Nitratdienst Oktober 2026

Der Nitratdienst berichtet über die Entwicklung des mineralischen Bodenstickstoffs unter den Referenzflächen im Zeitraum von Anfang September bis Anfang Oktober. Zusammenfassend war der Beobachtungszeitraum spätsommerlich mit warmen Temperaturen, geringen Niederschlägen und viel Sonnenschein. Die Tagestemperaturen lagen landesweit durchweg bei mindestens 20 Grad Celsius; Ende September stiegen die Temperaturen sogar noch einmal für wenige Tage bis an die 30 Grad-Marke an – was so spät im Jahr ein Rekordwert war. Die Nachttemperaturen sanken bei klaren Nächten maximal auf obere einstellige Plus-Werte ab. Durchschnittlich fielen im genannten Zeitraum an den Wetterstationen in NRW knapp 50 Millimeter Niederschlag, was signifikant unter dem langjährigen Durchschnitt von circa 70 Millimetern liegt. Die Niederschlagsverteilung reichte dabei von 20 Millimetern an der Station Emmerich am Niederrhein bis 70 Millimetern an der Station Neuss, was auf kleinräumige Unterschiede hinweist, die sich auch in anderen Landesteilen zeigten. Meist handelte es sich um kurze Regenschauer-Ereignisse. Zu einem landesweit ausgeprägten Landregenereignis kam es am ersten Oktober. Dabei blieb es jedoch und danach war es bis zum Probenahmezeitraum erneut trocken. Am Ende des Beobachtungszeitraums wiesen die Böden lediglich im Oberboden eine leichte Feuchtigkeit mit nutzbaren Feldkapazitäten (nFK) von meist 50 bis 80 % unter bewachsenem Boden auf. Das Wasser ist kaum in untere Bodenschichten vorgedrungen. Im Münsterland sowie am Niederrhein wurde und wird nach wie vor mit nur 30 bis 40% nFK schon Wasserstress angezeigt. Mit dem ausgebliebenen Sickerwasser wurde somit auch kaum Nitratstickstoff verlagert, geschweige denn aus der Wurzelzone ausgewaschen.
Die etwas ergiebigeren Niederschläge aus dem August reichten in den meisten Fällen aus, eine Bodenbearbeitung durchzuführen und ein entsprechendes Saatbett für den Zwischenfuchtanbau sowie die ersten Winterungen zu bereiten. Die Feuchtigkeit in Kombination mit der Wärme sowie der Strahlung führte dann zu einem zügigen Auflaufen und Etablieren der Kulturen. Für ein weiterhin angepasstes Wachstum bis zur Vegetationsruhe wird vielerorts jedoch dringend Wasser benötigt. Bei den warmen Temperaturen waren die Verdunstungsraten bei entsprechender Blattmasse auch entsprechend gegeben, was weiteres Bodenwasser gekostet habe dürfte. Förderlich war die Witterung auch für die Ernte der langstehenden Sommerungen wie Kartoffel, Mais und auch schon erste Zuckerrüben. Die Bodenbewegung, sei es durch die Saatbettbereitung oder das Roden hat in jedem Fall dazu geführt, dass die organischen Erntereste mit dem Mineralboden in Kontakt gebracht wurden und durch das Lockern mehr oder weniger viel Sauerstoff in den Boden eingebracht wurde. Somit konnte das Bodenleben mobilisiert und aktiv werden. Förderlich für den Prozess der Mineralisierung von Nährstoffen waren auch die Feuchtigkeit im Oberboden sowie die milden Temperaturen. Dies gilt auch für das Umsetzen der ggf. aufgebrachten und eingearbeiteten organischen Düngemittel, wie beispielsweise Gülle oder Festmist.
Auf einigen Referenzflächen wurde bereits Wintergetreide gesät, wobei die Wintergerste die früheste Getreideart ist. In vielen Fällen ist diese schon aufgelaufen und nimmt bereits gewisse Stickstoffmengen aus dem Boden auf. Bis zu Beginn der Vegetationsruhe wird die Wintergerste von allen Getreidearten diejenige sein, welche die meiste Biomasse gebildet und somit auch den meisten Stickstoff aufgenommen haben wird. Bei sehr vielen Referenzflächen, die bereits mit Wintergetreide bestellt wurden, kann gegenüber dem Vormonat ein Anstieg der Nmin-Werte beobachtet werden, was zum größten Teil an der initiierten Mineralisation liegen dürfte. Diese Annahme kann auch durch einen Anstieg der Werte hauptsächlich in der Krumenschicht gestützt werden. Auch der in manchen Fällen gemessene Ammoniumstickstoffgehalt weist auf die Aktivität des Bodenlebens hin. Der etwas stärkere Anstieg des Nmin-Wertes von hundert Kilogramm pro Hektar unter der Wintergerste in Legden/Asbeck ist außerdem auf eine applizierte Güllegabe Mitte September zurückzuführen.
Zu Ackerkulturen dürfen seit Oktober keine Dünger mehr mit wesentlichem N-Gehalt aufgebracht werden. Lediglich Kompost, Champost und Festmist dürfen noch bis Ende November auf den Flächen verteilt werden. Hierbei handelt es sich um eine vorgezogene N-Düngung, die auf die Frühjahrsgabe anzurechnen ist und auch die Anfertigung einer Düngebedarfsermittlung im Vorfeld erforderlich macht.
Insgesamt kann das Nmin-Niveau unter den mit Winterungen bestellten sowie den noch nicht eingesäten Flächen (mit und ohne Bodenbearbeitung) Anfang Oktober als durchschnittlich bis leicht erhöht eingestuft werden (86 kg/ha Nmin gegenüber langjährigem (seit 2009) Durchschnitt von 80 kg/ha). Dies dürfte auf das größtenteils ausbleibende Sickerwasser bislang, die guten Mineralisationsbedingungen und nicht zuletzt auf eher unterdurchschnittliche bis maximal durchschnittliche N-Entzüge durch die Vorkulturen (bedingt durch die Sommertrockenheit) zurückzuführen sein. Unter den 18 mit Zwischenfrüchten bestellten Referenzflächen sind die Nmin-Werte von durchschnittlich 63 kg/ha Anfang September auf zuletzt 42 kg/ha und damit um 20 Kilogramm gefallen. Dieser Wert entspricht so ziemlich genau dem langjährigen Durchschnittswert (seit 2009; n= ca. 2.100) zu diesem Zeitpunkt. Die unter den günstigen Bedingungen meist gut etablierten ZF-Bestände konnten den mineralischen Reststickstoff sowie neu mineralisierten Stickstoff aufnehmen und bislang in ihrer Biomasse konservieren – sie kommen somit einer ihrer Hauptfunktionen zuverlässig nach. Noch waren die Temperaturen zu mild, sodass auch die nicht winterharten ZF-Arten vital blieben. Mit zunehmenden kühleren Temperaturen sowie Frostereignissen demnächst werden dann bei der N-Nmin-Dynamik unter den Zwischenfruchtflächen naturgemäß erste Veränderungen in die andere Richtung zu beobachten sein und die Werte werden tendenziell etwas ansteigen.
- Tabelle Nitratdienst Oktober 2026
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Autor: Holger Fechner