Maedi-Sanierung in Nordrhein-Westfalen

Maedi-Infektion beim SchafBild vergrößern
MAEDI-infiziertesTexelschaf mit hochgradiger Atemnot


Maedi-Infektion beim SchafBild vergrößern
Älteres MAEDI-infiziertes Kamerunschaf mit Schnappatmung


Maedi-Infektion beim SchafBild vergrößern
Hochgradig abgemagertes, MAEDI-infiziertes Texelschaf


Maedi-Infektion beim SchafBild vergrößern
Sektionsbefund bei einem MAEDI-infizierten Texelschafe: aufgrund der fleischigen Konsistenz verdoppelt sich das Gewicht der Lunge. Fotos: Dr. Wilfried Adams


Der Schafherdengesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat auch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Schafzüchtervereinigung Nordrhein-Westfalen in Paderborn das 1981/1982 bei Texelschafen und 1988 auch bei Milchschafen in Westfalen-Lippe auf Anregung der Züchter begonnene, freiwillige Maedi-Sanierungsverfahren (Maedi = isländisch: erschwerte Atmung) fortgesetzt.

Das den Lentiviren zuzuordnende Maedi/Visna-Virus führt bei Schafen bekanntermaßen aufgrund seiner langen Inkubationszeit erst ab einem Alter von 3 bis 5 Jahren primär zu chronisch-entzündlichen Veränderungen der Lunge. Seltener beobachtet man in der Praxis auch als Folge einer MAEDI-Infektion chronische Euterentzündungen (Folgen: knotige Verhärtungen im Drüsengewebe, geringere Milchproduktion, reduzierte Aufzuchtraten), mit Lahmheiten einhergehende, vorzugsweise an den Vorderfußwurzelgelenken und Sprunggelenken auftretende, nichteitrige Gelenkentzündungen sowie Erkrankungen des Zentralnervensystems (sog. Visna).

Nicht alle infizierten Schafe erkranken. Bei guter Futteraufnahme verlieren betroffene Tiere an Körpergewicht, entwickeln eine über mehrere Monate mit erhöhter Atemfrequenz (in Ruhe über 50 -120 Atemzüge /Minute) einhergehende Atemnot, die schließlich aufgrund der zunehmend fleischigen bis gummiartigen Konsistenz der Lunge zur einer hochgradigen Beeinträchtigung der Lungenfunktion führt. Der insbesondere für Lungenwurmbefall (verursacht durch den sog. Großen Lungenwurm) charakteristische, aber auch bei Pasteurelleninfektionen auftretende, trockende Husten ist seltener zu beobachten.

Beim Hüten bleiben die Schafe hinter der Herde zurück, hecheln bei vorgestreckter Zunge (Bild 1) und legen sich mit gestrecktem Hals und weit geöffneter Maulspalte nieder. Im Finalstadium, welches aufgrund der Kreislaufbelastung schon bei den geringsten körperlichen Belastungen plötzlich zum Tode führen kann, tritt Schnappatmung auf (Bild 2). Bei der Sektion betroffener Schafe wird häufig festgestellt, dass sich das Gewicht der Lunge aufgrund der entzündlichen Prozesse mehr als verdoppelt hat (Bild 4).

Texelschafe , Milchschafe und Kamerunschafe gelten als besonders gefährdet. Immer wieder trifft der Schafgesundheitsdienst in Herden mit unbekanntem Status auf MAEDI-infizierte Schafe (Bild 3), die im Vorbericht aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes von den Tierbesitzern irrtümlicherweise als parasitär belastet und „Therapie-resistent"„ eingestuft werden.

Retroviren führen beim Schaf auch zur sog. Lungenadenomatose und zu infektiösen Nasentumoren; beide Erkrankungen wurden in den letzten Jahren auch in mehreren Beständen in NRW vom Schafherdengesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen diagnostiziert.

2010 beteiligten sich 28 Texel-, 14 Milchschafherdbuchbetriebe und 2 Betriebe anderer Rassen an dem freiwilligen Maedi-Sanierungsprogamm in Nordrhein-Westfalen, wobei jeweils 859, 320 bzw. 54 Schafe im Alter von über 6 Monaten in die serologischen Untersuchungen einbezogen wurden. Die serologischen Untersuchungen erfolgten vorzugsweise im Staatl. Veterinäruntersuchungsamt Arnsberg. Bei einzelnen, unklaren serolgischen Befunden in unverdächtigen Beständen wurde zusätzlich das Nationale Referenzlabor für Maedi-Visna, das Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald (Insel Riems) mit den Nachuntersuchungen beauftragt.

Der Status „ Maedi-unverdächtig“, der u. a. erreicht wird, wenn alle über 6 Monate alten Schafe des Bestandes dreimal im Abstand von 6 Monaten mit negativem Resultat blutserologisch auf Maedi/Visna untersucht werden, berechtigt u. a. zur Teilnahme an den jährlichen Absatzveranstaltungen der Rassen Texel und Ostfriesisches Milchschaf der Schafzüchtervereinigung Nordrhein-Westfalen.

Diese Auktionen finden mittlerweile auch Resonanz bei Herdbuchzüchtern anderer Bundesländer, deren Tiere dann den gleichen Maedi-Status nachweisen müssen. Auch Halter anderer, weniger anfälliger Rassen bzw. Zuchtrichtungen (u. a. Dorper, Kerry-Hill, Nolana-Haarschafe) zeigen in letzter Zeit Interesse an einer Statuserhebung, da bei in- und ausländischen Verkäufen die „ Maedi-Unverdächtgkeit“ der Herden zunehmend gefordert wird.

Autor: Dr. Wilfried Adams