Breit aufgestellt und sehr praxisbezogen - Interview mit Schulleiter Dr. Wilhelm Wehren

Dr. Wilhelm Wehren
Dr. Wilhelm Wehren. Foto: Dr. Elisabeth Legge, LZ Rheinland

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wartet bei ihren Fachschulen mit einem besonderen Angebot auf: Sie bietet in Kleve eine Fachschule Agrarwirtschaft mit dem Schwerpunkt Ökologischer Landbau an. Über die „Ökoschule“ sprach die LZ mit Dr. Wilhelm Wehren, dem Leiter der Fachschulen für Agrarwirtschaft in Kleve.

LZ: Herr Dr. Wehren, seit wann gibt es die Ökoschule in Kleve und warum wurde überhaupt ein spezielles Schulangebot für den Ökologischen Landbau geschaffen?

Dr. W. Wehren: Unsere Ökoschule hier in Kleve gibt es seit 1996. Entstanden ist sie durch die Anregung eines Landwirts, der hier am Niederrhein einen Ökobetrieb bewirtschaftet. Dieser Landwirt hat den Vorschlag gemacht, eine Schule speziell für den ökologischen Bereich einzurichten. Die Idee ist damals von einigen unserer Lehrer aufgegriffen worden und es wurde dann ein Konzept für eine solche Fachschule entwickelt. Und ich denke, dieser Schritt hin zu einer Fachschule speziell für den Ökolandbau war und ist richtig. In der Vergangenheit hat es auf Grund der Spardiskussion in der Kammer immer wieder Überlegungen gegeben, ob man wirklich eine spezielle Fachschule für den ökologischen Landbau braucht. Der ökologische Landbau ist jedoch wesentlich breiter aufgestellt als die konventionelle Landwirtschaft und orientiert sich an Gesamtkreisläufen. Von daher macht also ein spezielles Schulangebot dafür Sinn.

LZ: Was ist denn das Besondere an der Ökoschule?

Dr. W. Wehren: Das Besondere ist ein separates Angebot speziell für den Ökologischen Landbau. Dies bieten wir mit unserer Fachschule. Und wir sind damit eine von nur zwei Ökoschulen in Deutschland überhaupt. Die andere Ökoschule, mit der wir übrigens eng zusammenarbeiten, gibt es in Landshut-Schönbrunn in Bayern. Das Besondere an der Ökoschule ist darüber hinaus ein im Vergleich zur konventionellen Fachschule Agrarwirtschaft wesentlich stärkerer Praxisbezug. Es werden deutlich mehr Projektarbeiten durchgeführt, die praktisch vor Ort umgesetzt werden. Ermöglicht wird dies durch unseren eigenen Ökobetrieb hier in Haus Riswick mit Milchvieh und Ackerbau. Darüber hinaus gibt es aber auch eine sehr enge Zusammenarbeit mit Ökobetrieben in der Umgebung.

LZ: Was hat denn die Ökoschule zu bieten? Welche Fächer stehen auf dem Stundenplan?

Dr. W. Wehren: Die Ökoschule bietet zwei Jahre Vollzeitunterricht mit den Fächern ökologischer Acker- und Pflanzenbau sowie ökologische Tierhaltung. In diesen Bereich fließen dabei im Vergleich zum konventionellen Bereich mehr noch die Kleintiere wie Schafe, Ziegen und Geflügel ein. Weitere Fächer sind Energienutzung und Bauen, Agrar- und Umweltrecht, aber auch Unternehmensführung und Marketing. Die Schüler können sich darüber hinaus für verschiedene Wahlfächer entscheiden, wie Obst- oder Gemüsebau, aber auch Lebensmittelverarbeitung und EDV. Weiterhin bieten wir auch praktische Lehrgänge an, wie die Verarbeitung von Milch oder die Honigproduktion.

LZ: Und wie ist die Resonanz auf die Ökoschule? Wie haben sich die Schülerzahlen seit Beginn der Ökoschule bis heute entwickelt?

Dr. W. Wehren: Die Ökoschule ist mit 16 Schülern im ersten Jahr gestartet. Die Zahl der Schüler ist in den darauf folgenden Jahren weitgehend konstant geblieben und lag immer im Bereich von 14 bis 16 Schülern. Die Fachschule für Agrarwirtschaft mit Schwerpunkt Ökologischer Landbau war viele Jahre lang einjährig mit jeweils einer Unter- und einer Oberstufenklasse. Im vergangenen Jahr haben wir auf die zweijährige Fachschule umgestellt. Diese wird von insgesamt 30 Schülern besucht, die auf zwei Klassen aufgeteilt sind.

LZ: Aus welchen Regionen kommen die Schüler? Wie groß ist der Anteil der Schüler, die nicht aus der Landwirtschaft kommen?

Dr. W. Wehren: Die meisten unserer Schüler kommen aus Nordrhein-Westfalen. Dies sind meist 30 bis 50 % der Schüler. Die übrigen kommen dagegen aus ganz Deutschland. Im Vergleich zur konventionellen Fachschule Agrarwirtschaft ist der Anteil der Schülerinnen mit bis zu 50 % je nach Jahrgang relativ hoch. Der Anteil der Quereinsteiger, die also nicht direkt aus der Landwirtschaft kommen, liegt bei 60 bis 70 %. Viele Schüler der Ökoschule haben auch teilweise schon andere Berufe ausgeübt. Etwa 30 % der Schüler kommen von einem Ökobetrieb. Und bis auf wenige Ausnahmen haben eigentlich alle unsere Ökoschüler auch ihre Ausbildung auf einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb gemacht.

LZ: Wie sieht es nach dem Schulbesuch aus?

Dr. W. Wehren: Etwa 90 %unserer Schulabsolventen gehen auf landwirtschaftliche Betriebe, das heißt überwiegend Ökobetriebe, und etwa 10 % gehen in den Bereich Handel und Beratung. Dabei nimmt die Anzahl der Absolventen, die zurück auf den eigenen Betrieb gehen, immer stärker zu. Etwa 30 % der Absolventen unserer Ökoschule kommen von einem Betrieb und gehen dahin auch häufig zurück – entweder direkt nach dem Schulbesuch oder einige Jahre später. Auffallend bei den Absolventen ist, dass im Vergleich zu den Schülern der konventionellen Fachschule, auch hin und wieder Schüler dabei sind, die einen neuen Betrieb gründen oder zusammen mit anderen Betriebsgemeinschaften gründen, wo sie beispielsweise mit Behinderten arbeiten.

LZ: Die Ökoschule wird neuerdings als zweijährige Fachschule angeboten. Bleibt es bei diesem zweijährigen Fachschulangebot und wann kann man sich wieder zur Ökoschule anmelden?

Dr. W. Wehren: Ja, es bleibt beim zweijährigen Turnus. Es hat hierzu ein Gespräch mit der Leitung der Kammer und den Ökoverbänden in Nordrhein-Westfalen gegeben. Dabei ist man überein gekommen, die Fachschule weiterhin zweijährig anzubieten, und zwar unabhängig von der Schülerzahl. In jedem Fall wird im August kommenden Jahres wieder die zweijährige Fachschule angeboten. Anmeldungen hierzu sind ab sofort bis zum 28. Februar 2010 bei uns möglich. Aufnahmevoraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Grünen Beruf, zum Beispiel Landwirt oder Gärtner. Wer möchte, kann sich auch gerne vor Ort ein Bild von unserer Schule und ihrem Angebot machen und am 27. November den Tag der offenen Tür besuchen.

Das Interview führte für die LZ Dr. Elisabeth Legge, veröffentlicht in der LZ Rheinland, Ausgabe 46, 12. November 2009.