Bandwürmer bei Lämmern rechtzeitig bekämpfen

Schafkot mit BandwurmBild vergrößern
Bild 1: Abgestoßene Gliederketten von Bandwürmern im Schafkot


Schaf mit BandwurmbefallBild vergrößern
Bild 2: Stumpfe, glanzlose Wolle kann auf einen Befall mit Bandwürmern hindeuten.


Im späten Frühjahr ist wieder mit einer vermehrten Bandwurmbelastung bei auf der Weide gehaltenen Schaf- und Ziegenlämmern zu rechnen. Vorzugsweise bei Jungtieren kleiner Wiederkäuer können Bandwürmer (Moniezia spp.) aufgrund mangelnder spezifischer Immunität zu gravierenden, in der Regel mit Durchfall einhergehenden Entwicklungsstörungen führen.

Obwohl die abgestoßenen Gliederketten der beiden im Dünndarm parasitierenden, mehrere Meter langen, adulten Bandwürmer (Länge von M. expansa bis zu 10 m, M. benedeni bis zu 4 m) zu den einzigen parasitären Stadien im Kot belasteter Schafe bzw. Ziegen zählen, die man mit bloßem Auge erkennen kann (Bild 1), lassen sich die typischen, weiß-grauen, bandförmigen, oft mehrere Zentimeter langen parasitären Gebilde aufgrund der sporadischen bzw. schubweisen Ausscheidung nicht regelmäßig im Kot erkrankter Lämmer nachweisen.

Diese Tatsache unterstreicht die Notwendigkeit einer regelmäßigen Einsendung mehrerer Einzelkotproben zur parasitologischen Untersuchung. Mit dem sog. Flotationsverfahren weist man dann im Labor die aus den Bandwurmgliedern freigesetzten, mikroskopisch kleinen Eier nach.

Folgende Symptome (Bild 2) deuten allgemein auf eine Belastung von Schafen und Ziegen mit Bandwürmern hin:

  • Schlechter Nährzustand trotz ausreichenden Futterangebotes vorzugsweise bei Lämmern wenige Wochen nach dem Weidegang. Die Infektion erfolgt über im Boden überwinternde Moosmilben, die als Zwischenwirte fungieren. Nach Aufnahme der Moosmilben beim Weidegang ist schon 30-52 Tage später (sog. Präpatenz) mit den ersten Symptomen zu rechnen.
  • Durchfälle sind bei Belastung mit Bandwürmern m. o. w. regelmäßig in der Herde bei den Lämmern zu beobachten; die Kotkonsistenz erscheint breiig bis wässrig. Diese Symptomatik tritt bei einer Belastung mit Fadenwürmern, beispielsweise mit dem „Gedrehten Magenwurm“, seltener auf. Bei älteren Schafen verläuft die Infektion symptomlos.
  • Stumpfe, glanzlose Wolle, so dass das Vlies der geschwächten Lämmer gelegentlich dunkel bzw. verschmutzt erscheint.
  • Vereinzelt wurden auch nervöse Symptome oder auch Kolik-artige Erscheinungen als Folge einer Darmverstopfung bei Befall mit mehreren Bandwürmern beobachtet.

Die zur Bekämpfung von Nematoden (z. B. gegen den „gedrehten Magenwurm“) häufig eingesetzten, modernen makrozyklischen Laktone sind zur Bekämpfung von Bandwürmern nicht geeignet. Bei den sog. Benzimidazolen ist in der Regel nur bei erhöhter Dosis eine Teilwirkung gegen Bandwürmer festzustellen.

Mittel der Wahl zur Bekämpfung ist die ausschließlich gegen Bandwürmer wirksame Substanz „Praziquantel“ (Cestocur® / Firma Bayer). Üblicherweise wird die verschreibungspflichtige Suspension in einer Dosis von 3 ml je 20 kg Körpergewicht (KGW) oral appliziert.

Eine medikamentelle Behandlung sollte bei den Lämmern etwa 4 bis 6 Wochen nach dem Austrieb erfolgen. Die einmalige Behandlung reicht aus, um adulte Bandwürmer und bei höheren Dosen auch die Larven abzutöten.

Aufgrund der ständigen Anwesenheit der Moosmilben kommt es allerdings zu Super- und Reinfektionen der Lämmer. Praxiserfahrungen vorzugsweise aus der Koppelschafhaltung bei intensiver Nutzung von Standweiden in Nordrhein-Westfalen deuten daraufhin, dass eventuell 4-6 Wochen später eine zweite Behandlung der Lämmer erforderlich wird.

Ein Umbruch bandwurmkontaminierter Schafweiden ist ein wirksames Mittel zur Reduzierung der Moosmilbenpopulation. Wenn Schafe nachts im Stall gehalten werden, bietet sich die Möglichkeit, die Tiere nur während der trockenen Tageszeit auszutreiben und die taureichen Morgen- und Abendstunden zu meiden, in denen die Moosmilben auf den Grashalmen nach oben wandern.

Nach einer Bandwurmbehandlung sollten die Tiere aufgestallt werden, um zu verhindern, dass die abgehenden Bandwurmeier von den Moosmilben aufgenommen werden und so den späteren Infektionsdruck erhöhen. Auf eine gezielte Bandwurmbehandlung der Altschafe kann in der Regel verzichtet werden.

Autor: Dr. Wilfried Adams