Nmin-Richtwerte für Winterungen 2022

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Die eigene Nmin-Probe führt am ehesten zu einer Aussage über den Nmin-Vorrat auf der eigenen Fläche

Die Landwirtschaftskammer NRW veröffentlicht hiermit die Richtwerte für die Winterungen in 2022. Für die Auswertung wurden die Nmin-Proben, die seit Mitte Januar vorliegen und bei denen die Angaben zur Bodenart, Kultur und Vorkultur im Auftrag mit angegeben wurden, zugrunde gelegt. Für die Erhebung lagen erst jetzt eine ausreichende Menge an Probenergebnissen vor. Im Februar waren viele Flächen zu nass, um beprobt und gedüngt zu werden, weshalb eine Verzögerung bei der Probenahme stattfand.

Der Nmin-Wert ist der zu Vegetationsstart vorhandene mineralische Stickstoffvorrat im Boden, von dem die Kulturen während der Vegetationszeit neben dem zusätzlich aus der organischen Substanz freigesetzten Stickstoff und dem gedüngten Stickstoff ihr Wachstum und ihre Qualität generieren. Die Gesamtmenge an Nmin bestimmt mit darüber, wie hoch die zu düngende Menge an Stickstoff ausfällt. Die Verteilung des Stickstoffs in den Bodenschichten entscheidet mitunter darüber, welche Düngestrategie der Praktiker wählt.

Die NRW-Richtwerte sind eine von drei Möglichkeiten, den erforderlichen Nmin-Wert bei der zu dokumentierenden Düngebedarfsermittlung (DBE) für Stickstoff anzuwenden. Die DBE sowie der dafür verwendete Nmin-Wert müssen laut Düngeverordnung dokumentiert und sieben Jahre lang aufbewahrt werden. Sie sind außerdem Cross Compliances (CC)-relevant. Seit Mai 2020 muss neben der Ermittlung des Düngebedarfs für Stickstoff und Phosphat auch das Aufbringen von stickstoff- und phosphathaltigen Stoffen dokumentiert werden. Beide Dokumentationspflichten können mit Hilfe des Düngeportals NRW erledigt und nachgehalten werden. Die vorläufigen Richtwerte sowie die Jahres-Richtwerte sind im Düngeportal hinterlegt.

Effizienzsteigerung durch eigene Probe

Die Richtwerte stellen nur einen sehr groben Anhaltspunkt dar, wo in etwa das Niveau des mineralischen Stickstoffgehaltes im Boden in der Schichtung 0 bis 90 cm liegt. Die Werte spiegeln dabei nicht präzise genug wieder, was in den unterschiedlichen Naturräumen von NRW tatsächlich an Stickstoffvorräten vorliegt. Das Bundesland gibt sich bezogen auf die Boden-Klima-Räume sehr heterogen mit sehr unterschiedlichen Verhältnissen. Neben den naturräumlichen Gegebenheiten und der Witterung kommen die unterschiedlichen individuellen Bewirtschaftungsmethoden hinzu, welche den Nmin-Wert zu Vegetationsbeginn beeinflussen. Wegen dieser Konstellationen kann der Nmin- Vorrat auf der eigenen Fläche sehr unterschiedlich ausfallen, weshalb nur eine eigene Nmin-Probe das tatsächliche Niveau darstellen kann. Die eigene Probe sollte repräsentativ erhoben zügig und gekühlt zum Labor gebracht werden. Ein Leitfaden zur Probenahme ist auf der Internetseite der LUFA NRW unter www.lufa-nrw.de zu finden. Für ähnlich bewirtschaftete Schläge innerhalb des Betriebes genügt eine Probe und es kann ein einheitlicher Nmin-Wert bei der DBE angesetzt werden. Die genauen Bedingungen dafür können in einer Tabelle eingesehen werden.

Durch die Anforderungen, die sich aus dem Düngerecht ergeben und den aktuell vorliegenden hohen Kosten für Mineraldünger spielt die Stickstoffeffizienz eine zunehmende Rolle. Der Stickstoffdüngebedarf sollte deshalb möglichst genau erfasst werden. Der Nmin-Wert stellt eine entscheidende Größe bei der DBE dar. Auf den Nitratbelasteten Flächen ist in NRW eine eigene Nmin- Probe zwar nicht verpflichtend, sie ist jedoch angeraten, um insbesondere hier keine ökonomisch ertragswirksame Stickstoffdüngemenge zu verschenken, bzw. eine unnötige Überdüngung herbeizuführen.

Anrechnung grundsätzlich bis 90 cm und kulturspezifische Probenahmezeiträume

Bei der DBE ist bei den konventionellen Ackerbaukulturen grundsätzlich der Nmin-Gehalt aus allen drei Bodenschichten (0-30; 30-60 und 60-90 cm) in Ansatz zu bringen. Ausnahmen gibt es für flachgründige Böden, bei denen die durchwurzelbare Schicht limitiert ist. In diesen Fällen braucht nur der Nmin-Gehalt des zur Verfügung stehenden Wurzelraums angerechnet werden. Bei drainierten Flächen kann die Probenahme nicht bis zur untersten Schicht vorgenommen werden. Diese Schicht ist jedoch durchwurzelbar, weshalb in diesen Fällen zu den eigenen Werten aus den oberen Schichten der Richtwert für die unterste Schicht hinzuaddiert werden muss, um auf einen Wert für die volle Tiefe zu gelangen.

Darüber hinaus gibt es für bestimmte Kulturen individuelle Probenahmetiefen und es gelten kulturbezogene –zeiträume. Weitere rechtliche Vorgaben und Hinweise zur Nmin-Beprobung sind im Handbuch DBE, welches Bestandteil der Vollzugshinweise NRW zur Düngeverordnung 2020 ist, enthalten.

Leichte Absenkung gegenüber vorläufigen Nmin-Werten – wenig Anpassungsbedarf gegenüber vorläufigen Richtwerten

Viele DBEs wurden bereits im Vorfeld gerechnet. Dabei haben vorläufige Nmin-Richtwerte Verwendung gefunden. Diese stellen Mittelwerte aus den letzten fünf Jahren dar. Mit den nun veröffentlichten Jahres- Richtwerten liegen konkrete Werte für den Vegetationsstart in 2022 vor. Eine Anpassung der vorläufigen Richtwerte ist nur vorzunehmen, wenn eine Abweichung von mehr als 10 kg/ha zum vorläufigen Richtwert besteht. Die konkreten Fälle (vier an der Zahl) sind in der Tabelle Gelb hinterlegt.

Beim Vergleich zu den vorläufigen Nmin-Richtwerten hat sich in vielen Fällen eine moderate Absenkung der Werte ergeben. Die Abweichung beträgt jedoch selten mehr als zehn Kilogramm. Insgesamt betrachtet, ergibt sich eine ausgeglichene Verteilung der Werte auf die drei Bodenschichten. Bezogen auf die Richtwerte ist auch in diesem Jahr keine besondere Düngestrategie erforderlich. Das kann im Einzelfall natürlich ganz anders aussehen, worüber nur eine eigene Probe Aufschluss geben kann. An der Wetterstation in Borken (Westfalen) beispielsweise, wo leichte Bodenarten dominieren, hat es während der Herbst- und Wintermonate 350 Millimeter Niederschlag gegeben, sodass hier des öfter sehr viel niedrigere Nmin-Werte als der Richtwert vorherrschen.

Witterung: Niederschlagssummen oft unterdurchschnittlich und überdurchschnittlich warm

Das Witterungsgeschehen während der Herbst- und Wintermonate hat einen entscheidenden Einfluss auf den Nmin-Gehalt zum Vegetationsstart. Einerseits kann bei vielen Niederschlägen mobiler Nitratstickstoff in tiefere Schichten verlagert oder gar aus dem Wurzelraum ausgewaschen werden, andererseits kann bei warmer Witterung neuer mineralischer Stickstoff aus der organischen Substanz (u.a. Erntereste, Wurzelmasse, Herbst-Düngung) durch Mikroorganismen gebildet werden. Bei milden Temperaturen halten Getreide und Winterraps ihren Stoffwechsel aktiv und entziehen umgekehrt Stickstoff aus der bereits durchwurzelten Zone. Auch im letzten Herbst und Winter war es im Vergleich zum langjährigen Mittel in jedem Monat und insgesamt deutlich zu warm. Es gab nur wenige Frosttage. Ende des letzten Jahres sanken die Temperaturen zwar deutlich ab, was eine Vegetationsruhe einläutete. Diese war jedoch nur wenig ausgeprägt und die Kulturen haben mit zunehmender Tageslichtlänge und begleitend eher milden Temperaturen ihren Stoffwechsel wieder früh aktiviert. Eine Düngung der Winterungen sollte deswegen und wegen der günstigen Witterung derzeit nicht mehr allzu lange hinausgezögert werden.

Die Niederschlagssummen während der Herbst- und Wintermonate waren an vielen Wetterstationen in NRW unterdurchschnittlich. Eine Ausnahme war der Monat Februar, wo zum Teil deutlich höhere Mengen im Vergleich zum langjährigen Mittel gemessen wurden. Dies führte dazu, dass viele Flächen nach Ende der Sperrfrist am ersten Februar lange nicht gedüngt werden konnten, da diese wassergesättigt oder überschwemmt waren. Im letzten Jahr führte langanhaltender Frost zu einer ähnlichen Verzögerung.

Exemplarisch wird die Witterung für die Stationen Kleve am Niederrhein sowie Bad Salzuflen in Ost- Westfalen mit Hilfe der folgenden Abbildung verdeutlicht. Dargestellt werden die Niederschlagssummen sowie durchschnittlichen Temperaturen pro Monat in den einzelnen Monaten im Vergleich zum Vorjahr (Winter 2020/2021) und zum langjährigen Mittel von 1961 bis 1990.

Niederschlagsmengen und Temperatur prozentual Winter 2021 / 2022 an den Nitratmessstationen
Abbildung 1: Witterung während der Wintermonate 2021/2022 an der Station Kleve: Niederschlagssummen und durchschnittliche Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittel
Niederschlagsmengen und Temperatur prozentual Winter 2021 / 2022 an den Nitratmessstationen
Abbildung 2: Witterung während der Wintermonate 2021/2022 an der Station Bad Salzuflen: Niederschlagssummen und durchschnittliche Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittel

Nmin-Richtwerte Winterungen 2022

Boden Kultur Vorfrucht Nmin
0 bis 30 cm
Nmin
30 bis 60 cm
Nmin
60 bis 90 cm
Summe
leichter Boden (S, lS, sU) Winterweizen Blattfrucht 11 13 12 36
Winterweizen Halmfrucht 10 18 20 48
Wintertriticale Blattfrucht 8 7 14 29
Wintertriticale Halmfrucht 11 11 13 35
Wintergerste Blattfrucht 8 5 6 19
Wintergerste Halmfrucht 10 9 12 31
Winterroggen Blattfrucht 7 7 7 21
Winterroggen Halmfrucht 8 10 15 33
Winterraps Blattfrucht 9 6 4 19
Winterraps Halmfrucht 9 6 4 19
NN**Winter alle 9 9 11 29
mittlerer Boden (ssl, lU, sL, uL, L) Winterweizen Blattfrucht 12 17 22 51
Winterweizen Halmfrucht 11 15 25 51
Wintertriticale Blattfrucht 12 16 17 45
Wintertriticale Halmfrucht 12 15 17 44
Wintergerste Blattfrucht 8 8 4 20
Wintergerste Halmfrucht 9 9 10 28
Winterroggen Blattfrucht 8 16 18 42
Winterroggen Halmfrucht 8 14 19 41
Winterraps Blattfrucht 9 6 3 18
Winterraps Halmfrucht 9 6 3 18
NN**Winter alle 10 12 15 37
schwerer Boden (utL, tL, T) Winterweizen Blattfrucht 11 14 20 45
Winterweizen Halmfrucht 10 10 20 40
Wintertriticale Blattfrucht 12 11 10 33
Wintertriticale Halmfrucht 12 11 10 33
Wintergerste Blattfrucht 10 10 8 28
Wintergerste Halmfrucht 10 10 8 28
Winterroggen Halmfrucht 10 11 10 31
Winterraps Halmfrucht 11 10 6 27
NN**Winter alle 10 11 10 31

NN** = alle anderen, nicht gelisteten Kulturen
Mais = Blattfrucht
Hinweis: Bei Leguminosen ist nur der Nmin von der Schicht 0 - 30 cm anzurechnen.

Nmin.de gibt regionalen Richtwert aus

Mit Hilfe der Online-Datenbank Nmin.de (www.nmin.de) können sich Landwirte einen regionalen Nmin- Wert aufzurufen und auch diesen für die DBE verwenden. Das ist für sechs Regionen in NRW möglich, sofern die Mindestanzahl an Nmin-Werten für die jeweilige Konstellation erreicht wird. Der Nmin-Wert aus der Anwendung stellt neben der eigenen Analyse und der Verwendung des NRW -Richtwertes die dritte offizielle Möglichkeit in NRW dar, sich einen Nmin-Wert für die zu dokumentierende DBE heranzuziehen. Die Anwendung arbeitet mit denjenigen Nmin-Werten, die bis zum Zeitpunkt des Aufrufens bei der LUFA im aktuellen Jahr eingegangen und analysiert worden sind. Unter Auswahl der genauen Bodenart, der zu düngenden Kultur (Hauptkultur), der Vorkultur und der Region wird jeweils ein Nmin-Wert pro Schicht und als Summe ausgewiesen. Der bei der DBE verwendete regionale Richtwert muss mit der hinterlegten Druckfunktion ausgedruckt, bzw. abgespeichert und im Prüfungsfall vorgelegt werden.

Autor: Holger Fechner