierlichere Personen zurechtkommen, und für stabilere Personen die Größen ab 58 aufwärts. Denken sie daran, dass die Anzüge beim Waschen einlaufen können. Apropos Waschen: Für die Reinigung der Stallkleidung bietet sich eine separate Waschmaschine zum Beispiel im Hygieneraum an, dann werden Stallgeruch und –schmutz nicht in den Wohnbereich verschleppt.

Auch die Stiefel für Betriebsfremde sollten in mehreren Größen vorrätig sein, wobei regelmäßige Besucher es danken dürften, jedes Mal ihr "eigenes" Paar vorzufinden. Die Stiefel sollten sofort nach Gebrauch, am besten von der Person, die sie gerade getragen hat, gereinigt und desinfiziert werden. Gelagert werden die Stiefel am besten umgekehrt auf ein Rohrstück gesteckt. Dann kann Feuchtigkeit aus dem Stiefel austrocknen, und es gelangen weder Staub noch Ungeziefer in die Stiefel.

Sind die Stallungen nicht im Zusammenhang zu begehen, ist es sinnvoll vor jedem Stall eine Desinfektionsmatte zu benutzen und mit stallspezifischen Schuhwerk – also speziellen Stiefeln für jeden Stall - zu arbeiten. Falls auch der Landwirt konsequent verschiedene Stiefel zum Beispiel für den Abferkel- und Flatdeckstall benutzt, sinkt durch diese Maßnahme zudem das Risiko der Keimverschleppung von einem Stall in den nächsten. Die Wege zwischen den Ställen werden dann mit preiswerten Galoschen o.ä. zurückgelegt. Wird dies konsequent umgesetzt, kann auf die Hygieneschleuse in jedem Stall verzichtet werden.

Hygieneschleuse

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp zu den Handwaschbecken im Hygienebereich: Seife am Stück und Handtücher aus Frotteestoff mögen im Haushalt durchaus ihre Vorteile haben, im Hygieneraum am Schweinestall sind Seife aus dem Pumpspender und Einwegpapiertücher sinnvoller und hygienischer.

Autor: Bernhard Feller