Trends in der Schweinehaltung

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Die gestiegenen Produktionskosten bei verhaltenen Marktpreisen haben die Bautätigkeit in der Schweinehaltung verringert. Besonders betroffen sind die Sauenhalter. Neben der geringen Gewinnspanne führen deutlich gestiegene Rohstoffpreise zu erhöhten Baukosten. Dadurch wird noch zusätzlich die Bereitwilligkeit zu Neubauten gesenkt. Hans-Heinrich Ellersiek, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, hat dennoch einige Trends bei der Technik in der Schweinehaltung zusammengestellt.

Vor zwei Jahren war es noch möglich, einen Mastplatz für rund 350 € inklusive Mast zu errichten, heute müssen dafür 400 bis 420 € angesetzt werden. Diese 20-prozentige Kostensteigerung gilt ebenfalls in der Sauenhaltung. Die Größe der Neubauten hat sich jedoch deutlich nach oben verschoben. Mastplätze für 2 000 Plätze oder mehr sind keine Ausnahme mehr. 800 Sauenplätze als Neubau werden ebenfalls sehr häufig geplant. Für Sauenbetriebe erkennt man häufiger, dass als weiterer Entwicklungsschritt nicht die Erweiterung der Sauenhaltung geplant wird, sondern der Aufbau einer Mastschweineproduktion, um zukünftig im geschlossenen System zu arbeiten. Innerhalb der Betriebe gibt es den Trend, dass größere Schweinehalter investitionsfreudiger sind im Vergleich zu kleineren. Sehr häufig werden auch gesamte Betriebe in Form von Pachtungen übernommen. Eine technische Sanierung des zu übernehmenden Betriebes ist dabei fast immer die Regel. An diesen Maßnahmen ist zu erkennen, dass der Strukturwandel in der Schweinehaltung beschleunigt wird.

Gebäude in Massivbauart

Schweineställe werden als massive konventionelle Gebäude erstellt, aber auch in Fertigbauweise. Neben der Leichtbauweise wird auch sehr häufig der massive konventionelle Stall durch einen Unternehmer komplett angeboten. Kurze Bauzeiten und eine vereinfachte Abwicklung sind hierfür die häufigsten Begründungen. Die Güllesysteme werden in der Regel vor Ort durch spezialisierte Firmen mit Hilfe von Schalungen gegossen, aber auch vorgefertigte Betonteile, die dann nach Maß angeliefert werden, sind inzwischen eine übliche Bauweise. Dadurch, dass die Abteile auf Grund der Größe der Betriebe größer geplant werden, werden für die Mastneubauten zunehmend Ställe mit seitlich angeordneten Erschließungsgängen geplant. Hierdurch werden Baukosten gesenkt.

Weil die Gülle für Schweine haltende Betriebe durch Flächenknappheit sehr häufig an weiter entfernt liegende Betriebe abgegeben werden muss und auch auf Grund der in der letzten Zeit gestiegenen Düngerpreise werden größere Lagerkapazitäten für die Gülle errichtet. Dies ist am preiswertesten durch den Bau von Behältern zu erreichen. Tiefere Lagerhaltungen unterhalb der Ställe sind dadurch nicht mehr so aktuell wie früher. Durch die Entwicklung von Elektromixern, die auf dem Zentralgang einfach versetzt werden können, kann der Flüssigmist in den Abteilen preiswert homogenisiert und entfernt werden. Hierfür ist der Bau eines Slalomsystems im Abteil erforderlich mit einer Tiefe von 80 bis 100 cm. Spülverfahren mit schmalen Kanälen und einem Rohrablauf unterhalb des im Stall liegenden Querkanals sind eine weitere Alternative.

Energieschonende Haltungsverfahren

Für die Sauenhaltung haben sich Gruppensysteme etabliert. Am häufigsten hierfür werden Selbstfangbuchten oder Abruffütterungen eingesetzt. Für die Ortung der Tiere und die Aufzeichnung ihrer Bewegungsabläufe werden automatische Systeme entwickelt, mit denen dann Rückschlüsse für die Produktion gewonnen werden können. Bei der Schweinemast ist der Einsatz von automatischen Sortieranlagen mit Gruppengrößen von 300 bis 400 Tieren ein übliches Verfahren geworden. Eine fotografische Vermessung oder eine Gewichtserfassung sind die häufigsten Techniken, die zum Einsatz kommen. Durch die Weiterentwicklung der Programme steigt die Wertschöpfung für das Vermarkten der Tiere.

Speziell in der Sauenhaltung gewinnt der Energieverbrauch eine zunehmende Bedeutung. Lüftungssysteme, die hier Einsparungen bewirken, wie Frequenzregler oder der Einsatz von Energiesparventilatoren, sind Standard geworden. Heizsysteme für die Sauenhaltung sind fast ausschließlich auf Warmwassersystemen aufgebaut, da sie am flexibelsten mit unterschiedlichen Energiequellen versorgt werden können. In der Schweinemast bleibt der Einsatz von Gaskanonen zunächst als preiswerteste Lösung, um das Aufheizen mit hohen Leistungen und die kurze drauffolgende Wärmemenge für die Produktion zu sichern.

Als Zuluftsysteme werden für die Mastschweine Schlitzöffnungen über den Versorgungsgängen oder unterschiedliche Rieseldecken eingesetzt. Die Zuluftversorgung erfolgt gegenüber früher wieder sehr häufig über die Traufen der Gebäude. Sie wird in Doppeldecken, die unterhalb der Nagelbinder angebracht werden, im Unterdruckverfahren angesaugt.

Automatisierte Daten

Datenvernetzungen über ISO Agrinet oder spezielle Insellösungen werden weiterentwickelt. Sie erleichtern die Betreuung mehrerer Standorte und automatisieren die Vernetzung von Steuerdaten. Ein starker Drang zu einfachen Bedienungen und logischen Oberflächen ist in der letzten Zeit bei wachsenden Betrieben auf Grund des Einsatzes von Fremdarbeitskräften festzustellen. Hierauf sollten die entwickelnden Firmen in Zukunft verstärkt Wert legen, um Arbeitsabläufe durchführbar und einfach zu gestalten.

Autor: Hans-Heinrich Ellersiek