Wintergetreide als Ganzpflanzensilage (GPS): Ergebnisse der Landessortenversuche 2026

Der Anbau von Wintergetreide zur Nutzung als Ganzpflanzensilage (GPS) hat in Nordrhein-Westfalen bisher nur geringe Bedeutung. Dies könnte sich ändern, wenn einerseits der so genannte „Maisdeckel“ für Biogasanlagen stärker wirkt und andererseits die immer häufiger werdenden Hitze- oder Trockenphasen dazu führen, dass Mais als Futtermittel oder Gärsubstrat keine sicheren Erträge mehr erzielt.
Getreide statt Mais?
Die diesjährigen GPS-Bestände präsentierten sich über die Saison hinweg eher unterdurchschnittlich und litten erst unter der geringen Wasser- und Nährstoffversorgung zu Vegetationsbeginn und dann unter der kühl-feuchten Witterung bis in die erste Junihälfte. Die anschließende Hitzephase führte zu einer raschen Abreife, die nur ein enges Zeitfenster für eine optimale GPS-Ernte bei möglichst 30-35% Trockensubstanzgehalt ließ. Da zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen war, wie hoch die diesjährigen Ernteverluste beim Mais ausfallen werden, wurden überwiegend nur solche Bestände als GPS beerntet, die bereits zur Aussaat für eine Ganzpflanzennutzung geplant waren. Dies könnte sich in der nächsten Saison ändern, wenn sich die Futter- oder Substratsilos bis Ende des Jahres nicht ausreichend füllen.
Ergebnisse der Landessortenversuche 2026
Die nordrhein-westfälischen Landessortenversuche zur GPS-Nutzung von Wintertriticale und -roggen wurden wie in den Vorjahren auf Haus Riswick (Pfalzdorf), Haus Düsse (Ostinghausen) und in Greven angelegt. Die Versuche entwickelten sich überwiegend zufriedenstellend, reiften nach der Hitzephase in der zweiten Junihälfte aber so schnell ab, dass die Ernte fast immer einige Tage zu spät erfolgte.
Die durchschnittlichen Trockenmasseerträge lagen in den Versuchen mit Wintertriticale bei 129,4 dt/ha (51,4% TS) auf Haus Riswick, 156,1 dt/ha (47,7% TS) auf Haus Düsse und 121,1 dt/ha (37,6% TS) in Greven. Entsprechend wurden im Winterroggen durchschnittliche Erträge von 146,2 dt/ha (43,9% TS) auf Haus Riswick, 162,1 dt/ha (46,4% TS) auf Haus Düsse und 126,4 dt/ha (41,1% TS) in Greven erzielt.
Die nordrhein-westfälischen GPS-Versuche werden für die länderübergreifende Auswertung um weitere Ergebnisse aus Niedersachsen ergänzt. Geprüft wurden je 5 Wintertriticale- und Winterroggensorten.
Wintertriticale als GPS
Wintertriticale erzielt durchschnittlich etwas höhere Trockenmasseerträge als Winterroggen. Dies gilt pauschal allerdings nur für die „echten“ GPS-Typen und einige stärker „roggenbetonte“ Körnersorten. Diese zeichnen sich meist durch eine zügige Pflanzenentwicklung und hohe Pflanzenlänge aus.
Tender PZO erzielt als langjährig geprüfte GPS-Sorte überdurchschnittliche Erträge, erfordert aufgrund der etwas geringeren Standfestigkeit und nur mittleren Blattgesundheit allerdings einen angepassten Pflanzenschutzeinsatz. Betriebe die gezielt eine Ganzpflanzennutzung anstreben sind mit der Sorte nach wie vor gut beraten. Tender PZO zählt zu den tendentiell etwas späteren GPS-Sorten.
Lumaco hat sich langjährig als Sorte zur Körnernutzung bewährt, erzielt als Ganzpflanzensilage aber nur leicht unterdurchschnittliche Erträge. Die Sorte ist im Vergleich zu den meisten „echten“ GPS-Sorten ausreichend standfest und darüber hinaus resistent gegenüber Gelb- und Braunrost. Lumaco zählt bei GPS-Nutzung zu den kürzeren Sorten. Kritisch zu bewerten ist vor allem die geringe Winterhärte.
Allrounder PZO ist nach Angaben des Züchters sehr flexibel sowohl als GPS als auch zur Grünschnitt- oder Körnernutzung geeignet. Die Sorte ist etwas früher und kürzer als Tender PZO und insgesamt deutlich gesünder gegenüber Gelb- und Braunrost, hat allerdings eine Schwäche gegenüber Mehltau. Die zu erwartenden Erträge bei Körnernutzung sind unterdurchschnittlich.
Bicross überzeugt auch im zweiten Prüfjahr mit Trockenmasseerträgen mindestens auf dem Niveau der „echten“ GPS-Sorten. Darüber hinaus ist die Sorte relativ standfest und gesund gegenüber Gelb- und Braunrost. Schwächen sind die durchschnittliche Anfälligkeit gegenüber Mehltau und die geringe Winterhärte. Als Körnersorte erzielt Bicross auf besseren Standorten durchschnittlich hohe Erträge.
Elephantus PZO wird hauptsächlich zur Grünschnittnutzung vermarktet, erzielt aber auch als GPS-Sorte zufriedenstellende Erträge, vor allem auf besseren Standorten. Die Sorte ist insgesamt gesund, bei später Nutzung allerdings relativ lageranfällig. Saatgut ist nur noch aus dem Vorjahr erhältlich.
Winterroggen als GPS
Winterroggen ist auch für schwächere Standorte geeignet und darüber hinaus deutlich winterhärter als die meisten Wintertriticalesorten. Bei der Sortenwahl erzielten „echte“ GPS-Typen durchschnittlich etwa 5-10% höhere Trockenmasseerträge als Sorten, die eigentlich für die Körnernutzung bestimmt sind.
SU Karlsson zählt aktuell zu den wichtigsten Sorten für die Körnernutzung, erzielt aber auch als GPS mehrjährig durchschnittliche Erträge. Gegenüber den „echten“ GPS-Typen ist die Sorte durchschnittlich etwas standfester und weniger anfällig für Braunrost.
SU Erling kann vor allem als Körnersorte überzeugen, erreicht aber auch in den GPS-Versuchen ein gutes Ertragsniveau, obwohl die Sorte eigentlich als relativ kurz beschrieben wird. Positiv zu bewerten sind die gute Standfestigkeit und Strohstabilität, besonders da GPS-Bestände oft mit einem reduzierten Wachstumsreglereinsatz geführt werden. Die etwas höhere Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn wirkt sich bei GPS-Nutzung nicht negativ aus, wenn die Ernte rechtzeitig erfolgt.
KWS Proaktivor ersetzt zur kommenden Aussaat die ältere GPS-Sorte KWS Progas. Die Sorte erreicht eine sehr hohe Pflanzenlänge und etwa 5-10% höhere Trockenmasseerträge als die meisten Sorten zur Körnernutzung. Gegenüber KWS Progas wurde bei KWS Proaktivor vor allem die Blattgesundheit verbessert. Die nur geringe Standfestigkeit sollte gegebenenfalls durch einen Wachstumsreglereinsatz abgesichert werden, selbst wenn sich dieser potentiell negativ auf den Ertrag auswirkt.
Die ebenfalls zur GPS-Nutzung geprüfte Sorte KWS Emphor ist für hohe Trockenmasseerträge zu kurz und weniger wüchsig als die vorgenannten Sorten und wird daher nicht für die GPS-Nutzung empfohlen.
Fazit
Auch wenn „echte“ GPS-Sorten durchschnittlich etwas höhere Trockenmasseerträge erreichen, bietet es sich für vor allem für viehhaltende Betriebe an, eine Sorte anzubauen, die auch für die Körnernutzung geeignet ist. Diese ermöglichen es noch während der Saison zu entscheiden, welches Ernteprodukt im Betrieb oder am Markt eher benötigt wird und den höheren wirtschaftlichen Erlös erwarten lässt.
- Tabellen: Wintergetreide als GPS - Ergebnisse der Landessortenversuche 2026
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