Endoparasiten konsequent bekämpfen

Kehlgangödem
Schafe mit Kehlgangödem deuten auf eine Belastung mit Innenparasiten hin.

Hauptursache für wirtschaftliche Verluste in der Schafhaltung sind Magen-Darm-Parasiten. Dr. Wilfried Adams, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, erläutert, woran Sie Parasitenbefall erkennen und wie Sie am besten gegen die lästigen Bewohner der Schafe vorgehen.

Bei einer überregionalen Auswertung von 775 pathologisch-anatomischen Untersuchungen von Schafen aus acht Untersuchungseinrichtungen durch den Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen kam kürzlich heraus, dass bei 47,2 % der Tiere Entzündungen des Magen-Darm-Traktes als Hauptbefund festgestellt wurden, wobei meist Parasiten die Ursache waren.

Oft übersehen

In etwa der Hälfte der im Jahr 2005 durch den Schafgesundheitsdienst aufgesuchten 100 Schafbestände ergab sich bereits auf Grund des Ernährungszustandes, des Verhaltens der Tiere in der Herde, gelegentlich auch auf Grund der Kotbeschaffenheit ein Hinweis auf eine Belastung durch Innenparasiten. Interessanterweise spielte dieser Gesichtspunkt bei der Anforderung der Beratung zunächst eine untergeordnete Rolle. Die Prozentsätze positiver Proben der verschiedenen Innenparasiten, in der Abbildung dargestellt, können als repräsentativ für die Belastung von Schafen in NRW angesehen werden, da es sich mehrheitlich nicht um ausgewähltes Material parasitär verdächtiger oder erkrankter Tieren aus Problembeständen handelt. Das Diagramm zeigt die Belastung verschiedener Schafrassen, wobei Milch- und Texelschafe, Schwarzköpfe und Moorschnucken ausgewählt wurden, die typische Vertreter der Koppel- und Hüteschafhaltung sind.

Das Gefährdungspotenzial durch Innenparasiten hängt weitgehend von der Haltungsform ab, da Schafe auf Standweiden in der Deich- und Koppelschafhaltung ständig einer höheren Belastung ausgesetzt sind als extensiv gehaltene Tiere in der Wanderschaf- und Hüteschafhaltung. Andererseits muss man berücksichtigen, dass professionelle Hüteschafhalter, ebenso wie dem Herdbuch angeschlossene Koppelschafhalter, konsequenter entwurmen als Halter kleiner Gebrauchsschafherden.

Der gedrehte Magenwurm (Hämonchus contortus) ist der wichtigste Repräsentant der Fadenwürmer; er parasitiert im Labmagen und ist auf Grund des Blutentzuges und seiner Stoffwechselprodukte, die er permanent in die Blutbahn der Wirte abgibt, hauptsächlich für die parasitär bedingten, hohen wirtschaftlichen Verluste bei kleinen Wiederkäuern verantwortlich. Der rötlich-braune Parasit zählt zu den Fadenwürmern (Nematoden), die sich ebenso wie die Kokzidien (Einzeller) in jeder zweiten Kotprobe nachweisen ließen.

Kokzidiosen ließen sich in den letzten Monaten gegen Ende der Ablammphase vermehrt bei Lämmern ab einem Alter von vier Wochen feststellen. Die charakteristischen, von starkem Drängen begleiteten,   plötzlich einsetzenden Durchfälle mit Todesfällen traten in diesem Jahr weniger häufig auf. Vielmehr zeigten die Lämmer häufig nur Entwicklungsstörungen, die sich durch Minderzunahmen, struppige, stumpfe Wolle und häufiges Absetzen kleiner Mengen breiigen Kots bei waagerecht abgehaltenem Schwanz äußern. Neben trockener Einstreu und dem Einsatz spezieller, gegen Oozysten wirksamer Desinfektionsmittel ist die einmalige orale Anwendung des für Lämmer zugelassenen Wirkstoffes Diclazuril das Mittel der Wahl bei der Bekämpfung.

Mit bloßem Auge erkennbar

Bandwurmglieder sind die einzigen Stadien von Parasiten, die der Schafhalter mit bloßem Auge erkennen kann. Bandwurmeier fanden sich in 15 % aller Proben, wobei vorzugsweise Lämmer betroffen waren. Überwinternde Moosmilben dienen den Bandwürmern als Zwischenwirte. Die stärkere Belastung mit Bandwürmern bei Texel- und Milchschafen resultiert offenbar aus der höheren Aufnahme von Moosmilben bei einer Nutzung von Standweiden. Im Gegensatz zu dem Befall mit Fadenwürmern tritt beim Bandwurmbefall meist Durchfall auf. Vereinzelt kann man auch Verstopfungen oder zentralnervöse Symptome durch sekundären Vitamin-B1-Mangel beobachten. Lämmer sollten grundsätzlich im Frühjahr vor dem Ausscheiden von Bandwurmgliedern gezielt behandelt werden. Meistens genügt eine einmalige orale Behandlung mit dem Wirkstoff Praziquantel. Aktuell ließen sich in einer Hütehaltung bereits vor wenigen Tagen Bandwurmglieder im Kot von Lämmern feststellen, eine gezielte Behandlung der Lämmer ist demnach angezeigt.  

Fadenwürmer verursachen auch Husten

Der stärkere Nachweis von Zwergfadenwürmern (Strongyloides) bei den Schwarzköpfen ist wahrscheinlich auf eine höhere Belastung in der winterlichen Aufstallung durch intensive und wechselnde Nutzung von Ablammbuchten, gekoppelt mit hohen Besatzdichten zurückzuführen. Diese Fadenwürmer werden von den Lämmern über die Haut   oder die Muttermilch aufgenommen und können bei Lämmern zu mit Husten verbundenen Atemwegsproblemen, Durchfällen und mangelnder körperlicher Entwicklung führen.

Lungenwurmlaven ließen sich in 5 % aller Kotproben nachweisen. Obwohl für Koppelschafe eine höhere Belastung durch bei milden Wintern auf der Weide überlebende Lungenwurmlarven besteht und speziell Milchschafen eine besondere Affinität zu Atemwegsproblemen nachgesagt wird, ist der deutlich höhere Nachweis bei dieser Rasse nicht zuletzt auf Grund geringer Fallzahlen nicht eindeutig zu erklären. Möglicherweise ist das eine Folge der beschränkten Arzneimittelanwendung bei Schafen, die der Milchgewinnung dienen. Üblicherweise treten Erkrankungen durch die Großen Lungenwürmer in den Monaten Juli/August vermehrt auf. Wechselseitige Infektionen mit Rindern sind möglich. Interessanterweise ließen sich in den letzten Wochen in mehreren, relativ extensiv geführten Gebrauchsherden Mischinfektionen von Großen Lungenwürmern und Maedi-Infektionen feststellen, die hochgradige Abmagerungen bei säugenden Muttern, teilweise mit Verenden, zur Folge hatten.

Vielfältige Symptome

Bei einem Befall mit Innenparasiten ist generell mit folgenden Symptomen zu rechnen, die bei einem mehr oder weniger großen Teil der Herde zu beobachten sind:

  • Trotz ausreichenden Futterangebotes schlechter Ernährungszustand mit stumpfer, glanzloser Wolle bei älteren Schafen und Entwicklungsstörungen bei Lämmern. Nach mehrwöchiger Belastung erscheint das Vlies bei geschwächten Schaflämmern besonders in der Hütehaltung stark verschmutzt und dunkel. Die Tiere wirken auf Grund des Blutentzuges und der Stoffwechselprodukte der Parasiten müde. Bei sehr starker Verwurmung löst sich die Wolle beim Fixieren der Schafe büschelweise von der Haut. Todesfälle nehmen zu.
  • Eine starke Belastung mit Nematoden, insbesondere mit dem Gedrehten Magenwurm, geht mehrheitlich nicht mit Durchfall einher, nur bei starkem Ostertagia-, Bandwurm- und Kokzidienbefall wird die Kotkonsistenz regelmäßig breiig.
  • Blasse, porzellanfarbene Maulschleimhäute und Lidbindehäute sind Ausdruck eines Blutentzuges von bis zu 160 ml pro Tag durch die Innenparasiten.
  • Nur bei einzelnen Schafen stellen sich Kehlgangsödeme ein. Das sind teigige faustgroße Anschwellungen zwischen den Unterkieferästen, die sich bereits zwei bis drei Tage nach einer erfolgreichen Entwurmung zurückbilden.
  • Verminderte Fruchtbarkeit. Es werden nur weniger und überwiegend, lebensschwache Lämmer geboren

Was tun?

Eine erfolgreiche Bekämpfung von Innenparasiten ist nur unter Beachtung der nachstehend aufgeführten Grundregeln zu erwarten:

Die Art der Innenparasiten und die Stärke der Belastung lässt man zunächst durch parasitologische Untersuchungen mehrerer Kotproben feststellen. Auf   Grund der schubweisen Ausscheidung der Eier oder Larven bei den Lungenwürmern ist die Untersuchung einer einzelnen Kotprobe oder einer Sammelprobe mit einem hohen Unsicherheitsfaktor belastet. Grundsätzlich sollten mindestens fünf Kotproben aus jeder Leistungs- oder Altersgruppe eingeschickt werden, in Herden über 100 Schafe mindestens zehn Proben. Die Anzahl der Eier oder Larven im Kot entspricht nicht unbedingt der tatsächlichen Befallsstärke, denn die ist von vielen inneren und äußeren Faktoren, wie Jahreszeit, Witterung, Trächtigkeit und der Gesamtbelastung des Schafes, abhängig.

Ab Mittag des Vortages der Behandlung sollte man die Schafe bei ausreichender Wasserversorgung nicht mehr füttern, morgens entwurmen und nachmittags wieder fressen lassen. Die dadurch längere Verweildauer übers Maul verabreichter Präparate im Magen-Darm-Trakt verbessert deren Wirkung, da die Verminderung der wellenartigen Darmbewegungen die Einwirkzeit der Präparate auf die Parasiten verlängert. Neue Untersuchungen belegen, dass man damit auch die Resistenzentwicklung reduzieren kann.

Insbesondere beim Einsatz so genannter Boli, die meist in der Koppelschafhaltung Verwendung finden, ist Aufmerksamkeit geboten: In der Praxis wird nicht selten das Gewicht ausgewachsener Schafe unterschätzt und fälschlicherweise mit 50 kg Körpergewicht an die Wirkstoffmenge eines handelsüblichen Bolus angeglichen, obwohl erwachsene   Schafe bestimmter Rassen mehr als das Doppelte auf die Waage bringen. Bei Injektionspräparaten oder flüssigen Formulierungen für die orale Applikation, so genannten Suspensionen, sind Unterdosierungen seltener: Die Drenchpistole muss auf die Tiere mit dem höchsten Gewicht in der Herde eingestellt werden, um dann gewichtsabhängig Abschläge vorzunehmen. Untersuchungen in der Schweiz haben gezeigt, dass hohe Behandlungsfrequenzen und Unterdosierungen die Resistenzentwicklung fördern.

Überdosierungen sind unwirtschaftlich und können zu Vergiftungen führen.

Etwa zehn Tage nach einer Behandlung wird eine Kontrolle des Behandlungserfolges durch erneute Einsendung mehrerer Kotproben empfohlen. Nur so lassen sich durch häufige Behandlung und Unterdosierungen verursachte Resistenzen erkennen und alternative Wirkstoffe rechtzeitig vor dem Auftreten von Leistungseinbußen einsetzen.

Resistenzproblem nehmen zu

Lamm mit Schafparasiten belastet
Lämmer sind besonders gefährdet und fallen neben ihrer stumpfen Wolle durch apathisches Verhalten auf.

Die Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung wird in einigen Regionen außerhalb Europas auf Grund zunehmender Resistenzproblematik bereits in Frage gestellt. Besonders bei den Magen-Darm-Strongyliden (MDS) beobachtet man in den letzten Jahren weltweit eine Zunahme der Resistenzen gegen handelsübliche Entwurmungsmittel. So konnte man beispielsweise in Argentinien in 46 %, in Brasilien in 97 % und in Südafrika sogar in 98 % aller untersuchten Schafherden Resistenzen gegen verschiedene Wirkstoffgruppen ermitteln. Eine Markteinführung von Präparaten auf der Basis neuer Wirkstoffe ist angeblich in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Unter einer Anthelminthika-Resistenz versteht man die Fähigkeit eines Innenparasitenstammes, Dosierungen eines Entwurmungsmittel, eines Anthelminthikums, zu tolerieren, die sich bei normal empfindlichen Stämmen derselben Parasitenart meist als wirksam erweisen. Spontan resistente Individuen sind bereits in der ursprünglichen Parasitenpopulation vorhanden, ihre Anreicherung erfolgt dann über den Selektionsdruck häufiger Behandlungen.

Flächendeckende Untersuchungen zu dieser Thematik liegen für Deutschland leider nicht vor. Lediglich aus Hessen wurde über Benzimidazol-Resistenzen, aus Südbayern auch zusätzlich über mögliche Resistenzen gegenüber den Levamisolen berichtet. Positive Befunde bei Kontrolluntersuchungen durch den Schafgesundheitsdienst nach Einsatz von Benzimidazolen lassen vermuten, dass auch in einzelnen Herden in NRW mit Resistenzen zumindest gegenüber dieser Gruppe zu rechnen ist.

Bei den Benzimidazolen wurden schon 1973, 13 Jahre nach Markteinführung, Wirkungsverluste auf Grund von Resistenzen festgestellt. Aber auch für die Gruppe der makrozyklischen Laktone, die erstmals 1982 eingesetzt wurden, werden schon seit 1990 resistente Stämme beschrieben.

Da auch durch langjährige Nichtanwendung einer selektierten Wirkstoffgruppe ein Rückgang der Resistenz nicht zu erwarten ist, sollten unter den bei uns noch günstigen Ausgangsbedingungen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Entstehung resistenter Populationen zu unterbinden. Dazu werden für die Praxis folgende Maßnahmen, die zweifellos zunächst gewöhnungsbedürftig sind, empfohlen:

Zur Verminderung von Gruppenresistenzen, bei denen zum Beispiel alle Präparate auf Benzimidazolbasis nicht mehr wirksam sind, wird ein jährlicher Wechsel der Wirkstoffgruppen zwischen den Gruppen der Benzimidazole, der makrozyklischen Laktone und Levamisol, empfohlen. Ein mehrfacher Wechsel innerhalb des Jahres soll die Entwicklung von Mehrfachresistenzen provozieren, das heißt, Präparate unterschiedlicher Wirkstoffgruppen verlieren gleichzeitig ihre Wirkung.

Das bisher empfohlene „Dose-and-Move-System“, das bedeutet das Verbringen der Schafe nach dem Entwurmen auf eine saubere Weide oder das kurzfristige Aufstallen, begünstigt offenbar die Entwicklung resistenter Populationen. Ein Weidewechsel nach der Entwurmung sollte daher unterbleiben und die Tiere sollten zur Behandlung auch nicht aufgestallt werden, damit sich auf einer anfangs sauberen Weide keine einheitlich resistente Population anreichert. Ziel ist, das Schaf mit einer Mischinfektion aus unempfindlichen und empfindlichen Würmern zu konfrontieren, so dass der Organismus über eine Konkurrenzsituation der beiden unterschiedlich sensiblen parasitären Stadien künftig therapierbar bleibt und man überhaupt noch die Chance hat, auf den Gesundheitsstatus des belasteten Schafes positiv einzuwirken.

In diesem Zusammenhang ist es auch konsequent, nicht wie bisher, alle Tiere einer Herde zu behandeln. Auf der Grundlage von Kotuntersuchungen entwurmt man beispielsweise gezielt nur die klinisch erkrankten Jungtiere, wobei man bewusst die besten Lämmer und Altschafe ausnimmt. Als Orientierungshilfe kann man sich in zeitlichen Abständen von zwei bis drei Wochen einer Farbskala bedienen, die im direkten Vergleich mit den Farben der Lidbindehäute im Stall im Einzelfall eine Einstufung der Tiere hinsichtlich der Therapienotwendigkeit erlaubt.

Bei Zukäufen lässt sich über eine Quarantänephase mit anfänglicher Entwurmung und einer Kontrolluntersuchung des Kotes nach zehn Tagen feststellen, ob man Gefahr läuft, sich Anthelminthika-resistente Populationen einzuschleppen.  

Zur Sicherung der Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung ist auch in Deutschland eine Limitierung der Resistenzentwicklung durch Umsetzung dieser wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse unbedingt erforderlich. Nach Einschätzung des Schafgesundheitsdienstes könnten sich allerdings in extensiv geführten Schafhaltungen im Hinblick auf die Einstufung der Tiere und die selektive Therapie erhebliche wirtschaftliche und nicht zuletzt tierschutzrelevante Probleme ergeben. Das Verfahren dürfte am ehesten für ausgewählte, gut geführte Koppelschafhaltungen, besonders aber für professionelle Wander- und Hüteschafhaltungen geeignet sein und dort auch auf Akzeptanz stoßen. Hier wird ein ähnliches Prozedere ja schon seit Jahren aus Kosten- und Arbeitszeit sparenden Überlegungen beobachtet. Eine Auswahl zurzeit im Handel befindlicher, verschreibungspflichtiger Präparate, ihre Dosierung, ihr Wirkungsspektrum und die Wartezeiten enthält die Tabelle.

Autor: Dr. Wilfried Adams