Entwicklung und Stand der CAE -Sanierung in Westfalen-Lippe

Der Schaf- und Ziegengesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer hat in enger Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Ziegenzüchter für Westfalen und Lippe e. V. in Münster die Blutprobenuntersuchungen bei Ziegen im Rahmen des freiwilligen CAE - Sanierungsverfahrens fortgesetzt. Das Staatl. Veterinäruntersuchungsamt in Arnsberg führte wie in den Vorjahren die blutserologischen Untersuchungen mittels des ELISA-Testes durch. In Westfalen-Lippe tragen die Züchter die Kosten der Blutentnahme und der serologischen Untersuchung selbst.

Erreger:

Maedi-Infektionen der Schafe und CAE-Infektionen der Ziegen werden durch eng verwandte RNA-haltige Viren, die ein gemeinsames Gruppenantigen besitzen, ausgelöst. Beide Erreger gehören zur Familie der sog. Retroviren. Retrovirusinfektionen sind dadurch charakterisiert, dass sich die Zeitspanne vom ersten Erregerkontakt bis zum Auftreten von klinischen Erscheinungen über mehrere Wochen bis Jahre erstrecken kann (sog. Inkubationszeit) und dass nicht zwangsläufig alle infizierten Tiere klinische Symptome zeigen. Zu der Subfamilie Lentivirinae gehören beispielsweise auch das Virus der Infektiösen Anämie der Einhufer (EIA) und das Humane Immundefizienz-Virus ( HIV).

Ausgangssituation:

Die lokale Bedeutung der CAE in Westfalen-Lippe wurde schon 1987 bei orientierenden Übersichtsuntersuchungen, die der Schaf- und Ziegengesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer in Münster in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Ziegenzüchter für Westfalen und Lippe e. V. in Münster durchführte, deutlich:

Während sich zu Beginn der Sanierung noch in ca. 50 % der Ziegenzuchtbetriebe (erfasst wurden insgesamt 77 Betriebe) CAE-Reagenten bei einer Seroprävalenz von 21,2% feststellen ließen und dabei 16% der Reagenten und 4% der seronegativen Ziegen eine z. T. mit Lahmheiten verbundene ein- bzw. beidseitige Schwellung der Vorderfußwurzelgelenke zeigten, lassen sich derzeit in keinem Herdbuchbetrieb mehr klinische Symptome beobachten und es wächst zunehmend die Bereitschaft der Züchter, in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsdienst oder den Hoftierärzten den Status „CAE-unverdächtiger Bestand" zu erlangen bzw. zu sichern.

Im Bewusstsein eines Restrisikos sollte der Begriff CAE-frei vermieden werden, da speziell bei der CAE als sog. „SLOW VIRUS DISEASE" die klinische Untersuchung nur bedingte Aussagekraft besitzt und nur mehrere virologische bzw. serologische Untersuchungen (dies gilt besonders in kleinen Herden) eine relative Sicherheit gewährleisten können

Klinik:

CAE-Sanierung Bild 1
Bild 1

CAE-Sanierung Bild 2
Bild 2

Die häufigste Erscheinungsform der CAE äußert sich bei älteren Ziegen in einer langsam fortschreitenden (chronischen), seltener akuten Entzündung bzw. Anschwellung im Bereich der Gelenke, Sehnenscheiden und Schleimbeutel. Bevorzugt betroffen sind die Carpalgelenke (oft fälschlicherweise als „Kniegelenke" bezeichnet), es können allerdings auch alle Gliedmaßengelenke gleichzeitig betroffen sein). Im fortgeschrittenen Stadium fällt dem Tierbesitzer auf, dass die in der Milchleistung deutlich nachlassenden Tiere im Stand wechselseitig die Gliedmaßen durch Anheben entlasten und als Schmerzäußerung hörbar mit den Zähnen knirschen. Die Mobilität der Tiere lässt nach, die Liegephasen werden ausgedehnt, die Ziegen magern aufgrund mangelnder Futteraufnahme bzw. infolge der Schmerzen ab und kommen schließlich nach Wochen und Monaten zum Festliegen. (Bild 1).

Darüber hinaus provoziert das Virus auch chronische Euterentzündungen, die mit knotigen Verhärtungen im Drüsenparenchym und Lungenentzündungen, einhergehen.

Bei Ziegenlämmern (bevorzugt bis zum Alter von 4 Monaten) verursachen die CAE-Viren Veränderungen am Gehirn und Rückenmark. Diese sog. Encephalomyelitis äußert sich zunächst in einer Hinterhandschwäche, die als Überköten im Fesselgelenk in Erscheinung tritt. Dei Erkrankung breitet sich kopfwärts bis zur vollständigen Lähmung aller Gliedmaßen aus. Einzelne Jungtiere - gelegentlich auch ältere Ziegen - zeigen unmotivierte Drehbewegungen des Kopfes und eine von Zittern begleitete Verkrampfung der Rückenmuskulatur. Spätestens 3 Wochen nach Beginn der ersten zentralnervösen Symptome tritt i. d. R. der Tod ein; in Einzelfällen wurde unter guten Haltungsbedingungen auch über Spontanheilungen berichtet. (Bild 2).

Umfang der Untersuchungen:

Die beigefügte Grafik gibt einen Überblick über den Umfang der Untersuchungen und die Entwicklung bei der Sanierung in den zurückliegenden sieben Jahren:

Übersicht CAE-Sanierung

Die Zahlen lassen unschwer erkennen, dass die 1999 beschlossene, erste einheitliche CAE-Bekämpfungsstrategie der Landesverbände der Ziegenzüchter in Westfalen-Lippe, im Rheinland, in Rheinland-Pfalz und Thüringen die Züchter in ihrer Motivation stärkte, sich dem Verfahren anzuschließen. Infolge einer weiteren Kooperation mit den Ziegenzuchtverbänden in Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurde die Sanierung durch die weiter harmonisiert. Die Richtlinie trat mit Wirkung vom 1.01.2003 in Kraft.

Maßnahmen:

Sowohl bei der MAEDI- als auch bei der CAE- Infektion sind nach derzeitigem Kenntnisstand weder Behandlungen bei infizierten oder erkrankten Tieren noch immunprophylaktische bei gefährdeten Tieren möglich und aufgrund der spezifischen Eigenschaften der Lentiviren auch in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Autor: Dr. Wilfried Adams