Hilfe bei der Bestandsführung wird gefördert

Seit dem 1. Januar 2010, mit der allgemein verbindlichen Einführung der elektronischen Kennzeichnung für Schafe und Ziegen, schreibt die Viehverkehrsverordnung mit Umsetzung der „EU-Verordnung Nr. 21/2004“ für Schaf- und Ziegenhalter deutlich umfangreichere Dokumentationspflichten hinsichtlich der Bestandsregisterführung vor. Betroffen davon sind alle Schaf- und Ziegenhalter unabhängig von der Stückzahl gehaltener Tiere und Betriebsform.

Wie war das noch mal mit den Ohrmarken?

Viele der gültigen Vorschriften gelten bereits seit dem 10. Juli 2005, denn alle ab diesem Termin geborenen Schafe und Ziegen mussten spätestens ab einem Jahr mit der amtlichen gelben Doppelohrmarke mit identischer Nummer zur Einzeltierkennzeichnung versehen sein. Zu Lesen darauf ist der immer gleiche Schriftzug der ersten sechs Stellen: DE (Deutschland), 01 (Schaf / Ziege), 05 (Nordrhein-Westfalen), anhand der folgenden acht Ziffern sind die Schafe und Ziegen eindeutig identifizierbar. Das ist alles so geblieben, nur bei Schafen und Ziegen, geboren ab 1. Januar 2010, muss eine der beiden Ohrmarken einen Transponder enthalten. Dieser ist in dem runden Lochteil untergebracht und sollte mit einem der beiden Dornteile in das linke Ohr eingezogen werden. Das ist zwar keine Vorschrift, aber jeder, der schon mal mit einem Handlesegerät (Anschaffung ist kein Muss), welches die Dokumentation ungemein erleichtern kann, gearbeitet hat, weiß es zu schätzen, wenn die elektronische Ohrmarke immer im gleichen Ohr sitzt.

Generell sind Schafe und die Ziegen spätestens mit Ablauf des neunten Lebensmonates zu kennzeichnen. Wenn sie den Betrieb schon vorher verlassen (Zucht- und Schlachtlämmer) und von jemand Anderem übernommen werden, natürlich vor Abgabe. Sie bekommen die gelbe Doppelohrmarke, wenn man weiß, dass der Übernehmer sie weiter als Zuchttiere halten möchte oder es sich um Schlachtlämmer handelt, die ins Ausland (auch anderer EU-Staat) transportiert werden. Sie bekommen die weiße Betriebskennzeichnung, bestehend aus DE, dem Kfz-Kreiskennzeichen und den letzten sieben Ziffern der Registriernummer des Betriebes, wenn sie bis zu einem Alter von unter einem Jahr für die Schlachtung im Inland vorgesehen sind.

Auch hier sind einige Vorschriften schon älter, zum Beispiel Angaben zum Betrieb mit Stichtagsbestand im Teil A, Erstellung von Begleitpapieren, Angaben zum Verbringen von Schafen und Ziegen im Teil B, Meldung des Zugangs von lebenden Schafen und Ziegen an die HIT-Datenbank innerhalb von sieben Tagen. Schon dieses war für Schafhalter eine lästige Pflicht. Was allerdings für alle ab dem 1. Januar 2010 geborenen Schafe und Ziegen gilt, macht die Führung des Bestandsregisters erst richtig aufwändig: die Einführung des Teils C. Das bedeutet die Eintragung aller Tierkennzeichnungen mit den Mindestangaben des Geburtsjahres und Datum der Kennzeichnung (für jedes Tier ist eine Zeile vorgesehen), gegebenenfalls der Ersatzkennzeichnung bei Ohrmarkenverlust. Die Eintragungen sind unverzüglich unmittelbar nach der Ohrmarkenvergabe vorzunehmen. Wenn die Tiere den Bestand verlassen oder verenden, muss ebenfalls die unmittelbare Austragung erfolgen. Ein entsprechender Vermerk ist in der Spalte Bemerkungen vorzunehmen. Der Tod eines bereits im Bestandsregister aufgeführten Tieres ist in der entsprechenden Spalte mit Angabe des Monats und des Jahres anzugeben. Die genannten Vorschriften gelten auch für Lämmer, die im eigenen Bestand geboren und für die Schlachtung im Inland vorgesehen sind, die also mit der weißen gleichbleibenden Betriebsohrmarke gekennzeichnet werden dürfen. Hier reicht allerdings eine Zeile aus, da die entsprechende Stückzahl der Lämmer eingetragen wird. Bei letzteren wird die Ein- und Austragung gegebenenfalls in einem Zuge durchgeführt. Das heißt im Klartext, dass in absehbarer Zeit wirklich alle Schafe des Bestandes im Bestandsregister aufgeführt sein müssen. Die ein- bis dreieinhalbjährigen müssen bereits jetzt dokumentiert sein.

Nachteile und Vorteile

Da dieses in größeren Bestanden einen ernormen Aufwand bedeutet, machen mittlerweile rund 20 Schafhaltungsbetriebe von dem Angebot Gebrauch, ihr laut Viehverkehrsverordnung gefordertes Bestandsregister durch die Schafberatung der Landwirtschaftskammer NRW führen zu lassen. Die Schafbestände mit allen Bestandsbewegungen werden dort in Form einer Datenbank elektronisch geführt. Der Vorteil ist, dass durch diese elektronische Bestandsregisterführung auch ein größerer Schafhalter in die Lage versetzt wird, zum Beispiel im Seuchenfall der zuständigen Behörde zeitnah und zeitraumbezogen Informationen über den Bestand, über Zu- und Abgänge sowie über Abnehmer und Lieferanten zur Verfügung stellen zu können. Des Weiteren sind Übertragungsfehler, die bei den langen Nummern nicht selten sind, ausgeschlossen, da die Datenbank nur auf die tatsächlich zugeteilten Ohrmarkenchargen, die auch in HIT erfasst sind, zurückgreift. Ebenfalls ist die Suche nach Schafen, die aufgrund des Ohrmarkenverlustes eine oder mehrere Ersatzkennzeichnungen erhielten, absolut unproblematisch. Zu guter Letzt hat der Schafhalter immer einen guten Überblick über seinen Schafbestand, es sind auch nützliche Auswertung in Bezug auf Bestandsmanagement möglich. Achtung: die Einhaltung der Viehverkehrsverordnung ist auch Cross-Compliance-relevant. Eine ordentliche Dokumentation wirkt sich bei einer Vorortkontrolle durch die zuständige Überwachungsbehörde immer positiv aus.

Wie sieht die Beihilfe der Tierseuchenkasse NRW aus?

Für Betriebe, die bereits mit der Möglichkeit dieser Dienstleistung liebäugelten, gibt es jetzt eine Entscheidungshilfe. Die Tierseuchenkasse NRW zahlt eine attraktive Beihilfe an die Schafhaltungsbetriebe, die die Schafberatung NRW mit der Bestandsregisterführung beauftragen. Grundsätzlich steht diese Beihilfe allen Schafhaltern in NRW zur Verfügung, die mehr als zehn Schafe halten. Die Erfahrungen der Schafberatung zeigen, dass mit den Beihilfen sowohl die Kosten (deren Abrechnung erfolgt nach Gebührenordnung der Landwirtschaftskammer) für die Ersterfassung eines Bestandes als auch die für nachfolgende Routinearbeiten einschließlich der Bestandsregisterausdrucke in zwei Jahren zu einem großen Teil abgedeckt werden können, entsprechende Qualität der Datenlieferung durch die Betriebe vorausgesetzt. Ein Einstieg in das Projekt ist jederzeit möglich. Wenn eine Ersterfassung des Bestandes bei der Schafberatung NRW bereits erfolgt war, kommen diese Altbetriebe in den Genuss der Beihilfe in den nächsten zwei Jahren (analog Neubetriebe 2. und 3. Jahr).

Um eine Beihilfe zu erhalten, muss der Schafhalter sich gegenüber der Schafberatung verpflichten, für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren folgende Bedingungen einzuhalten:

  • Erfassung aller Altschafe, auch vor dem 1. Januar 2010 geborene, und der nach der Viehverkehrsverordnung kennzeichnungspflichtigen Schafe im Bestandsregister.
  • Regelmäßige Erfassung der Bewegungsmeldungen.
  • Einhaltung der Melde- und Beitragspflicht gegenüber der Tierseuchenkasse.

Die Tabelle

gibt eine Übersicht über verschiedene Beihilfemöglichkeiten für die Bestandsregisterführung in Abhängigkeit von der Bestandsgröße. Selbstverständlich werden die Daten diskret verwaltet und nur dem Schafhalter als Eigentümer der Daten übermittelt. Ein Ziel der Schafberatung ist es, eine weitgehend papierlose Datenerfassung und Bestandsführung zu ermöglichen, ohne dass der Schafhalter EDV-Kenntnisse einbringen muss. Sollte sich das System bewähren, ist als weitere Entwicklungsstufe daran gedacht, für den Schafhalter Bestandsauswertungen durchzuführen und ihm zur Verfügung zu stellen. Es besteht auch die Möglichkeit, eine solche Beratung unter www.schafzucht-nrw.de anzufordern. Dort kann man sich auch über weitere Beratungsangebote des Teams Schafberatung der Landwirtschaftskammer NRW informieren.

Die zwei Beihilfe-Kategorien

  1. Betriebe mit elf bis 100 Tieren erhalten eine einmalige Beihilfe für die Ersterfassung in Höhe von maximal 75 €.
  2. In Betrieben mit mehr als 100 Schafen berechnet sich die Höhe der Beihilfe wie folgt: Im ersten Jahr übernimmt die Tierseuchenkasse von den Kosten der Ersterfassung 105 €. Ab dem 101. Tier wird für jedes Tier zusätzlich 0,35 € gezahlt. Im zweiten und dritten Jahr gibt es eine Beihilfe von 0,40 € pro Tier basierend auf der Stichtagsbestandsmeldung 1. Januar des entsprechenden Jahres an die Tierseuchenkasse.

Kontakt zur Schafberatung

Weitere Informationen erhalten interessierte Schafhalter bei der Schafberatung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Rochus Rupp, Telefon: 02945 989-425, E-Mail: rochus.rupp@lwk.nrw.de. Auskunft gibt es hier auch hinsichtlich etwaiger Besonderheiten der Viehverkehrsverordnung.