Nitratdienst Juli 2026

Der vorliegende Nitratdienst berichtet über die Entwicklung des mineralischen Bodenstickstoffs (Nmin) im Zeitraum von Anfang Juni bis Mitte Juli. Der Beobachtungszeitraum war durch anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen geprägt. Im Durchschnitt fielen in Nordrhein-Westfalen lediglich 24 mm Niederschlag. Während in Südwestfalen und Ostwestfalen lokal Niederschlagsmengen von rund 40 mm registriert wurden, blieben die Regenmengen im südlichen Rheinland deutlich geringer. So wurden beispielsweise in Nörvenich nur 7 mm Niederschlag gemessen. Zusätzlich trat eine etwa einwöchige Hitzeperiode mit Temperaturen von bis zu 40 °C auf. Aufgrund der ausbleibenden Niederschläge sind der Oberboden und – abhängig von Standort und Bodentyp – vielfach auch tiefere Bodenschichten stark ausgetrocknet. Die gefallenen Niederschläge konnten die Wasserdefizite nur teilweise ausgleichen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes liegt die nutzbare Feldkapazität in der Krume an den meisten Standorten Nordrhein-Westfalens derzeit unter 20 %.
Die Witterungsbedingungen führten zu einer raschen Abreife der Wintergerste sowie zu einer verfrühten Abreife (Notreife) des Winterweizens Insbesondere auf flachgründigen und leichten Standorten kam es zu Trockenschäden. Auf einigen Nitratdienstflächen wurde Stroh abgefahren, obwohl dies dort in anderen Jahren nicht üblich ist. Vermutlich soll damit auf die derzeit niedrigen Erzeugerpreise für Getreide reagiert werden. Das abgefahrene Stroh steht somit nicht mehr für die spätere Stickstoffnachlieferung durch Mineralisation zur Verfügung. Gleichzeitig ist auf diesen Flächen nicht mit einer vorübergehenden Stickstofffestlegung durch eingearbeitetes Häckselstroh zu rechnen, was insbesondere bei nachfolgendem Raps zum Problem werden könnte. Im Zuge der Erntearbeiten wurde auf vielen Flächen bereits eine flache Stoppelbearbeitung durchgeführt. Trotz der geringen Niederschlagsmengen konnte auf einigen Standorten bereits Ausfallgetreide auflaufen. Die anhaltende Trockenheit erschwerte jedoch die Bodenprobenahme erheblich, sodass in einzelnen Fällen lediglich bis zu einer Tiefe von 60 cm beprobt werden konnte. Auf Flächen nach Wintergerste führte die nun freiliegende Bodenoberfläche sowie die Bodenbearbeitung zu einem leichten Anstieg der Nmin-Gehalte. Wurzeln, Stoppeln und Erntereste werden zunehmend mineralisiert. Aufgrund der fehlenden Bodenfeuchte und Hitze verlief dieser Prozess bislang jedoch verlangsamt. Seit der Gerstenernte stieg der Nmin-Gehalt auf diesen Flächen von durchschnittlich 23 auf 57 kg N/ha an.
Auch die Weizenernte ist in zahlreichen Regionen bereits weit fortgeschritten oder abgeschlossen. Auf den noch nicht geernteten Flächen haben sich die Nmin-Gehalte gegenüber dem Vormonat bislang kaum verändert.
Bei den Zuckerrüben zeigt sich dagegen die kontinuierliche Stickstoffaufnahme durch das anhaltende Wachstum deutlich in den Nmin-Werten. So sank beispielsweise der Nmin-Gehalt in Lichtenau von 150 kg N/ha im Juni auf aktuell 39 kg N/ha. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Mais. Die zu Wachstumsbeginn teilweise sehr hohen und stark schwankenden, teils dreistelligen Nmin-Werte haben sich durch die intensive Stickstoffaufnahme der Bestände deutlich angeglichen. Positiv zu bewerten ist, dass sich aufgrund der geringen Niederschläge der überwiegende Teil des mineralischen Stickstoffs weiterhin in den oberen 60 cm des Bodens befindet und damit für den Mais gut erreichbar ist. Werden Kartoffelbestände beregnet, kann die aktuelle Witterung zu einer verstärkten Stickstofffreisetzung im Boden führen. Die Kombination aus hohen Temperaturen im Damm und zusätzlicher Feuchtigkeit fördert die Aktivität der Bodenmikroorganismen und damit die Mineralisation organischer Stickstoffverbindungen. Gleichzeitig zählt die Kartoffel – abhängig von Verwertungsrichtung und Entwicklungsstadium – zu den Kulturen mit einem besonders hohen Stickstoffbedarf und einer entsprechend hohen Stickstoffaufnahme.
- Tabelle Nitratdienst Juli 2026
51 KByte
Autor: Lukas Otten