Fliegenmadenbefall bei Schafen

Aus mehreren Schafbeständen wird z. Zt. über das Auftreten von Fliegenmaden berichtet. Betroffen sind alle Altersgruppen, es erkranken aber nur wenige Tiere in der Herde.

Die Hautveränderungen am Rücken, den Flanken, im Bereich der Kniefalte oder im Analbereich werden hervorgerufen durch die Larven von ca. 1 cm großen, grünblau-metallisch schimmernden Goldfliegen, die ihre Eier im Vlies der Schafe ablegen. Hautirritationen, z. B. ein Befall mit Haarlingen oder Milben und daraus resultierende Scheuerstellen, ein zu später Schurtermin, Stacheldrahtverletzungen oder Verschmutzungen der Wolle mit Kot (Futterumstellung, Endoparasitenbefall), begünstigen offenbar das Eindringen der Maden in die Haut.

Schaf mit Fliegenmadenbefall

Innerhalb weniger Stunden kommt es zu einer starken Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens bei den befallenen Schafen: sie sondern sich von der Herde ab und wirken apathisch. Bei oberflächlicher Betrachtung fällt lediglich eine grau-braune Durchnässung des Vlieses auf, erst nach dem Scheiteln der Wolle sieht man unmittelbar auf der entzündlich veränderten Haut die sich lebhaft bewegenden, dem Tageslicht ausweichenden gelblich-grauen Maden.

In Verdachtsfällen ist unverzüglich tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, da bereits nach 24 Stunden als Folge der tiefgreifenden Hautläsionen und der Abgabe von toxischen Stoffwechselprodukten durch die Maden der Tod eintreten kann.

Betroffene Tier müssen sofort aufgestallt werden und der Wundbereich ist durch Ausscheren gründlich freizulegen und von Maden und Wundsekret vorsichtig zu reinigen. Die Anwendung der gegen Larven hochwirksamen Phophorsäureesterpräparate ( z. B. Sebacil-Lsg. / Fa. Bayer, Wartezeit 5 Wochen) im Wasch- oder Sprühverfahren liegt im Ermessen des Tierarztes. Er kann auch beurteilen, ob in Abhängigkeit vom Allgemeinbefinden des Schafes zusätzlich Kreislauf-stabilisierende Maßnahmen erforderlich sind. Die Verabreichung eines entzündungshemmenden sowie schmerzstillenden Präparates - bei großflächigen und eiternden Wunden ggfls. in Kombination mit einem Antibiotikum - unterstützen die Wundheilung.

Nach der Akutbehandlung sollte das Schaf mindestens 14 Tage aufgestallt und gründlich beobachtet werden, da über Rückfälle (auch an anderen Köperstellen) häufig berichtet wird. Bei anhaltendem Parasitendruck kann eine relative Schutzwirkung gegen Fliegenanflug bei den übrigen, noch nicht betroffenen Schafen (sog.) durch eine Pour on -Verabreichung von synthetischen Pyrethrioden ( z. B. Butox 7,5 pour on / Fa. Intervet, keine Wartezeit) erfolgen. Als prophylaktische Maßnahme wird die Lösung nach dem Scheiteln der Wolle gewichtsunabhängig in einer Dosierung von 10 ml auf den Rücken der Tiere entlang der Wirbelsäule - beginnend zwischen den Schultern - aufgetragen. Der Wirkstoff verteilt sich über die Fettsäuren der Haut über die gesamte Körperoberfläche und soll eine Schutzwirkung von mindestens 6 Wochen vermitteln

Autor: Dr. Wilfried Adams