Wie steht es um die regenerativen Energien?

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Regenerative Energien werden in der Landwirtschaft eingesetzt, um in der Tierproduktion die Kosten im Strom- und Wärmebereich zu stabilisieren. Doch wie sehen diese etablierten Techniken unter den heutigen betrieblichen, aber auch fördertechnischen Voraussetzungen aus? Wie sieht es mit den fossilen Brennstoffen 2015 aus? Elmar Brügger gibt einen Überblick.

Spätestens seit Anfang dieses Jahres gibt es durch die Herabsetzung der gesetzlichen EEG-Umlage und die Weitergabe der sinkenden Großhandelspreise von der Leipziger Strombörse an den Endverbraucher preissenkende Komponenten. Im Gegenzug haben die Netzbetreiber ihre Netznutzungsentgelte für die Durchleitung des Stroms um 15 % angehoben. In der Summe sind die Strompreise gegenüber dem Vorjahr um 1 % leicht gesunken, aber immer noch auf hohem Niveau.

Für eine Photovoltaikanlage (PV) oder einem Blockheizkraftwerk (BHKW) bleibt deshalb weiterhin der Direktverbrauch (Eigenverbrauch) eine interessante wirtschaftliche Alternative zur Strombeschaffung für die landwirtschaftliche Produktion.

PV-Anlagen richtig rechnen

Seit 2014 ist eine PV-Anlage nur durch einen hohen Anteil des produzierten Stroms für den Eigenverbrauch wirtschaftlich, zum Beispiel durch den erhöhten Strombedarf im Abluftbereich in der Tierproduktion besonders im Sommer. Bei einer 100-prozentigen Fremdfinanzierung, einem preiswertem AC-Elektroanschluss, also den technische Anschlussbedingungen vom Wechselrichter bis zur Netzeinspeisung, und einem PV-Strom-Eigenanteil um die 50 % wird eine Photovoltaik-Anlage erst rentabel. Außerdem ist der PV-Anlagenpreis pro kWp (DC-Seite) weiter gesunken.

Viel Unsicherheit ergibt sich aber bei der Einschätzung des Eigenverbrauchsanteils für den gesamten Strombedarf des Betriebes. Hier würden natürlich die vom Landwirt erfassten Tagesstromverbräuchen sehr helfen, um dann mit Fachleuten den Eigenstromanteil kalkulatorisch zu ermitteln. Doch viele Betriebe haben diese Daten leider nicht zur Verfügung. Es stehen meistens nur die Gesamtstromverbräuche über die Jahresabrechnung des Netzbetreibers zur Verfügung. Hier kann man dann nur über die Jahresganglinie eines vergleichbaren landwirtschaftlichen Durchschnittsbetriebes versuchen, die passende PV-Anlagengröße zu ermitteln.

Ein wesentlicher Einflussfaktor an einer langfristigen Wirtschaftlichkeitsermittlung ist auch die Abschätzung der jährlichen Bezug-Strompreissteigerung. Sind 3 % jährliche Preissteigerung über die nächsten 20 Jahre der betriebswirtschaftlichen Nutzung eventuell zu hoch angesetzt? Solarteure geben in ihren Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen auch schon gerne eine jährliche Steigerung von 8 % an.

Es werden auch gerne die Neben- oder Betriebskosten in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einer PV-Anlage kostenmäßig heruntergespielt. Meistens werden nur die Versicherungsbeiträge angegeben und beispielsweise nicht die Rücklagen für die einmal zu ersetzenden Wechselrichter, den jährlichen Beitrag für den Steuerberater und eventuelle die IHK-Beiträge. Ebenso werden die Kosten für die Reinigung der Module und die Wartung der Anlage nicht berücksichtigt. Auch die zu zahlenden Mehrwertsteuern für den Direktverbrauch werden in der Kostenkalkulation nicht berücksichtigt.

Es ist auch seit der letzten EEG-Novellierung in der Rentabilität darauf zu achten, dass bei bestimmten betrieblichen Unternehmensstrukturen und Stromleitungsgegebenheiten die zu zahlenden gesetzlich geforderten Umlagen berücksichtigt werden müssen. Gerade bei der reduzierten EEG-Umlage ist bei dem Direktverbrauch darauf zu achten, den Strom nicht an sogenannte Dritte, zum Beispiel an einen gewerblichen Ferkelaufzuchtstall, abzugeben, da der dann die volle EEG-Umlage zahlen muss. Dies sollte vor der Errichtung der PV-Anlage mit einem PV-Berater und dem Steuerberater abgeklärt werden.

Das gilt auch für Kraftwärmekopplung

Alle genannten Eigenverbrauchsregelungen müssen auch bei der Kraftwärmekoppelung (KWK) beachtet werden. Obwohl seit dem letzten Jahr durch die EEG-Novellierung die reduzierte EEG-Umlage in der Wirtschaftlichkeit eines BHKW mit berücksichtigt werden muss, kann das BHKW trotz leichter Bezugsstrompreissenkung in diesem Jahr immer noch eine wirtschaftlich interessante Alternative sein. Berücksichtigen muss man hierbei, dass der fossile Brennstoffpreis nach dem tiefen Verfall nur leicht schwankend steigt und die Förderbedingungen sich nicht negativ verändert haben.

Bei den BHKW unterscheidet man hautsächlich für den landwirtschaftlichen Betrieb zwischen Mikro- und Mini-BHKW. In der Tierproduktion, insbesondere bei der Zuchtsauenhaltung mit ihrem hohen Wärmebedarf, ist das BHKW für die Grundversorgung von Strom und Wärme eine diskussionswürdige Alternative. Maßgebend für die Wirtschaftlichkeit ist einmal der Brennstoff oder Treibstoff für das BHKW. Erdgas ist momentan bei laufenden Altverträgen der preiswerteste fossile Energieträger. Hier kann man auch Lieferverträge für drei oder vier Jahre bekommen. Durch mittelfristige Brennstoffpreissicherheit (ausgenommen gesetzliche Auflagen) wird die Wirtschaftlichkeit damit länger gesichert. Bei Heizöl und Flüssiggas besteht bei immer mehr Lieferanten die Möglichkeit, den benötigten Brennstoff für das nächste Jahr schon jetzt zukaufen.

Zur Abschätzung der elektrischen Größe des BHKW ist natürlich ebenso wie bei den PV-Anlagen die Dokumentation der Tag- und Nachtstromverbräuche wichtig. Da die meisten in der Praxis betriebenen BHKW wärmegeführt ausgelegt sind, ist also auch der Wärmeverbrauch pro Tag mit entscheidend. Da hier aber keine genauen Verbräuche aufgelistet werden, sollten bei betrieblicher Nutzung von Heizöl oder Flüssiggas wochen- oder monatsweise der Tankinhalt mittels Mengenzähler gemessen oder die jeweiligen Tankfüllungen im Jahr genauer über die Lieferscheine dokumentiert werden. Beim Erdgas ist dies einfacher.

Noch optimaler wäre es für die beratenden Fachleute, wenn die erfassten Brennstoffmengen der einzelnen Energieträger den einzelnen Verbrauchsstätten zugeordnet werden können.

In den Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen der BHKW-Anbieter wird gerne die bestehende Heizungsanlage von den landwirtschaftlichen Betriebsstätten mit dem teuersten Brennstoff, meist Heizöl, angegeben und der Verbrauch des BHKW sowie die noch zu ersetzende Wärmemenge mit dem preiswerteren Brennstoff kalkuliert. Dadurch werden in der Gesamtbetrachtung dem BHKW die positiven Kostenvorteile durch die betriebliche Umstellung aller Energieerzeuger (Heizungsanlagen) von Heizöl auf Gas zugeordnet. Dies ist nicht richtig, da man diesen Vorteil auch schon hat, wenn alle Betriebsheizungen auch ohne den BHKW auf den preiswerteren Brennstoff umgestellt würden.

Der zweite Einflussfaktor in der Wirtschaftlichkeit ist die prozentuale Einschätzung des Eigenverbrauchsanteiles an der gesamten betrieblich benötigten Strombeschaffung. Hat man betriebliche Verbrauchszahlen, kann man diese Abschätzung besser eingrenzen. Hier kommt dann noch die Beurteilung der Höhe der Wärmeabdeckung durch das BHKW dazu. Dies sind wichtige Voraussetzungen für die Rentabilität eines BHKW.

Für die Wirtschaftlichkeitsberechnung sollten Komplett-Angebote eingeholt werden. Dazu gehören nicht nur die Kosten des BHKW, sondern auch die Kosten für die Optimierung der bestehenden Heizungsverteilung, für die Anpassung des technischen Standards sowie die Kosten für die Elektrik, um den Überschussstrom in den Netzanschlusspunkt einspeisen zu können. Auch sollten die Kosten für den entsprechenden Wartungsvertrag (Teil- oder Vollwartung) und dessen Vertragsbedingungen eingeholt werden. Wenn alle diese Faktoren in der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden, diese Rentabilität für den Landwirt sachlich und logisch nachvollziehbar ist und auch mit höheren Brennstoffkosten in Verbindung mit geringer steigernde Stromkosten kalkuliert worden sind, kann das BHKW langfristig interessant sein. Dann muss der Landwirt entscheiden, wie langfristig er den dafür benötigten Brennstoffpreis abschätzen oder sichern kann, um damit das BHKW rentabel zu halten.

Alternative Energieerzeuger

Andere alternative Energieerzeuger wurden in diesem Jahr bisher in der Nachfrage zurück gestellt. Das sind zum Beispiel die Solarthermie, die Wärmepumpe, aber auch die Wärmeerzeugung über Biomasse in einer Hackschnitzelfeuerungsanlage, einem Holzpelletkessel oder einem Scheitholzofen. Hier ist die Nachfrage immer noch deutlich abgeschwächt. Ob es nur an den gesunkenen fossilen Energieträgerpreisen liegt oder an dem hohen Strompreiseniveau, das BHKW interessanter macht, soll hier nicht diskutiert werden. Man sollte nur darauf hinweisen, dass trotz momentan „niedriger“ fossiler Brennstoffpreise die Investition in eine Biomasseanlage langfristig unter bestimmten Gegebenheiten weiterhin wirtschaftlich interessant bleiben kann. In diesem Jahr kommt noch die verschärfte 2. Abgasstufe der 1. BImSchVo dazu, die manchen Planer wieder zurück schrecken lassen. Das heißt, die am 1. Januar 2015 in Kraft getretene 2. Abgasstufe hat die Abgasgrenzwerte im Bereich der Hackschnitzel- und Pelletanlagen verschärft und nur über sogenannte zusätzlich sekundäre Maßnahmen, wie Filtertechniken, gelingt es, die Abgaswerte alle zwei Jahre bei der Schornsteinfegermessung einzuhalten. Diese noch nicht praxisbeständigen Techniken verteuern wiederum diese Feuerungsanlagen.

Um einen wirtschaftlichen Anreiz für die Erneuerbaren Energien anzusetzen, ist seit dem 1. April das bekannte Förderungssystem für Erneuerbare Energien, das sogenannte Marktanreizprogramm (MAP), optimiert und finanziell aufgestockt worden. Die einzelnen Maßnahmen wurden erweitert, aber auch mit neuen technischen Förderansätzen ergänzt. Weiteres unter www.bafa.de .

Wärme- und Stromerzeugung durch Biomassefeuerungsanlage werden immer praxistauglicher und sind für größere Tierproduktionsunternehmen einsetzbar. Hier sind es auch erst zwei, drei Hersteller, die sich in diesem speziellen Markt mittelfristig etabliert haben. Hier hat sich aber die letzte Novellierung des EEG negativ auf die Einspeisevergütung für den Überschussstrom ins öffentliche Stromnetz ausgewirkt. Auch hier spielt die Direktverbrauchsregelung eine maßgebende wirtschaftliche Rolle.

Bei der Solarthermie besteht durch das optimierte MAP-Programm auch für landwirtschaftliche Betriebe die Möglichkeit, Investitionszuschüsse für die Nutzung von Prozesswärme von bis zu 50 % der nachgewiesenen Nettoinvestitionskosten zu bekommen. Diese hohe Förderung bestand für NRW über das Förderprogramm www.progres.nrw.de schon länger zur Verfügung. Beide Förderungen sind miteinander kombinierbar. Auch Anlagen zur Verbrennung von Biomasse oder effiziente Wärmepumpenanlage zur Prozesswärmebereitstellung werden mit bis zu 30 % der nachgewiesenen Nettoinvestitionskosten gefördert. Die größeren thermischen Solaranlagen (ab 20 m² Kollektorflächen) haben in der Landwirtschaft unter bestimmten Voraussetzungen ihre Berechtigungen in der Tierhaltung zur Wärmeerzeugung. Momentan wirkt sich vermutlich auch hier der deutlich niedrige fossile Energiepreis negativ aus.

Fazit

Trotz der momentanen Preise der fossilen Energieträger ist es immer noch gerechtfertigt zu überlegen, die benötigte Energie im landwirtschaftlichen Betrieb durch Erneuerbare Energien zu ersetzen. Dieses setzt eine zeitlich detaillierte Mengenerfassung von Strom und Wärme der unterschiedlichen Betriebszweige voraus, um eine dem Standort angepasste Planung durchzuführen und ein optimiertes Gesamtangebot von der Erzeugungsanlage bis zur Einbindung in das bestehende Betriebsnetz anbieten zu lassen und dann eine realistische Wirtschaftlichkeitsberechnung zu erstellen. Eine wesentliche Rolle spielt bei diesen Entscheidungen die persönliche Überzeugung, Energie klimaneutral und unabhängig zu erzeugen, mit.

Autor: Elmar Brügger