Frühjahrsdüngung




Auf die Stickstoffeffizienz kommt es an
Die neue Düngesaison steht an. Die Winterungen wurden etabliert und müssen zuerst mit den notwen-digen Nährstoffen versorgt werden – allem voran mit Stickstoff (N). Die Marktsituation ist größtenteils jedoch herausfordernd, sodass Stellschrauben zur Optimierung notwendig sind. Es soll wirtschaftlicher sein und gleichzeitig ein umweltgerechter und effizienter Nährstoffeinsatz herauskommen. Oberstes Ziel: Die geplante N-Menge so in die Pflanze zu bringen, dass sie diese bestmöglich in Ertrag und Qualität umsetzen kann.
Großer Anteil bei Produktionskosten
N ist neben Kali der Pflanzenhauptnährstoff, der in der größten Menge benötigt wird. Beim Absatz der statistisch erfassten Hauptnährstoffen N, Phosphat, Kali und Kalk über Handelsdünger nimmt N zuletzt einen Anteil von 75 % bei den Ausgaben ein. Danach folgen Kali mit 12%, Phosphat mit 8 % und Kalk mit 5 %, siehe Grafik 1.
Bei der Berechnung von Deckungsbeiträgen ergaben sich in den letzten zwei Jahren anteilige Düngekosten – berechnet nach Nährstoffentzügen unter Berücksichtigung der marktgängigen Düngepreise der jeweiligen Jahre – von über 30 % an den variablen Kosten. Damit wird die betriebswirtschaftliche Bedeutung der Düngung für die Betriebe offensichtlich.
N gilt als Motor des Wachstums und beeinflusst außerdem maßgeblich die Qualität des Ernteprodukts. Daher gilt es, insbesondere diesen Nährstoff bedarfsgerecht zum richtigen Zeitpunkt verfügbar zu machen. Andererseits zählt N zu den umweltrelevanten Nährstoffen, der das Grund- und Oberflä-chenwasser mit Nitrat (NO3-) belasten kann oder auch in Form von Lachgas (N2O) und Ammoniak (NH3) klimaschädlich ist. Entsprechend wird N in der Düngeverordnung (DüV) im besonderen Maß geregelt und der Anwender ist zu einem bedarfsgerechten Umgang angehalten.
Preisanstiege am Düngemarkt
Ein Blick auf die Preise für (N-)Dünger der letzten Jahre zeigt, dass sich seit Mitte 2023 ein mehr oder weniger über alle Nährstoffe hinweg konstantes Preisniveau entwickelte – wenn auch nicht auf dem Niveau wie vor dem Ukrainekrieg. Unberücksichtigt davon sind die jahreszeitlichen Schwankungen durch Angebot und Nachfrage vor und während der Düngesaison. Seit Mitte 2025 nehmen jedoch neue politische Entscheidungen Einfluss auf den Düngemarkt, sodass die Preise zuletzt wieder etwas stiegen. Seit Mitte letzten Jahres werden Strafzölle auch auf russische N-Dünger gelegt. Das ist relevant, da die Importmengen aus Russland neben denen aus Ägypten die höchsten sind, die in die EU eingeführt werden. Zusätzlich wurden Höchstmengen für Importware festgelegt. Insgesamt werden bislang etwa 35 bis 40 % der N-Düngermengen in die EU importiert.
Weitere Effekte
Die zweite große Veränderung ist die Einführung einer CO2-Grenzsteuer durch den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) auf in die EU importierte Düngemittel. Gemäß den Einschätzungen der niederländischen Rabobank ist aufgrund des CBAM-Effekts unmittelbar von einer Preissteigerung von 10 bis 20 % bei N und bis zu 5% bei Diammonphosphat zu rechnen. Bislang wirkten sich die Effekte auf die Düngemittelpreise nur moderat aus. Denn der Euro ist derzeit sehr stark, was Importware günstig macht. Außerdem sind die Erdgaspreise zurzeit deutlich günstiger als in den letzten Jahren. Aufgrund der sehr niedrigen Erzeugerpreise war bis Mitte Januar noch eine deutliche Zurückhaltung bei den Düngekäufen zu verzeichnen. Doch je näher die Düngesaison rückt, desto mehr ist von einem kaufbedingten Preisanstieg auszugehen. Trotz bislang nur geringfügig gestiegener Preise gegenüber den beiden letzten Düngesaisons, ist die Düngung ein teurer Produktionsfaktor. Somit muss der Nährstoffeffizienz in der gesamten Kette – angefangen bei der Beschaffung, Lagerung und Ausbringung – eine immer größere Bedeutung bei-gemessen werden.
Blick auf die Erlösseite
Die Märkte für Getreide und Raps lassen bisher nicht auf eine Preissteigerung hoffen, um die steigenden Produktionskosten zu kompensieren. Die niedrigen Erzeugerpreise haben bereits in den letz-ten zwei Jahren die Deckungsbeiträge stark geschmälert. Aus Mangel an Alternativen setzen Landwirte oft weiter auf die klassischen Kulturen. Das statistische Bundesamt (Destatis) hatte zuletzt eine Ab-schätzung der Herbstaussaaten vorgenommen und für NRW eine Zunahme von +4,5 % an Winterge-treide gegenüber dem Vorjahr berechnet. Die niedrigen Preise veranlassen jedoch dazu, dass ein sehr bewusster Umgang mit den Betriebsmitteln, darunter Düngemittel, stattfinden muss.
Aufgrund der in NRW kaum vorhandenen, durchschnittlichen Preisdifferenz zwischen Brot- und Futterweizen sollte zumindest der Anbau von Qualitätsweizen kritisch bedacht werden. Um die notwendigen Qualitäten, insbesondere die entsprechenden RP-Gehalte erzielen zu können, sind neben der Sortenwahl eine ausgewogene Pflanzenernährung und ein gutes N-Management unerlässlich.
Im Vergleich zum Wintergetreide blieb der Preis bei Körnerraps kontinuierlich hoch, was einige Betriebe zur Ausdehnung der Anbaufläche veranlasste. Gemäß Destatis wurde die Fläche in NRW um fast 15 % ausgedehnt. An der Euronext wurden im letzten Jahr kontinuierlich über 450 €/t geboten. Damit ist Raps derzeit eine der lukrativeren Winterungen, bei der es sich lohnt, diese auch mit einer Düngung – wo erlaubt – in Höhe des ökonomischen Optimums zu hohen Erträgen und Qualitäten zu führen.
Ausgangsbedingungen zur Startdüngung
Aufgrund der günstigen Herbstwitterung wurden Wintergetreide und -raps an den meisten Standorten fristgerecht ausgesät und konnten sich gut etablieren. Eine erste Kältephase unter Hochdruckeinfluss brachte in der vorletzten Novemberwoche 2025 landesweit die ersten Fröste. Diese waren insofern förderlich, dass die Winterungen abhärten konnten, die Vegetationsruhe eintrat und spätere Frostperioden schadlos überstanden werden können. Positiv beeinflusst wird die Frosttoleranz zudem durch eine gute Nährstoffversorgung an Kalium und Magnesium. Für die Ende Dezember 2025 und Anfang Januar 2026 vorherrschende Kälteperiode waren die Pflanzen somit abgehärtet und eine Auswinterung oder sonstiger Kälteschäden werden unwahrscheinlicher.
Während der aktuellen Sickerwasserperiode gab es an repräsentativen Wetterstationen in den Ackerregionen bislang weit unterdurchschnittliche Niederschlagssummen von -25 %, Stand Mitte Januar. Somit kann wenig an mobilem Nitratstickstoff und anderen mobilen Nährstoffen – wie Sulfatschwefel, Kalium oder Bor – aus dem durchwurzelbaren Raum verlagert oder ausgewaschen werden. Mit dem Effekt: Die berechneten Düngebedarfe werden durchschnittlich oder sogar geringer ausfallen –eine positive Nachricht hinsichtlich des teuren Produktionsfaktors N-Dünger.
Nmin-Niveau überdurchschnittlich
Aus den Auswertungen des Nitratdienstes von Januar 2026 geht hervor, dass unter den Referenzflächen, die mit Wintergetreide bestellt sind, durchschnittlich 58 kg Nmin/ha vorliegen. Das ist im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt seit 2009 ein Plus von 10 kg Nmin/ha beziehungsweise 17 %. In den beiden obersten Bodenschichten von 0 bis 60 cm, aus der sich die Kulturen zuerst bedienen, liegen derzeit als kleines Polster knapp 20 kg Nmin/ha vor.
Auch die Nmin-Richtwerte für die Winterungen 2026 fallen tendenziell höher aus als das langjährige Mittel. Um mögliche Einsparpotenziale aufzudecken und eine bedarfs- und umweltgerechte Düngung zu realisieren, ist es jedoch empfehlenswert, eine eigene repräsentative Nmin-Probe für seine Schläge und Kulturen zu ziehen.Da die Kulturen mit entsprechenden mineralischen N-Vorräten versorgt zu sein scheinen, ist eine erhöhte Andüngung in vielen Fällen nicht notwendig. Für die Wintergetreidearten empfiehlt sich für viele Standorte eine Startdüngung von etwa 60 bis 70 kg N/ha. Die Menge für die verbleibende Düngung kann dann im Hinblick auf die Entwicklung der Märkte sowie dem Witterungsverlauf und der Bestandsentwicklung angepasst werden.
Mineraldünger einsparen
Viele Bestände werden anteilig mit flüssigen Wirtschaftsdüngern versorgt. Unter den ökonomischen Rahmenbedingungen sind diese, insbesondere bei eigener Tierhaltung oder dem Vorhandensein einer BGA, ein kostengünstiger Mehrnährstoffdünger, der die Kulturen und den Boden mit N und anderen Makro- und Mikronährstoffen sowie organischer Substanz versorgt.
Hinsichtlich der N-Effizienz sind die Winterungen allesamt Kulturen, die eine kurze Vegetationszeit aufweisen. Von ihnen kann der mit Gülle oder Gärrest applizierte N somit nur anteilig genutzt werden. Hauptsächlich düngewirksam wird der enthaltene Ammoniumstickstoff, den es bestmöglich zur Wirkung zu bringen gilt. Dazu zählt es, bei verlustarmer Witterung zu fahren, also bei niedrigen Tempera-turen, keiner Sonnenstrahlung, keinem Wind und vor oder während Niederschlägen.
Auf bestelltem Ackerland ist der Schleppschlauchverteiler gemäß Düngeverordnung der Mindeststandard, bei dem die Ammoniakverluste bereits deutlich reduziert werden. Die Dünger sollten gut in den Boden infiltrieren können oder von vornehinein mit Hilfe von injizierenden Applikationsgeräten, wie dem Schleppschuhverteiler oder Scheibeninjektor, ausgebracht werden. Da Wirtschaftsdünger keine standardisierten Dünger sind, schwanken die Nährstoffgehalte sehr stark.
Die Landwirtschaftskammer NRW veröffentlicht zwar Richtwerte zu den jeweiligen organischen Düngemitteln und kommt so den Anforderungen des Düngerechts nach, doch die Richtwerte sind nur die Durchschnittsgehalte vieler Untersuchungsergebnisse.
Die Abweichungen der Nährstoffgehalte eigener Gülle und Gärreste können enorm sein. Daher kann es zu eine Über- oder Unterdüngung kommen, was die Umwelt belasten kann oder die Gefahr erzeugt, weit vom ökonomischen Optimum entfernt gedüngt zu haben. Auch wenn derzeit der Vollzug bei den verschärften Auflagen die nitratbelasteten und eutrophierten Gebiete betreffend bis auf Weiteres aussetzt, wird dringend angeraten, eine eigene repräsentative Analyse vorzunehmen, um bedarfsgerecht zu düngen und so Mineraldünger einzusparen.
Gezielt zu Getreide und Raps düngen
Wintergetreide und Winterraps erlauben aufgrund ihrer hohen Flexibilität bei N-Düngungsterminen einen gezielten Einsatz von Gülle. Je nach Betrieb und Befahrbarkeit der Flächen kann die Gülle als Start- oder Anschlussgabe sowie für beide Gaben kombiniert genutzt werden.
Beim Raps ist die zeitige Nährstoffversorgung aufgrund des frühen Wachstums entscheidend. Während auf schweren Böden frühe Termine vor Vegetationsbeginn möglich sind, empfiehlt sich auf leichten Standorten eine Düngung kurz vor Wachstumsstart, um Verluste zu minimieren. Die übliche Aufteilung von 60 % Start und 40 % Schossen kann flexibel angepasst werden. Ist der Boden zu Beginn nicht befahrbar, kann eine mineralische Startgabe mit einer späteren, hohen Güllegabe kombiniert werden – oder umgekehrt. Eine Einmalgabe ist möglich, schränkt jedoch die Reaktionsfähigkeit auf den Vegetationsverlauf ein.
N-Mineralisierung
Die N-Nachlieferung ist witterungsabhängig: Bei feuchtwarmer Witterung wird viel, bei Kälte und Trockenheit wenig N mineralisiert. Damit unterliegt die Freisetzung von N aus aktuellen Güllegaben den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie diejenige aus dem Bodenvorrat. Damit sich daraus keine unkalkulier-baren Risiken ergeben, wird beim Getreide besonders auf organisch versorgten Standorten die Anlage eines Düngefensters empfohlen. Viele Betriebsleiter schaffen es, die Getreide- und Rapsbestände auch mit hohen Gülleanteilen gezielt zu führen. Voraussetzung: verlustarme Ausbringung, gute Verteilung und Mengenbemessung sowie sorgfältige Beobachtung der Pflanzenbestände.
Schwefel fördert N-Effizienz
Aufgrund der kaum vorhandenen Schwefeleinträge über die Luft von weniger als 10 kg/ha*a und der großen Bedeutung des Nährstoffs bei der N-Ausnutzung sollte Winterraps mit der N-Düngung auch der Schwefeldüngebedarf von 30 bis 40 kg/ha mittels sulfathaltigen Düngers appliziert werden. Au-ßerdem ist Raps eine sehr Bor-bedürftige Kultur, weshalb die Nährstoffversorgung damit auch sichergestellt werden sollte, um die Kultur zu sicheren Erträgen zu führen.
Aber auch für die Getreidearten ist eine ausreichende Schwefelversorgung essenziell. Aufgrund der Preissituation bei Getreide scheint es vielleicht auf den ersten Blick nicht sinnvoll, in teuren Schwefeldünger zu investieren. Ein tatsächlicher Schwefel-Düngebedarf kann durch eine Untersuchung der Bodenprobe auf den Smin-Gehalt zu Vegetationsstart aufgedeckt werden. Durch die geringen Nieder-schläge in den Wintermonaten ist neben erhöhten Nmin- auch mit erhöhten Smin-Werten zu rechnen. Eine ausreichende Versorgung an pflanzenverfügbarem Schwefel sollte zur Erreichung hoher N-Effizienzen unbedingt gewährleistet werden.
Im Hinblick auf eine ausgewogene Nährstoffversorgung sollten auch der Gehalt von Mikronährstoffen im Boden und der pH-Wert bekannt sein. Ist die Verfügbarkeit aufgrund dessen eingeschränkt, sollte zumindest mit einem kostengünstigen Mehrnährstoff-Blattdüngerprodukt gegengesteuert werden, das meist auch mit Pflanzenschutzmischungen kombiniert ausgebracht werden kann nach jeweiligen Herstellerangaben.
Ziel ist nicht der Höchstertrag
Auch, wenn N als Motor des Wachstums bezeichnet wird, sollte man bei der Bemessung der N-Gaben nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ handeln. Es sollte eher das ökonomische Optimum das Ziel sein. Das ist dann erreicht, wenn der Ertragszuwachs, der mit einer Steigerung der Düngermenge realisiert werden kann, gerade noch ausreicht, um die steigenden Düngungskosten abzudecken. Dieser Grund-satz gilt für Mineraldünger gleichermaßen wie für Gülle.
N-Steigerungsversuche
Um das optimale N-Angebot zu ermitteln, werden von der Landwirtschaftskammer NRW auf verschiedenen Standorten regelmäßig N-Staffelversuche durchgeführt. Mit Hilfe der Steigerung des N-Angebots durch eine N-Düngestaffel kann eine Ertragsfunktion erstellt werden, wie Grafik 2 zeigt. Somit lässt sich feststellen, bei welchem N-Angebot, welcher Ertrag in den Versuchen erzielt wurde.
Um das Standortpotenzial, also den mineralischen N-Vorrat zu Vegetationsstart und N-Nachlieferung während der Vegetationszeit, herauszufinden, gibt es eine Variante, in der keine N-Düngung erfolgt, die sogenannte Kontrolle. Hier hat die Kurve ihren Ursprung. Wie in der Grafik auch zu sehen ist, führt ein zu hohes N-Angebot wiederum zu geringerem Ertrag, etwa durch Zunahme an Krankheiten oder Lagerbildung.
Die grüne lineare Funktion stellt die N-Düngung dar, die man auf sich nehmen muss, um eine bestimmte Ertragsmenge zu erwirtschaften. Der Düngungsaufwand nimmt mit steigendem N-Angebot zu – der Einsatz wird ineffizienter. Zusätzlich ist das Verhalten des Rohproteingehalts bei steigendem N-Angebot dargestellt. Die Ergebnisse sind ein N-Staffelversuch in Winterweizen auf Bodenarten mit mittlerer Güte, der von 2012 bis 2020 auf verschiedenen Standorten in NRW durchgeführt wurde. Die Punkte in der Abbildung stellen die Einzelergebnisse dar. Werden keinerlei Kosten berücksichtigt erhält man die reine Produktionsfunktion, hier in Blau zu sehen. Der höchste Kornertrag von rund 98 dt/ha ergibt sich bei einem N-Angebot von etwa 300 kg/ha.
Kostenberechnung und Düngebedarf
Mit zunehmendem N-Angebot steigen die Kosten. Dem gegenüber steht der Erlös. Rechnet man die Kosten und Preise mit ein, so erhält man die um die Kosten bereinigte Ertragsfunktion – in der Grafik rot dargestellt. Im Beispiel wurde mit 1,35 €/kg für N-Dünger und mit einem Erzeugerpreis für Futterweizen von 17 €/dt gerechnet. Der höchste Punkt der Kurve stellt das ökonomische Optimum dar, das hier bei einem N-Angebot von etwa 217 kg/ha vorliegt und einen Kornertrag von rund 79 dt/ha ergibt.
Im Mittel der Standorte und Jahre lag ein Nmin-Angebot von 36 kg/ha vor. Zieht man diesen Wert vom N-Angebot ab, ergibt sich annäherungsweise der optimale N-Düngebedarf. Im Beispiel ergibt sich eine ökonomisch und ökologisch optimale N-Düngemenge von 181 kg/ha. Damit kommt man dem postulierten N-Bedarfswert von 210 kg/ha und zugeordnetem Kornertrag von 80 dt/ha aus der Düngeverordnung für einen C-Weizen sehr nah – nur Nmin unterstellt; keine sonstige Nachlieferung berücksichtigt.
Je nach Preis- und Erlöskonstellation sowie Standort kann sich das ökonomische Optimum allerdings in Richtung proportional steigende Düngerkosten oder proportional steigende Erlöse verschieben. Demnach kann sich somit eine abweichende optimale Düngemenge im Vergleich zum berechneten Wert nach Düngebedarfsermittlung (DBE) ergeben. Grundsätzlich stellt der mit Hilfe der DBE ermittelte Wert die maximal erlaubte Düngemenge dar, an die es sich zu halten gilt. Die Düngeverordnung erlaubt jedoch andere Verfahren, um den Düngebedarf zu bestimmen, sofern die nach DBE ermittelte Höchstmenge nicht überschritten wird. Liegt eine unterschiedliche Kosten-Erlös-Struktur von Brot- gegenüber Futterweizen vor, sollte die Situation am Markt ins Kalkül genommen werden. Bezüglich der zu erzielenden Qualität entscheidet nicht primär die Höhe des N-Angebots, sondern neben der Sorte auch das Düngeregime. Oft lassen sich Erträge mit entsprechenden Qualitäten nur durch eine Qualitätsgabe erzielen.
Autor: Holger Fechner