Futterwerttabellen für Schafe mit Bedarfsnormen und Vorgaben zur Fütterung
Vorgaben zur Fütterung von Schafen
Die Bewertung der Futtermittel erfolgt beim Schaf zukünftig auf Basis der Umsetzbaren Energie (ME) in der Einheit Mega Joule (MJ). Von der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie stammen die Empfehlungen zur Versorgung mit ME. Ebenfalls dem aktuellen Kenntnisstand angepasst wurden die Empfehlungen mit Rohprotein und Mineralstoffen. Die Ableitung der Richtzahlen wurde von Dr. H. Spiekers, LfL Grub und Prof. Dr. M. Rodehutscord von der Universität Halle vorgenommen. Beim Rohprotein ist der Bedarf für das Wollwachstum berücksichtigt.
Aus der Tabelle 1 sind die Empfehlungen zur Versorgung der Mutterschafe zu entnehmen. Der Bedarf variiert nach der Lebendmasse; je 10 kg Lebendmasse sind ein Zu- bzw. Abschlag von 1,1 MJ ME und 10 g Rohprotein in Ansatz zu bringen.
Unterschieden werden die Leistungsbereiche niedertragend, hochtragend und säugend. Des weiteren beziehen sich die Vorgaben auf 1 oder 2 Lämmer je Mutterschaf. Die höchsten Leistungen werden in der Säugezeit realisiert. Bei einem Lamm wird eine Milchleistung von 1 kg und bei 2 Lämmern von 1,5 kg je Tag in Ansatz gebracht. Ab der 8. Laktationswoche sollte der Bedarf der Lämmer zunehmend über Beifutter im Lämmerschlupf abgedeckt werden. Das Fütterungsniveau der Mutterschafe ist entsprechend zurückzufahren. Die Entwicklung und die Kondition von Muttertier und Lamm lassen sich so entsprechend steuern.
Aus der Tabelle 2 sind die Vorgaben zur Lämmermast ersichtlich. Abgedeckt ist der Bereich von 15 bis 45 kg Lebendmasse mit 200 bis 400 g Tageszunahme. Die anzustrebenden Leistungen von 300 g Tageszunahme und mehr sind nur durch energiereiches Kraftfutter zu erzielen. Alleinfutter sollte der Energiestufe 3 (10,8 MJ ME/kg) entsprechen. Zur Ausschöpfung des Leistungspotentials empfiehlt sich im Alleinfutter ein Rohproteingehalt von 18 % und eine Mineralisierung mit 1 % Calcium, 0,45 % Phosphor und 0,15 % Magnesium und Natrium.
Die Gehalte der gebräuchlichsten Futter an Umsetzbarer Energie (ME), Rohprotein, Rohfaser und Mineralstoffen sind aus der Tabelle 3 ersichtlich. Angeführt sind die Gehalte in Trockenmasse (1.000 g) und in Frischmasse. Bei den Grundfuttern empfiehlt sich gegebenenfalls eine Analyse bei der LUFA. Die Werte für die Mischfuttermittel sind der Deklaration zu entnehmen.
Rationsbeispiel
An einem Rationsbeispiel für säugende Schafe mit 2 Lämmern wird das Vorgehen erläutert.
| Futtermittel | Menge kg |
ME MJ |
Rohprotein g |
Ca* | P* | Na* | Mg* |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Heu, gut | 1,4 | 11,9 | 168 | 6,3 | 4,3 | 0,7 | 2,1 |
| Mischfutter (18/3) | 1,0 | 10,8 | 180 | 8,0 | 4,0 | 2,0 | 2,0 |
| Summe | 2,4 | 22,7 | 348 | 14,3 | 8,3 | 2,7 | 4,1 |
* Ca: Calcium, P: Phosphor, Na: Natrium, Mg: Magnesium
Heu guter Qualität wird satt angeboten. Ergänzend erhalten die Tiere 1 kg Mischfutter der Energiestufe 3 mit 18 % Rohprotein. Die Mineralisierung des Mischfutters liegt bei 8 g Calcium und 4 g Phosphor je kg. Bei entsprechender Ausstattung des Futters mit Vitaminen und Spurenelementen erübrigt sich die weitere Mineralfuttergabe. Werden 1,4 kg Heu je Tag aufgenommen, so werden die Empfehlungen zur Versorgung voll abgedeckt. Die Trockenmasseaufnahme beträgt dann 2,1 kg je Tag.
Anstelle eines Zukaufsfutters kann z. B. folgende Eigenmischung eingesetzt werden, die ebenfalls 10,8 MJ ME und 180 g Rohprotein aufweist:
| Gerste | 730 g | Melasseschnitzel | 780 g | |
| Sojaextraktionsschrot | 240 g | oder | Sojaextraktionsschrot | 200 g |
| Mineralfutter | 30 g | Mineralfutter | 20 g | |
| 1.000 g | 1.000 g |