10. Ökomilchviehtagung 2019
„Klimaanpassung, Weidestrategien und der Umgang mit Kälbern“ waren die zentralen Themen der 10. Ökomilchviehtagung, die Anfang Dezember zweitägig im VBZL Haus Riswick stattfand und zahlreiche Betriebsleiter, Fachberater und Fachschüler nach Kleve lockte. Zunächst wurden die Auswirkungen des Klimawandels in NRW auf die Landwirtschaft beschrieben. Ein Rückblick auf die beiden vergangenen Dürrejahre 2018/19 ließ den Ernst der Lage auf Grünland und im Futterbau, bei Kleegras und Luzernegras sowie die Auswirkungen während dieser Jahre auf die Gesundheit bei Milchkühen und Rindern besorgniserregend erkennen. Mit Blick auf Auflagen und Genehmigungen wurden moderne Bewässerungssysteme und – methoden vorgestellt. Praktikerberichte aus verschiedenen Regionen NRW’s zur Bewirtschaftung unter witterungsextremen Bedingungen rundeten diese aktuelle Thematik ab.
Muttergebundene Kälberaufzucht, Obsalim-Methode und Kälberweide
Von der Praktikerin und Pionierin Mechthild Knösel vom Hofgut Rengoldshausen in Überlingen wurde das Verfahren der muttergebundenen Kälberaufzucht sehr anschaulich und praxisnah beschrieben. Alle säugenden Mütter würden generell zusätzlich gemolken. Sehr offen sprach sie über Vor- und Nachteile, wie etwa einerseits der überaus stabilen Tiergesundheit, der sehr zeitigen Grundfutteraufnahme durch Nachahmung der Mutter, des auffallend rücksichtsvollen Sozialverhaltens und Integrationsvermögens in der Herde, gänzlich fehlende Stresssituationen während der 12 bis 16-wöchigen Aufzuchtphase mit kontinuierlichem Abstetzmodus, überaus guten Zuwächsen (Tageszunahmen bis 1.500 g/Tier/Tag) ohne Wachstumseinbrüche auch nach dem Absetzen sowie andererseits des hohen Vollmilcheinsatzes (1.000 – 1.600 kg geringere Milchablieferleistung je Kuh und Jahr) während der Aufzuchtphase. Es handelt sich also um ein sehr kostenintensives Verfahren mit vielen Vorteilen. Die „Obsalim-Methode“ wurde vom französischen Tierarzt Dr. Bruno Giboudeau für Wiederkäuer entwickelt. „Obsalim“ steht für „observation d’alimentation“, also die Beobachtung der Fütterung. Äußerlich sichtbare Merkmale am Tier lassen differenzierte Rückschlüsse auf Fütterung, Futterverwertung sowie Stoffwechsellage ableiten.
Eindrucksvoll demonstrierte die Referentin in der Praxis des Ökobetriebes die „Obsalim-Methode“ anhand von Karten mit beschriebenen Symptomen und Punktewertungen für verschiedene Kriterien, wie Energieversorgung oder Pansenstabilität.
Mehrjährige Versuchsergebnisse aus dem Ökobetrieb Haus Riswick zur Kurzrasenweide mit Kälbern mit und ohne Zufütterung im Stall wurden vorgestellt und diskutiert. Ergänzend berichtete ein Praktiker aus Sachsen über Erfahrungen mit der Kälberweide ab 2. Lebenswoche in Großraum-Iglus.